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  • Day306

    Marathon

    June 8 in Germany ⋅ ☁️ 17 °C

    71 Kilometer, 11 Stunden und 8 Schleusen habe ich heute zwischen 06.00 und 17.00 Uhr hinter mich gebracht. Eigentlich war das so überhaupt nicht geplant, aber ich hatte fantastische Schleusenwärter, die mir geholfen haben und mir Übernachtungsplätze empfohlen haben. Den ersten erreichte ich in dem Stück Mainkanal aber bereits um 12 Uhr, der war auf ca 2km rechts und links mit Kaimauern versehen und eigentlich für die Großschifffahrt gebaut. 3 Stunden später an diesem Ort und ich hätte übernachtet, so habe ich ihn zu einem Zwischenstopp für Essen, Tanken und Toilettengang genutzt.
    Die nächste Empfehlung war dann Schweinfurt und als ich dem Schleusenmeister sagte, dass ich versuchen will, das zu erreichen, meinte er nur, na dann hau rein, ich informiere die nächsten Schleusen, damit du nicht lange warten musst. Es hat wunderbar geklappt, nirgends musste ich warten, bis auf die letzte Schleuse Schweinfurt selbst, da war der Talfahrer noch in der Schleuse und ich hatte doch tatsächlich einen Aufenthalt von etwa 15 Minuten. Und nach der Schleuse war dann auch der Stadtanleger gleich an Backbord, wie es der Schleusenwärter gesagt hatte und noch zusätzlich bemerkte, wenn du an der Brücke bist, dann bist du schon zu weit! So bin ich also gleich nach der Schleusenausfahrt links abgebogen und habe den Stadtanleger sofort gesehen und auch 3 Schiffe, die dort schon lagen. Eins davon auch ein Segler, ein Stahlschiff, natürlich mit gelegtem Mast und etwa 2 m länger und auch etwas breiter als meins. Direkt vor einem Biergarten und alles schaute sich mein Anlegemanöver genüsslich an. Als ich alles vertäut hatte, lernte ich Susanne und Uwe von der Esmeralda II kennen. Wir tranken einen Anleger und kamen dabei ins Gespräch. Susanne ist aus Schweinfurt und hat Uwe, aus Berlin-Köpenick, vor etwa 4 Jahren kennengelernt und so sind sie zusammen schon eine ordentliche Strecke gesegelt. Uwe lebt seit etwa 20 Jahren auf dem Schiff und ist auch nicht mehr in eine Wohnung zu bringen. Da Susanne noch arbeiten muss, haben sie sich momentan arrangiert und liegen hier im Hafen, Susanne kann in ihre Wohnung, wann immer sie will und Uwe ist auf dem Schiff.
    Dann bin ich zurück auf meins und habe erst mal klar Schiff gemacht, dann habe ich bei der Hafenmeisterei angerufen und die Dame sagte, alles ok, ich komme eh jeden Abend im Hafen vorbei, dann können sie nachher bezahlen. So ein Mist, ich dachte doch glatt, der Stadtanleger sei kostenlos, so wie in Miltenberg. Als ich das Uwe erzählte, hat er sich ausgeschüttet vor Lachen und mir dann gesagt, dass ich hier in Unterfranken unter bayerischer Verwaltung bin und da macht jeder was er will und alles ist hier sauteuer. Er darf hier auch nicht über Winter im Hafen liegen, obwohl der nie zufriert. Er muss also im Winter einen Platz an Land haben und im Frühjahr legt er das Schiff wieder in den Hafen. Inzwischen haben sie auch Sonderkonditionen und müssen nicht mehr ganz so viel bezahlen, aber teuer ist es immer noch. Ich muss dann später an die Dame 20 € berappen für 2 Nächte, denn da es Dienstag und Mittwoch regnen soll, will ich nur einen Tag nass werden und fahre am Mittwoch weiter. So kann ich den Dienstag für Einkauf und Tanken nutzen.
    Dann laden mich Susanne und Uwe zum Grillen ein, denn Susanne war einkaufen und hat auch für mich Steak und Nürnberger Rostbratwürstl mitgebracht. So sitzen wir gemütlich beim Essen auf ihrem Schiff und trinken das eine und andere Bierchen, das ich aus dem Biergarten hole, bis der dann um 21.00 Uhr schließt. Ich kann es kaum glauben, dass in Bayern ein Biergarten so früh schließt, die Bedienung meint nur, Corona. Ach ja, stimmt ja.
    So sitzen wir noch bis etwa 22.00 Uhr zusammen, aber dann fallen mir immer wieder die Augen zu. Als ich schlafen gehen will, meint Susanne, dass wir dann morgen mit ihrem Auto zum Einkaufen und Tanken fahren, dann müsse ich die Sachen nicht so weit schleppen. Dagegen sage ich lieber nichts und verziehe mich auf mein Schiff.
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