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  • Day25

    Ein würdiger Abschied

    July 25 in Norway ⋅ ☁️ 20 °C

    Gegen acht wurde ich wach. Ich sammelte leise meine Frühstücksutensilien zusammen und ging runter in die Küche. Alle anderen im Haus waren bereits wieder wach und Alex längst über alle Berge. Nur die Jungs in meinem Zimmer schliefen noch - und schnarchten nicht.
    Ich setze Kaffee auf und aß dazu das letzte Brot aus Trondheim und das letzte Ei, was ich dort ebenfalls habe mitgehen lassen.
    Während des Frühstücks kamen auch die Jungs nach und nach runter, sodass ich nach meinem Kaffee meinen Rucksack packen konnte. Ich verschiedete mich von Od und zog los. Kurz nach mir gingen auch die drei Jungs und kurz vor mir liegen die norwegische Familie mit den drei Jungs. Wir liefen alle Richtung Kongsvold. Nur ich wollte vorher links zu meinem Zeltplatz abbiegen.
    Nach kurzer Zeit sahen wir links von uns drei Moschusochsen grasen. Mittlerweile hatte man einen geübten Blick dafür, die Tiere zwischen den Felsen auszumachen. Dennoch ist der Moment des Entdeckens und das Beobachten weiterhin aufregend. Die Ochsen störten sich nicht an uns und wir störten nicht die Ochsen und zogen weiter. Wir fahren jetzt noch viele Tiere. Insgesamt zählte ich heute um die zwanzig. Einmal kam uns eine Gruppe von fünf Tieren gemächlich den Pfad entgegen geschlappt und machte dort dann Pause. Wir beobachten sie eine Weile und machten einen Bogen um sie. Ich musste an der Stelle sowieso den Weg verlassen und verabschiedete mich.
    Als ich meinen Zeltplatz erreichte, war ich froh, allein zu sein. Ich baute mein Zelt auf. Der Untergrund ist etwas feucht. Jetzt kann das Markenzelt zeigen, ob es den Preis wert ist. Sicherheitshalber legte ich noch eine Unterlegplane drunter. Ich sollte trocken bleiben.
    Auf der anderen Seite, am gegenüberliegenden Hang erspähte ein eine Gruppe von drei oder vier Ochsen. Sie waren etwa 500m entfernt und blieben dort den ganzen Nachmittag.
    Ich beschäftigte mich hauptsächlich mit Kaffeekochen, in der Sonne liegen, Fische im See unter mir beobachten und einfach in die Ferne blicken.
    Nach etwa zwei Stunden kamen tatsächlich ein paar Menschen. Sie sahen mich, grüßten und blieben in respektvollem Abstand. Sie hatten ebenfalls vor zu bleiben. Es waren drei Erwachsene und drei Kinder und ich war irgendwie ganz froh, weil mir ein wenig langweilig wurde. Jetzt gab es etwas zu sehen. Und von meinem erhöhten Punkt konnte ich sie gut beobachten. Die Kinder liefen ins Wasser und spielten. Ich ging runter und nahm Kontakt zu meinen neuen Nachbarn auf. Es war ein Schweizer Pärchen mit drei Kindern und ein norwegischer Scout. Ich war ein wenig stolz darauf einen Platz gewählt zu haben, den auch ein norwegischer Scout als abgelegen empfand. Und ich hatte den besten Spot für mein Zelt. Es stand auf einen Felsvorsprung, gut drei Meter über dem See. Der Felsen eignete sich hervorragend zum Lümmeln, Sonnenbaden, Kochen und Essen sowie um Zwei- und Vierbeiner zu beobachten.
    Später zog ich los, meinen morgigen Weg zu erkunden. Ich bin so froh, dass ich das gemacht habe, denn er ist mit meinen Schuhen nicht passierbar. Es gibt drei Flüsse zu durchschreiten. Ohne nasse Füße wird das nix. Glücklicherweise hatte ich zum Erkunden meine Hiking-Flip-Flops an. Denen macht Wasser nix aus. Auf meinem Erkundungstrip entdeckte ich noch einen wunderschönen Wasserfall. Mit war heiß und meine Füße hatten sich beim Durchschreiten der Flüsse bereits an die Wassertemperatur gewöhnt. Also nahm ich ein erfrischendes Bad in meinem See. Über Bademode musste ich mir hier keine Gedanken machen und die Meinung der Fische war mir egal.
    So verging die Zeit und mein Magen meldete sich. Zum Abendrot gab es Pasta mit Lachs und dazu ein gletscherwasser-gekühltes Bier. Ich habe es seit Trondheim mit mir rumgeschleppt und für diesen Abend aufgehoben. Es war perfekt.
    Zum Nachtisch ein paar getrocknete Mangos und gesalzene Erdnüsse.
    Im Abendprogramm lief "Zeltaufbau mit drei Kindern leicht gemacht". Die drei hatten viel mehr Spaß, die langen Zeltstangen auf den Händen zu balancieren, als sie durch die Plane zu fädeln. Irgendwann klappte es doch.
    Ich zog noch einmal los, um etwas Handyempfang zu suchen. Laut Guide sollte ich Richtung Hauptweg Glück haben. Nach einer Biegung schaute ich den Hang hinauf. Auf dem Kamm stand ein großes Tier. Erst dachte ich an einen Ochsen. Doch es war zu filigran und dann sah ich den Schweif. Es war ein Pferd. Und dann noch eins und noch eins. Schön, dachte ich. Pferde hatte ich in Norwegen schon viele gesehen. Doch dann bemerkte ich, dass da kein Zaun und keine Koppel war. Waren das etwa Wildpferde? Gibt es Wildpferde in Norwegen? Von Elchen und Moschusochsen hatte ich gehört. Aber nicht von Wildpferden. Ich stieg den Hang hinauf. Allerdings von der abgewandten Seite und spähte über den Kamm, wo ich die Tiere vermutete. Und plötzlich standen sie vor mir und grasten. Vielleicht dreißig Meter entfernt. 17 Tiere - darunter ein Fohlen. Sie bemerkten mich, störten sich aber nicht an mir. Und hier war weit und breit kein Zaun. Die Pferde lebten frei. Ich schaute ihnen zu und war fest der Meinung Wildpferde zu beobachten. Leider klärte mich später der Scout auf, dass es domestizierte Tiere sind, die allerdings im Sommer hier oben frei leben. Also Saison-Wildpferde :)
    Sonst gab es nicht viel zu berichten. Die Moschusochsen gegenüber sind immernoch da. Drei Erwachsene und zwei Kälber. Die Kälber spielen gerade in einem Schneefeld und jagen sich.
    Philipp kommt nun definitiv am Samstag an und wir können gebührend feiern. Lara weiß noch nicht, wie sie's schafft und meldet sich, wenn sie da ist. Lisa hat wohl größere Probleme und nimmt morgen wahrscheinlich den Zug. Ich werde mich bei ihr melden. Und Melanie hat eine Braincooler-Bar gefunden und kämpft sich wacker durch.
    Auf meine letzte Nacht im Fjell! Gute Nacht!
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