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  • Day421

    Amazonas, Colombia (Suti)

    July 26, 2018 in Colombia ⋅ ⛅ 29 °C

    16. - 26. Juli 2018

    Die Ankunft in Leticia beginnt mit einer Enttäuschung. Das Hostel La Jangada ist von einem herzigen Häuschen in ein 0815-Gebäude umgezogen und nicht mehr im Besitz des Schweizers, welcher mit einem selbstgebauten Veloboot den Rio Amazonas befahren hat.
    Zudem ist Leticia nicht gerade eine Schönheitskönigin; der Sonnenuntergang vom Kirchturm aus beobachten ist dennoch spektakulär, denn um diese Zeit kommen tausende Vögel zurück in die Bäume des Parks. Sie regnen regelrecht vom Himmel.

    Weil die brasilianische Grenze nur fünf Minuten zu Fuss vom Hostel entfernt ist, statte ich einen kurzen Besuch ab, um ein paar Souvenirs zu kaufen.

    Ok, gekommen bin ich ja nicht für die Stadt, sondern für den Dschungel. Mit dem Schweizer Christian und den zwei einheimischen Guides Juan und Marcos plane ich eine 4-Tagestour tief in den Amazonas. Mit Gummistiefel, Hängematte und Proviant starten wir 20 km ausserhalb der Stadt. Unterwegs kaufen wir noch Mambe - ein Pulver aus Kokablättern gemischt mit anderen Blättern - damit weder Hunger noch Ermüdung uns verlangsamen können. Während zwei Tagen dringen wir immer tiefer in den dichter werdenden Primärwald ein. Ab und zu sehen und hören wir Affen und Vögel, diese sind aber sehr scheu. Die Nächte sind erfüllt mit unzähligen Geräuschen. Hören wir Stimmen und Gesänge? Sind das die Waldgeister, von denen uns die Guides am Lagerfeuer lebhaft erzählt haben? Heil erreichen wir das Haus von Marcos Vater am Rio Calderón. Hier bleiben wir einen Tag lang und vertreiben die Zeit mit Schwimmen, Fischen, Hühner schlachten lassen und den Wald bei Tag und Nacht durchstreifen. Wir entdecken sogar blau schimmernde Pilze. Zurück geht es die 25 km in 8h am Stück. Es war schön, ein vom Menschen (noch) nicht zerstörten Regenwald zu erleben!

    Am nächsten Tag gehts gleich auf die nächste Tour: drei Tage in einem indigenen Dorf namens Loma Linda (was schöner Hügel bedeutet).
    Empfangen werde ich von Oscar. Er zeigt mir das kleine Dorf, welches 1994 von seinem Vater Don Fernando gegründet wurde. Stolz zeigt er mir die Solaranlage, die eigene Grundwasserquelle, den Fussballplatz und die Schule und erzählt mir vom Leben zwischen dem Rio Amazonas und dem Regenwald. Beim Mittagessen treffe ich die anderen Gäste: eine Familie aus Deutschland, die deutsche Voluntärin Janine, Sabrina aus London und Dominik aus der Schweiz. Zusammen schlagen wir ein Zeltlager im Dschungel auf. Auf der anschliessenden Nachttour sehen wir Vogelspinnen, Skorpione und Frösche. Begleitet werden wir leider von unzähligen Stechmücken.
    Nach dem reichhaltigen Frühstück verbringen wir den Tag auf dem Rio Amazonas. Zuerst beobachten wir graue und pinke Delfine, dann fischen wir das Mittagessen und dann baden wir im Fluss und chillen am Strand. Aufgrund der stechenden Fliegen ist jedoch Bewegung angesagt. Wir starten spontan einen Wettkampf mit Speerwerfen, Seilziehen und weiteren Games. Zum Abschluss gibts eine weitere Nachttour mit nachtaktiven Affen und einem Zitteraal. Am nächsten Morgen zieht die Gruppe weiter und ich mache mich mit Alberto nochmals auf eine 4-stündige Entdeckungstour in den Dschungel. Er erzählt mir viele Geschichten und Mythen der indigenen Bevölkerung und zeigt mir unzählige Heilpflanzen.
    Dann heisst es Abschied nehmen: Danke Don Fernando, Oscar, Roberto und Alberto für die unglaubliche Gastfreundschaft und die unvergessliche Zeit!!

    Die letzten zwei Tage verbringe ich im autofreien Puerto Nariño. Die halbzahmen Totenkopfaffen und die zwei Papageie machen die etwas abgelegene Unterkunft zu einer einmaligen Entspannungsoase.

    Auf meinem Weg zurück nach Bogotá entscheide ich mich spontan, Sabina in Villa de Leyva zu besuchen. Das bedeutet in 12h von 100 auf 2100 M.ü.M mit folgenden Transportmitteln: Panga mit Polizei, Lancha rapida, Pequepeque, Motorrad, Flug, Taxi und Bus.

    Memories: Vogelspinnen im Garten; Puerto Nariño, im ganzen Dorf gibt es keine Bananen und nur eine Ananas zu kaufen; Riesige Seerosen, den Riesenfisch Pirarucú und Schildkröten im Parque Agroturistico Wochine gesehen; Fazit: ca. 85km zu Fuss durch Amazonas gewandert, fast ganze Länge des kolumbianischen Teils des Rio Amazonas bereist.
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