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  • Day32

    PoB 6/10: Dobërdol-Milishevc

    June 27, 2019 in Kosovo ⋅ ☀️ 18 °C

    Wir sind im Kosovo! Ich kanns kaum glauben. Vor ein paar Wochen hätte ich niemals geglaubt dass ich jemals den Kosovo bereisen würde. Den habe ich seit früher, als ich noch klein und im Kosovo Krieg herrschte, immer noch als gefährliche Region im Kopf.
    Wir wandern durch schöne, saftig grüne Wälder, Idylle pur. Ich bin so stolz hier zu sein und fühle mich bereichert, mir mit jedem Schritt das richtige Bild vom Kosovo machen zu können.
    BOOM!
    Auf einmal hören wir einen lauten Knall unweit vor uns - „Das war ein Schuss“, sagt Micha. BOOM! „Und das noch einer“
    Innere Panik. Das Schritt für Schritt erwanderte neue Bild vom Kosovo implodiert schlagartig. ‚Was zum Teufel mache ich im Kosovo?! Wieso schießen die? Auf wen? Die sehen uns gar nicht hier durch das Dickicht im Wald, nachher trifft der dritte Schuss aus Versehen uns!‘
    Wir nähern uns Schritt für Schritt der Gegend, aus der die Schüsse kamen. Nicht cool, alle Idylle weg. Es sieht nach wie vor schön aus, es fühlt sich aber nicht mehr schön an. Das Motorengeräusch, welches aus der gleichen Richtung kommt, scheint leiser zu werden, irgendwann bleibt es gleich leise. ‚Der Boden sieht nicht nach frischen Autospuren aus’, sagt Micha, wir gehen weiter nach vorne. Letztendlich sehen wir einige Menschen, Bauarbeiter, die gerade ein neues Gasthaus hochziehen. Sie grüßen freundlich. Ich bin todeserleichtert, habe keine Ahnung woher die Schüsse kamen und warum sie abgefeuert wurden. Die Arbeiter scheinen aber so gar nicht in Aufruhr, es wird also etwas harmloses gewesen sein.

    Mein Magen gluckert, dieses typisch albanische Essen, und vorallem jeden Tag und bei jeder Familie das gleiche, setzt unseren Mägen zu. Endlich in Milishevc angekommen hör ich, wir jemand meinen Namen ruft. Caros Papa winkt uns zu der Pension, in der er, seine Tochter und die nette andere deutsche Truppe übernachteten, die wir allesamt bei Bashkimi im Guesthouse kennengelernt hatten. Das Guesthouse war so lala, wir haben kein einziges Foto davon, ich glaube das sagt alles: Es gab Nescafe aus der Tüte, Tee vom Teebeutel, Essen aus der Verpackung, gekauften Raki den man extra zahlen musste, und Schablettenkäse inklusive Ketchup für das Lunchpaket - 100% unauthentisch. Für Maja und die deutsche Truppe wird es morgen der letzte Wandertag sein, danach treffen sie Majas Eltern und fahren mit denen nach Peja, um bei Majas Eltern zu übernachten, bevor es für alle außer Maja am Tag danach wieder zurück nach Deutschland geht. Ob wir mit zu ihren Eltern kommen und dort übernachten wollen? ‚Meine Eltern würden wich freuen, wir haben noch ein Zimmer frei, je mehr desto schöner!‘ Es ist Maja in diesen letzten Tagen sowie ihre absolut warme, herzliche und mega nette Familie, die mein Bild vom Kosovo so positiv werden lässt.
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