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  • Day3

    Minoer und fantasievolle Archäologen

    August 21, 2019 in Greece ⋅ ⛅ 27 °C

    'Das Disneyland der Archäologen'
    So wird Knossos in einem unserer fünf Reiseführer spöttisch beschrieben.
    Ich muss aber durchaus sagen, dass diese Formulierung gar nicht mal so übertrieben ist, wenn man bedenkt, dass bestimmt 50% der Ruinen des minoischen Palastes nach Vorstellung des Entdeckers rekonstruiert und dabei fantasievoll verziert und bemalt wurden.
    Dadurch wurde den alten Gemäuern in meinen Augen ein gewisser Respekt aberkannt, was ich sehr bedaure. Aber nichts desto trotz war es ein interessanter Ausflug, bei dem man durchaus dazugelernt hat.
    Begonnen haben wir unser Altertumsprogramm aber nicht in Knossos, sondern im geschichtlichen Museum in Heraklion, wo zahlreiche kretische Funde ausgestellt sind und einem die kulturelle Geschichte Kretas näher gebracht wird.
    Die Minoer gelten als erste Hochkultur Europas und faszinieren mit erstaunlich präzise müssen hergestellten Schmuckstücken und Alltagsgegenständen ebenso wie mit ihren außergewöhnlichen Bräuchen und Ritualen und ihrem vielfältigen Handel mit Afrika, Kleinasien und dem griechischen Festland.
    Die minoische Bildschrift kann bis heute nicht entziffert werden, da es keine Übersetzung in bekannte altertümliche Schriften gibt.
    Somit kann auch der Kult des 'Sprungs über den Stier' nicht eindeutig belegt werden, welcher aber von Wissenschaftlern für ein traditionelles minoisches Ritual oder einen Sport (nicht lebensgefährlicher als heutige Extremsportarten) gehalten wird.
    Naja, man kann auf jeden Fall festhalten, dass die Minoer deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient hätten und mindestens so viele spannende Erfindungen und Mythen auf Lager haben wie die alten, durchgekauten Ägypter (deren Zähne durch den Sand im Essen ja tatsächlich ziemlich durchgekaut waren;)).
    Anschließend gab es dann noch Ruhe und Seelengebaumel am Pool und ein tolles Abendessen.
    Und das Respektproblem kann ich möglicherweise beim morgigen Ausflug zu einer rohbelasseneren Ausgrabungsstelle namens Festos beheben. Wir dürfen gespannt sein.
    Ps: In der Hauptstadt waren die Straßen sogar fast immer zweispurig!!!
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