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  • Day182

    Tagestrip asiatisch: 1x alles in 10Std

    November 24, 2019 in Peru ⋅ ⛅ 12 °C

    Ich hab wegen diesem blöden Magen-Darm zu viel hier nicht gesehen, also machen wir heute ALLES, ganz nach asiatischer Art. 😜 Die Tour dauert 10 Stunden, involviert viel Fahrerei, und man steigt nur zum Fotoknipsen aus bevor man dann, kurze Zeit später später, zum nächsten Highlight braust.
    Der Selfiestick ist eingepackt, es kann loooosgehen! 😍

    Wir fahren an einer Kondorfarm vorbei. WOW! Da merkt man erstmal wie riiiesig die Vögel sind! Ein Mann steht neben dem Vogel, während dieser sich bereitmacht zu fliegen. Der Kondor schlägt mit seinen riesigen Flügeln, breitet die 3m Teile aus, und segelt los. Woooow! Das Spektakel können wir 2x beobachten, Knips Knips, dann gehts weiter. Lama und Alpaka Farm, yeah! Bislang konnte ich die Tiere nicht auseinander halten, aber heute hat der Guide toll erklärt und ein Entscheidungsmerkmal gegeben: Den Kopf. Lamas haben eine langen Kopf genau wie Kamele. Das Fleisch ist nicht lecker und die Wolle nicht gut, die Kernnutzung der Lamas ist der Einsatz als Lastentiere (15Kg können die tragen). Alpakas habe einen fluffigen Kopf, voll mit Wolle. Manchmal ist der wirklich kreisrund vom ganzen Fell, mega witzig. Es gibt Alpakas mit “Rastas”, bestimmt 30cm langem, glatten Haaren, oder welche mit krüsseligem Haar wie Schafe. Alpakafleisch ist super lecker, schrumpft nicht beim braten weil hochwertig und fettarm, und die Wolle ist sehr hochwertig, besonders das Ersthaar (“Baby Alpaka”). Und dann gibts noch die Vincuñas, die sehen aus wie Rehe mit weiß-hellbraunem Fell. Das Fell ist MEGA weich, das beste was man auf dem internationalen Markt kriegen kann, Cashmere isn Witz dagegen. Das Vincuña Haar war früher nur den Inka Herrschern vorbehalten, heute kann es sich jeder kaufen, der bereit ist, 6.000€ für einen Schal auszugeben. 😳

    Wir kommen zu unserem ersten Inka-Stopp, Pisac. Hier sehen wir wieder die kreisrunden Agrarflächen auf verschiedenen Höhen wie in Moray. Die Inka haben experimentiert, auf welchen Höhen und folglich bei welchen Temperaturen die verschiedenen Agrarprodukte wie Kartoffeln und Mais am besten wachsen. Die ganzen Agrarflächen bestanden hier in Pisac aus 5 verschiedenen Materialien (die die Inka hier irgendwie rangeschleppt haben), damit der Boden ultra fruchtbar und das Regenwasser von oben nach unten geflossen ist anstatt zu versickern. Zusätzlich waren die Terrassen aus Steinen gebaut, sodass, wenn tagsüber die Sonne draufgeknallt hat, sich die Steine erhitzt und nachts die Wärme an die Erde abgegeben haben. Mega genial. Die Erkenntnisse, wie z.B. dass Mais am besten bei 22° und mit viel Wasser wächst, haben die Inkas dann auf das ganze Reich umgesetzt, sodass alle Einwohner die meiste und beste Ernte aus ihren Feldern kriegen konnten. Zusätzlich befindet sich hier in Pisac der größte Inka-Friedhof. Tote wurden zu Mumien gemacht und dann in kleine Höhlen in den Berg gelegt. Und die sind da nicht verrottet, sondern man hat die Mumien und die Höhlen so präpariert, dass die Mumien erhalten blieben, da man sie jährlich aus der Höhle geholt hat um mit ihnen zu feiern/ sie zu huldigen. (🥴)

    Im Gegensatz zu Cusco sind die Häuser hier nicht aus so imposanten, exakt geformten riesigen Steinen gepuzzelt, sondern mit normalen Steinen und mit „Inka-Zement“ dazwischen. So nennt unser Guide das, der ist mega gut, war 16 Jahre Guide aufm Inka-Trail zum Machu Picchu bevor er auf diese familienfreundlichere Alternative umgestiegen ist, weiß sau viel und erzählt viele spannende Sachen. Inka-Zement bestand aus Lehm, Kaktussaft, Eiweiß und Lamahaaren. Die Inka Häuser haben im Gegensatz zu moderneren Gebäuden Erdbeben überstanden, auch weil die Wände, Türen und Fenster nicht gerade sondern nach innen gerichtet sind wie ein Trapez. Die Inka hatten so krass viel Wissen, und sooo viel davon ist mit der Eroberung der Spanier verloren gegangen. Mega schade.

    Wir fahren durch “Meerschweinchen-Town”: Die Restaurantbesitzer winken einen mit der einen Hand zu sich heran, in der anderen halten sie einen langen Spieß, an dessen Spitze ein kross-braun gebratenes, gestrecktes Meerschweinchen thront. 🙈 Mega die Delikatesse hier. Die Dinger sind super pflegeleicht in der Haltung, nämlich freilaufend in der Küche, und alles was beim kochen runterfällt fressen die auf. Will man eins kochen tut man etwas Essen auf den Boden, dann kommen alle angerannt, sodass man sich eins für die Pfanne schnappen kann. 🥴 „Ich kann das nicht essen - bei uns sind das Haustiere!“ lässt ein Brite verlauten. Ich hatte nie ein Meerschweinchen, also hab ichs in Huaraz gegessen, fands sehr lecker, auch wenn der Kopf und die angewinkelten Krallen auf meinem Teller nicht sooo appetitlich waren.

    Nächstes Highlight: Ollantaytambo. Hier sehen wir alte Inka Häuser, einen Altar oben aufm Berg aus riiiiiesigen Steinen, und ehemalige Vorratsspeicher der Inka. Jeder Einwohner musste unter den Inka Steuern zahlen, jedoch kein Geld, sondern Dinge wie Kartoffeln, Mais, gewebte Kleidung, etc. Damit wurden dann die Vorratsspeicher gefüllt, zum einen, damit die Menschen bei schlechter Ernte Reserven hatten, zum anderen, damit das Volk das Inka Militär ernähren könnte, sollte es die Hilfe des Militärs benötigen, zB aufgrund eines Angriffes eines benachbarten Volkes. Genial, denn das wusste jeder, sodass ein Angriff aufs Nachbarvolk wohl überlegt sein sollte. Hier in Peru gibt es über 5.000 Kartoffelsorten, und wenn man den Kartoffeln das Wasser auf spezielle Weise entzieht dann sind die sogar JAHRZEHNTE haltbar! 😳

    Der Guide fragt gerade, wer von Ollantaytambo weiterfährt, um morgen Machu Picchu zu machen. Machu Picchu? “Wir waren gestern.” So unwirklich. WIR WAREN GESTERN AUFM Machu Picchuuuuu!!! 😍😍😍

    Danach besichtigen wir noch eine Silberschmiede, bei dem Schmuck mit 950 anstatt 925 Silber gemacht wird. Wusste nie was die 925 heißt: Das ist der Anteil an Silber, übliche 92,5% bei uns in Deutschland, die restlichen 7,5% sind andere Metalle wie zB Kupfer, um das von Natur aus weiche Silber hart zu machen. Hier in Peru besteht der Schmuck sogar aus 95% Silber, weil es härter ist und daher nicht soviel anderes Metall braucht. Hab gerade nochmal nach Silber gegoogelt und dabei rausgefunden, was diese komischen Zeichen vor der Silberprägung bedeuten. Hab ich mich noch nie gefragt, aber wissen tu ichs auch nicht. „Echtes Silber erkennt man an der Stempelung. Alle silbernen Artikel deutscher Hersteller tragen einen Stempel [seit 1884]. Er zeigt neben Halbmond und Krone das Firmenzeichen des Herstellers und den sogenannten Feingehalt an.“ Der Halbmond steht für Silber, und die Krone für die Reichskrone. Aha! Danach waren wir noch bei einem Handwerksmarkt für peruanische Kleidung, wo wir gelernt haben, wie man mit natürlichen Mitteln die Alpakawolle färbt, in alle möglichen Farben! Weiße Parasiten aufm Kaktus ergebem ein krasses knallrot, was man mit Salz aus Maras zu einem hellrot mischen kann. Sehr spannend. Da ich aber mittlerweile zu einer Alpaka-Expertin mutiert bin konnte ich mit Gewissheit sagen, dass der ganze angebotene Kram kein hochwertiges Alpaka war (🤓), weswegen wir trotz hartnäckiger Überzeugungsversuche der Verkäuferinnen nichts gekauft haben.
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