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  • Day15

    Seetag

    December 11, 2016, South Atlantic Ocean ⋅ 🌧 25 °C

    Gestern habe ich mein zweites iBook beendet: „The sins of the father“ (Jeffry Archer). Bin jetzt sicher, dass ich alle iBooks bis zum Ende des Urlaubs gehört habe. Am besten eignen die sich zum besseren Einschlafen. Dann verpennt man zwar das eine oder andere Kapitel. Da ich das Buch aber vorab gelesen habe, geht die Story nicht an mir vorbei. In den vorderen Bereich der „Fähre“ gehe ich überhaupt nicht mehr. Da gibt es für mich nichts Interessantes. Da laufen nur geschniegelte Typen rum und die Veranstaltungen sind nicht für mich gemacht. Und shoppen ist eh nicht mein Ding ...

    Ich werde auf den restlichen Tagen dieser Seefahrt definitiv nicht mehr in das riesige zweistöckige Bedienrestaurant gehen. Mir ist es dort einfach zu förmlich und steif. Außerdem servieren die mehrere warme Gänge, die ich am Abend gar nicht will. Ich bin mit meinem Salatbüffet im Selbstbedienungsrestaurant „gut bedient“ und kann leger mit kurzer Hose dorthin gehen. Und dort hinten kann ich glücklicherweise auch in den nichtklimatisierten Pool Bereich ausweichen.

    07:30h:
    Es ist angenehm leer im Frühstücksbereich. Die Leute schlafen an einem Seetag immer länger. Das Wetter ist eher bewölkt, aber dennoch warm. Unser Kurs ist SÜD/WEST in Richtung Rio de Janeiro.

    10:00h:
    Ich hatte eine längere Unterhaltung mit einer netten Chinesin, die mit Ihren Eltern auf Tour ist. Sie sprach brauchbares Englisch und erzählte mir, dass sie als christliche Missionarin in Indien arbeitet. Irgendwann fing sie an, auch mich missionieren zu wollen. Aber das funktioniert bei mir nicht. Normalerweise wird alles in mehreren Sprachen veröffentlicht. Außer bei Bingo: Da ersparen die sich eine deutsche Übersetzung, vermutlich weil sie wissen das die deutschen Gäste an Bord sich für solche neckischen Spiele nicht interessieren. Es kann aber auch damit zu tun haben, dass beim Bingo kein Deutsch gesprochen wird. Überhaupt ist die deutsche Übersetzung hier an Bord sehr holprig und teilweise gar irreführend. Die englische Übersetzung ist da schon deutlich besser. Aber so richtig in Form kommen die erst, wenn Sie Italienisch sprechen können. Manche deutschen Übersetzungen aus dem Italienischen dauern nur halb so lang. Da bleibt bestimmt einiges auf der Stecke. Mir ist das aber komplett wurscht.

    11:30h:
    Bin durchs Innere des Schiffs geschlendert. Am besten kann man das auf Deck 5 von vorne nach hinten. Schwer für mich zu verstehen, mit was für Belanglosigkeiten sich manche Leute die Zeit vertreiben. Alberne Frage / Antworten Shows, Koch - Shows oder einfach nur am einarmigen Banditen sitzen und spielen. Wichtig scheint für diese Leute, dass immer irgendwelche Hintergrundgeräusche da sind, egal wie schrill. Ich kann mir das nur wenige Minuten antun.

    15:00h
    Heute ist der Südatlantik deutlich bewegter. Für ein kleineres Schiff würde das schon ein ernsthafter Seegang sein, aber meine riesige „Fähre“ geht da sehr geschmeidig durch. Wäre ja auch schlimm, wenn den Passagieren das (Plastik)bierglas vom Tisch rutschen würde ...

    17:30h:
    Ich teile mir schon seit Tagen „meine Holzbank“ mit einem sehr netten italienischen Zeitgenossen. Er versucht mir gestenreich seine Sicht der Dinge zu erklären. Er versteht mich nicht und ich ihn auch nicht. Trotzdem verstehen wir uns bestens.

    18:30h:
    Heute wird das nichts mit dem Sonnenuntergang. Dafür scheint aber wieder einmal „Pinguinball“ zu sein. Viele Männer laufen in Anzug und Fliege rum. Die Damen im passenden Abendkleid. Muss ich mir später mal anschauen, was das so abgeht im vornehmeren Abschnitt meiner Fähre. Vermutlich „Käpten’s Dinner. Da kannst Du in der Schlange stehen und irgendwann dem Kapitän die Hand schütteln. Das Profi Bild kannst du dann am nächsten Tag im Fotoshop käuflich erwerben und dir zu Hause im Wohnzimmer aufhängen. Toll ...

    19:30h:
    Die meisten Leute wirken irgendwie gezwungen. Da fehlt jegliche Leichtigkeit. Die Musik ist passend zur Stimmung. Kein Platz für mich! Morgen früh werde ich den Wecker auf 05:00h stellen. Ich möchte auf keinen Fall die Einfahrt in den Hafen von Rio de Janeiro verpassen. Als ich vor einigen Jahren schon mal in Rio war, konnte ich oben vom Zuckerhut sehen, wie unmittelbar ein Kreuzfahrer daran vorbeigefahren ist. Das wird sicher eine spektakuläre Einfahrt. Wenn das Wetter mitspielt und die Christusstatue nicht (wie häufig) in Wolken gehüllt ist, werde ich versuchen da hoch zu kommen. Ich war zwar schon zweimal da oben, aber da muss ich einfach noch mal hoch. Und nachmittags versuche ich dann noch einmal den Zuckerhut. Beides bedeutet sicher langes Warten in Schlangen. Aber das muss man leider akzeptieren.
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