Sudan
Sudan

Discover travel destinations of travelers writing a travel journal on FindPenguins.

7 travelers at this place

  • Nov23

    Faszinierende Wüste und Felsgravuren

    November 23, 2020 in Sudan ⋅ ☀️ 24 °C

    Heute morgen bin ich erneut von dem wunderschönen Sonnenaufgang in der Wüste fasziniert! Da wir sehr früh schlafen gehen (zwischen 20 und 21 Uhr), wache ich “automatisch” vor Sonnenaufgang auf 😉. Mein erstes Foto habe ich daher heute schon um 5.45 Uhr gemacht! Es ist einfach toll, diese Morgenstimmung zu genießen, wie das Licht langsam über dem Horizont erscheint und dann der gelbe Sonnenball über dem Wüstensand aufsteigt. Die Luft ist bei Sonnenaufgang noch sehr frisch. In der Nacht kühlt es in der Wüste stark ab, so dass mein warmer Daunenschlafsack mit Komforttemperatur von ca. 5 Grad auch notwendig ist!

    Es gibt erneut ein fantastisches Frühstück von Barir, heute mit frischen Crèpes und Obstsalat. Die Zitrusfrüchte sind hier ein totaler Genuss, sehr saftig. Nach dem Zusammenpacken der Zelte fotografiere ich noch unser mobiles “Badezimmer”, bestehend aus Wasserkanistern und drei Aluschalen für Gesicht und Hände. Ich komme sehr gut damit zurecht! Mir hilft dabei sehr, dass ich mich wie die Asiaten und Afrikaner problemlos in die tiefe Hocke setzen kann. Zähneputzen findet einfach irgendwo im Sand statt. Und der Toilettengang hinter der nächsten Düne oder einem Felsen 😉.

    Dann brechen wir mit unseren Geländewagen wieder auf in die Wüste. Ich stelle fest, dass die Wüste total abwechslungsreich ist, es wird nie langweilig. Mal ist es bis zum Horizont ganz flach, mal gibt es Hügel oder Sanddünen, mal ist es felsig, mal ausschließlich sandig, auch die Gesteinsarten wechseln zwischen Basalt, Sandstein oder auch mal Granit. Dann gibt es Bereiche mit Sträuchern und Akazien, wo der Grundwasserspiegel ausreicht. Ich kann mich jedenfalls nicht satt sehen an den Wüstenlandschaften!

    Wir halten bei einem ehemaligen Fort aus dem 7. Jahrhundert v.Chr. Viel ist davon nicht übrig geblieben, wir können noch die Umrandung erkennen auf dem flachen Sandhügel. Auf den Steinen finden sich allerdings noch die Felsgravuren von damals, das ist spannend. Da kommt die Archäologin in mir durch, haha 😉. Es gibt viele regelmäßige Muster, wie ein Schachbrett. Deren genaue Bedeutung liegt noch im Dunkeln. Auf dem Hügel ist es äußerst windig! Ja, der Wind spielt generell in der Wüste eine große Rolle, wie ich auch später immer wieder feststelle. Er kommt und geht, manchmal ist er sehr stark, manchmal ist es total windstill. Auch eine neue Erfahrung!

    Dann fahren wir weiter zum „Jebel Peak“. Aus der flachen Wüstenebene erhebt sich ein einzelner großer Sandsteinberg. Faszinierend! Auch hier gibt es Felsgravuren. Eine Giraffe ist erkennbar. Vor langer Zeit gab es hier eine fruchtbare Savannenlandschaft, in der auch Giraffen und sogar Elefanten unterwegs waren. Auf den Felsen unterhalb des Gipfels richtet Khalid unseren Mittagessenplatz ein, Barir tischt wieder Leckeres auf. Es ist der einzige Schattenplatz weit und breit. Gibt es etwas Schöneres, als mit dieser Aussicht auf eine faszinierende Landschaft in der Stille der Wüste ohne weitere Menschen das Mittagessen zu genießen? 😊☀️
    Bevor wir weiterfahren, errichtet Khalid ein Steinmännchen, da kommt der Künstler in ihm durch.

    Unterwegs stoßen wir auf versteinertes Holz. Das ist wirklich erstaunlich, es sieht wirklich aus wie Holz. Erst wenn man ganz nahe drangeht und die „ Baumstämme“ oder „ Äste“ berührt, stellt sich heraus, dass sie aus hartem Stein sind. In dieser Gegend gibt es überall Minidünen, die gerade im entstehen sind. Ausgangspunkt sind kleine Bodenpflanzen, an denen sich der Sand „staut“. Teilweise ist der Boden auch bedeckt von schwarzen Basaltstücken oder die Sanddünen haben schwarze Basalt“gipfel“. Auch hier wieder große Vielfalt der Landschaften!

    Wir erreichen wieder einen schönen Übernachtungsplatz in den Sanddünen - herrlich! Der Zeltaufbau klappt inzwischen wie am Schnürchen. Eine meiner Zeltstangen hat allerdings gelitten - ich habe es geschafft, sie zu verbiegen, so dass mein Zelt nicht mehr ganz symmetrisch aussieht 😂. Da es heute abend relativ windstill ist, sitze ich etwas länger draußen und hole auch meine beiden mitgebrachten Kerzen raus. Das gibt doch eine schönere Stimmung als die gleißend helle Lampe am Auto.
    Read more

    Rita Bus

    Unglaublich, faszinierend.

    12/7/20Reply
    Anke Rypalla

    Dein Schatten ist ja ewig lang.

    12/7/20Reply
    Petra Hielscher

    😊 Ja, die Sonne stand ganz flach über dem Horizont, die Schattenspiele in der Wüste sind einfach toll!

    12/7/20Reply
    2 more comments
     
  • Nov22

    Mitten durch die Wüste

    November 22, 2020 in Sudan ⋅ ☀️ 26 °C

    Heute morgen bin ich (aus Versehen durch den Wecker) um 6 Uhr aufgewacht - pünktlich zum Sonnenaufgang! Was für ein Naturschauspiel! Der Wüstensand wird in goldenes Licht getaucht, die Sonne steigt langsam über der Wüste auf, einfach wunderschön! Hier heißt es: tief einatmen und genießen :) Ich bin einfach glücklich und dankbar, dies erleben zu dürfen! Mehr brauche ich nicht.

    Dann packe ich meinen Schlafsack zusammen und räume mein Zelt aus inklusive meiner kleinen Luftmatratze und der Schlafmatte, die wir gestellt bekommen. Um 7.30 Uhr gibt es ein herrliches Frühstück mit Eieromelette, Grapefruit, Joghurt, Fladenbrot, Ziegenkäse und einer arabischen Spezialität (helva, wie ich von Jane lerne), die mir total gut schmeckt. Mit Khalid unternehmen wir einen kurzen Spaziergang und entdecken einen Skarabäus. In alten Zeiten ein heiliges Tier, das häufig mit der Sonne gezeigt wurde („Ra“).

    Gegen 8.30 Uhr brechen wir auf in die Wüste - die Western Desert. Wir fahren durch das endlose Nichts - und doch gibt es hier viel zu sehen! Sanddünen, die der Wind geformt hat, Basaltfelsen als Überbleibsel ehemaliger Vulkane, Akazienbäume, kleine bodennahe Pflanzen, die der Ausgangspunkt von Dünen sind, wie uns Khalid erklärt. Immer wieder wechseln die Landschaften, mal ist es ganz flach, mal hügeliger.

    Mit unseren beiden Geländewagen kurven wir hier durch im wahrsten Sinne des Wortes! Eine Piste ist nicht erkennbar. Es macht bestimmt Spaß, ohne Beachtung irgendwelcher Verkehrsregeln einfach seinem eigenen Weg ohne erkennbare Straße zu folgen! Die Geschwindigkeit wird nur von der Bodenbeschaffenheit und Leistungsfähigkeit des Allradwagens bestimmt. Ich genieße es sehr von meinem Beifahrersitz! Vor uns fährt der Wagen mit Khalid. Das sieht einfach toll aus, wie dieses einzige Auto weit und breit durch die Wüstenlandschaft fährt! Ab und zu sehen wir Kamele (eigentlich Dromedare mit einem Höcker) 🐪 meist ohne Reiter.

    Dann begegnet uns ein Reiter auf einem Kamel mit einem weiteren Kamel im Schlepptau. Wir erfahren, dass er seit 5 Uhr morgen unterwegs ist und bisher ca. 35 km zurückgelegt hat. Er hat Vorräte eingekauft. Voraussichtlich wird er noch bis 23 Uhr unterwegs sein, um nach Hause zu gelangen. Ein langer Tag! Er ist ein älterer freundlich aussehender Mann mit nur noch wenigen Zähnen im Mund. Die Kamele werden unruhig, daher zieht der Mann weiter - er hat ja noch viele Stunden vor sich bis in die Nacht hinein. Es ist erstaunlich, wie sich diese Wüstenmenschen orientieren. Khalid erklärt mir, natürlich folgt er der Sonne oder nachts den Sternen - diese Menschen hätten jedoch keinerlei Angst sich zu verirren, sie reiten gemächlich ihres Weges in dem festen Wissen, irgendwann zu Hause anzukommen.

    Gegen 13 Uhr kommen wir bei dem einzigen Schatten spendenden Baum weit und breit an. Gibt es hier GPS für Bäume? Ich bin wieder total erstaunt, wie unser erster Fahrer Amir diesen Baum gefunden hat. Klar, die kennen sich hier aus. Und er hat natürlich GPS. Dennoch bin ich beeindruckt!

    Unter diesem wunderbaren Baum wird unser Mittagstisch aufgebaut. Es gibt wieder mal eine große Vielfalt zu essen - und das mitten in der Wüste! Was für eine tolle Stimmung, ich empfinde tiefes Glück. Ich erinnere mich an die Safaris, bei denen wir ähnliche Plätze aufgesucht haben.

    Wie aus dem Nichts kommt plötzlich ein einzelner älterer Mann vom Horizont hergelaufen. Er wird von unserer Crew freundlich empfangen und bekommt auch etwas zu essen. Außerdem geben sie ihm zwei große leere Wasserkanister mit, die können diese Nomaden hier gut gebrauchen. Ich kaufe dem Mann kleine Muscheln ab, es ist mir ein Bedürfnis, auch etwas zu geben und eine Erinnerung an diese schöne Begegnung zu behalten. Mit einem großen breiten Lächeln bedankt er sich. Khalid sagt zu mir, schau, dieses große Lächeln ist sein Geschenk an Dich. Ich freue mich - Kommunikation ohne Worte.

    Dann bricht der Mann wieder auf mit seinem ruhigen stetigen Gang in die Wüste in Richtung seines Dorfes. Langsam sehe ich ihn dahinziehen. Hier scheint das Leben ganz ohne Eile, jedoch stetig vorwärts zu gehen in seinem eigenen beständigen Rhythmus und einem täglich wiederkehrenden Zyklus. Alles strahlt eine gewisse Ruhe aus, die auf mich faszinierend wirkt.

    Dann brechen auch wir wieder auf von diesem schönen Platz und fahren weiter durch die Wüste. Wir kommen an einem Brunnen vorbei, der aus einem tiefen Loch im Boden besteht, umrandet von Autoreifen, abgedeckt von einer mit Steinen beschwerten Plastikplane. Wow, mitten im Sand Wasser, das das Überleben der Menschen hier sichert. Jetzt wird auch klar, warum wir vorhin jemanden aus der Ferne hier laufen sahen. Eine Frau hatte Wasser geholt. Ja, die Menschen hier laufen täglich viele Kilometer, um in dieser unwirtlichen Gegend überleben zu können.

    Hier in der Gegend verläuft auch der Wadi al Milk. Die Wadis waren vor langer Zeit Flüsse, sind jedoch seit langem ausgetrocknet und vom Test der Wüste nur aufgrund ihrer Form ähnlichceines Flussbetts zu erkennen. Der Wadi al Milk ist einer der größten wadis.

    Gegen 16.30 Uhr kommen wir an unserem Übernachtungsplatz in den Dünen an. Wieder mal eine fantastische location! Vor einer großen Sanddüne platzieren wir unsere Zelte. Am zweiten Tag schaffe ich meinen Zeltaufbau ganz alleine - juhu! 💪 Ich sitze bis Einbruch der Dunkelheit am Rande der Düne um zu schreiben. Dann gibt es wieder ein reichhaltiges Abendessen mit Fleisch, frischen Pommes, sudanesischem Salat und Gemüse. Wir unterhalten uns noch und genießen den nächtlichen Sternenhimmel. Mars, Saturn und Jupiter sind zu sehen und auch Orion, Kassiopeia und die Pleiaden.

    Da die Nacht früh hereinbricht und das „Unterhaltungsprogramm“ hier nachts begrenzt ist (haha!), verschwinden wir alle früh in unsere Zelte. Ich schreibe noch ein bisschen mit Stirnlampe im Zelt, dann mache ich es mir in meinem neuen Schlafsack gemütlich. Gute Nacht! 😴
    Read more

    Anke Rypalla

    Ach ist das schön!

    12/6/20Reply

    Ist das toll Petra [Franzi]

    12/7/20Reply
    Petra Hielscher

    Danke Franzi, ich hab es mit allen Sinnen genossen. Das Erleben dort vor Ort ist unbeschreiblich!

    12/7/20Reply
    Thomas Seabird

    Einfach nur wunderbar

    12/7/20Reply
     
  • Dec1

    Jebel Barkal - der heilige Berg

    December 1, 2020 in Sudan ⋅ ☀️ 23 °C

    Rund 15 km von El Kurru entfernt befindet sich der heilige Jebel Berkal, ein imposanter isoliert stehender Bergrücken. Westlich davon stehen einige Pyramiden, die wir heute morgen als erstes erspähen, als wir von der Asphaltstraße abfahren. Meine ersten Pyramiden „live“, juhu! Das ist ein besonderer Moment für mich😊.

    Im Zuge ihrer Kolonialisierung ab dem 15. Jahrhundert glaubten die Ägypter unter Tutmosis III., im Berg Jebel Barkal aufgrund seiner besonderen natürlichen Steinformationen einen Wohnort des Gottes Amun entdeckt zu haben. In der markanten steil aufragenden Felsnadel sahen sie unter anderem die Kobra mit der göttlichen Sonnenscheibe. Die Ägypter gründeten daher hier die Stadt Napata, die gleichzeitig die Südgrenze ihres damaligen Reichs markierte. Später wurde Napata die Hauptstadt des Kusch-Reichs.

    Die Hauptsehenswürdigkeit hier ist der große Tempel des Amun, der im Lauf der Jahrhunderte unter den verschiedenen Herrschern sukzessive erweitert wurde. Widdersphinxe kennzeichnen den Eingang zum Tempel. In einer Kartusche findet man z.B. den Namen des Schwarzen Pharao Pianchi. Es stehen auch einige Säulen, auf denen die ägyptische Göttin mit den Kuhohren abgebildet ist.

    Wir sehen hier die ersten anderen Touristen seit unserer Ankunft im Sudan! Eine kleine Reisegruppe. Irgendwie hatte ich mich schon ganz selbstverständlich daran gewöhnt, dass wir die einzigen Touristen weit und breit sind. Ja, so ist das Erleben hier - wir können alles ganz in Ruhe nur für uns genießen 😌.
    Read more

    Thomas Seabird

    Imposante Anfahrt

    12/13/20Reply
    Thomas Seabird

    Ist das der Lebensschlüssel in der Mitte?

    12/13/20Reply
    Petra Hielscher

    Ja, uns wurde erklärt, es ist das Zeichen für Leben und heißt „anch“.

    12/14/20Reply
     
  • Dec1

    Nubisches Hotel und Nil-Bootstour

    December 1, 2020 in Sudan ⋅ ☀️ 30 °C

    In der Nähe des Jebel Barkal befindet sich ein Hotel im nubischen Stil, das der italienischen Reiseagentur gehört. Hier übernachten wohl auf die Touristen, die wir vorhin gesehen haben. Wir dürfen hier heute mittag die Duschen benutzen. Diesmal handelt es sich sogar um eine “richtige” Dusche mit Brausekopf, wenn auch das Wasser kalt ist.😊 In diesem Wüstenklima wird man einfach schnell staubig und die Füße sind sowieso immer dreckig. Der Sand trocknet die Haut sehr aus, ich habe daher den Eindruck, inzwischen raue “Krokodilfüße” zu haben, haha. Fließendes Wasser empfinde ich inzwischen als echten Luxus!

    Nach der erfrischenden Dusche schaue ich mir das Anwesen an. Es scheint wie aus einer anderen Welt in dieser trockenen Umgebung - überall tropische Pflanzen und Blumen! 🌸🌺 Meine Lieblingsblüten - Frangipani - sind auch zu sehen und zu riechen! Das ganze Anwesen ist sehr geschmackvoll gestaltet nach Art der hiesigen Bauweise mit vielen dekorativen Elementen und weitläufigen Innenhöfen und Sitzgelegenheiten.

    Auf uns wartet noch ein schöner Programmpunkt - eine kleine Bootstour auf dem Nil! Diesmal mit unserem eigenen kleinen Privatboot. Es ist schön, übers Wasser zu gleiten, weiße Reiher sind zu sehen und auch der kleine grüne Bienenfresser. Das ist immer wieder faszinierend - ein großer Fluss mitten in der Wüste! Eben sind wir noch durch Sand gekurvt und jetzt befinden wir uns auf fließendem Gewässer - das Wort “Lebensader” gewinnt für mich hier eine wirklich erfahr- und fühlbare Bedeutung! Ohne den Fluss gäbe es hier kein Leben.
    Read more

    Welch tolle Farben [Heike]

    12/13/20Reply
    Petra Hielscher

    Ja das war schön! 😊🌺

    12/14/20Reply
     
  • Dec1

    Nuri-Pyramiden und Sonnenuntergang

    December 1, 2020 in Sudan ⋅ ☀️ 28 °C

    Heute nachmittag besichtigen wir das Pyramidenfeld von Nuri, das zeitlich nach El Kurru als Begräbnisstätte der nubischen Könige genutzt wurde. Es sollen dort rund 20 Könige und über 50 Königinnen begraben worden sein. Zuvor genießen wir noch unsere Mittagspause - mit Blick auf das Pyramidenfeld! Hinter uns ist ein Dorf, Kinder sind unterwegs - wir haben also diesmal Zuschauer beim Mittagessen 😉. Ich bin immer wieder von neuem begeistert, welch schöne Mittagsplätze unsere Crew für uns aussucht!

    Dann laufen wir zu den Pyramiden. Die Totenstätte wurde von rd. 700 bis 350 v.Chr. genutzt. Der amerikanische Archäologe Reisner, der als erster vor rund 100 Jahren viele historische Stätten in Nubien ausgegraben hat, hat seinerzeit auch Nuri erforscht. Z.B. ist hier auch die Grabkammer des berühmten Taharqa mit der größten Pyramide des Kusch-Reichs. Dessen Grabschatz ist heute über die Welt verteilt, u.a. über 1.000 kleine Statuetten.

    Im Vergleich zu den ägyptischen Pyramiden sind die nubischen kleiner und steiler. Außerdem befinden sich die Grabmale nicht innerhalb oder unterhalb der Pyramiden, sondern davor. So wie beim Grab von Tanutamun führt eine Treppe von der Erdoberfläche nach unten in die Grabkammer, daneben bzw. dahinter wurde die massive Pyramide errichtet. In Nuri haben die Gräber in der Regel drei Kammern. Wir spazieren durch das Pyramidenfeld, das malerisch in den Sanddünen liegt. Beeindruckend! Ich fühle mich irgendwie erhaben in dieser Umgebung und bin mal wieder so dankbar, dass ich dies “live” erleben darf!

    Wir fahren zu unserem Übernachtungsplatz. An diesem Abend kann ich mich einfach nicht sattsehen am wunderschönen Sonnenuntergang und den Farben der Wüste und des Himmels im Licht der untergehenden Sonne!
    Read more

    Thomas Seabird

    Traumhafte Aufnahme!

    12/13/20Reply
    Petra Hielscher

    Dankeschön Thomas!

    12/14/20Reply
     
  • Nov21

    Nilkreuzfahrt und Start in die Wüste

    November 21, 2020 in Sudan ⋅ 🌙 28 °C

    Nach der Begrüßung brechen wir auf zu unserer Tour. Khalid hat uns eben erklärt, dass wir während der nächsten zwei Wochen „offline“ sein werden ohne Mobilfunk- und Internetempfang. Wow, in unserer modernen Welt kommt das ja nicht mehr vor und ist daher echt etwas Besonderes😊.

    Da wegen Corona auch hier die Museen geschlossen sind, gibt es als Ersatzprogramm eine Nilkreuzfahrt. Das finde ich toll, da ich das Wasser und solche Flussfahrten in exotischen Ländern liebe. Die „Hafenanlage“ erinnert mich an Myanmar und den Mekong. Die Boote sehen für uns Westeuropäer sehr einfach und etwas heruntergekommen aus. Das macht mir gar nichts aus - ich weiß aus Erfahrung, das alles funktionstüchtig ist! Wir steigen mit Khalid in ein recht verrostetes Boot mit Sitzbänken auf beiden Seiten. Es ist unser Privatboot mit einer zweiköpfigen Crew!

    Mit dem Bootsführer habe ich Spaß, wir lachen und schießen Fotos. Das funktioniert auch ohne Sprachkenntnisse😂. Wir fahren zum Zusammenfluss von weißem und blauem Nil. Beeindruckend, man erkennt die Farbunterschiede deutlich - den dunkleren blauen Nil und helleren milchigen weißen Nil. Ich genieße die hochsommerlichen Temperaturen, die leichte Brise und die Aussicht auf den Nil und die alte Eisenbrücke.

    Nach der Nilkreuzfahrt geht’s zum Grabmal des sog. „ Mahdi“. Mahdi heißt soviel wie „Messias“. Ende des 19. Jahrhunderts führte der Mahdi den weltweit ersten erfolgreichen Aufstand gegen eine Kolonialbesatzung - damals bestehend aus Briten und Ägyptern - an. Er wird daher verehrt und aufgrund der Tatsache, dass mit ihm erstmals so etwas wie ein vereinter unabhängiger Sudan entstand. Er soll vom Propheten Mohammed abstammen, so wird es in einer Inschrift im Innern des Grabdenkmals erklärt. Das Gebäude ist beeindruckend, faszinierend ist auch die erste Begegnung mit einem islamischen Geistlichen.

    Dann fahren wir weiter aus der Stadt hinaus Richtung Wüste. Das ist Afrika, wie ich es liebe - staubige Straßen, einfache Lehmhäuser, viele Menschen auf der Straße, „open air“-Obst- und Gemüseverkaufsstände - alles findet draußen statt. Ich fühle mich total an Tansania erinnert und bin glücklich!
    Unterwegs kaufen wir Eis in großen Blöcken zur Kühlung. Mit einem speziellen riesigen Eisschneider wird der Block zerteilt. Toll, sowas habe ich noch nie gesehen.

    In einem einfachen Restaurant am Straßenrand findet unsere erste Mittagspause statt. Wir werden von Barir fürstlich bewirtet mit verschiedenem Gemüse, Reis und Huhn. Danach trinke ich meinen ersten sudanesischen Kaffee. Er wird zubereitet wie türkischer Mokka, dann wird noch Ingwerpulver hinzugefügt. Schmeckt ungewohnt und lecker! Diesen Kaffee werde ich später noch häufiger genießen.😋

    Wir fahren weiter auf der Asphaltstraße. Links und rechts ist Wüste, staubige Sträucher, Ziegen, die ersten Kamele (bzw. Dromedare), große Amphoren aus Ton, in denen Wasser aufbewahrt wird, vereinzelte Menschen sind zu Fuß unterwegs. Einfach schön, ich genieße die Weite. Bei einem Straßenhändler erstehen wir im Licht der untergehenden Sonne Wassermelonen.

    Im Sonnenuntergang erreichen wir unseren ersten Zeltplatz mitten in der Wüste in den Sanddünen. Wow! Wir haben die unendliche Weite und Stille ganz für uns alleine. Hier gibt es keinerlei Platzprobleme, jede darf ihr Zelt aufbauen, wo sie möchte. Es ist nur wichtig zu wissen, wie nah der nächste geschützte „Toilettenplatz“ ist😉.

    Der erste Zeltaufbau findet mit Khalids Hilfe statt. Brita, Jane und ich haben jeweils ein eigenes geräumiges Igluzelt. Der Zeltaufbau macht großen Spaß! Das Abendessen aus Barirs mobiler Küche unter dem Sternenhimmel ist total lecker! Ich erkenne den Orion, Polarstern, Kassiopeia und die Planeten Jupiter, Saturn und Mars und genieße den Anblick des weiten und sehr klaren Sternenhimmels bis zum Horizont!

    Khalid zeigt uns auf seinem Handy einige seiner Kunstwerke. Er hat Kunst studiert, malt und ist Bildhauer. Sein Hauptmotiv sind Frauen - die bildet er mit den unterschiedlichsten Techniken ab. Manches erinnert mich an Picasso, sehr beeindruckend! Er hat auch bereits Ausstellungen gemacht, kann jedoch leider von der Kunst bisher nicht leben, was sein Traum wäre. Später auf der Reise erzählt er von seiner Familie, wie er mit seiner Frau und vier Kindern, Bruder und Familie und seiner Mutter zusammenlebt. Mit allen Schwierigkeiten, die ein solches Zusammenleben von vielen Menschen mit sich bringt. Es ist jedoch hier eine Selbstverständlichkeit, sich gegenseitig zu unterstützen. So unterstützt Khalid auch seinen Bruder finanziell, der keinen gut bezahlten Job wie Khalid hat.

    Wie wir später erfahren, kam Khalid mehr oder weniger zufällig zu seiner Arbeit als Reiseführer. Er hat sich das Wissen im Selbststudium mit großem Engagement und Wissbegierde angeeignet. Dazu spricht er fließend englisch (die Staatsaprache ist arabisch) und italienisch. Auch deutsch kann er ziemlich gut, obwohl er insgesamt nur sechs Monate in Deutschland verbracht hat und kaum Möglichkeiten hat, die Sprache zu praktizieren.

    Ich bin sehr überrascht und total beeindruckt. Khalid ist ein Mensch mit großem inneren Reichtum und Einfühlungsvermögen, er hat viel zu erzählen und ein großes Wissen. Ich bemerke schon am ersten Abend, dass wir uns glücklich schätzen können, ihn als unseren Reiseführer zu haben!
    Read more

    Rita Bus

    Und mit Teppich, ist ja witzig😁

    12/6/20Reply
     
  • Nov21

    Ankunft in Khartoum

    November 21, 2020 in Sudan ⋅ 🌙 24 °C

    Nach einer sehr bereichernden Reise mit unendlich vielen tiefen und neuen Eindrücken und Erlebnissen bin ich wieder zurück in Deutschland. Zwei Wochen waren wir ohne Internetempfang in der Wüste und nubischen Dörfern und Städten unterwegs. Es gibt unendlich viel zu erzählen! Ich habe während der Reise meine Erfahrungen und Erlebnisse „offline“ notiert. So habe ich mich entschlossen, die Reise nochmal vom Beginn an aufzuschreiben. Dabei kann ich alles nochmal erleben - wie schön!

    Es geht also los mit dem Flug von Frankfurt über Istanbul nach Khartoum am 20.11....

    Es ist mein erster Flug in diesem Jahr und damit auch der erste seit Ausbruch der Corona-Krise. Daher bin ich gespannter und aufgeregter als bei früheren Flugreisen. Wie wird das Erleben sein, unter den geänderten Bedingungen mal wieder am Flughafen zu sein und mit dem Flieger abzuheben?

    Ich stelle im Flughafen fest, dass die Atmosphäre teilweise etwas gespenstisch ist, da ja sämtliche Cafés und Restaurants geschlossen sind. Im Vergleich zur Situation vor Corona ist der Flughafen deutlich leerer, viel weniger Menschen sind unterwegs. Die Statue von Goethe in einem geschlossenen Café trägt eine Gesichtsmaske - das finde ich amüsant! Bei der automatischen Passkontrolle steht ein Hinweis, man möge doch zur Gesichtserkennung bitte den Mundschutz abnehmen - haha, hier lache ich ebenfalls laut auf 😂. Im Flugzeug geht es weiter: Bevor bei einem Druckabfall die Sauerstoffmaske aufgesetzt wird, bitte vorher Mundschutz abnehmen !😆😷

    Dann heben wir um 11.40 Uhr ab - ich freue mich riesig, mal wieder zu fliegen! Ich schaue um mich herum - die meisten Passagiere sind dunkelhäutig oder zumindest mit fremdländischen Gesichtszügen. Nach meinem Eindruck gibt es nur wenige andere Deutsche im Flieger von Turkish Airlines. Ich fühle mich als Exotin und freue mich darüber. Das Abenteuer kann beginnen!

    Der Anflug auf Istanbul ist toll - ich sehe das Schwarze Meer, den Bosporus und die Stadt. Der erst im letzten Jahr eröffnete neue Istanbuler Flughafen ist riesig mit langen Laufwegen. Er erscheint recht leer - die langen breiten Gänge wirken daher auch hier etwas gespenstisch. Die Corona-Maßnahmen sind überall sichtbar - Masken, Hinweise auf Social distancing und frei zu haltende Sitzplätze, Desinfektionsmittel...

    Am Gate A4c nach Khartoum sehe ich vor allem Männer unterschiedlicher Hautfarbe und ein paar Frauen mit Kopftuch. Der Sudan ist ja ein islamisches Land. Auch hier steche ich mit meiner Hautfarbe und Kleidung als Touristin eindeutig hervor! Im relativ gut besetzten Flieger ist es ebenfalls bunt - Dunkelhäutige, Frauen mit Kopftüchern und Körperbemalung. Schräg vor mir sitzt eine Frau mit feinen dekorativen Tatoos auf den Händen und goldfarbenen Armreifen - exotisch!

    Die Ankunft in Khartoum ist um Mitternacht - es ist mild und ein bisschen windig. Das erinnert mich an frühere Reisen nach Afrika und Asien. „Welcome to Sudan“ steht am Flughafeneingang. Mir kommen die Tränen vor Freude. Ich freue mich riesig, hier zu sein und empfinde es aufgrund der aktuellen weltweiten Reisebeschränkungen als etwas ganz Besonderes! Bei den Kontrollen (Corona-Test, Pass, Visum) läuft alles wie am Schnürchen. Als ich meine Reisetasche vom Gepäckband nehme, ist es ein besonderer Moment. Jetzt weiß ich - die Reise kann starten, es hat alles geklappt!

    Tajini von der sudanesischen Reiseagentur (eine Niederlassung der Italian Tourism Co.) holt mich am Flughafen ab. Er spricht sehr gut deutsch, obwohl er nie in Deutschland gelebt hat - ich bin beeindruckt! Wir fahren durch die milde Nacht am dunklen Nil entlang und kommen am Hotel an. Es ist das Grand Holiday Villa Hotel in der Nile Avenue, ein historisches Gebäude im Kolonialstil. Ich habe eine große Suite mit separatem Wohnzimmer und Balkon. Wow!

    Nach einer kurzen Nacht treffe ich morgens meine beiden Mitreisenden Brita und Jane sowie unseren sudanesischen Reiseleiter Khalid. Brita ist 77 (!), in Gotha geboren, in Österreich aufgewachsen und in die USA ausgewandert. Sie lebt seit Jahrzehnten in den USA, hat jedoch zwischendurch auch in Trinidad gelebt mit ihrem ersten Mann. Jetzt lebt sie in Washington. Jane ist 69 und ursprünglich Neuseeländerin. Sie ist ebenfalls vor Jahrzehnten in die USA ausgewandert und lebt in Manhattan/New York. Ich bin also die einzige Deutsche und auch mit Abstand die Jüngste in unserer Reisegruppe. 😉

    Brita und Jane sind beide sehr agil, äußerst reiselustig und ständig in der Welt - auch an sehr exotischen Plätzen - unterwegs. Jane hat sogar mal ein Jahr in Indien gelebt. Brita war vor kurzem in Timbuktu, das Jahr zuvor in Papua Neuginea. Sie hat keine Angst, auch in Länder mit angespannter politischer Situation zu reisen. Ihre Devise ist: Sie vertraut dem Reiseveranstalter - „if they go I go“. Ja, das kann ich für mich nachvollziehen! Später bekomme ich im Lauf unserer Sudantour immer wieder Tipps für exotische Reiseziele von den beiden, wofür ich sehr dankbar bin.

    Vor dem Hotel warten unsere beiden Toyota-Geländewagen, mit denen wir nun zwei Wochen unterwegs sein werden. Die beiden Fahrer heißen Samir und Amir, unser Koch heißt Barir. Ich bin überrascht und total beeindruckt, dass solch eine große Crew für uns sorgen wird! Wir werden sehr herzlich von Khalid und dem Rest der Crew begrüßt, ich fühle mich sofort wohl! Damit ist unsere Gruppe komplett. Zu siebt werden wir also unterwegs sein: Brita, Jane, Khalid, Samir, Amir, Barir und ich. Ich freue mich riesig auf die Tour!
    Read more

    Rita Bus

    Oh wie schön, Sonne und Palmen zu sehen.😊🤗

    12/6/20Reply
     
  • Nov24

    Dongola und Umgebung

    November 24, 2020 in Sudan ⋅ ☀️ 28 °C

    Ein erneut fantastischer Sonnenaufgang über der Wüste! Ich bin jedesmal von neuem fasziniert und genieße es daher sogar, um 6 Uhr aufzustehen;)! Nach der inzwischen zur schönen Gewohnheit gewordenen „Katzenwäsche“ an unseren drei Blechschalen und einem leckeren Frühstück in der Morgensonne brechen wir zum nahegelegenen Dorf auf.

    Das erste Mal nach zwei Tagen sehen wir wieder menschliche feste Behausungen;) ! Sie sind aus Lehm von Hand errichtet. Schicht für Schicht wurden die kleinen Häuser und Ställe aufgebaut, man erkennt die einzelnen Schichten gut anhand horizontaler Linien. Die Dächer bestehen aus Palmwedeln. Türen und Fenster wurden teilweise kunstvoll bemalt. Es gibt auch einige Brunnen.

    Leider wurde das Dorf offenbar vor kurzem verlassen. Khalid kann auch nicht erklären, wann und warum, da wir ja die einzigen Touristen in dieser Saison sind und er auch länger nicht hier war. Ich finde es dennoch interessant zu sehen, wie Menschen hier leben.

    Dann fahren wir weiter zur Stadt Dongola, wo unsere Crew die Vorräte auffüllen möchte. Dongola ist die bedeutendste Stadt nördlich von Khartoum mit rund 200.000 Einwohnern. Wir haben hier „leisure time“ zum Erkunden des quirligen Marktlebens. An diesem Tag habe ich ein T-Shirt mit sehr kurzen Ärmeln an. Da fühle ich mich etwas unwohl angesichts all der Frauen mit langen Gewändern und Kopftüchern. Ich schlinge also das schöne Tuch um Kopf und Schultern, das mir Birgit zum Geburtstag geschenkt hat. Jetzt fühle ich mich „richtig“ angezogen :).

    Es ist wirklich viel los in den staubigen Straßen! Tuktuks, Autos, Menschen überall. Spezielle Fußgängerüberwege gibt es keine, wie Khalid uns erklärt, da heißt es einfach aufpassen beim Überqueren. Verkehrsregeln sind für uns Westeuropäer nicht erkennbar;). Es ist ein großer Straßenmarkt, überall wird etwas verkauft - Spielzeug, Teppiche, Obst und Gemüse aller Art, Gewürze, Haushaltsgegenstände undundund...

    Fotografieren ist generell schwierig hier, vor allem Frauen. Ich wage es daher nicht, einfach so drauflos zu „knipsen“ auf der Straße. Brita und ich bleiben jedoch immer wieder stehen und fragen einzelne Verkäufer oder Mütter mit ihren Kindern, ob wir sie fotografieren dürfen. Brita ist generell sehr an Menschen und ihrer Lebensweise interessiert. Mit ihrem Charme schafft sie es häufig, schöne Porträtaufnahmen zu ergattern. Die Menschen hier sind erstaunlich offen und schenken uns auch auf unsere Nachfrage häufig ein Lächeln. Ich war diesbezüglich vorher unsicher, da ich aufgrund der islamisch geprägten Kultur größere Zurückhaltung bei den Menschen erwartet hatte. Meine Zweifel waren unbegründet, wie sich hier hieraus stellt!

    Die Männer posieren meist gerne hinter oder neben ihren Ständen. Mir gelingt eine unerwartete Aufnahme an einem Gemüsestand. Ich möchte den Verkäufer mit seinen bunten Früchten fotografieren. Als ich das Foto später anschaue, entdecke ich im Hintergrund eine Frau, die offen in die Kamera lächelt. Darüber bin ich glücklich, da dies selten vorkommt und daher etwas Besonderes ist, wie Khalid bestätigt.

    An einem Stand bekommen wir leckeren Kaffee mit Ingwer und Tee mit frischer Minze. Davor hatte ich süße orientalische Gebäckstücke gekauft - ich möchte soviel wie möglich probieren!

    Dann biegen wir wieder in die Wüste ab. Wir machen Mittagspause an einem wunderschönen Platz im Sand mit vereinzelten Büschen, kleinen Bäumen und Palmen. Als wir dort sitzen, kommen zwei junge Frauen vorbei, eine trägt ein kleines Kind im Arm. Ich finde es immer wieder erstaunlich, woher Menschen in dieser Wüstengegend ohne erkennbare Straßen oder Wege, einfach querfeldein, kommen! Wir fahren in die goldene Abendsonne hinein und kommen schließlich an unserem Übernachtungsplatz zwischen Granitfelsen und Sanddünen an. Beim Zeltaufbau sind wir inzwischen recht flink!

    Nach dem wie immer reichhaltigen Abendessen unterhalten Jane und ich uns noch mit Khalid. Er erzählt sehr interessant und anschaulich von seinem Privatleben in einer Art Großfamilie mit seinem Bruder mit insgesamt 8 Kindern und all den damit einhergehenden Herausforderungen. Und er erzählt auch davon, wie sich das politische System im Sudan seit Ende der 80er Jahre verändert hat und viele soziale Errungenschaften zunichte gemacht wurden bzw. sich Rahmenbedingungen für die allgemeine Bevölkerung verschlechtert haben. Beispielsweise wurde das öffentliche Schulwesen stark vernachlässigt, so dass eine enorme Kluft zwischen der Qualität der privaten und öffentlichen Schulen entstanden ist. Auch er schickt - sozusagen gezwungenermaßen - seine Kinder in die Privatschule.

    Wie die meisten Menschen hier - und unsere ganze Crew - ist Khalid Muslim und folgt den Regeln, die Teil des Islam sind. Dazu gehört z.B. das tägliche Gebet. Khalid erklärt uns, dass die Regeln nicht streng befolgt werden müssen, sondern entsprechend der Bedürfnislage angepasst werden können. Für jemanden wie ihn, der unterwegs ist, können z.B. die fünf täglichen Gebete auf zwei reduziert werden.

    Die Unterhaltungen mit Khalid sind immer sehr interessant. Er ist sehr gebildet, kennt sich in Geschichte und Politik gut aus. Außerdem ist er ein äußerst angenehmer und empathischer Mensch, der viel über das Leben und die Menschen nachdenkt. Darüber hinaus ist er ja Künstler. Immer wieder malt er für uns etwas zur Erklärung und Veranschaulichung in den Sand wie zum Beispiel Wandmalereien oder auch Landkarten, um den aktuellen Standort zu erklären. Wir profitieren also in vielerlei Hinsicht!
    Read more

  • Nov30

    Eine wunderschöne Mittagspause

    November 30, 2020 in Sudan ⋅ ☀️ 29 °C

    Nach der Besichtigung von Old Dongola fahren wir weiter auf der Asphaltstraße. Hier ist weiterhin wenig Verkehr. An vielen Stellen erreichen die Sanddünen die Straße, so dass der Asphalt unter Sand begraben wird. Faszinierend! Ab und zu stehen Straßenschilder verloren im Sand. Es gibt so unwahrscheinlich viele Eindrücke, die so weit weg vom Leben in Deutschland erscheinen!

    Dann erreichen wir unseren heutigen mittäglichen Rastplatz direkt am Nil - wunderschön und mit Worten kaum zu beschreiben!

    Hier wachsen viele Palmen - Dome Palms, wie ich erfahre. Die Sanddünen fallen sanft bis zum Ufer ab, Vögel flattern hin und her. Da packe ich mein Fernglas aus und mache mich auf die Suche. Mehrere wunderschöne grüne Vögel sind zu sehen. Ich schaue in meiner ostafrikanischen Vogel app nach - es ist der “little green bee-eater”. Auch Nester von Webervögeln sind zu sehen. Ich genieße den Blick aufs Wasser, die Sanddünen, Palmen und Vögel! Da entdecke ich ein großes Reptil in Ufernähe. Langsam kriecht es ans Ufer, ist das ein Nilkrokodil? Wie ich später von Khalid erfahre, handelt es sich um eine Waranart. Die Größe ist jedenfalls echt beeindruckend!

    Unser Mittagstisch wird von unserer Crew im Schatten von Palmen aufgebaut, kann es es etwas Schöneres geben?

    Nach dem Mittagessen begegnen wir einem Mann mit Wasserkanistern über der Schulter. Er bekommt etwas zum Essen eingepackt. Das erlebe ich hier immer wieder. Wenn Nomaden vorbeikommen, ist es für unsere Crew selbstverständlich, dass sie mit Nahrungsmitteln, Wasser oder leeren Kanistern versorgt werden.
    Read more

  • Dec4

    Musawwarat und Begegnung mit Nomaden

    December 4, 2020 in Sudan ⋅ ☀️ 25 °C

    Zum Tagesabschluss besichtigen wir noch eine riesige Anlage monumentaler Steingebäude in Musawwarat. Es ist wie ein Labyrinth und erstreckt sich über 5.000 qm. Die genaue Funktion ist bis heute nicht bekannt. Aufgrund der Abbildung von Elefanten und seltsamer Rampen könnte es ein Trainingscamp für Kriegselefanten gewesen sein. Andere Theorien gehen von einem religiösen Zweck (Pilgerstätte für Gott Apademak) oder einem saisonalen Königspalast aus.

    Heute übernachten wir in der semiariden Sandwüste mit Akazien und Gestrüpp. Wieder mal ein toller Platz! Hier grasen auch Ziegenherden. Im Hintergrund sind Hügel zu sehen. Dorthin ziehe ich mich zurück, um meine letzten Notizen zu schreiben und den ereignisreichen Tag ausklingen zu lassen. Als ich bei Dunkelheit mal hinter dem Gebüsch verschwinde, kommt tatsächlich die Ziegenherde mitsamt dem Hirten vorbei. Das ist auch mal ein Erlebnis, haha! 😂

    Kurz vor Sonnenaufgang wache ich am nächsten Morgen auf. Ich habe wieder herrlich geschlafen in meinem Zelt in der Wüste! Die Sonne kommt gerade über den Horizont, wie schön! Es sitzen schon drei kleine Nomadenkinder neben uns im Sand - sie verhalten sich ganz ruhig und warten geduldig, was passiert. Von unserer Crew bekommen sie leere Wasserkanister. Als wir frühstücken, kommen auch Erwachsene hinzu. Sie bekommen alle eine Mahlzeit von unserer Crew und den Wasservorrat, den wir übrig haben. Wir haben ja reichlich, da ist es schön, dass sie daran teilhaben können. Ein paar Jungs turnen auf einem Esel und haben Spaß.

    Dann brechen wir wieder auf, diesmal zum Löwentempel von Musawwarat. Unterwegs begegnen wir Kamelen und dem Tempelwärter, der hinten auf den Wagen aufspringt und so mitfährt.

    Der Löwentempel wurde ca. 225 v.Chr. unter König Arnekhamami errichtet und ab den 1960er Jahren von einer Ostberliner Expedition wieder aufgebaut. Man konnte ihn anhand der großflächigen Wandreliefs rekonstruieren, wie ein Puzzle sozusagen. Die fehlenden Teile wurden einfach durch Stein ersetzt.

    Die Reliefs sind fantastisch! Man sieht recht naturalistische Darstellungen des Löwengotts und anderen Göttern wie bspw. den Falkengott Horus und König Arnekhamani mit Sohn sowie Gefangene und auch Elefanten. Der Wärter schließt uns auf, so dass wir auch das Innere sehen können. Das grelle Licht fällt von außen durch die Tür, was mich zu schönen Fotos animiert😉.
    Read more

You might also know this place by the following names:

Republic of the Sudan, Sudan, Soedan, ሱዳን, Sudán, السودان, Судан, Sudaŋ, সুদান, སུ་དཱན།, Soudan, El Sudan, Súdán, Y Swdan, Sudan nutome, Σουδάν, Sudano, Sudaan, سودان, Sodan, An tSúdáin, સુદાન, סודן, सूडान, Szudán, Սուդան, Súdan, スーダン共和国, სუდანი, Sudani, ស៊ូដង់, ಸೂಡಾನ್, 수단, سوودان, Sudania, Sudaani, Sudá, ຊູດານ, Sudanas, Suda, Sudāna, സുഡാന്‍, सुदान, ဆူဒန်, सुडान, ସୁଦାନ୍, Sudão, Sudäan, සූඩානය, Suudaan, சூடான், సుడాన్, ประเทศซูดาน, Sūteni, سۇدان, سوڈان, Xuđăng (Sudan), Sudän, סודאן, Orílẹ́ède Sudani, 苏丹, i-Sudan