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  • Day136

    Nachts bei den Schildkröten

    December 14, 2018 in Australia ⋅ ⛅ 26 °C

    Ungeachtet der Wetterlage - von Norden her bahnt sich Zyklon „Owen“ an und von Süden her nähert sich ein Tiefdruckgebiet, was insgesamt zu viel Regen und Wind an der gesamten Ostküste führt - ist gerade Schildkrötensaison 🐢😊 zwischen November und Januar kommen die beeindruckenden Tiere aus dem Wasser an die Strände und legen ihre Eier in den warmen Sand. Nach 6-8 Wochen, von Januar bis März kann man dann das schlüpfen der jungen Schildkröten beobachten. Damit sie ungestört sind passiert das alles im Schutz der Dunkelheit. Aber eins nach dem anderen.
    19 Uhr fanden wir uns bei Mon Repos ein. Das ist die Bezeichnung für einen Strand und die dazugehörige Organisation, die sich hier um Schildkröten kümmert. Es ist der größte Strandabschnitt an der Ostküste Australiens an den See-Schildkröten zum Eier legen kommen. Außerdem kommt hierher der größte Teil der weltweiten Population von „Loggerhead Turtles“ (unechte Karettschilskröte). Von 1.000 Jungen schafft es circa 1 bis zur Geschlechtsreife und wieder zurück an den Strand von Mon Repos. Das dauert im Schnitt 15-20 Jahre auf denen die Schildkröten die ganze Welt umreisen, um dann wieder an den Ort ihrer Geburt zurückzukehren. Pro Nest legen sie 80-130 Eier, welche die Größe eines Tischtennisballs haben, jedoch eine weiche Schale besitzen damit sie nicht kaputt gehen wenn sie die 20cm hinab in die Ei-Kammer fallen. Die Temperatur während des Ausbrütens bestimmt dann über das Geschlecht der Schildkröten. Die kritische Temperatur liegt bei ungefähr 28°C. Im helleren kalten Sand kommen somit mehr Männchen auf die Welt und im dunkleren warmen Sand mehr Weibchen. Ein aktuelles Forschungsprojekt ist es die Temperatur von Nestern durch aufgestellte Sprinkler zu minimieren. Dadurch wird die Chance erhöht, dass die Eier überleben und dass es auch später noch genug Männchen gibt.
    ... während der ganzen Informationen warten wir dennoch gespannt darauf, dass wir endlich an den Strand dürfen. Auch bei dieser Buchung galt „first come- first serve“ und es wurden Gruppen gebildet. Wir sind in Gruppe 4 gelandet, was bedeutet dass die vierte Schildkröte am Strand „unsere“ ist. Wir warten mittlerweile 1,5 Stunden. Gestern waren um diese Uhrzeit schon 4 Gruppen am Strand - bei uns sollte es noch eine weitere Stunde dauern. Später erfuhren wir, dass zwischenzeitlich schon zwei Schildkröten da waren, aber wieder umgedreht sind.
    Um halb 10 wurde unsere Gruppe dann doch noch aufgerufen und vorfreudig reihten wir uns ein zum Strand. Hier war es stockdunkel und das meiste konnte man nur schemenhaft erkennen. Was man jedoch gut erkennen konnte waren die Spuren der riesigen Schildkröten die sich den Strand hinauf gerobbt hatten. Als wir uns der Schildkröte näherten, war diese gerade dabei ihre Ei-Kammer zu graben. Es war wirklich eine riesige Schildkröte! Unser guide schätzte ihr Gewicht auf über 100 Kilo, zum Alter konnte er keine genaue Angabe machen. Während der Phase des Grabens sind sie besonders Bewegungs- und Lichtempfindlich weshalb wir uns im Halbkreis im Dunkeln hinter ihr postierten. Reden in normaler Lautstärke ist dabei kein Problem, denn sie hören an Land sehr schlecht. Was auch immer die Ursache war, unsere Schildkröte fühlte sich nicht ganz so wohl und war auch nicht so zufrieden mit ihrer Ei-Kammer. Sie setzte noch 2 mal neu an aber entschied sich dann doch für den Rückzug ins Meer. Bevor sie den Strand verließ wurden noch schnell die Nummern auf den Titan-Plättchen abgelesen, die an ihren Flossen befestigt wurden um sie zu identifizieren. Etwas Unmut machte sich breit über das etwas abrupte Ende und auch wir ärgerten uns etwas und machten zum einen die große Gruppe (ca. 50 Personen) und das schwer kontrollierbare Verhalten für den „Misserfolg“ verantwortlich.
    Glücklicherweise sind in der Zwischenzeit noch mehr Schildkröten an den Strand gekommen und so konnten wir einen zweiten Versuch unternehmen.
    Diese war etwas kleiner (aber immer noch riesig) und schon fast fertig mit dem Graben als wir sie erreichten. Nach kurzer Zeit fing sie an ihre Eier zu legen und während dieser Phase kann man sie auch bei Licht betrachten ohne sie zu stören. Unser Guide knipste seine Taschenlampe an und ein Team von Wissenschaftlern kam und untersuche die Schildkröte eingehend. Nachdem sie ihre Eier fertig abgelegt hatte, versteckte sie ihr Nest gut und wir folgten ihr auf dem Weg zurück ins Meer. Wirklich toll so nah dabei gewesen zu sein und diese beeindruckenden Tiere mal an Land zu sehen.
    Nachdem die meisten Leute aus unserer Gruppe schon den Rückweg angetreten hatten, konnten wir mit einer handvoll Leute noch eine dritte Schildkröte beobachten, die in der Zwischenzeit an den Strand gekommen war. Jetzt konnten wir nochmal ohne den Trubel der vielen Leute dabei sein. Nochmal ein kleines Highlight zum Schluss 😊.
    Kurz nach Mitternacht traten wir dann unsere Rückfahrt an, um auf einem kostenlosen Zeltplatz in der Nähe des Flughafens zu übernachten. Zum Glück kommen wir durch, ohne das ein Känguru unseren Weg kreuzt.
    Konrad
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