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  • Day17

    Dunkles Brötchen zum Frühstück

    October 17 in Portugal ⋅ ⛅ 20 °C

    Eine sehr gute Unterkunft hatte ich in „Aveiro“ gefunden. Die Stadt, die in verschiedenen Reiseführern als das „Venedig Portugals“ bezeichnet wird. Aber diese Bezeichnung halte ich dann doch für stark übertrieben: Es gibt 3 Kanäle mit insg. 8 bunten Booten (ich habe gezählt).
    Es ist ein alter Fischerort, der sich diesen Charakter in der kleinen Altstadt auch noch bewahrt hat. Nett.
    Nach einem ausgiebigen Spaziergang landete ich dann in einem dem kleinen Fischmarkt angeschlossenen Restaurant. Was soll ich sagen? Es war hervorragend!

    In den südeuropäischen Ländern, und auch bereits in Frankreich, ist das Frühstück immer von Weißbrot geprägt. Mal weich, mal kross (Baguette), aber immer weiß. Da sind wir in Deutschland, dem „Brotweltmeister“ mit über 3.100 Brotsorten, wirklich verwöhnt. Doch heute Morgen, nach zwei Wochen Abstinenz vom dunklen Mehl, die Überraschung: Dunkle Brötchen zum Frühstück! Das wird ein guter Tag!

    Ich bestieg die Maschine, startete das sofort dröhnende Triebwerk, drehte den Song „The Road to Hell“ voll auf und schob den ersten Gang mit einem lauten „Klack“ rein. Dann fuhr ich hinein in die Morgendämmerung.............

    Ich erreichte „Óbidos“, eine der schönsten Städte Portugals. Seit König D. Dinis sie seiner Frau D. Isabel im 13. Jahrhundert schenkte, gehörte sie zum „Casa das Rainhas“ (Vermögen der Königinnen). Davon profitierte die Stadt, die auch mal römisch war. Innerhalb der Stadtmauern gibt es eine sehr gut erhaltene Burg und ein Labyrinth aus engen Straßen und weißen Häusern, die mich sofort bezaubern. Die hübschen Vorbauten, blumengeschmückten Fenster und kleinen Plätze stammen aus dem goldenen Zeitalter der Stadt.
    Natürlich musste auch ich darin herum klettern, die Stimmung genießen und den Straßenmusikern lauschen.

    Später fuhr ich dann auf die „Estrada Atlantica“, eine nur 13 km lange Straße durch Dünen und Pinienwälder. Eigentlich ein Traum, doch hatte ein Waldbrand vor wenigen Jahren das gesamte Gebiet zerstört, und die Natur wird wohl noch ein paar Jahrzehnte brauchen, um sich zu erholen. Trotzdem schwer beeindruckend!

    Auf dem Parkplatz spricht mich ein „Schwarzer“ in astreinem Hamburger Slang an, ob ich wirklich aus Berlin käme. Deutsche Worte hier, am Ende Europas? Wie sich herausstellte, ist er Portugiese, der eine Hamburgerin heiratete und nach dort umsiedelte. Jetzt besucht er seine Familie. Von ihm erfahre ich, dass es mit Portugal seit der Krise 2008 nur langsam bergauf ginge. Der Staat sei pleite, das Gesundheitswesen am Boden, Lehrer bekommen kein Gehalt, etc. etc. Deutschland sei VIEL besser!
    Wir quatschten noch ein wenig, dann fuhr ich weiter und dachte erneut so bei mir: Wir haben es in Deutschland gut!

    Uwe schrieb, dass ich wegen extra hoher Wellen nach Nazaré fahren soll. Gute Idee, lässt sich aber vielleicht noch toppen in „Peniche“. Dort fahre ich jetzt hin und werde dort auch morgen noch bleiben. Das hat einen Grund, doch dazu morgen mehr...

    Erkenntnis des Tages:

    3.000 km Luftlinie von Deutschland entfernt begegne ich einer unserer sehr ähnlichen Kultur und super freundlichen Menschen. Wir sind in Europa zusammengewachsen und gehören mittlerweile zusammen. Ich fühle mich als Europäer und möchte niemanden unterstützen, der den „D-Exit“ möchte. Die Briten machen einen riesigen Fehler .... in meinen Augen.
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