Satellite
  • Day4

    Strange Singapore

    July 18 in Singapore ⋅ ⛅ 28 °C

    Singapur ist eine sehr schön, aber auch sehr merkwürdige Stadt. Sie ist geprägt von vielen Gegensätzen, über die wir uns immer wieder wundern. Unseren Eindruck wollen wir in diesem Footprint festhalten.

    Als erstes fiel uns auf, dass die Geräusche an Ampeln und in der Bahn und auch sonst an vielen Orten wie der Sound in einem 8-Bit-Videospiel klingen. Ich fand das immer wieder sehr witzig.

    Das Leben in der Stadt ist geprägt von strengen Regeln, an die sich offensichtlich wirklich alle halten.
    - Beim Einsteigen in die Bahn soll man links und rechts der Türen warten. Dafür gibt es extra gekennzeichnete Bereiche, um den Platz zum Aussteigen frei zu halten.
    - Kein Essen und Trinken in der Bahn oder auf den Bahnsteigen. Auf den Boden spuken ist genauso verboten, wie Müll oder Zigaretten fallen lassen.
    - Rauchen ist generell überall verboten, außer in speziellen, kleinen Raucherbereichen.

    Das Ergebnis dieser Regeln ist, dass alles unglaublich sauber und aufgeräumt ist. Gleichzeitig wird alles in tausend Plastiktüten verpackt. Man bekommt nicht einfach ein Brötchen in einer Tüte, nein, jedes Brötchen wird einzeln verpackt und dann nochmal alle zusammen. An einem Abend haben wir etwas bei McD gekauft. Bekannterweise kommt das Essen in eine Papiertüte, hier wird aber alles nochmal in eine Plastiktüte zusätzlich eingepackt. Sogar der Getränkebecher! Umso erstaunlicher ist es, dass praktisch kein Müll auf der Straße oder den Fußwegen herum liegt. die Mülleimer sind in einem gepflegten Zustand und werden anscheinend mehrmals täglich geleert. Die Leute hier legen sehr viel Wert auf diese Ordnung und Sauberkeit. Da passt es auch ins Bild, dass wir an keiner Bahn Graffiti oder zerkratzte Scheiben gesehen haben - unvorstellbar in Deutschland. Alles sieht aus wie neu und wird regelmäßig geputzt und gereinigt. In der Bahn hängt sogar ein Schild für einen Whatsapp-Kontakt, wenn man eine Unsauberkeit oder einen Defekt melden möchte! Service per Whatsapp - da könnte sich die Deutsche Bahn echt mal ein Beispiel nehmen. Wir waren von all dem sehr beeindruckt und positiv überrascht. Die Elbwiesen in Dresden liefern da leider ein ganz anderes Bild.

    Gleichzeitig wirkt die Stadt dadurch fast etwas steril und charakterlos. Man gibt sich sehr viel Mühe auf den Glanz und die Bedeutsamkeit aller Dinge hinzuweisen. In Singapur fühlt man sich jeden Tag ein bisschen wie im Freizeitpark. Überall blinkt und leuchtet es, es gibt Lasershows und Musik an vielen Gebäuden und in den Parks. Man merkt, das hier viel auf den Tourismus ausgerichtet ist.

    Elektromobilität ist hier schon etwas weiter als bei uns. Sehr viele Menschen sind mit E-Rollern unterwegs und viele Autos, vor allem Taxis, haben einen Elektromotor. Außerdem herrscht Linksverkehr. Beim Überqueren der Straße kann man sich daran gewöhnen, aber auch auf dem Fußweg geht man auf der anderen Seite, stellt sich andersherum an und läuft links aneinander vorbei. Das habe ich bisher noch nicht auf die Kette bekommen und wenn wir das hier weiter üben, werde ich sicher in Deutschland in jemanden rein laufen, weil ich links vorbei will...

    Erstaunlich ist auch, dass es in Singapur quasi keine Mücken gibt oder generell Insekten, obwohl die schwüle Wärme und das stehende Gewässer dies eigentlich begünstigen sollten. Jedenfalls waren wir sehr froh darüber!

    Dass Asiaten kleiner sind als Europäer, hat sich auch wieder gezeigt. Alles ist für kleine, schlanke Menschen gebaut: Türen, Treppenhäuser, Busse und Bahnen. Tatsächlich haben wir so gut wie keine dicken Asiaten gesehen und durch so manche Poller auf den Fußwegen würden dicke Menschen auch gar nicht durch passen, so eng wie die stehen! Die Sitzplätze im Bus waren für uns generell zu kurz und die Deckenhöhe in den öffentlichen Verkehrsmitteln sowieso zu niedrig. Immerhin das Bett war lang genug.

    Ein schöner Fund war auch der Pizza-Automat im Zoo. Mal schnell eine Pizza ziehen gegen den kleinen Hunger. Haben wir aber nicht ausprobiert.

    Die Sprache in Singapur ist ein lustiger Mix aus Englisch, Chinesisch und Indisch. Alles ist dreisprachig ausgewiesen und die Leute reden teilweise auch einfach durcheinander. Mit meinen 4 Semestern Chinesisch habe ich dennoch nur jedes zehnte Wort verstanden. Xièxiè - danke!

    Zu guter Letzt sind uns noch die unzähligen Klimaanlagen aufgefallen. Natürlich waren wir über ihre Anwesenheit sehr froh, denn draußen war es teilweise sehr feucht-warm und dadurch etwas unangenehm. Drinnen dagegen wird ordentlich gekühlt und teilweise fror man sogar - vor allem in der Bahn fand ich es zu kalt. Die großen Einkaufsmeilen kühlen so stark, dass es sogar auf der Straße davor angenehm kühl ist. Ein bisschen weniger würde auch reichen. Auch in jeder Wohnung gibt es eine Klimaanlage. Das Ergebnis all dessen ist, dass auf der Rückseite der Gebäude tausend Klimageräte hängen und neben den Einkaufscentern große Kühlgebäude stehen, die alle zusammen einen Höllenlärm machen und dafür sorgen, dass ein stetiges Dröhnen in der Stadt zu hören ist. Nach einiger Zeit fällt es gar nicht mehr auf, aber wenn man darauf hört, ist es schon eine ziemliche Lärmbelastung und ich bin froh, dass es bei uns in Deutschland nicht nötig und dadurch wesentlich ruhiger ist.
    Read more