Bolivia
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551 travelers at this place
  • Day445

    Der Weg ist das Ziel VIII

    February 5, 2020 in Bolivia ⋅ 🌧 27 °C

    Auf meiner 4 Tages Wanderung entschied ich mich das Stoppen weiter zu versuchen. Aber mich nicht zu sehr darauf zu fixieren, falls es so weiter geht wie es aufhörte lass ich es eben. Und so...

    Es ist hier eben so günstig mit den Busen zu reisen das sogar die Einheimischen es tun können ohne wirklich sparen zu müssen. Daher ist Bolivien und Peru eben gleich. Ich wurde während des stoppen teilweise ausgelacht. Aber gut, so ist es eben.
    Dazu kam das in der Zeit am Straßen Rand mich wieder solche Sandmücken oder -flöhe angegriffen haben, wie damals am Fluss bei Choquequirau. Als meine ganzen Beine verbießen waren und mir das Blut herunterlief, entschied ich es sein zu lassen. Ich nahm den nächsten Linienbus zum Terminal und fuhr mit einem anderen Bus die 10h nach Nazca.
    Na ja.. Pläne sind dazu da, sie wieder über den Haufen zu werfen. 😆😆😆

    So kam es das ich mich entschieden habe das stoppen sein zu lassen.

    Ich finde es toll mehrere Tage ganz für mich allein zu sein, da kann ich mal wieder alles durch Denken, für was ich mir vielleicht etwas zu wenig Zeit genommen habe. Dadurch brachte die Wanderung noch andere Entscheidungen hervor.
    Wie zum Beispiel Zentralamerika auf einen anderen Trip zu schieben. Ich werde meine letzten paar Monate noch entspannt in Südamerika verbringen und alles in vollen Zügen genießen.
    Ich hatte mir selbst ein Ziel gesteckt, jetzt nehme ich mir die Freiheit dieses Ziel zu ändern.
    Es fühlt sich richtig toll an, einfach zu akzeptieren, dass ich mich nicht selbst niedermachen muss, nur weil etwas nicht so klappt wie ich es mir anfangs noch vorgenommen oder vorgestellt hatte. Die Freiheit Entscheidungen und Aussprachen zu widerrufen.
    Diesen Perfektionismus abzulegen, nach dem zufolge ich alles schaffen muss, was ich irgendwann einmal entschieden habe/hatte.

    Das Gleiche ist mit meiner Entscheidung kein Fleisch mehr zu essen. Allein das "kein" ist nicht ganz korrekt. Ich verzichte aus bestimmten Gründen auf den Genuss von Fleisch. Das heißt nicht das ich es nie wieder Essen darf, die meiste Zeit esse ich keines. Die Situationen wo ich dann doch mal eines esse kommen von ganz allein und oft genug. Ich möchte ja auch meine kulinarische Sicht erweitern und möchte Wissen was einheimische hier Essen. Dazu gehört nun mal auch Fleisch. Ich esse dann mal wieder Fleisch und lasse es anschließend wieder sein. Ganz entspannt und ohne Druck.

    SO WIE ICH ETWAS MACHE, IST ES GENAU RICHTIG FÜR MICH. NUR FÜR MICH!!!

    FREIHEIT bedeutet nicht nur tun zu können was immer ich möchte, es bedeutet auch die Freiheit zu haben etwas NICHT tun zu müssen.
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    Axel Schäfer

    Wenn deine Handlungsgrundlage die innere Übereinstimmung mit dem gegenwärtigen Augenblick ist, wird dein Handeln durch die Intelligenz des Lebens selbst bestärkt. Ich finde es toll das Du Dir dessen bewusst bist.

    3/25/20Reply
     
  • Day51

    Regentag auf der Sonneninsel

    February 21, 2020 in Bolivia ⋅ 🌧 10 °C

    Titicacasee. Ein Wort, das wir schon in der Primarschule kannten und lustig fanden. Und da glitzert er nun in der Ferne. Der Titicacasee ist der höchst gelegene schiffbare See der Welt. Lange waren wir unschlüssig, ob wir einen Abstecher hierhin machen sollen, ist der See doch sehr touristisch. Weil er aber quasi auf unserer Route Richtung Peru liegt, beschliessen wir, zwei Nächte auf der bolivianischen Seite des Sees zu verbringen. Laut den Bolivianern gehört ihnen fast die Hälfte der Fläche, laut den Peruanern soll es bloss ein Drittel sein. Mit dem Bus dauert die Fahrt von La Paz nach Copacabana rund vier Stunden. Natürlich nicht der bekannte Strand in Rio de Janeiro, sondern eine kleine Stadt auf rund 3'800 Metern, eingebettet zwischen zwei Hügeln. Die Fahrt vergeht recht zügig, wenn man davon absieht, dass der Bus gefühlt Minustemperaturen aufweist. Da hilft ein Cocatee, den es beim Stopp in der Hälfte zu kaufen gibt. Spannend wird es, als der Bus das Ufer erreicht und auf eine einfache Fähre aus Holz verschifft wird. Denn Copacabana ist von Bolivien her nur über den Seeweg zu erreichen. Wir Passagiere steigen aus und bekommen für die Überfahrt ein kleines Boot. Dafür können wir das Spektakel auf der anderen Seite beobachten und uns mit Cookies stärken. Immer unter scharfer Beobachtung eines vorwitzigen Hundes. Auch der bekommt ein Cookie.

    Copacabana macht einen sehr verschlafenen Eindruck. In der Regenzeit ist halt Nebensaison, obwohl die Temperaturen jetzt viel angenehmer sind als etwa im Juli oder August, wenn die eigentliche Hauptsaison ist. Dennoch brauchen wir den Ofen in unserem schönen Zimmer. Unser kleines Hostal ist rund einhundert Meter oberhalb des Zentrums in einen Hügel gebaut und bietet einen schönen Blick auf den See. Ziemlich hungrig, weil wir sehr früh aufgestanden sind und entsprechend zeitig gefrühstückt haben, essen wir auch gleich im kleinen Restaurant des Hostals La Cupula. Einmal mehr sind wir verblüfft über die Auswahl an Speisen. Linseneintöpfe, Auberginenauflauf, Gemüselasagne. Für Vegetarier ein wahres Paradies und nie so erwartet. Am Nachmittag besteigen wir noch den Hügel, füttern die frechen Lamas und Alpakas vor dem Hotel und schlendern durch die kleine Stadt.

    Tags darauf bringt uns die Fähre in rund zwei Stunden auf die Isla del Sol. Die Fahrt zerrt etwas an den Nerven, eine Gruppe von spanischsprechenden Touristinnen, welche im ganzen Boot verteilt sitzt, plaudert ununterbrochen. Miteinander. Über die Sitzreihen hinweg. Laut. Und im Innern des Boots riecht es stark nach Kerosin. Kaum angekommen auf der Isla del Sol, setzt Regen ein. Wir montieren unsere Regenausrüstung, die zuvor noch nie zum Einsatz gekommen ist, und spazieren etwas abseits der anderen Ankömmlinge los. Mit dem Regen und den Wolken, welche um die Hügel ziehen, wirkt die Insel mystisch. Und das passt irgendwie auch, soll es sich bei der Isla del Sol doch um die Geburtsstätte des Inkareichs handeln: Manco Cápac, der erste Inka, wurde der Legende nach vom Sonnengott Inti auf die Welt gesandt und erblickte auf der Isla del Sol das Licht der Welt. Von dort ging er in die Welt hinaus, um das Inkareich zu gründen. Geschichtlich verbürgt ist, dass die Inka fast 350 Jahre über ein Gebiet herrschten, das sich von Kolumbien bis nach Chile erstreckt. Ihre Hegemonie im westlichen Südamerika wurde mit der Ankunft der Spanier im Jahre 1532 rapide beendet.

    Auch wenn es regnet, gefällt uns der Spaziergang. Nach mehreren Städten ist es sehr schön, sich wieder in der Natur zu bewegen. Es riecht nach frischen Kräutern, welche überall wachsen. Zwischendurch treffen wir auf Esel und Maultiere – manchmal mit und manchmal ohne Hirten. Auf einer Anhöhe sehen wir ein australisches Paar, das sich ebenfalls vom Touristenstrom abgesetzt hat. Was wir damals noch nicht wissen, wir werden Tom und Kayla wieder sehen.

    Leider können wir nur den südlichen Teil der Insel erwandern. Weil die Dorfbewohner untereinander einen Streit austragen, ist der nördliche Teil der Insel für Touristen gesperrt. So müssen wir noch etwas die Zeit vertreiben und suchen im kleinen Dorf, von wo die Fähre wieder zurückfährt nach einer Verpflegung. Irgendwo scheint sich ein Restaurant zu befinden und wir fragen die Bewohner, welche vor dem Haus stehen. Sie bejahen und bitten uns, kurz zu warten. Nun wird ein Tisch hergebracht, Stühle und Tischdekoration aufgefahren. Wir haben den Eindruck, dass das Restaurant eigentlich geschlossen ist, für uns nun aber eine Ausnahme gemacht wird. Die Leute sind sehr freundlich, doch es scheint uns nicht sehr sauber zu sein, so dass wir uns dafür entscheiden, nur etwas zu trinken. Mariana, die achtjährige Tochter der Gastgeber und Namensgeberin des Restaurants beobachtet uns dabei genaustens. In der Nähe des Hafens werden wir dann restaurantmässig fündig und bestellen ein Omelett. Leider dauert es sehr lange und noch immer haben wir erst die Getränke erhalten. Irgendwann werden wir nervös, sind doch schon viele Touristen wieder auf dem Boot. Wir beschliessen zu bezahlen und gehen zum Steg, als das Boot gerade ablegen will. Wir können just noch einsteigen, schon geht es los. Obwohl erst 14.50 Uhr ist und auf dem Ticket die Abfahrtszeit von 15 Uhr steht. Und wir dachten immer, Südamerikaner tendieren zur Unpünktlichkeit.

    Tags darauf fahren wir mit dem Bus über die Grenze nach Peru. Die Grenzformalitäten gleichen nun wieder eher jenen von Argentinien als den bolivianischen. Wir verbringen eine Nacht in Puno. Vor dieser Stadt liegen die schwimmenden Inseln der Urus. Uns fehlt aber die Zeit für einen Besuch und es reicht nur noch für ein sehr leckeres Znacht in einem französisch-peruanischen Restaurant. Nicht fehlen darf da unser erster Pisco Sour auf peruanischem Boden.
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  • Day135

    Gefühlschaos in La Paz

    March 19, 2020 in Bolivia ⋅ ☁️ 16 °C

    Sollen wir bleiben und ausharren? Wäre es vernünftiger zurückzukehren, in das Hochrisikogebiet das sich unsere Heimat nennt? Aber wir haben doch noch zwei Monate Zeit um das auszusitzen? Aber so schnell wird es kaum besser werden?
    Diese und noch viele weitere Fragen haben wir uns gestellt und sind nach einem Telefonat mit dem Reisebüro zum Schluss gekommen, dass unsere Sicherheit und Gesundheit trotzdem in der Schweiz am ehesten gewährleistet sind. Unsere Herzen bluten. Wir ergattern immerhin zwei der letzten Plätze aus dem Land, bevor in Bolivien komplett der Flugverkehr eingestellt wird. Und wir rennen durch La Paz, saugen Eindrücke in uns auf, fahren mit dem höchsten Pendler-Gondelnetz der Welt und weinen bittere Tränen. Ab 17:00 ist dann Schluss, die Ausgangssperre verschafft uns genügend Zeit um zu packen, unsere Entscheidung in Frage zu stellen und unserem Verstand auch nur den Hauch einer Chance zu geben, dieses viel zu aprupte Ende unserer Reise zu verarbeiten.

    Schön, dass ihr uns auf unserer Reise auf diesem Weg begleitet habt. Wir sind wahnsinnig dankbar, für all die tollen Erlebnisse, Momente, Begegnungen, Fotos, Fellnasen und Eindrücke, die wir in den letzten Monaten gewonnen haben.
    Wir kehren sehr reich zurück nach Hause ♥️✈️
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    Silvia Koch

    Das tut uns sehr leid, dass ihr eure Reise abbrechen müsst. Ihr habt so tolle Bilder und spannende Kommentare geschrieben. Kommt Gesund nach Hause. Liebe Grüsse von Thom und Silvi

    3/21/20Reply
    Chantal Burri

    Vielen Dank 🤗

    3/21/20Reply

    Hoi Chantal und Thomas

    3/23/20Reply
    2 more comments
     
  • Day49

    Über den Dächern von La Paz

    February 19, 2020 in Bolivia ⋅ ☁️ 14 °C

    Mit den Teleféricos über La Paz schweben. Dieser Blick auf eine Stadt ist einzigartig. Wir haben uns einen Vormittag vorgenommen, um die bolivianische Grossstadt mit den Bähndli zu erkunden. Letztlich sind wir auch spätabends noch mit Begeisterung am Gondeln, ohne dass wir bereits alle Linien befahren hätten. Für die rund fünf Stunden in den Gondeln müssen wir gerade mal ein paar wenige Franken bezahlen. Es ist imposant, wie die farbigen, topmodernen Bähndli in wenigen Minuten auf ruhige Art mehrere hundert Höhenmeter überwinden. Dabei schweben sie oft nur knapp über den vielen Dächern von La Paz, wo morgens fast überall frisch gewaschene Wäsche zum Trockenen aufgehängt wird. Auf der Fahrt zeigt sich, wie die Einwohner von La Paz wohnen und wie zufällig die Stadt gewachsen zu sein scheint. Die Gondeln führen auch entlang von Hauptstrassen und bieten jeweils zehn Personen Platz. Wir sind selten ganz alleine in einem Gefährt und werden darum des Öfteren von den freundlichen Einheimischen angesprochen. Am eindrücklichsten ist für uns die Fahrt mit der Línea Plateada in Richtung El Alto. Diese Stadt grenzt direkt an La Paz und hat rund eine Million Einwohner. El Alto ist auf der Hochebene gebaut, während La Paz in der Senke entstanden ist. La Paz ist aber immer mehr gewachsen, hat nach und nach die Hügel erklommen und besitzt inzwischen mit der Agglomeration rund 2,7 Millionen Einwohner. Der Übergang zwischen den Städten ist mittlerweile fliessend. El Alto ist aber mit 4’100 Metern über Meer rund vierhundert Meter höher gelegen als das Zentrum von La Paz.

    Nervenaufreibend nur schon beim Zuschauen ist die Fahrt über die sehr einfachen Häuser in El Alto, welche direkt am Abhang gebaut sind und den Anschein machen, als rutschten sie jeden Moment runter. Kleine Vorplätze wurden teils bereits Opfer der Erosion. Die Bewohner sitzen dennoch seelenruhig vor ihren winzigen Häusern, welche in wenigen Jahren nicht mehr stehen dürften.

    Das Seilbahnprojekt hat Evo Morales unter teils grossem Widerstand der Bevölkerung durchgeboxt. Es soll bisher rund 750 Millionen Dollar gekostet haben und ist das grösste zusammenhängende städtische Seilbahnnetz der Welt. Im Mai 2014 eröffnete Evo Morales die erste Linie. Heute sind elf Linien auf einer Länge von gut 30,4 Kilometern in Betrieb. Insgesamt gibt es derzeit 36 Stationen. Weitere Linien sollen noch gebaut werden. Die Teleféricos waren auch ein prestigeträchtiges Projekt für das Schweizer Bahnunternehmen Garaventa, welche die Bahn gemeinsam mit der österreichischen Firma Doppelmayr gebaut hat. Man fühlt sich definitiv sicher, wenn man in den modernen Kabinen über die Grossstadt gondelt. Etwas Besonderes ist auch die tiefer gelegene Zona de Sur, wo viele schickere und neuere Bauten die Besucher begrüssen. Hier haben wir in einem Restaurant zu Mittag gegessen und waren von der grossen Menge an leckerem Essen total überfordert. Preislich dennoch unschlagbar.

    La Paz ist mehrheitlich keine attraktive Stadt. Es fehlt an schönen Gebäuden, Plätzen und Gassen. Die Strassen scheinen trotz Seilbahnprojekt notorisch verstopft und als Fussgänger muss man gut aufpassen, nicht von einem rasenden Minibus erfasst zu werden. Da die Stadt in einer Senke gebaut wurde, gibt es in La Paz nur wenige Sonnenstunden und die Temperaturen kühlen schnell ab. Wir sind froh, dass wir in unserer Unterkunft einen kleinen Ofen nutzen können. Trotz allem finden wir La Paz sehr einnehmend und wir entscheiden uns deshalb dafür, einen Tag länger zu bleiben als ursprünglich geplant. Unser Hotel liegt mitten im Zentrum in der Calle Sagárnaga, wo es viele coole Restaurants gibt. Gleich um die Ecke befindet sich ausserdem der Witches Market. Er wird so bezeichnet, weil es hier allerhand an Heilkräutern und Zutaten für die Riten der Aymara gibt. Entsprechend sind auf dem Markt in La Paz diverse getrocknete Tierföten zu finden. Sie sind an den Marktständen zu Dutzenden angebracht. Ein seltsamer Anblick. Doch viele Bolivianer leben noch die Traditionen ihrer Vorfahren. Wird etwa ein Haus gebaut, ist es üblich, in alle Ecken ein Lamafötus in den Boden zu graben. Das ist eine Opfergabe an Pachamama – Mutter Erde – und soll die Bewohner vor Unheil bewahren. Früher seien gar menschliche Opfergaben gemacht worden. Den Traditionen zugetane Bolivianer kippen jeweils auch den ersten Schluck ihres alkoholischen Getränks auf den Boden. Dieser ist ebenfalls Pachamama gewidmet. Ist Pachamama gut gestimmt, wird sie die Menschen mit einer reichen Ernte beschenken.

    Ein spezieller Ort in La Paz ist auch das Gefängnis San Pedro. Es handelt sich dabei um eine Art Stadt in der Stadt. Es soll da drin Restaurants und diverse kleine Unternehmen geben. Die Häftlinge müssen ihre Zellen selber zahlen. So gibt es Häftlinge, welche sich zum Absitzen ihrer Strafe ein Luxusappartement bauen lassen, während andere eine einfachste Zelle mit anderen teilen müssen. Bei der Entlassung kann die Zelle dann wieder verkauft werden. Die Gefängnishierarchie wird somit über die Vermögensverhältnisse geregelt: Wer viel besitzt, hat das Sagen.

    Was in La Paz ebenfalls auffällt, sind die Cholitas. Die traditionell gekleideten Frauen tragen verschiedene übereinander geschichtete farbige Röcke. Breite Hüften gelten als Schönheitsideal. Stramme Frauen-Wädli anscheinend auch. Die Frauen haben ihre dunklen langen Haare zu zwei Zöpfen geflochten. An diesen sind teils noch Kordeln angebracht, um sie noch länger wirken zu lassen. Auch das ist etwas, dass die Frauen in Bolivien anstreben. Ausserdem tragen die Cholitas einen Melonenhut. Je nachdem, wie der Hut getragen wird, zeigt er an, ob die Frau noch zu haben ist: Sitzt er gerade auf dem Kopf, ist die Frau vergeben. Trägt die Dame die Melone schräg, ist sie noch zu haben. Unser Guide bei der Free Walking Tour fügt noch hinzu, dass ein nach hinten geschobener Hut bedeutet «Es ist kompliziert». Eventuell hat er sich da von seiner Fantasie und von den auf Facebook verfügbaren Beziehungsstatus inspirieren lassen.

    Die Cholitas sieht man häufig als Früchte- oder Gemüseverkäuferinnen in den Strassen La Paz und auf den Märkten. Oder aber im Wrestlingring. Richtig gelesen. Seit rund 15 Jahren gibt es in La Paz das Cholita-Wrestling. Initiiert wurde es vor allem von Frauen, welche unter häuslicher Gewalt gelitten hatten und einen Katalysator für ihre Wut und Frustration fanden.

    Das Cholita-Wrestling lassen wir uns nicht entgehen. Es ist toll zu sehen, wie stark und selbstbewusst die Frauen wirken, wenn sie in ihrer traditionellen Kleidung solche Kämpfe austragen. Bei den Darbietungen sind die Frauen unter Beifall des Publikums gegeneinander und teils gar gegen den Schiedsrichter angetreten. Leider haben wir das Cholita-Wrestling nur unter der Woche besuchen können, wo dieses vor allem für Touristen veranstaltet wird. Am Wochenende soll aber in einer grossen Halle noch viel mehr die Post abgehen. Bei den Bewohnern von La Paz wundert uns das keinesfalls.
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  • Day63

    Copacabana & Isla del Sol

    March 10, 2020 in Bolivia ⋅ ⛅ 11 °C

    Von La Paz, der Gondeli-Stadt, reisen wir weiter an den Titicacasee. Wir steigen also vom Gondeli um auf den Bus, vom Bus auf das Boot und wieder zurück auf den Bus. Übrigens auch der Bus durfte eine kurze Bootstour geniessen. Nach dieser 4-stündigen Bus- und Boots-Tour stehen wir schliesslich am Titicacasee, sozusagen am Vierwaldstättersee in gross. In seehr gross um genau zu sein. 72 mal so gross und um einiges verschmutzter als unser heimischer See. Die Verschmutzung des Sees kommt zu stande, weil kaum eines der umliegenden Dörfer über eine Kläranlage verfügt und die zuführende Flüsse und Bäche all die Schwermetalle der nahegelegenen Bergminen mitführen. Wir verbringen die nächsten Tage in Copacabana, ein kleines Dorf am Titicacasee. Unsere dortigen Highlights: Der Hausberg mit einer schönen Aussicht über das Dorf und den See. Und unsere Unterkunft: Eine Ecolodge bestehend aus mehreren Lehmhütten in Form von Muscheln, Zipfelmützen und anderen lustigen Formen. Die Aussicht über den See, die Hängematten zum Entspannen und unsere Mitbewohner, die hauseigenen Lamas, die rund um die kleinen Hobbit-Häuschen grasen, sind ein einmaliges Erlebnis.

    Mit einem möchtegern Speedboot fahren wir nach drei Tagen auf die Insel "Isla del Sol", welche sich auf dem Titicacasee befindet. Der Sonnengott Inti soll hier seine Kinder, den ersten Inka Manco Cápac und seine Frau Mama Ocllo, auf einem Felsen der Isla del Sol zur Erde gelassen haben. Aus diesem Grund spielt die Isla del Sol in der Mythologie der Inka eine sehr große Rolle. Weder vom Sonnengott, noch von Inkas werden wir auf der Insel empfangen. "Diez Bolivianos" sind die begrüssenden Worte einer sympathischen, gutgenährten Dame in traditionellem bolivianischen Gewand. Nachdem wir also 20 Bolivianos ärmer sind und die Insel betreten dürfen, stehen wir, mit unseren gut befüllten Rucksäcken, vor dem nächsten Highlight. Diesmal nur ein Höhepunkt im Sinne einer hoch-hinaufführender Treppe, welche zu unserem Hotel führt. Kein Problem, denken wir uns und bestellen uns auf der Autofreien Insel ein Taxi in Form eines Esels. Pünktlich, wie wir es uns gewohnt sind, "galoppiert" nach 5 min ein Esel und dessen Besitzer vor. Schnell sind unsere Rucksäcke auf dem Rücken des Esels und schon geht es los mit dem "Highlight"... Streng atmend versuchen wir dem Esel hinterher zu kommen und sind froh um jedes Ausbügsen des kleinen Rebellen. So haben wir ein bisschen Zeit um unser Rückstand aufzuholen und unser Sauerstoffgehalt im Blut zu normalisieren. Nur der arme "Eseltreiber" bekommt keine Zeit zum durchatmen. Denn unser Eseltaxibesitzer muss dem ausgebügsten Esel immer wieder und wieder hinterher eilen und ihn auf den richtigen Weg lotsen.

    Auf der Sonnen-Insel kann man gut Wandern. Was wir auch ein bisschen machen. :) Aber hauptsächlich versuchen wir warm zu bleiben. Die kalten Nächte überstehen wir im Gästehaus mit fünf Decken. Eine mobile Heizung gibt es erst nach der ersten Nacht und auf Anfrage. Wir regen uns aber nicht auf, da Diese sowieso nicht viel bewirkt. Wir raffen uns auf, für einen kleinen Spaziergang auf der Insel. Ein kleines, authentisches Dörfchen mit wunderschöner Lage hoch über dem Titicacasee. Aufmuntern und aufwärmen lassen wir uns durch eine leckere, warme Quinoa-Suppe bevors wieder unter die fünf Decken zu Bett geht. Ab dem zweiten Tag auf der Insel, sorgen wir uns allmählich über unsere Weiterreise vom jetzigen Land Bolivien nach Peru. Aufmerksame, virtuelle Reisebegleiter (liäbi Griäss a Peter, Leandra und Manuel) schicken uns immer wieder Infos zu, unter anderem auch, dass wohl die Grenzen Perus bald geschlossen werden. Auch in Südamerika macht das cheibe Coronavirus keinen Halt. Für uns ist es wichtig, dass wir auf alle Fälle nach Peru kommen. Nur so können wir die peruanische Familie, bei der Ramona im 2011 für zwei Monate war, besuchen und dort gegebenenfalls eine Zeit bleiben. Dass der Grenzübertritt nach Peru schliesslich unser kleinstes Problem sein wird, wissen wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht...
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  • Day132

    Zwischen Quinoa und Ungewissheit

    March 16, 2020 in Bolivia ⋅ ⛅ 15 °C

    Den zweiten Tag liessen wir gemütlicher angehen. Ziemlich ausgeschlafen und nach einem interessanten z'Morgen (Pancakes mit Butter und Gonfi, Nescafe und Soyamilch mit Apfelsaft gemischt) liessen wir uns von den riesigen Gesteinsbrocken und Felsen beeindrucken und mussten natürlich unsere Kletterkünste unter Beweis stellen, damit es auch tolle Fotos gibt. In dieser Höhe gar nicht so einfach wie gedacht - schon nach ein paar Meter schnauften wir wie zwei Walrösser. Weiter gings an die Laguna Negra, ein schwarz gefärbter See mit umliegendem Grasland, auf welches die Schotten neidisch gewesen wären. Geteilt haben wir uns die Wiese mit friedlich käuenden Llamas (gehört übrigens in die selbe Familie wie die Guanacos und Vicuñas, gelten jedoch als die domestizierte Form). Das z'Mittag war dann zum ersten Mal sehr lecker: es gab Gemüsereis, einen Kartoffel/Ei/Hackfleisch/Gemüse-Auflauf, diverse Gemüse und Thonsalat. Die weitere Fahrt wurde gesäumt von roten, grünen und gelben kleinen Sträuchern: Quinoa! Ein ziemlich beliebtes Getreide Boliviens, und erst noch Veggie-freundlich (obwohl wir auch vorher nicht viel Fleisch gegessen haben, hat sich unser Fleischkonsum noch mehr reduziert seit wir in Südamerika sind). Im Anaconda-Tal sahen wir dann leider nicht das Tier, sondern von hoch oben einen Fluss, der sich durch den felsigen Canyon schlängelt. Beim z'Vieri-Quinoa-Bier und Wifi dann der Schock: Südamerika macht am nächsten Abend alle Grenzen dicht, für die nächsten 15 Tage. Das Coronavirus und die Präventionsmassnahmen haben also auch uns erreicht. Da das Schweizer Ehepaar noch ihren Bus in San Pedro hat und sie eigentlich eine viertägige Tour gebucht haben, bangen sie am meisten. Unser Guide beschwichtigt uns und teilt ihnen mit, sie würden einen Bus erreichen der sie rechtzeitig zurückbringt. Und wir wollen ja eh in Bolivien bleiben für die nächsten 2-3 Wochen. So weit so "gut", knapp noch geschafft. Zwei Wochen mehr in Chile hätten dann doch ein spürbares Loch im Budget hinterlassen. Laut BBC soll der Inlandverkehr in Bolivien nicht betroffen sein. Hoffen wir das Beste. Abends lassen wir uns in einem Salzhostel, dass leider nicht so glamourös aussieht wie es klingt, nieder, beobachten einen Mini-Skorpion und mit gemischten Gefühlen und salzigem Duft von den Wänden schlafen wir ein.Read more

  • Day133

    Dem Himmel so nah

    March 17, 2020 in Bolivia ⋅ ☁️ 13 °C

    Schon vorweg: es wird ein emotionsgeladener Tag. Fangen wir beim positiven Teil an. Frühstück war für 5 Uhr angesetzt (laut Guide konnten wir ausschlafen; da wir wegen Regen die Inseln auf dem Salzsee nicht besuchen können, müssen wir nicht schon um 4 Uhr los). Nicht weit von der Unterkunft, direkt im Sonnenaufgang erreichen wir endlich den Salar de Uyuni, einen 2000 Quadratkilometer grosser Salzsee. In der jetzigen Regenzeit ergibt sich dort ein besonderes Phänomen: Alles was sich am Himmel abspielt, ist dank dem Wasserspiegel auch am Boden sichtbar. Der Horizont wird nur noch zur Kante dieses Spiegels und scheint unendlich weit entfernt. Da es kaum möglich ist, dieses Wunder der Natur in Worte zu fassen, überlassen wir euch das betrachten der gigantischen Fotos. Aber eines ist sicher: dem Himmer kann man kaum näher sein.
    Auch der trockene Teil der Salzfläche ermöglicht eine tolle Verzerrung der Optik. Durch die ebene, weisse Fläche und kaum Referenzpunkte am Horizont lassen sich Distanzen kaum einschätzen und es enstehen witzige Fotos und Videos; unser Guide war inkl. Plastik-Dinosaurier und lustigen Ideen auch wieder super vorbereitet. Da die anderen zwei einen Bus zu erreichen hat, hatten wir leider nicht so viel Zeit wie sonst auf dem See, dennoch war es ein einmaliges, surreales und einfach atemberaubendes Erlebnis.

    Nach einem gehetzten, aber leckerem Mittagessen inklusive Quinoa und Schocknachrichten aus der Schweiz, erreichten wir den Busbahnhof von Uyuni und verabschiedeten uns von den anderen. Nun mussten wir eine Entscheidung fällen. Da die Busfirma, die uns in den nächsten drei Tagen nach Potosi, Sucre und La Paz gebracht hätte, liess uns per Mail wissen, dass sie zwei Wochen schliessen. So. Keiner weiss, wie lange die anderen Busse noch fahren dürfen. Da die renomierteste Busfirma noch einen Sonderbus am nächsten Morgen bestätigt erhalten halt, aber auch danach nicht weiss ob es noch Busse raus aus diesem relativ wüsten Ort gibt, entschieden wir uns für die "sicherste" Varianten. Wir werden die wunderschöne Hauptstadt skippen und direkt nach La Paz fahren. Lieber dort feststecken als irgendwo anders. Zumal in einer Woche noch von dort aus ein Regenwaldbesuch ansteht. Wir buchen also den Bus und machen uns auf zum Hostel. Immerhin hat das geklappt, und wir sind eigentlich ziemlich zuversichtlich gestimmt, wie wir auch unseren Familien gegenüber verlauten lassen. Nach einigen Recherchen, wie sich die Situation in einem armen Land wie Bolivien, in dem viele Leute von der Hand in den Mund leben, entwickeln könnte bei einem Shutdown, erkannten wir eigentlich erst den ernst der Lage. Dies widerspiegelte sich auch bei der Suche nach einem Abendessen: alles geschlossen, wie ausgestorben. In einem Hotel, welches sein Restaurant für Gäste geöffnet haben darf, finden wir Unterschlupf, ein leckeres Essen und die Information, dass ab 17:00 Uhr alles geschlossen sein muss. Wieso nur dann weiss man nicht so genau. Da die Situation aber noch so offen und unklar ist entscheiden wir uns noch gegen eine Ausreise, da momentan ein Abbruch der Reise schon ziemlich besch...eiden wäre. Wir werden in La Paz die Lage noch einmal neu beurteilen und sehen, was die nächsten Tage bringen. Noch haben wir Hoffnung.
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    Stephie Bender

    Booaahhh🤩

    3/19/20Reply

    Sehr tolles Bild! [Antonia Schneider]

    10/14/20Reply
    Antonia Schneider

    Ist es möglich, dieses Bild für das Einladungsplakat zu einer kostenfreien wissenschaftlichen Onlineveranstaltung (Kolloquium) zu verwenden bzw. zu buchen? (Veranstalter sind in La Paz und es würde sehr gut zum Thema passen).

    10/17/20Reply
    Chantal Burri

    Dein Interesse freut mich sehr - da ist grundsätzlich sicher etwas möglich. Schreib mir doch kurz ein Mail (burri.chantal@hotmail.com) um was es genau geht und was ihr euch vorstellt😊

    10/17/20Reply
     
  • Day131

    3 - Tagestour nach Bolivien

    March 15, 2020 in Bolivia ⋅ ⛅ 11 °C

    Unsere letzten Tage in Chile sind gezählt. Wie knapp das aber noch war, erfahren wir erst später. Zuerst einmal buchen wir eine dreitägige Jeep Tour, inklusive dem berühmten und lang ersehnten "Salar de Uyuni", von San Pedro de Atacama, Chile nach Uyuni, Bolivien. Nach obligatorischer Verspätung und etwas nervösem Grenzübertritt, da wir ja immerhin Europäer sind, steigen wir in unser Auto für die nächsten drei Tage: ein 4x4 Jeep für 6 Personen. Mit uns ist ein Schweizer Ehepaar und zwei Französinnen in unserem Alter; eine ganz angenehme Truppe. Der erste Tag lag gänzlich im Zeichen der vielen Lagunen im "Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa". Vorbei an der Laguna Blanco, zur Laguna Verde bis hin zur Laguna Colorado, welche eindeutig das Tageshighlight darstellte. Wenige Meter vom Fussweg entfernt tümmelten sich hunderte von pinken Flamingos😍 Der Guide erklärte uns, dass wir sie so nahe nicht mehr sehen werden; hier scheinen sie sich jedoch nicht an den Touristen zu stören. Weiter gehts auf den sandigen Pisten, welche dank unserem souveränen Fahrer und Guide namens Delphin (kein Scherz) und dem 4x4 kein Problem darstellten, zu einem kleinen Geysirfeld. Allerdings war das Wasser hier nicht klar und durchsichtig, sondern es schien eher, als würde hier Zement brodeln. Grau und schwerfällig blubbert und schwefelt es vor sich hin, ziemlich faszinierend. Dem Geruch nach hat wohl jemand alte Eier hier entsorgt. Vor 180 Jahren. Oder so.
    Wir legen noch ein paar Stops in der Wüste ein, um die Atmosphäre der Dünen und der kantigen Felsen zu geniessen. Nach einem traditionellen z'Nacht (eine Art Grillteller mit Kartoffeln und Gemüse) fielen wir kaputt und nicht mehr ganz so frisch ins Bett. Denn obwohl wir ganz local-mässig Coca gekaut haben, brummt uns der Schädel in dieser luftigen Höhe.
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  • Day55

    Uyuni

    March 9, 2020 in Bolivia ⋅ ☁️ 14 °C

    Today has been a salty day...
    After a short flight from La Paz to Uyuni, we first went to see a train cemetery. The idea was that Uyuni would be a big train intersection but it didn’t work out, so now there are lots of mostly rusted steam trains sitting in the middle of nowhere. My dad and I had lots of fun pretending we were in Red Dead Redemption 2! We pretended to rob people with out pretend guns an we pretended to drive the train! It was so much fun 🚂!

    Next we drove to the salt flats and you could see all around you for miles without seeing other people. If there were cars far away they looked like hovercrafts because of the heat haze. At one point we stopped to take some silly photos which looked great because of the plain white background of the salt flats.

    In the evening we went to watch the sunset at a place in the salt flats with 5 centimetres of water, and everything reflected off it as there was plain white underneath. It was like the world’s largest mirror!

    Uyuni is supposed to have a great night sky but there were so many clouds we only saw 4 stars.
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    Sylvia Carney

    ❤️❤️

    3/10/20Reply

    love this photo. Crushing people with your feet, i think must have been a lot of fun doing these photos. And the background is unreal!

    3/12/20Reply

    💕 lovely

    3/28/20Reply
     
  • Day46

    In Sucre wird Geschichte geschrieben

    February 16, 2020 in Bolivia ⋅ ☁️ 19 °C

    Sucre ist die vierte Hauptstadt, die wir auf unserer Reise besuchen. Die Stadt liegt inmitten von grünen Hügeln und gefällt uns auf Anhieb. Die Strassen sind breiter als in Potosí, bei den Gebäuden macht sich der koloniale Einfluss bemerkbar. Viele Häuser sind in weiss gehalten und in gutem Zustand. Kein Wunder, dass die UNESCO die Altstadt von Sucre im Jahre 1991 als Weltkulturerbe anerkannte. Wir sind zugegebenermassen auch etwas erstaunt und hätten uns die Stadt weniger herausgeputzt vorgestellt. Es gibt viele schöne Restaurants und Cafés, gepflegte Parkanlagen sowie zahlreiche Kirchen und Museen. Der Standard erscheint uns im Allgemeinen recht hoch und wir freuen uns, hier einige Tage verbringen zu dürfen.

    Wir besuchen die Casa de la Libertad und sind beeindruckt, wie viel Geschichte dort passierte. Am 25. August 1825 unterzeichnete an dieser Stätte Simón Bolívar, der südamerikanische Unabhängigkeitskämpfer, die Urkunde, welche die Unabhängigkeit von Spanien verkündete und wurde erster Präsident des Landes. Unterstützung bei seinem Kampf um die Freiheit Südamerikas erhielt Bolívar von Antonio José de Sucre, der ein enger Vertrauter Bolívars und zugleich einer seiner wichtigsten Generäle war. Sucre beerbte Bolívar denn auch nach kurzer Zeit als Präsident und übernahm die Führung des noch jungen Landes. Ihm hat die bolivianische Hauptstadt übrigens auch ihren Namen zu verdanken. Bereits damals zeichnete sich ab, was Bolivien bis heute begleitet: Das Amt des Präsidenten ist ein Schleudersitz mit kurzer Verweildauer. In nicht einmal vier Jahren hatte die noch junge Republik sechs Präsidenten. In den knapp 200 Jahren ihres Bestehens «verbrauchte» Bolivien bisher 85 Präsidenten – und das sind die offiziellen Zahlen, Historiker geben die Zahl aller Präsidenten mit bis zu 200 an. Einige davon seien aber nur wenige Stunden im Amt gewesen, weshalb sie nicht auf den offiziellen Listen fungieren. Die Porträts der Präsidenten sind alle feinsäuberlich in der Casa de la Libertad aufgehängt und noch heute werden die Präsidenten nach der Wahl in der Casa de la Libertad vereidigt. Das letzte Bild ist jenes von Juan Evo Morales Ayma, der im November 2019 zum Rücktritt gezwungen wurde.

    Die Meinungen über Morales sind in Bolivien gespalten, wie wir anhand von zwei Beispielen erleben dürfen. Unser Uyuni-Guide Remy lobte die Arbeit von Morales, insbesondere in den Randregionen. Er habe viel für die Infrastruktur getan, sodass entlegene Dörfer nun auch sauberes Trinkwasser und Elektrizität hätten. Zudem förderte Morales den Strassenbau – bei jeder grösseren Baustelle stand ein Schild mit seinem Konterfeit, das über das Projekt informierte. Das zeigte uns, dass sich Morales marketingtechnisch durchaus zu inszenieren wusste. Auch habe er sich stark für die Bildung eingesetzt und die obligatorische Schulpflicht eingeführt, erklärte uns Remy. Die Kinder erhalten sogar Geld, wenn sie zur Schule gehen – aber nur, wenn sie persönlich erscheinen und auch regelmässig den Unterricht besucht haben. Das soll verhindern, dass die Eltern ihre Kinder nicht in die Schule schicken beziehungsweise nur an das Geld kommen wollen. Mittlerweile eine andere Meinung über Morales vertritt Jacqueline, unsere Gastgeberin in Sucre. Sie stammt aus der Schweiz, wohnt mit ihrer Familie aber seit über einem Jahrzehnt in Bolivien. Sie erklärt uns, dass sie anfangs eine grosse Supporterin von Morales war. Nach zwei Amtszeiten habe sich das Blatt jedoch gewendet: Morales habe sich hauptsächlich um seinen Machterhalt gekümmert, potenzielle Nachfolger ausgebootet und Günstlingswirtschaft betrieben. So habe er leider auch viel Gutes aus den ersten beiden Amtszeiten sabotiert, etwa dass die Indigenen an Selbstbewusstsein gewannen und der Rassismus ihnen gegenüber abnahm. Jacqueline ist enttäuscht, da sie einige Hoffnung in Morales gesetzt hatte. Sie erzählt uns auch von den Blockaden der letzten Monate. Und thematisiert den Wahltag, an welchem Morales Rivale vorne lag, als plötzlich die Internetseite abgeschaltet wurde und sich später Morales erneut zum Wahlsieger ernannte. In Folge heftiger Proteste und auf Anraten / Drängen des Militärs floh er ins Ausland. Da im Frühling Wahlen mit sehr ungewissem Ausgang anstehen, hat sie kaum Buchungen für ihr B&B. Wir sind denn auch die einzigen Gäste.

    Neben spannenden Einsichten zur Politik Boliviens bietet uns Jacqueline auch wertvolle Restaurant-Tipps und interessante Ausflugsmöglichkeiten an. Wir entscheiden uns deshalb, noch eine Nacht in Sucre anzuhängen, damit wir den Sonntagsmarkt in Tarabuco besuchen können. Der Ort liegt etwa 60 Kilometer östlich der Hauptstadt. Wir schnappen uns ein Colectivo in der Nähe der Plaza Mujer, Madre y Heroina und sind knapp zwei Stunden unterwegs. Als wir an einem Unfallort vorbeifahren, muss der Fahrer anhalten und fragen, was passiert ist. Auch für die übrigen Mitreisenden scheint das ein Spektakel zu sein: Sie steigen aus und informieren sich, was geschehen ist, um dann gemeinsam zu beklagen, wie schlimm doch Unfälle sind. Wie wir später lesen, sind Unfälle auf dieser Strecke keine Seltenheit. Nach der Aufregung verläuft die Fahrt ohne Zwischenfälle und wir kommen im ländlichen Tarabuco an. Hier herrscht buntes Treiben und die ohnehin schon engen Gassen sind mit unzähligen Marktständen zugepflastert. Für einen Mann mit Simons Grösse ist es kein einfaches Unterfangen, unter den niedrigen Ständen durchzugehen. Wir werden aber nicht nur der Grösse wegen angeschaut, sondern auch weil an diesem Sonntag kaum Touristen in Tarabuco anzutreffen sind. Auf dem Markt kann man wirklich alles kaufen: Von Früchten und Gemüse über Fleisch bis hin zu Schulsachen und Kleidung. Auch an Essensständen und einer grossen Halle mit improvisierten Küchen fehlt es nicht, obwohl die Hygieneverhältnisse aus Schweizer Optik prekär sind. Um unsere Mägen zu schonen, verzichten wir deshalb auf einen Snack. Für die Bewohner der umliegenden Täler und Berge ist der Sonntagsmarkt in Tarabuco ein Highlight, bei dem man sich trifft und vornehmlich in Aymara sowie Quechua austauscht. Entsprechend hektisch und laut geht es zu und her. Uns wird es irgendwann zu viel und wir flüchten durch die Menschen und Tiere (vor allem Esel, Schweine und Hühner) auf einen nahegelegenen Hügel. Herrlich, diese Ruhe – muy pacífico. Wir müssen uns richtiggehend aufraffen, uns nochmal ins Getümmel zu stürzen. Wir durchqueren den Markt im Schnelldurchgang und schon sitzen wir mit zehn anderen Fahrgästen im engen Colectivo zurück nach Sucre. Unser Ausflug hat sich gelohnt und war sehr spannend, hat er uns doch die ländliche Seite von Bolivien nochmals vor Augen geführt. Das ist eine ganz andere Welt als Sucre und zeigt uns, dass weite Teile des Landes noch immer stark von Armut betroffen sind.

    Sucre ist die Hauptstadt Boliviens, aber dennoch keine Weltstadt. Das wird uns bei unserer Abreise nochmals bewusst: Unser Taxifahrer Javier erklärt uns, dass der Flughafen von Sucre vier Gates hat und lediglich zwölf Flüge pro Tag anbietet. Möglicherweise ist es das Kleinteilige, das Reisende aus der Schweiz anzieht: An unserem letzten Abend in Sucre geniessen wir ein feines Mahl im La Taverne. Drei Tische sind insgesamt besetzt, an allen drei Tischen sitzen Gäste aus der Schweiz. Wir wähnen uns nicht in der bolivianischen Hauptstadt, sondern eher in einer Beiz im Niederdörfli. Keine Weltstadt, aber attraktiv für Schweizer – das muss Sucre sein.
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    Barbara Rutz

    Interessant 😊 ich hatte eine Kursteilnehmerin, die aus 🇧🇴 stammt

    3/10/20Reply
     

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Plurinational State of Bolivia, Bolivien, Bolivia, Bolivië, ቦሊቪያ, Bolibia, بوليفيا, Wuliwya, Boliviya, Балівія, Боливия, Bolivi, বোলিভিয়া, བོ་ལི་ཝིཡ།, Bolivija, Bolívia, Bolívie, Bolifia, Bolivia nutome, Βολιβία, Bolivio, Boliivia, بولیویا, Boliwii, Bolivie, An Bholaiv, Boilibhia, બોલિવિયા, Bolibiya, בוליביה, बोलीविया, Բոլիվիա, Bólivía, ボリビア共和国, ბოლივია, បូលីវី, ಬಲ್ಗೇರಿಯಾ, 볼리비아, बोलिविया, بۆلیڤیا, ໂບລິເວຍ, Mbolivi, Bolīvija, Боливија, ബൊളീവിയ, बोलिव्हिया, Bolivja, ဘိုလီးဘီးယား, Boribiya, Bolivtlān, Bholiviya, बोलिभिया, ବୋଲଭିଆ, Boliwia, Puliwya, Bolivïi, බොලීවියාව, Boliifiya, பொலிவியா, బొలీవియా, โบลิเวีย, Polīvia, Bolivya, بولىۋىيە, Болівія, Bô-li-vi-a (Bolivia), Bolivän, Orílẹ́ède Bọ̀lífíyà, 玻利維亞, i-Bolivia