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  • Day38

    Unverhofft kommt oft.....

    August 1, 2018 in the United States ⋅ ⛅ 31 °C

    Hanno schreibt:

    Heute nehmen sich Bernd und ich zwei Sektionen der BDR vor. Insgesamt gut 300 Kilometer. Vom Navi vorgeschlagene Zeit (ich bin lernfähig 😉): gut 9 Stunden. Ist ambitioniert, aber machbar. Franz fährt Straße.

    Nach gutem Frühstück (Erdbeer-Pancakes, Eier und Bacon) geht’s los. Auf prima Teer windet sich eine kleine Straße den Berg hoch. Oben gibt’s tolle Ausblicke auf die, uns aus den Vortagen bereits bekannten, schneebedeckten Vulkane Mt. Adams und Mt. Rainier. Hier oben ist sehr viel toter Wald. Hat es da gebrannt? Ich weiß es nicht.

    Mittlerweile ist der Teerbelag zu Ende. Die Straße ist durchwachsen: mal gut, mal weniger. Aber nicht so fies wie gestern. Plötzlich: ein Teil des Berges ist abgerutscht; in das Geröll ist der fehlende Teil der Straße neu geschoben worden: aber wie! Vier- oder fünfmal nacheinander geht es mehrere Meter steil in die Tiefe, direkt danach mehrere Meter SEHR steil, mit Absätzen darin, nach oben. Also: beim Weg nach unten unbedingt Schwung für den Aufstieg mitnehmen! Wer unten in der Senke stehenbleibt, hat verloren! Wir schaffen das! 👍💪
    Nach wiederum starkem Geschüttel durch steinige Strasse und starke Auswaschungen tanken wir in Wenatchee und haben mittags, auch durch viele Foto- und Sehpausen, erst ein Drittel des Weges geschafft.

    Es beginnt wieder ein zackiger Anstieg über ca. 20 Kilometer. Plötzlich: ein Knall; mein Motorrad eiert um die nächste Kurve. Der Hinterreifen (der neue!) ist platt. Die Reparatur sollte kein Problem sein. Ist sie aber doch: in den Reifen hat sich ein fingerdickes Holzstück gebohrt; wir zweifeln angesichts des großen Loches, ob unsere Vor-Ort-Reparatur funktionieren kann. Die Erkenntnis: sie funktioniert nicht. Einen Schlauch, den wir einziehen könnten, habe ich nicht. Schnelle Entscheidung: ich demontiere das Rad und fahre damit mit Bernds Motorrad zurück nach Wenatchee und versuche, irgendwas zustande zu bringen. Bernd macht derweil, mutterseelenallein in der Wildnis, Mittagsbubu.

    Ich habe großes Glück: Nach dem Abstrahlen des Rades (Ihr erinnert Euch: es ist durch den Defekt des Antriebs völlig verölt) werde ich über zwei Stationen zur Motorradwerkstatt „Bikertown USA“ geleitet.
    Die Jungs dort wissen wirklich, was sie tun. Nach anfänglichem Sträuben („we don‘t repair motorbike tires, it’s too dangerous“) erkennen sie meine Notlage und setzen den Reifen absolut professionell instand: mit „Pflaster“ innen im Reifen und zusätzlich mit einem eingezogenen Schlauch. Nebenbei: eine derart aufgeräumte Werkstatt, bei der wirklich jedes Werkzeug an seinem Platz liegt, habe ich noch nie gesehen. Die Jungs freuen sich über mein Lob.

    Nach zweieinhalb Stunden bin ich wieder beim mittlerweile ausgeschlafenen Bernd. Das Rad ist schnell montiert. Allerdings kürzen wir unsere Tour ab und fahren per Highway nach Chelan, wo Franz auf uns wartet. Chelan liegt landschaftlich schön an einem See; Bilder schicke ich aber nicht, weil die ganze Gegend wegen der umliegenden Wildfire unter einer dichten Rauchglocke liegt.

    Gute Nacht! Morgen fahren wir den für uns letzten Teil der BDR, dann geht’s nach Kanada!
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