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  • Day18

    Schneekappe

    July 18 in Norway ⋅ ☁️ 18 °C

    Da wir vor zwei Tagen fünf Kilometer weiter gegangen waren, als die ursprüngliche Etappe vorsah, lagen heute nur etwa zwölf Kilometer vor uns. Um nicht schon Mittag in der nächsten Unterkunft zu sein, entschieden Philipp und ich, einen Abstecher zum Snøhetta Viewpoint zu machen. Der lag etwas über fünf Kilometer vom Reiterhof entfernt. Wir konnten die Rucksäcke auf dem Reiterhof lassen, da wir wieder hierher zurück mussten. Lisa und Melanie, beide kannte Philipp bereits von seiner Reise, sind gestern noch zu uns gestoßen, waren von der letzten Etappe noch so platt, dass sie die heutigen zwölf Kilometer gern ohne Extrarunde angingen.
    Der Weg zum Viewpoint war nicht spektakulär und führte hauptsächlich über eine Schotterstraße. Dafür entschädigte der Ausblick für den eintönigen Weg umso mehr. An dem Aussichtspunkt war eine "Hütte" mit Glasfront in Richtung Snøhetta. Über dem schneebedeckten Berg lag leider eine Wolke, sodass man den Gipfel nicht sehen konnte. Im Tal davor soll es Moschusochsen geben. In der Hütte stand ein kleines Fernrohr. Es war so eingestellt, dass man tatsächlich etwas sehen konnte, was wie ein liegender Ochse aussah. Oder wie ein toter Ochse. Oder wie etwas anderes braunes, großes Felliges. Egal - für mich war es ein Moschusochse.
    Dann gingen wir zurück und trafen an der Eystein Kirke Melanie und Lisa wieder. Sie hatten es heute sehr ruhig angehen lassen.
    Wir wünschten uns gegenseitig einen guten Weg und Philipp und ich gingen zurück zum Pferdehof. Wir hatten nun bereits gute zehn Kilometer in den Beinen und es war Zeit für ein Kaffeepäuschen.
    Danach schnappten wir unsere Rucksäcke und es ging los. Die zwölf Kilometer verteilten sich sehr gleichmäßig auf zweimal hoch und wieder runter. Landschaft und Ausblicke waren wieder sensationell. Philipp und ich laufen ja nun schon einige Tage miteinander und die Gespräche werden langsam persönlicher. Auch interessanter und nix für den Blog. Aber die Zeit verging recht schnell. Wir machen heute keine weitere Pause und kamen kurz nach fünf in der Unterkunft an. Das ist eigentlich ein Hotel mit sehr gutem Restaurant. Das Pilgergeschäft läuft so nebenbei und dies spürte man auch irgendwie beim Einchecken. Lisa und Melanie waren ebenfalls gerade an der Rezeption. Die 16 Pilgerbetten waren ausgebucht und mit ein bisschen Gemauschel haben wir es geschafft, uns ein Vierbettzimmer zu teilen. Die Abendkost fiel im Vergleich zum Restaurantsangebot bei uns wieder sehr karg aus. Besonders Philipp's Proviantbeutel gab nur noch eine Tütensuppe, zwei Teigfladen sowie eine Scheibe Käse und eine Scheibe Schinken her. Gepimmt wurde dies mit Lisa's Barbecue-Sauce und 'nem Ei von mir. Doch so ist wohl das Pilgerleben. Morgen hat er das Frühstück mit Lunchpaket gebucht - dann ist die Pilgerwelt wieder in Ordnung.
    Lisa zeichnet sehr gern (auch beruflich) und finanziert sich über selbstgemalte Postkarten vom Olavsweg ein Stück weit diese Reise.
    Melanie ist insgesamt etwa drei Monate in Norwegen. Nach dem Olavsweg möchte sie noch auf einer Pferdefarm arbeiten und sich so den Aufenthalt hier finanzieren.
    Jetzt liegen wir in unseren Betten und hängen mehr oder weniger an unseren Handy's. Außer Lisa - sie zeichnet.

    PS Meinem Hintern geht es übrigens nach dem gestrigen Reitausflug sehr gut ;)
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