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  • Day40

    Boldly go, where no one has gone before

    August 3, 2018 in Canada ⋅ ⛅ 21 °C

    Hanno schreibt (seinen letzten Bericht der Reise):

    Bernd hat einen schönen Weg für uns nach Vancouver ausgesucht: völlig ohne Autobahn geht’s durch viele Städte, aber doch flüssig, zum Ziel. Unterwegs machen wir Halt an einer Waschanlage und verbringen dort eine Stunde mit dem Reinigen der Motorräder, damit die wieder ins Flugzeug ✈️ dürfen. Gegen 14.00 Uhr erreichen wir unser Hotel direkt am Flughafen. Die nächsten Tage werden wir mit einer Sightseeingtour durch Vancouver und dem Abgeben und Verzurren der Motorräder auf den Transportpaletten verbringen. Dann geht’s mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück nach Europa.

    Ich habe mit meinen Freunden eine unglaubliche Tour quer durch die USA 🇺🇸 beendet. Dass es unfassbare 12.913 Kilometer, davon bestimmt 2/3 auf unbefestigten Strecken, werden, habe ich mir vorher nicht vorstellen können. Ich habe vieles erfahren: eine Tour durch die ländlichen Bereiche der USA, die man aus den Spielfilmen, Soaps und Städtereisen nicht kennenlernt. Ich habe ein riesiges und landschaftlich ungemein schönes und abwechslungsreiches Land gesehen.

    Ich habe aber auch einige Probleme dieses Landes gesehen: die Tatsache, dass deren Bewohner mit der Größe des Landes verschwenderisch umgehen, indem alte Sachen, egal was, auf den Grundstücken stehengelassen werden: es ist ja Platz genug da. Zu einem sehr großen Teil sind die Lebens- und Wohnverhältnisse auch nicht mit denen in Deutschland vergleichbar: sie sind deutlich einfacher.
    Ich habe aber auch eine große Vielzahl von netten, interessierten und hilfsbereiten Menschen kennengelernt, die sich immer nach uns und unserer Tour erkundigten. Diese Art, so glaube ich, findet man in Deutschland so flächendeckend nicht.

    Vor allen Dingen habe ich eine phantastische Motorradreisen mit drei Mitfahrern, die, jeder für sich, tolle Menschen sind, gemacht.

    Ich glaube, sagen zu können, es war DIE Reise meines Lebens. Mein großer Dank gilt denen, die sie mir ermöglicht haben: meiner lieben Frau Ulrike, meiner Familie, meinen beiden Geschäftspartnern Stefan und Thomas, sowie meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die alle so lange auf mich verzichtet haben.

    Ich bedanke mich auch bei denjenigen, die über dieses Medium unsere Reise begleitet und „mitgefiebert“ haben.

    THIS IS THE END.

    Abschließend möchte ich noch einige Erfahrungen über unsere Ausrüstung wiedergeben; vielleicht können sie für jemanden, der auch eine ähnliche Tour machen möchte, nützlich sein.

    MOTORRAD: wie wir gesehen haben, kann diese Tour auch mit Dickschiffen (1200ern) gemacht werden. Das wird im Internet oft abgestritten. Klar ist aber: eine 600er lässt sich leichter aufheben als eine 1200er. Und aufheben müsst Ihr sie. Garantiert. Oft.

    Ich habe meine 29 Jahre alte 100GS, von HPN veredelt, gefahren. Ich halte sie immer noch für das absolut beste Motorrad für eine solche Reise: gewichtsmässig gerade noch erträglich, lange Federwege, große Bodenfreiheit, mit einem „sanften“ Motor, der ab Leerlaufdrehzahl ALLES mitmacht, robust, ohne jegliche Elektronik. Die Leistung einer aktuellen 1200er braucht kein Mensch im Gelände; das Ballern und Gehacke eines Einzylinders mag ich nicht.

    BEKLEIDUNG: ich bin mit meinem Enduroanzug bestens zurechtgekommen. Strapazierfähig, ausreichend belüftet. Ganz wichtig: Enduro- bzw. Crossstiefel. Wer eine solche Tour mit Lederstiefeln macht, handelt fahrlässig. Merke zur Bekleidung: besser als gute Protektion ist nur: noch bessere Protektion. Sie erspart Schmerzen.

    GEPÄCKSYSTEM: ich habe mich kurz vor der Reise für „Softbags“ entschieden, obwohl ich auch schöne Alukoffer für das Motorrad habe. Das war genau richtig! Softbags sehen zwar nicht so martialisch aus wie die Alukisten, aber: sie schonen das Motorrad! Bei Umfallern oder durch die ständigen Vibrationen verzieht sich nichts und reißt nichts ab. Und viel wichtiger: sie verhindern Verletzungen, weil sie nachgeben! Ich bin auf der Tour sicherlich ein Dutzend Mal gestürzt, Verletzungen oder Verstauchungen: Null! Ich bin sicher, mit Alukoffern wäre es manches Mal anders ausgegangen. Merke zum Gepäcksystem: Softbags für die harten Sachen, Alukoffer für die Fahrt zur Eisdiele.

    GEPÄCK: hatte ich viel zu viel mit! Die Menge hat mich auf langsamen Endurosektionen schon behindert. Meine Zeltausrüstung habe ich gar nicht benutzt: die von uns erhofften Zeltplätze, mit ein wenig Komfort wie Wasser und Dusche, gab es zum größten Teil gar nicht.
    Trotzdem ist es richtig, eine einfache „Not-Zeltausrüstung“ mitzunehmen: man weiß ja nie, ob man wirklich ein Motel findet.

    Grundsätzlich sollte die Regel, an die ich mich auch selbst zukünftig halten werde, gelten: Nimm vor der Reise jedes Teil, das Du mitnehmen willst, in die Hand. Wenn Du bei einem, selbst leiseste, Zweifel hast, ob Du es WIRKLICH brauchst: lass es zuhause!

    Meine Ziel-Ausstattung bei (möglichen 😉) künftigen Reisen: die beiden Softbags für Werkzeug, Ersatzteile, Zeltausstattung und Regenbekleidung; zusätzlich EINE Tasche für Bekleidung und Accessoires. Sonst: NICHTS.

    Ansonsten gibt es noch viel zu sagen über: Reifen, technische Vorbereitung des Motorrads, technische Ausstattung, Ersatzteile, Werkzeug. Wer da meine Meinung hören möchte: ich freue mich, wenn Ihr mich ansprecht.
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