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  • Day305

    Glückstag

    June 7, 2020 in Germany ⋅ ⛅ 14 °C

    Um 06.30 lege ich in Wernfeld ab und biege in den Main ein. Vorher hatte ich noch mal im AIS System nachgeschaut ob ich mich an ein Berufsschiff dran hängen kann, aber es ist weit und breit kein Schiff zu sehen, das in meine Richtung fährt. Also will ich mal hoffen, dass ich an den Schleusen nicht zu lange warten muss.
    Die Fahrt ist wieder wunderschön, die Vögel zwitschern, die Reiher halten nach Beute Ausschau und die Gänse plärren laut als wenn sie mich verscheuchen wollten. Und um die Idylle perfekt zu machen, plätschert der Regen leise auf die Sprayhood und natürlich auf mich. Hatten die im Wetterbericht nicht geringe Schauerneigung vorausgesagt? Wahrscheinlich wieder in der Sahara.
    Da kommt schon die erste von 5 Schleusen, die heute eventuell vor mir liegen, je nachdem wie gut ich durchkomme. Über Funk begrüße ich den Schleusenmeister sehr freundlich, immerhin muss er ja Sonntag arbeiten und auf seine ebenfalls freundliche Antwort, bitte ich sehr vorsichtig um eine Schleusung zu Berg. Als er hört, dass ich nur 1 Kilometer vor der Schleuse bin, sagt er, na dann gib mal Gas, ich hab schon auf grün gestellt. Als ich um die Kurve komme, sehe ich, dass die Ampeln tatsächlich grün leuchten. Also kein Berufsschiff drin und ich werde ganz allein geschleust in der 300 m langen Schleuse. Ich lege etwa in der Mitte an und komme mir sehr klein vor. Alles klappt bestens, ist ja auch kein Wunder ohne Schwell und Wirbel. Schon schließt er das Tor und es geht aufwärts. Als ich oben aus der Schleuse rausfahre, funkt er mich an. Oh Gott, was ist passiert oder was habe ich falsch gemacht? Noch nie sind wir nach der Schleuse angefunkt worden. Ich melde mich und er meint ob ich in Karlsstadt bleibe oder noch weiter fahre? Nein antworte ich, eigentlich wollte ich bis Würzburg, je nachdem wie gut ich durch die Schleusen käme. Seine Antwort, dann ist es ja gut, dass er Dienst hat, so etwas zu tun hat und er mich so schnell durch die nächsten bringen könne. Wir hören uns ja dann wieder. Ich bin total baff und bin gespannt wie er mir helfen will.
    Auf dem Weg zur nächsten Schleuse begegnet mir nur ein einziges Berufsschiff und als ich mich ca 1 km vor der Einfahrt melde, sagt er, dass er schon gewartet hätte, die Kammer sei bereit und grün hätte er auch schon geschaltet. Es ist wie er sagt und ich werde wieder allein geschleust und so läuft es bei allen 5 Schleusen, selbst Würzburg, bei der ich mehr Verkehr erwartet hatte, habe ich für mich alleine. Solche tollen Schleusungen hab ich noch nie erlebt und alles verläuft reibungslos.
    Auf diese Weise erreiche ich mein Etappenziel bereits um 14.00 Uhr und mache das Schiff gleich nach der Einfahrt zum Hafen Eibelstadt am schrägen Steg vorn fest, genau so wie es der Hafenmeister beim Telefonat gesagt hatte. Kontrolliere wieder den Motor und die Bilge, aber es ist alles ok. Dann gehe ich einklarieren. Stolze 12 € nehmen sie hier, ohne Toiletten, Dusche, Strom und alles andere sei auch geschlossen. Nun gut, dafür kann ich ruhig schlafen und muss nicht irgendwo ankern und Angst haben, dass mich ein großer Pott überrollt. Ein Wohnmobilstellplatz ist auch mit angegliedert und relativ stark belegt. Ach so und das Restaurant ist auch noch geschlossen, schließlich sind wir hier in Bayern. Ich wollte gerade entgegnen, dass ich schon ein wenig durch Bayern fahre und in anderen Häfen sind viele Dinge schon wieder geöffnet. Aber ich lasse es, denn er hat ja recht, wir sind hier in Bayern und hier macht jeder was er will. Es gibt hier auch Häfen, die haben gleich gesagt, dass sie 2020 ganz geschlossen lassen. Gut, so geht man allem aus dem Weg. Bayern halt. 😊😉
    Dann lese ich im Internet, dass Wolfsburg in Bremen gewonnen hat und so ist der Tag doch rundum als Glückstag zu bezeichnen. Telefoniere noch mit Menno, koche mir etwas zu Essen und nun fallen mir schon die Augen zu.
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