Satellite
Show on map
  • Day227

    Perito Moreno Ice Hike

    March 15, 2019 in Argentina ⋅ ☁️ 15 °C

    7:30 Uhr wurden wir vor unserem Hostel abgeholt. Ziel war heute der Perito Moreno Gletscher, der Drittgrößte in Patagonien. Nachdem alle eingesammelt waren, fuhren wir zunächst auf die riesige Aussichtsplattform, um die Gletscherkante zu sehen. Es sind viele Aussichtsplattformen, die auf verschiedenen Ebenen liegen und über Treppen miteinander verbunden sind. Da wir so früh hier waren, waren wir die einzigen und so verteilte sich unsere Gruppe schnell über das Gelände. So liefen wir fast allein unseren Weg ab. Jeder war leise, denn man konnte das Knacken des Eises hören. Das Zentrum des Gletschers wandert täglich 2m nach vorn, an den Seiten sind es nur 20cm. Wenn wieder ein großes Knacken zu hören war, schaute man sich um, ob irgendwo ein Stück Eis abbricht und in den See fällt. Auf einmal war da eins, aber es klang eher dumpf und dann tauchte ein riesiges Stück Eis aus dem Wasser auf. Man konnte sogar Dreck daran erkennen, was daraufhin deutet, dass es ein Stück vom Grund war. Der Gletscher liegt noch 120m tief unter Wasser auf dem „Seeboden“ auf und ragt 70m über dem See heraus. Unvorstellbar, wenn man genau davor steht. Wir genossen die Zeit und hörten immer wieder den Gletscher. Der Perito Moreno ist einer der wenigen Gletscher, der seit 100 Jahren nicht schmilzt und seine Größe hält. Er wird gespeist von den Bergen im Hintergrund und gehört wie 66 weitere Gletscher zum südpatagonischen Inlandseis, welches die drittgrößte Eisfläche der Erde ist (nach Antarktis und Grönland). Wir haben in unseren vorhergehenden Wanderungen auch immer wieder Gletscher und das Inlandseis gesehen, wir standen aber noch nie so direkt vor der Gletscherkante. Aber nur dafür waren wir nicht hier. Es ging mit einem Boot über den See zum Basiscamp unseres Touranbieters. Hier lernten wir unseren Guide Walter kennen. Ein Argentinier, der Dank einer Liaison mit einer Schweizerin auch ganz gut Deutsch konnte. Zunächst sind wir 5 Minuten zum ersten Stop gelaufen, wo wir mit Klettergurt und Helm ausgestattet wurden. Neben uns lag wieder der Perito Moreno und man konnte gut auf die Zacken schauen, welche sich am Ende aufschieben. Nach weiteren 30 Minuten laufen neben dem Gletscher kamen wir an einem weiteren Camp an, wo man uns mit Steigeisen ausstattete. Nun konnte es bis zum Gletscher nicht mehr weit sein. Nach 5 Minuten laufen, ging es auf den Gletscher und uns wurden die Steigeisen unter die Schuhe gebunden. Die ersten Schritte fühlten sich ziemlich unsicher an und ich vertraute den selbstgeschmiedeten Teilen noch nicht so richtig. Nach einer Weile gewöhnte ich mich daran und es ging auf und ab über die ersten Hügel. Unser Guide fand eine kleine Höhle, welche durch fließendes Wasser auf dem Gletscher entstanden ist. Das Wasser trägt nach und nach Eis ab und wenn der Fluss versiegt , bleibt ein Hohlraum zurück. In diesen passten 3 Personen hinein. Unser Guide stand schon drin und rief „Dresden ihr seid die ersten, kommt rein!“ Ein wenig mulmig war mir schon, denn wer weiß ob nicht darunter noch ein Hohlraum ist, in den man dann einbricht. Aber alles ging gut und es entstand ein tolles Foto. Nach der Höhle steuerte Walter die Mitte des Gletschers an. Wir liefen also immer weiter von der Seitenmoräne weg. An den Stellen, wo der Gletscher in seiner oberflächlichen Bewegung langsam ist, entstehen nur leichte Hügel. An denen, wo die Bewegung schnell ist, meterhohe Pfeiler. Unsere Mittagspause machten wir mitten auf dem Gletscher mit einem tollen Blick auf die Berge. Das Wetter blieb stabil und es war bewölkt, aber nicht kalt. Manchmal wehte sogar ein leichter warmer Wind. Immer wieder kamen wir an riesigen Gletscherspalten vorbei, über manche sind wir auch mit einem großen Schritt drüber gegangen. In der Sicherheitsbelehrung zu Beginn hieß es: wir laufen in einer Reihe Walter hinterher. Ganz am Ende läuft immer der zweite Guide. In Wahrheit sind wir alle irgendwie Walter hinterher und der zweite Guide war manchmal ganz vorn unterwegs, um nach einem passenden Weg zu suchen. Wir waren auch ein lustiger Haufen, zwei weitere junge Pärchen und 4 Türken, davon war einer der Spaßvogel der Truppe. Nach nur 5 Minuten hat er so geschwitzt, dass er nur noch in seinem T-Shirt der italienischen Fußballmannschaften rumgelaufen ist und Walter durcheinander kam, ob er nicht Italiener sei. Zum Ende hin kamen wir noch an einem riesigen Spalt vorbei, der mit Wasser gefüllt war. Man konnte tief in den dunkelblauen Gletscher schauen. Wir beide waren jetzt schon überwältigt von unserem Erlebnis und es stellte sich das Glücksgefühl ein, welches wir nach unvergesslichen Trips bekommen. Nach 3,5h kamen wir gut gelaunt zurück und nachdem wir die 2kg Stahl vom Fuß ab hatten, fühlten diese sich auch richtig leicht an. Wieder mussten wir die 30 Minuten zum Basiscamp zurücklaufen und hatten hier noch ein wenig Zeit die Aussicht zu genießen bevor es mit dem Boot zurück ging. Wir saßen auf einem Stein, vor uns der Perito Moreno Gletscher und die Gletscherkante und ließen die letzten Stunden Revue passieren. Wir waren immer noch überwältigt von den neusten Ereignissen und gingen glücklich zum Boot zurück. Hier wurde zu unserer Überraschung Whiskey auf Eis serviert und als Erinnerung gab es einen kleinen Schlüsselanhänger. Mit dem Whiskey in der Hand ging es nach draußen, das Boot legte ab und hielt vor der Gletscherkante nochmal an, die Sonne schob sich durch die Wolken und mit diesem Blick genossen wir unseren Whiskey on the Rocks. Ein gelungener Abschluss für einen atemberaubenden Tag. Abends gönnten wir uns als kleines Sahnehäubchen für den Tag noch ein „Cordero a la parrilla“, ein argentinisches Nationalgericht. Dabei wird ein mit Salz eingeriebenes Lamm in einem Gestell über offenem Feuer gegrillt. Das Fleisch war sehr zart, aber mir persönlich fehlte eine Sauce dazu, es war ein wenig trocken. Konrad schmeckte es sehr gut. Mit vollem Bauch kletterten wir in unser Dreietagenbett und schliefen diese Nacht nicht so gut, da das Zimmer viel zu warm war.
    Caro
    Read more