Satellite
Show on map
  • Day802

    Die Ups & Downs auf Utila

    November 12, 2021 in Honduras ⋅ ⛅ 27 °C

    OK unser letzter Footprint ist schon ein ganzes Weilchen her, aber fangen wir am besten vorne an - Unsere Anreise:

    Nach unserer Partynacht in Livingston, war unsere einzige Rettung, dass wir immer noch gut einen im Tee hatten, als um 4:45Uhr die Wecker klingelten. Also ab zum Fähranleger und los mit dem Lancha Richtung Puerto Barrio. Abgesehen von der leichten Übelkeit, wurden wir auf dem Wasser mit einem wunderschönen Sonnenaufgang begrüßt und ergatterten in Puerto Barrio auch direkt einen Anschlusstransfer zur Grenze. Nach ein wenig Grenz-Hick-Hack überquerten wir ca. eine Stunde später zu Fuss die Grenze nach Honduras - Land Nummer drei auf unserem Trip ✔️

    Soweit so gut - Next Stop: San Pedro Sula und der größte Busbahnhof von Honduras. Mit Gitte's und Philippe's letzten Quetzales charterten wir uns ein Taxi inklusive Pommestheken-Spoiler und 1,5 Stunden später waren wir am Busbahnhof, mit noch grade genug Zeit um etwas zu Essen in unsere verkaterten Mägen zu schieben. Alles sah so aus als würden wir es tatsächlich schaffen die letzte Fähre in La Ceiba nach Utila zu bekommen. Würden nicht die Wahlen in Honduras kurz bevor stehen! Denn ausgerechnet heute kamen die Anhänger der Oppositionspartei auf die grandiose Idee einen Autocorso entlang der einzigen Straße nach La Ceiba zu machen. Hunderte Autos geschmückt mit rotweißen Flaggen und zig hundert Leute, die auf der Straße rumsprangen sorgten dafür, dass wir entweder gar nicht oder in slow-motion voran kamen, währenddessen die Klimaanlage im Bus uns drohte schockzufrieren. Unser hart erarbeitete Vorsprung schrumpfte immer weiter und als wir um 16:11Uhr in La Ceiba eintrafen, hatten wir die Fähre schon längst abgeschrieben. Schließlich hatten wir nicht mal unsere Backpacks und der Fährhafen lag 8km außerhalb der Stadt. Während wir weiter auf unseren Kram warteten ging Christoph schonmal raus um ein Taxi in die City zu organisieren, als er plötzlich einen geisteskranken Taxifahrer fand der tatsächlich meinte er schafft es uns noch rechtzeitig auf die Fähre zu bringen. Eine Minute später saßen wir vier mit Sack und Pack im Taxi, bereit für die wahrscheinlich gefährlichste Fahrt unseres Lebens! Der Typ war einfach gestört, mit über 100 Sachen bretterte er mitten durch die City und flog Tokiodriftmäßig um die Kurven. Teilweise hielt ich mir nur die Augen zu, wie in einem schlechten Horrorfilm. Aber tatsächlich, als wir am Anleger ankamen hatten wir noch 5 Minuten. Arbeitsteilung war angesagt: Ich gab das Gepäck auf, Christoph und Philippe kauften die Tickets und Gitte bezahlte den Zoll, so dass wir um genau 16:30Uhr gemeinsam mit den letzten Gepäckstücken auf die Fähre gingen - Wir hatten es geschafft! Und so nett wie unser Tag mit einem herrlichen Sonnenaufgang begonnen hatte, endete er jetzt mit einem wunderschönen Sonnenuntergang. Erst jetzt merkten wir eigentlich wie kaputt wir alle waren, verständlich wir waren ja auch schon 12h unterwegs... Wir wollten nur noch ankommen, die erstbeste Unterkunft nehmen und irgendwo etwas essen gehen!

    Als die Fähre am Hauptpier von Utila anlegte, konnten wir glücklicher nicht sein. Doch das sollte sich schnell ändern, als ziemlich bald darauf eine Armada von Sandflies und Mosquitos über uns her viel und wir zu begannen zu tanzen "like an Irish chick"! Wir dachten eigentlich uns erwartet das Paradies, aber von diesen Biestern war nie die Rede gewesen?! - Memo an mich, in Zukunft unbedingt Sandfly-Seasons mit beachten! Ziemlich schnell stellte sich außerdem heraus, dass auch die Unterkünfte hier nicht grade unserem Budget entsprachen, doch da wir einfach nur platt waren, buchten wir uns für die erste Nacht für geschlagene 70Euro in einem Viererzimmer, mit geteiltem Bad ein.

    Am nächsten Morgen suchten wir uns dann ein erschwinglicheres Airbnb mit eigener Küche :P Leider lag das Airbnb relativ weit außerhalb, sodass man, je nachdem zu welcher Tageszeit man unterwegs war, den Großteil der Strecke einfach nur rennen musste, um nicht als Mückensnack zu enden. Wurde man auf dem Weg von einem starken Regenschauer überrascht blieben einem lediglich zwei Option, bei lebendigem Leib gefressen zu werden, oder pitschnass zu werden - Meistens entschlossen wir uns für Zweiteres. Ich übertreibe nicht wenn ich da von 50+ Stichen pro Tag rede - Welcome to Paradise!

    Warum waren wir nochmal hier? Achja um zu tauchen! Während die anderen drei Tauchen gingen und die wirklich unglaubliche Unterwasserwelt Utilas erkundeten, saß ich zu Hause mit einer fetten Erkältung, die ich der Busfahrt nach La Ceiba zu verdanken hatte. Mit Netflix und Co, eigentlich kein Ding, aber unser Haus hatte natürlich kein Notstromagregat. So dass ich tagsüber meistens ohne Strom da saß...  Das Wetter war auch wenig Paradise-Like, sodass unsere Ausflugspläne meistens von den Unmengen an Mosquitos zu nichte gemacht wurden. Nach und nach begannen wir aber immer besser damit zurecht zu kommen. Anti-Bite wurde zur täglichen Bodylotion und abends räucherten wir uns auf unserer Terasse gut ein, sodass wir auf vielleicht 10 Stiche am Tag runter kamen. Außerdem hatten die Biester ein wirklich erstaunliches Zeitgefühl 17-18Uhr absolute Highseason, aber um Punkt 19Uhr war dann auch Schluss. Langsam gewöhnten wir uns an die Insel und auch wenn es an Gitte's und Philippe's letzten Tag geschüttet hat wie aus Eimern, hatten wir den Spaß unseres Lebens, weil einfach alles so absurd paradiesisch/unparadiesch war! Nach vier Tagen im "Paradies" endete unser gemeinsamer Trip und die zwei zogen weiter Richtung San Salvador, um von da aus nach Kolumbien zu fliegen. Wir hatten echt ne mega Zeit zusammen (zugegeben das Wetter hätte besser sein können😅) - Danke ihr Süßen!

    Nach dem die Beiden abgereist waren, zogen wir bei Under Water Vision ein, wo wir für Umme unterkamen, sofern wir dort tauchen gehen und da meine Erkältung mitlerweile durch war, konnte ich es kaum erwarten tauchen zu gehen! Die anderen sollten nicht zu viel versprochen haben, die Unterwasserwelt hier ist einfach unglaublich. Selten haben wir so intakte Riffe gesehen, die dazu nur ein paar Minuten von der Küste entfernt liegen. Da das Wetter weiterhin unverändert schlecht war, verbrachten wir eigentlich jeden Tag mit Tauchen, bis wir uns eines super verregneten Tages dazu entschlossen einen Wreck Specialty Course zu machen. Direkt vor der Küste Utila's liegt das Frachtschiff Halliburton in 30m Tiefe. Man tat das gut, im Gegensatz zu den Fundives endlich mal wieder sein Hirn beim Tauchen zu nutzen und gefordert zu werden. Wir lernten das Wrack zunächst nur von Außen kennen und skizzierten die komplette Struktur des Schiffes mit Ein- und Ausgängen, sowie Verbindungen zwischen den einzelnen Ebenen (Die Halliburton hat 4 Ebenen). Im Anschluss lernten wir das Reel zu benutzen - Eine Kordel (🐷🤣) die beim Orientierungsverlust sicherstellt, dass man auch ohne Sicht wieder aus dem Wrack findet und finally am letzten Tag ging es dann zu zweit ins Wrack! Eigentlich klappte alles erstaunlich gut und wir hatten weit aus mehr Luft und Zeit zum erkunden der einzelnen Ebenen, als wir es uns vorher hätten vorstellen können. Bis ich auf der letzten Ebene es geschafft habe, das Reel derart zu verhäddern, dass wir es Unterwasser nicht mehr enttüddelt bekommen haben - Upsi! Aber vllt auch ganz gut, dass mal was schief läuft 😜 Wir mussten die Schnur also so aufwickeln und die weitere Erkundung abbrechen. Zu unserem Glück sahen wir aber noch eine riesige Moräne beim Tauchen durchs Führerhäuschen. Aber nichtsdestotz hat es einfach nur richtig Bock gemacht und wir haben mal wieder gemerkt, wie viel Spaß uns das Tauchen macht!

    Und wie als wollte uns das Wetter überzeugen hier zu bleiben, schien unentwegt die Sonne und Utila zeigte sich von seiner schönsten Seite. Plötzlich war es da, das Paradies! In unserer Dive Base fühlen wir uns auch super wohl, so dass wir uns ebenfalls bei einer der drei "Utila Lies" ertappten:

    # I will not drink today!
    # I will leave tomorrow!
    # I love you!

    Eigentlich wollten wir am Freitag Morgen die Fähre nehmen, stattdessen liege ich jetzt grade in einer Hängematte und Christoph und ich haben uns für die Ausbildung zum Divemaster angemeldet. Wir werden wohl noch ein Weilchen hier bleiben :P
    Read more

    Tizian Wagner

    Wahnsinn 😍👌🏻

    11/12/21Reply