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  • Day2

    Eine andere Mentalität

    July 2, 2019 in Ecuador ⋅ ☁️ 26 °C

    Nachdem ich von den Tieren geweckt worden war, die es wohl alle gar nicht abwarten konnten, dass der Tag endlich beginnt, stand ich um halb 8 auch auf. Ich war eh schon mega neugierig, was die Ecuadorianer so zum Frühstück essen. Das was kam, hab ich auf jeden Fall nicht erwartet: frische Empanadas mit Lauch und Käse gefüllt. Ich hab keine Ahnung ob das als Willkommens-Essen gemeint war oder hier die Standartprozedur ist, aber ich finds geil 😄.
    In der Schule traf ich zwei Deutsche, die hier Gesang und Klavier unterrichten und zwischen mir und Markos die detaillierten Arbeitsfragen dolmetschten. Wir verständigen uns sonst großteils mit mittelmäßigem Englisch (kann er nicht so gut), grauenhaftem Spanisch (kann ich nicht) und mit Händen und Füßen (klappt meistens, aber nicht bei sowas wie "Ich brauche Brennspiritus", da vertrau ich auch Google Übersetzer nicht. Sonst kommt noch raus, dass ich nen Molotov Cocktail basteln will).
    Nachdem ich meinen Arbeitsplatz eingerichtet hatte, dünsten wir kurz mit "Taxirob" (wir kennen ihn von Tag 1, damals dachte ich es wär einfach ein Freund, aber wie sich rausstellt finanziert er sich wohl so :D) in die Stadt und besorgten Spiritus. Den Namen Taxirob hab ich mir übrigens nicht ausgedacht, ich hab gesehen, dass Markos ihn so eingespeichert hat 😄. Einen Guayaquil-Bericht mache ich mal, wenn ich mehr von der Stadt gesehen hab, aber über das Viertel in dem ich wohne, wollte ich noch ein bisschen erzählen.
    Es ist echt schwer zu beschreiben oder mit Bildern einzufangen. Man merkt, dass die Leute ihr Zuhause einfach lieben. Morgens putzen, streichen oder werkeln sie an ihrer Fassade oder vor dem Haus, abends sprühen sie sich n neues Graffiti hin, wenn ihnen das alte nicht mehr gefällt. Den ganzen Tag sitzen alle vor dem Haus und hören laut Musik, schauen wer vorbei läuft, ratschen oder reparieren was. Jeder hier grüßt sich herzlich und die Kinder winken, wenn man vorbei kommt, ohne dass sie einen je gesehen haben. Es gibt überall kleine Läden, in denen man Kleinkram und frisches Obst kaufen kann und man wacht morgens von Hahnenkrähen oder den Hühnerbesitzern auf, die laut schreiend durch die Straßen fahren und ihre Eier anbieten. Manches ist gewöhnungsbedürftig, aber alles in allem hat man das Gefühl, das die Leute hier noch wissen, worum es im Leben wirklich geht.

    Abends war in der Musikschule Tag der offenen Tür. In dem Raum, in dem ich meinen Arbeitsplatz hab, zeigten die Kinder den Besuchern, was sie so gelernt hatten. Da konnte ich nicht mehr weiterarbeiten sondern musste mich dann darzustellen, zuhören und schauen.

    [Auf Bild 5 und 6 sieht man die Musikschule von außen]
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