Roseline Troxler

Joined July 2018
  • Day29

    1'300 Kilometer Richtung Norden

    January 30 in Argentina ⋅ ☀️ 25 °C

    In vier Tagen fahren wir von der Weinregion Mendoza ins nordargentinische Salta. Die Strecke besticht durch abwechslungsreiche Landschaften, schöne Städte, teils abenteuerliche Strassen und eine für uns unglaubliche Weite. Mit dem Mietauto legen wir mehr als 1’300 Kilometer zurück.

    Die schönste Strecke: Die Route 68 von Cafayate nach Salta führt durch die eindrückliche Quebrada de las Conchas, die Schlucht der Muscheln. Die Strasse wird von roten Gesteinsformationen umgeben. Teils gibt es aber auch grüne Abschnitte, welche den Fluss säumen. In der Quebrada wachsen meterhohe Kakteen und immer wieder gibt es am Strassenrand Esel zu sehen. Nebst der Route 68 fahren wir aber auch mehrere hundert Kilometer auf der Route 40. Auch diese Strecke gefällt uns sehr. Eine solche Weite ist eine ganz neue Erfahrung. Teils gibt es für eine halbe Stunde keinen Gegenverkehr und für Stunden keine Ortschaft. Da muss man aufpassen, dass der Tank immer voll ist und man genügend Wasser dabeihat. Schliesslich haben wir auch mehrere Stunden keinen Handyempfang. Wir sind froh, dass wir die Strecke ohne Panne zurücklegen konnten.

    Der schönste Zwischenstopp: Cafayate gefällt uns auf Anhieb. Wir haben eine tolle Unterkunft in einem B&B mit einem Innenhof voller Kakteen. Das Städtchen hat eine gute Grösse, gemütliche Restaurants und tolle Weine. Auf über 1’500 Meter über Meer gelegen ist Cafayate das höchste Weinanbaugebiet der Welt. Der Weisswein, ein aromatischer Torrontés, mundet uns sehr. Grossen Gefallen haben wir auch an den Empanadas (kleine Teigtaschen) gefunden, welche es in Cafayate in einem kleinen, einfachen Restaurant in diversen Varianten gibt – von Geisskäse mit Pilzen, über Tomate mit Kräutern, bis hin zu diversen Fleischvarianten.

    Das kulinarische Highlight: In der Kleinstadt La Rioja machen wir einen Zwischenhalt und essen in einem völlig überfüllten Lokal das Mittagessen. Für 15 Franken erhalten wir Gnocchi, die auf der Zunge zergehen, Kartoffeln in einer Rahmsauce, weiteres Gemüse und das Highlight für Simon: drei grosse Stück zartestes Rindsfilet.

    Der Tiefpunkt: Auf unserer Reise hatten wir bisher grosses Glück mit unseren Unterkünften. Kein besonderes Erlebnis war die Übernachtung in der Kleinstadt Jachal, irgendwo im Nirgendwo. Unser B&B ist sehr einfach und nicht gerade anmächelig. Das Frühstück ist im Preis inbegriffen. Darauf hätten wir aber verzichten können. Bereits am Abend wird uns ein Tablar ins Zimmer gestellt: Kaffee in Form eines Teebeutels, Milchpulver plus geschmacklose und sehr trockene Cracker.

    Das Abenteuer: In den Nächten auf unserer Fahrt in den Norden gibt es immer wieder kräftige Gewitter, so dass es auch am Morgen danach noch ordentlich Wasser auf der Strasse hat. Nach dem Aufenthalt in La Puerta de San José, in einer schönen Unterkunft mitten in der Pampa, geht es weiter Richtung Cafayate. Plötzlich sehen wir, dass sich in einer Senke vor uns eine Menge Wasser ihren Weg über die Strasse bahnt. Wir stellen den Wagen auf der Seite ab und schauen uns ratlos an. Nach einiger Zeit kommt ein Auto und schafft es, sich seinen Weg durch das Wasser zu bahnen. Wir beobachten einige weitere Autos und sind etwas zuversichtlicher. Denn wir wissen, wir müssen hier durch, es gibt weit und breit keine Umfahrung. Allerdings haben bisher nur SUVs, die viel höher gelegt sind als unser Auto, das Wasser durchquert. Wir warten. Zum Glück kommt dann ein ähnliches Modell wie unser Mietauto und schafft es ebenfalls ans andere Ufer. Simon als geübter Fahrer ist zuversichtlich und wir wagen das Manöver und sind erleichtert, dass es danach wieder auf trockener Fahrbahn weitergeht.

    Nach 1'300 Kilometern sind wir froh, gesund und munter sowie ohne Blechschaden und Panne in Salta anzukommen. Wir freuen uns schon sehr, zur Abwechslung mal einen längeren Aufenthalt einzulegen.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Day27

    Am Velölen in der Heimat des Malbecs

    January 28 in Argentina ⋅ ⛅ 28 °C

    Auf der Fahrt von Valparaíso nach Mendoza geht es hoch hinaus: Unser Nachtbus erklimmt den Paso de la Cumbre und erreicht dabei dank mehreren Haarnadelkurven mehr als 3’800 Meter über Meer. In unserem Dämmerzustand bekommen wir das aber gar nicht richtig mit, ausser dass uns das Atmen etwas schwerer fällt. Da die Fahrt mitten in der Nacht stattfindet, verpassen wir auch den Anconcagua, den mit 6'961 Metern höchsten Berg Südamerikas. Die neunstündige Carfahrt ist nicht gerade das, was man erholsam nennt und wir kommen ziemlich gerädert in Mendoza an. Es ist morgens um 5 Uhr an einem Sonntag und wir sind froh, dass wenigstens die Taxifahrer arbeiten und wir so zum Hotel gelangen. Dort angekommen gönnen wir uns zuerst ein Frühstück und schlafen dann noch einmal ein paar Stunden. Danach sind wir wieder voller Tatendrang und erkunden die Stadt Mendoza. Was uns gleich auffällt, sind die vielen Bäume, welche die Strassen säumen. Mendoza ist eine grüne Stadt. Das zeigt sich auch am riesigen Park, in dem wir uns am Nachmittag eine Erfrischung gönnen. Das tut Not, denn es ist heiss und wir müssen uns zuerst an die Temperatur gewöhnen. Vielleicht hätten wir auch eine Siesta machen sollen, denn ausser uns sind nur wenige Leute unterwegs und die Stadt wirkt fast ein bisschen ausgestorben. Umso skurriler kommt es uns vor, als ein älterer Herr mit einer Gans durch die Stadt spaziert.

    Am nächsten Tag möchten wir eine Wine & Ride-Tour mit dem Fahrrad machen und begeben uns deshalb ins Zentrum, wo viel mehr Betrieb ist als am Tag zuvor. Die Leute sind geschäftig und auf den Strassen tummeln sich Autos und Fussgänger. Bevor wir uns auf die Weindegustation begeben, bringen wir unsere schmutzige Kleidung in eine Wäscherei. Der freundliche Inhaber kann sogar ein paar Brocken Deutsch. Die Wäschereien in Südamerika sind übrigens ganz anders, als wir es uns vorgestellt haben: Man wartet nicht Däumchen drehend neben der Waschmaschine, sondern erhält die saubere Wäsche nach ein paar Stunden oder am anderen Tag in einem Plastiksack zurück. Der Start der Weindegustation liegt etwas ausserhalb der Stadt, weshalb wir die Bahn nach Maipú nehmen. Es ist eine gemütliche Fahrt, auf der wir auch die Aussenbezirke des Ballungsraums Mendoza zu sehen bekommen. In Maipú angekommen, suchen wir den Radverleih auf und erhalten dort unsere Drahtesel. Zwar keine High-End-Bikes – wohl aber auch besser für eine Wine & Ride-Tour. Die Hitze drückt erneut und wir sind froh, dass wir bis zum ersten Stopp nur einige hundert Meter fahren müssen. In der modernen und grossen Bodega San Lorenzo wartet bereits eine Erfrischung auf uns und wir erhalten die ersten Weine zum Degustieren. Uns schmecken die Weine vorzüglich, natürlich insbesondere der Malbec, und es radelt sich danach auch etwas leichter, finden wir. Der nächste Halt lässt nicht lange auf sich warten und wir kehren im Il Mercato ein, um uns zu verpflegen. Es handelt sich um eine erst Ende des letzten Jahres eröffnete Markthalle. Wir essen dort ein sehr feines Mittagessen und unterhalten uns mit Manolo, der in der Weinverwaltung der Region arbeitet. Er ist sehr freundlich und gibt uns einige Tipps, was wir in Mendoza noch anstellen können. Gestärkt fahren wir weiter zur Bodega Familia Cecchin, die biologisch angebauten Wein produziert. Wir können uns einer Gruppe anschliessen und erhalten eine spannende Führung, bei der wir viel über die Prinzipien einer nachhaltigen Anbauweise lernen. Monokulturen sind verpönt, weshalb mitten in den Rebstöcken mitunter auch Fruchtbäume stehen können. Das erhält den Boden und verleiht dem Wein eine zusätzliche und natürliche Fruchtnote. Als Weinkenner schmecken wir das selbstverständlich heraus bei der kommenden Verkostung 😉

    Wir machen uns zu unserer letzten Station des Wine & Ride auf, bei der wir zeitgleich mit einem Paar aus Deutschland und Irland ankommen. Bei einem gut gefüllten Glas Wein (die Standardfüllmenge ist um einiges höher als in Europa) unterhalten wir uns mit den anderen Reisenden. Für uns ist es immer wieder spannend zu hören, woher die anderen Traveller kommen und was sie noch vorhaben. Interessant ist auch zu hören, wie andere Reisende unterwegs sind. Tim und Jean aus Irland etwa verbringen sechs Wochen in Südamerika und haben Argentinien und Chile bereits von der Atacamawüste im Norden bis zum südlichsten Patagonien bereist, waren auf dem Machu Picchu in Peru und haben gar die Osterinsel besucht. Das bedeutet aber auch, dass sie oft ins Flugzeug steigen müssen. Es ist toll, dass wir von ihnen viele Tipps erhalten. Gemeinsam gehen wir nach der Degustation an die Bushaltestelle. Mindestens vermuten wir, dass es eine Bushaltestelle ist. Tatsächlich kommt irgendwann auch ein Bus, der gemäss dem Fahrer nach Mendoza fährt. Wir steigen ein und tauschen uns weiter mit den Iren und dem Paar aus Deutschland aus, sind aber auch etwas geschafft vom körperlich herausfordernden Winetasting. In Mendoza machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Die Wahl fällt auf eine Parrilla, die sehr beliebt zu sein scheint, da fast alle Plätze besetzt sind. Wir ergattern einen Tisch und machen uns an die Bestellung. Simon ist mal wieder mutig beim Essen und bestellt eine Parrilla, bei der er nicht genau weiss, was drin ist. Es stellt sich dann heraus, dass es sich beim Gericht hauptsächlich um Innereien handelt. Wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig, sind sie doch sehr lecker.

    Anderntags heisst es bereits wieder Rucksack packen, denn wir mieten ein Auto und wollen nach Norden fahren. Mit dem mobilen Untersatz fahren wir zuerst aber noch zum Fusse des Cerro Gloria, der uns nach einem kurzen, aber heissen Aufstieg einen wunderbaren Überblick über die ganze Region gibt. Danach lassen wir Mendoza mit zwei guten Flaschen Rotwein im Gepäck hinter uns.
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  • Day24

    Graffitis, Tränengas und ein blaues Haus

    January 25 in Chile ⋅ ☀️ 20 °C

    In Valparaíso erwartet uns die Casa California. Das schmucke blaue Haus, mitten im historischen Teil der Hafenstadt, wird während unseres Aufenthalts zum Ruhepol in der quirligen Stadt, die eine rund zweistündige Busfahrt von der Hauptstadt Santiago entfernt liegt. Johnny heisst uns herzlich willkommen und wir fragen ihn, was einen strammen Kalifornier von San Francisco nach Chile geführt hat. Natürlich: die Liebe zu seiner Frau Cata. Er fühle sich aber auch sonst sehr wohl in Valparaíso, habe die Stadt doch mit ihren vielen Hügeln eine ähnliche Topografie wie San Francisco.

    Auf über vierzig Hügeln ist Valparaíso gebaut und dies führt dazu, dass die Stadt trotz des Lärms, der vielen Einwohner und Besucher dennoch viele ruhige Ecken und einen ganz eigenen Charme hat. Alte Funicularios führen von Meereshöhe in die verschiedenen Quartiere. Bekannt ist Valparaíso aber nicht nur für seine Hügel, sondern vor allem auch für die bunten Gebäude und die vielen murales (Wandgemälde), welche die Fassaden der Häuser schmücken. Seit 2003 ist das historische Quartier von Valparaíso ein UNESCO Weltkulturerbe, was sicher mit dazu geführt hat, dass «Valpo» auch bei Touristen äusserst beliebt ist. Beim Schlendern durch die Strassen können wir die Kamera fast nicht im Rucksack verstauen, gibt es doch immer wieder ein neues Motiv abzulichten. Auf einer Tour for Tips lernen wir zudem die Hintergründe einiger Wandgemälde kennen. Viele haben durchaus eine politische Bedeutung. So erzählt etwa ein Gemälde die Geschichte von Chile und thematisiert unter anderem die Ungleichheit zwischen arm und reich. Es gibt aber auch lustige, fröhliche Wandgemälde. Und nicht nur Wände werden bunt bemalt, sondern auch Treppenstufen oder Trottoirs. Damit ein Künstler in Valpo ein Bild malen kann, muss er einen Hausbesitzer finden, der dies zulässt. Teils läuft es aber umgekehrt und Eigentümer fragen einen renommierten Graffiti-Künstler an. Der künstlerischen Freiheit ist aber eine Grenze gesetzt: Die Stadtverwaltung verbietet es ihren Einwohnern, ein Haus schwarz zu bemalen.

    Die farbigen Häuser geben der Stadt einen ganz eigenen Spirit. Valparaíso ist auch die Stadt der Linken, der Alternativen und der Künstler. Gleichzeitig ist es die Stadt mit der grössten Ungleichheit in Chile. Wenn man das historische Zentrum verlässt, kommt man durchaus in Quartiere, welche weniger schmuck sind als das Gebiet um den Cerro Concepción.

    In Valparaíso verspüren wir nach den Tagen in Santiago auch den Drang auf Bewegung. Mit einem Colectivo, einem Minibus, geht es rasant nach Viña del Mar, der Nachbarstadt von Valparaíso, wo vor allem Reichere leben und viele Chilenen und Argentinier ihren Strandurlaub verbringen. Wir steigen allerdings noch nicht aus und düsen weiter zu den Sanddünen von Concon. Neben den Dünen türmen sich moderne Hochhäuser auf, weitere sind gerade im Entstehen. Wir mieten uns für eine Stunde ein (sehr rudimentäres) Sandboard und versuchen, die Dünen runter zu brettern. Das ist gar nicht so einfach, vor allem auch, wenn die Schlaufen für die Füsse doppelt so gross sind, wie sie sein sollten. Aber wir geniessen es, unsere überschüssige Energie loszuwerden und nach der Anstrengung den Blick übers Meer schweifen zu lassen. Nur das mit dem Sand ist so eine Sache. Noch Tage später haben wir winzig kleine Souvenirs von den Dünen von Concon dabei. Wie wir später erfahren, sind die Sanddünen leider bedroht und werden in den nächsten Jahren wohl verschwinden, da noch viele Gebäude an der Küste geplant sind.

    Den Tag schliessen wir mit einer Fahrt auf einem kleinen Touriboot im Hafen von Valpo ab. Wir sind umgeben von chilenischen Familien mit kleinen Kindern. «Que lindo» (wie schön), kommentieren sie, was es auf der Fahrt zu sehen gibt, während der Guide auf dem Boot Erklärungen abgibt und sich immer wieder ein Spässchen erlaubt – manchmal gar auf unsere Kosten, wobei wir nicht ganz mitbekommen, worum es geht. Fakt ist, dass uns gut zwanzig Chilenen wohlwollend anschauen und schmunzeln. Auf der Fahrt haben wir einen ganz anderen Blick auf die auf Hügel verteilte Stadt und wir sehen dicke Robben, Kreuzfahrtschiffe, Marineschiffe der chilenischen Armee, die hier ihren Hauptstützpunkt hat, protzige Jachten und ein paar riesige Containerschiffe, welche gerade beladen werden. Der Hafen von Valparaíso war im 19. Jahrhundert der wichtigste im gesamten Pazifikraum. 1914 wurde der Panamakanal eröffnet und die meisten grossen Schiffe mussten Südamerika nicht mehr südlich umrunden. Damit nahm aber die Bedeutung von Valparaíso drastisch ab. Heute ist der Hafen nicht einmal mehr der wichtigste im Land. Dass dem so ist, liegt auch an der Bevölkerung von Valpo, welche sich heftig gegen Pläne wehrte, den Hafen auszubauen.

    Unser Aufenthalt in Valparaíso ist auch deshalb so toll, weil wir uns im Hostal von Johnny und seiner chilenischen Frau Cata so wohl fühlen. Wir erhalten tolle Restauranttipps – nicht nur das Essen ist lecker, sondern auch der Pisco und wir haben eine tolle Aussicht über die Stadt. Ausserdem ermöglich sie uns, Chile und die Chilenen besser zu verstehen. Da sie ein Jahrzehnt in den USA gelebt hat, hinterfragt sie Vieles auch kritisch. Den Alltag in Chile erklärt sie uns an einem simplen Beispiel, dem Kauf eines Wasserkochers. Grosse Versprechen vor dem Kauf, ein nicht funktionsfähiges Gerät, keine Möglichkeit des Umtausches, weil man das Gerät ja schon gebraucht hat. Nur wer genügend Geld und Zeit investiert, kommt zu seinem Recht. Im Fall von Catas Wasserkocher sieht dies so aus: Cata schafft es, die Nummer des Firmenchefs ausfindig zu machen und ruft ihn zigmal privat an. Schliesslich erhält sie ein funktionsfähiges Gerät. Cata betont, dass sie zur Oberschicht gehören und privilegiert sind. Viele weniger privilegierte Menschen haben nicht dieselben Möglichkeiten. Das sind für uns spannende Einblicke, da man dies als Tourist weniger mitbekommt und vor allem die Freundlichkeit der Chilenen auffällt.

    Auch die Proteste sind natürlich Thema. Cata ist besorgt und erstaunt zugleich. «Es entspricht gar nicht der Mentalität der Chilenen, sich so für etwas einzusetzen und in Rage zu geraten.» Die Proteste waren in Valparaíso im vergangenen Herbst besonders heftig. Denn in der Hafenstadt befindet sich der Parlamentssitz. Folgen hatte dies ebenfalls für Cata und Johnny, da rund 90 Prozent der Gäste wegen der Unruhen ihre Hotelreservation storniert hatten. Ruhe ist in Valparaíso aber auch jetzt noch nicht eingekehrt. Am ersten Abend unseres Aufenthalts in der Stadt widmen wir uns im Aufenthaltsraum in der Casa California gerade einem Blogbeitrag, als Cata uns mitteilt, dass es einige hundert Meter Richtung Hafen Strassenblockaden gibt. Wir sollen doch besser hügelaufwärts Essen gehen. Da wir eh noch beschäftigt sind, bleiben wir noch einige Zeit in der Unterkunft. Plötzlich vernehmen wir Schreie und mehrmals einen lauten Knall. Wir hören von draussen Leute husten und keuchen. Dann beginnt es auch uns, in der Nase zu beissen und in den Augen zu tränen. Tränengas. Jemand rüttelt an der Tür. Da wir nicht wissen, was draussen vor sich geht, öffnen wir nicht. Kurze Zeit später tritt ein anderer Gast und ein Knabe ein. Das Atmen fällt ihnen vor lauter Husten schwer. Cata eilt mit einem Wasserglas vorbei. Sie kann nicht glauben, dass die Polizei in «ihrer» Strasse mit Tränengas um sich geschossen hat. Wir sind froh, nicht vorher die Wohnung verlassen zu haben.

    Anderntags beim Frühstück kann Cata noch immer nicht Glauben, was am Abend zuvor passiert ist. Sie kritisiert sowohl die Krawallmacher wie auch die Polizei. Die Strassenblockaden würden hauptsächlich von Jugendlichen errichtet, denen es sonst zu langweilig sei. Das sei schade, da die Forderungen der Protestbewegung eigentlich berechtigt seien, dadurch aber unterminiert würden. Auf der anderen Seite reagiere die Polizei viel zu heftig auf die Mätzchen der paar wenigen Jugendlichen. Es sei wie ein allabendliches Spiel: Die Jugendlichen provozieren, die Polizei steigt überhart ein. Die Leidtragenden sind die Bewohner. Dass der Truck mit dem Tränengas, «el chingue» (das Stinktier), tags zuvor ihre Strasse hinaufgefahren sei, gebe ihr zu Denken. Gespannt blickt sie auf den April. Dann können die Chilenen abstimmen, ob sie eine neue Verfassung wollen, und falls ja, wer diese ausarbeiten soll. Cata vermutet, dass die Proteste nochmals zunehmen werden. Und sie hegt auch den Verdacht, dass die Polizei nun jede Gelegenheit wahrnimmt, dass aus kleinen Demos grosse Einschränkungen für die Bevölkerung entstehen. Dadurch sollen die Bürger der Protestbewegungen überdrüssig werden. Und gegen eine neue Verfassung stimmen. Dabei sei es dringend nötig, dass die Verfassung aus der Ära Pinochet ersetzt und die Ungleichheit in Chile verringert wird. Denn heute werde für eine reiche Minderheit Politik gemacht.

    Valparaíso bleibt uns auf jeden Fall in Erinnerung. Aber nicht nur wegen des Tränengases, denn uns gefällt die Stimmung der Stadt und ihre spannende Topografie. Die Murales verleihen dem pulsierenden Ort ein ganz spezielles Flair. Die Gegensätze in Valpo sind gross, machen aber auch den Charme der Hafenstadt aus.
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  • Day23

    Die Murales von Valparaíso

    January 24 in Chile ⋅ ⛅ 20 °C

    Hier gibt es eine Zusammenstellung von einigen beeindruckenden Wandgemälden in Valparaíso.

  • Day20

    Santiago - es ist kompliziert

    January 21 in Chile ⋅ ☀️ 27 °C

    Mit Santiago de Chile erwartet uns bereits die dritte Hauptstadt auf unserer Reise. Es ist keine Liebe auf den ersten Blick. Wir erreichen am Morgen den lärmigen Busbahnhof. Es ist bereits jetzt drückend heiss. Mit der Metro fahren wir ins Zentrum, wo wir unsere Wohnung gemietet haben, müssen aber noch bis am Nachmittag ausharren. Es ist Montagmorgen und entsprechend hektisch auf den Strassen und Trottoirs. Vorbei sind wohl für viele Geschäftsleute die Weihnachts- und Sommerferien. Schuhputzer bieten in vielen Strassen ihre Dienste an und bei der Plaza de Armas spielen viele, vor allem ältere Chilenen Schach. Wir irren herum – auf der Suche nach einem schönen Café, um an unserem Reiseblog weiterzuschreiben und zu planen, was wir in der Stadt sehen möchten. Doch nirgends ist ein lauschiges Café in Sicht, stattdessen sehen wir rund ein halbes Dutzend Steh-Cafés, in welchen vor allem männliche Gäste von Frauen in viel zu kurzen Röcken bedient werden. Wir sind nicht mal ganz sicher, ob es sich wirklich nur um Cafés handelt. Unser Guide wird uns tags darauf erklären, dass diese Cafés in den 70er-Jahren entstanden sind und sich in dieser Form bis heute erhalten haben. Schliesslich landen wir bei Starbucks – nicht gerade typisch chilenisch. Bei all dem Trubel ist ein bekannter Hafen aber manchmal wohltuend.

    Am ersten Tag streifen wir etwas lust- und orientierungslos durch das Zentrum von Santiago. Die Hitze und die Unordnung werden uns etwas zu viel. An diesem Abend freuen wir uns sehr, dass wir eine eigene Küche haben und wieder mal selbst kochen können. Einen Haken hat es zuerst allerdings. Wo bloss gibt es einen Supermarkt? Zwar haben wir beim Mercado Central bereits einige Früchte erstanden, brauchen aber noch weitere Zutaten für Pasta mit Gemüse. Wir klappern Strasse um Strasse ab, finden aber nur kleine Kioske und zig Kleiderläden. Zu unserer Orientierungslosigkeit kommt noch hinzu, dass es auf den Strassen nur so von Leuten wimmelt und wir uns deutlich weniger sicher fühlen als in den Tagen zuvor. Als wir nach einer rund einstündigen Suche dann doch noch einen Supermarkt finden, heitert sich unsere Laune schnell wieder auf. Wir geniessen einen Teller Pasta in unserer viel zu heissen Wohnung mit Blick auf die Innenstadt.

    Nächster Morgen, 8 Uhr: Wir stehen – noch etwas müde – mit unserem Guide Pablo vor der Absperrung zur Moneda, der einstigen Münzprägeanstalt von Chile, wo sich heute der Sitz des Präsidenten befindet. Grund für die Absperrung sind die Proteste, welche seit Herbst in Chile immer wieder stattfinden. Die Moneda war auch Schauplatz eines dunklen Kapitels der chilenischen Geschichte. Am 11. September 1973 organisierte das Militär unter General Pinochet einen Putsch und stürmte die Moneda. Der sozialistische Präsident Salvador Allende nahm sich das Leben, nachdem die Moneda von der Luftwaffe bombardiert wurde. Die Militärdiktatur dauerte bis ins Jahr 1990. Während dieser Zeit wurden rund 13 400 kommunistische oder linksgerichtete Chilenen, Menschen mit einer Verbindung zur Regierung oder Gewerkschafter verhaftet, viele davon gefoltert und bis zu 4000 Menschen ermordet. Das Museum für Menschenrechte gibt uns einen Einblick in diese düstere Zeit und die grausamen Verbrechen. Auch in den bisher bereisten Ländern Argentinien und Uruguay wurden während den Militärdiktaturen in den 70er- und 80er-Jahren schlimme Verbrechen begangen. Die Regime dieser Länder arbeiteten im Rahmen der Operation Condor auch zusammen, um vermeintliche Dissidenten sogar im Ausland zu verfolgen und umzubringen.

    Noch immer hat Chile eine Verfassung, welche mitten in der Ära des Pinochet-Regimes entstanden ist. Doch dies soll sich nun ändern. Millionen von Chilenen gingen im Herbst 2019 auf die Strassen, um unter anderem eine neue Verfassung zu fordern. Im kommenden April wird eine Abstimmung darüber stattfinden. Die Proteste sind deshalb jedoch keineswegs vorbei. Chile ist eines der Länder Lateinamerikas mit der grössten Ungleichheit, was – so finden wir – in Santiago gut sichtbar ist. Gemäss unserem Guide Pablo zielen viele Forderungen daher auch darauf ab, die Lebenssituation für die unteren Schichten zu verbessern. So werden ein höherer Mindestlohn, höhere Renten und eine bessere Gesundheitsversorgung gefordert. Auch sollen Naturparks oder natürliche Ressourcen wie Wasser nicht an Konzerne verkauft werden dürfen. Entzündet haben sich die Proteste im Oktober an der Ankündigung des rechten Präsidenten Sebastián Piñera, die Preise der Metrotickets um 30 Pesos zu erhöhen. Dies entspricht zwar weniger als einem Rappen, für viele Chilenen, die am oder unter dem Existenzminimum leben, summieren sich solche Preiserhöhungen aber enorm. Es erzürnt die Massen, dass gerade die Armen, welche die Metro nutzen, die Zeche bezahlen sollen. Angeprangert wird auch das mehrheitlich privatwirtschaftlich organisierte Bildungssystem, das sehr teuer ist. Schulabsolventen in Chile müssen in vier Fächern eine Prüfung zur universitären Auswahl ablegen. Je nach Punktzahl erhält man einen Zugang zur Uni. Die Kurse für diese Prüfungen können sich jedoch nur Gutbetuchte leisten und die öffentlichen Schulen erreichen das erforderliche Niveau für diese Prüfung zur universitären Auswahl oft nicht. Chancengleichheit sieht anders aus. Aus Protest gegen dieses Aufnahmeverfahren verbrannten tausende Schüler an 80 verschiedenen Schulen ihren Prüfungsbogen. Rund 300 000 Schüler konnten in der Folge ihre Prüfung nicht ablegen, es kam zu gewaltsamen Ausschreitungen. Eine Wiederholung dieser Prüfung fand Ende Januar unter strenger Polizeikontrolle statt.

    Wie heftig die Proteste in den letzten Monaten in Chile gewesen sein mussten oder immer noch sind, lässt sich uns zu diesem Zeitpunkt nur erahnen. Ganze Strassenzüge sind voll von Schmierereien und Graffitis. Piñera soll sterben, der Staat ist ein Mörder und dergleichen findet sich hundertfach. Diese Wut, dieser Hass ist etwas beängstigend und das politische Klima so ganz anders als wir es von der Schweiz gewohnt sind. Auch die Zahl sechs Prozent prangert an vielen Fassaden. Es entspricht dem mickrigen Zustimmungswert, welcher Präsident Piñera derzeit noch hat. Auch Denkmäler, Statuen und Kirchen wurden wüst verunstaltet. Der Eingang zu einigen Metrostationen ist mit Abfall versperrt und zugemauert und wir müssen einen weiten Umweg durch Gebiete gehen, wo wir teils ein etwas mulmiges Gefühl haben. Wir besuchen mit Pablo auch die Plaza Italia im Gebiet Baquedano, dem Epizentrum der Proteste. Spürt ihr es, fragt er uns. In der Tat, wir haben ein seltsames Gefühl in der Nase und ein Beissen in den Augen. Tränengas, das an warmen Tagen vom Boden aufsteigt, erklärt er uns. Wir werden noch nähere Bekanntschaft damit machen. Während den Tagen in Santiago spüren wir eine Anspannung, es liegt etwas in der Luft – die Ruhe vor dem Sturm. Und tatsächlich ist es eine gute Woche nach unserem Aufenthalt in der Hauptstadt wieder zu mehr Demonstrationen gekommen, mehrere Menschen starben, Supermärkte wurden geplündert und in Brand gesetzt. Wir haben also Glück gehabt, gerade während den Sommerferien in Santiago zu sein, während viele noch in den Ferien weilten und die Unis noch geschlossen waren.

    Nach einem Tag mit vielen Infos über die Geschichte Chiles und die aktuelle Lage im über 4000 Kilometer «langen» Andenstaat brauchen wir tags darauf etwas Erholung. Wir besuchen den Fischmarkt der Stadt – Lachs, kleine Haie, Krabben, und und und werden hier feilgeboten. Die meisten Fische kennen wir nicht mal mit Namen. Weiter geht es zum Blumenmarkt, wo es schön ruhig ist und gut duftet. Im Gemüse- und Früchtemarkt sind wir beeindruckt über die Auswahl und den Sortenreichtum. Es gibt Esswaren, welche wir noch nie gesehen haben. Am liebsten möchten wir alles probieren. Anschliessend geht es mit der Standseilbahn auf den Cerro San Cristobal, der viel weitläufiger ist, als wir angenommen haben. Der rund 1800 Hektaren umfassende Hügel ist das Naherholungsgebiet der Stadt. Da oben ist die Welt eine andere. Es ist ruhig und man geniesst einen tollen Ausblick auf die Stadt. Nur die Andengipfel, welche sich unweit der Stadt in die Höhe türmen, lassen sich kaum sehen. Liegt wohl am Smog, obwohl uns brasilianische Touristen erzählen, dass die schlechte Sicht auf den Rauch der australischen Buschbrände zurückzuführen sei. In einer farbigen kleinen Gondel schweben wir einige hundert Meter über den Hügel, wo wir bei der Mittelstation aussteigen. Hier wartet eine sehr schöne und gepflegte Badi auf uns. Huch, tut die Abkühlung gut. Wir wähnen uns so gar nicht mehr in einer Grossstadt. Unser erstes Badi-Erlebnis ist ein voller Erfolg. Eine weitere Premiere ist der Mote con Huesillos – ein Getränk, das man in Chile an allen Ecken und vor allem an den Strassenständen kaufen kann. Es handelt sich dabei um eine sirupartige Flüssigkeit, in welche eine getrocknete und gesüsste Pfirsich eingelegt und geschälter Weizen beigegeben wird. Gut, es mal probiert zu haben, das Sommergetränk schmeckt aber nur dem kulinarischen Kuriositäten nicht abgeneigten Simon.

    Roseline braucht dringend einen Rucksack. Ihre Tasche hat sich für lange Busfahrten und Wanderungen als ungeeignet erwiesen, weshalb wir das Costanera Center besuchen. Ein riesiger, moderner Shopping-Komplex, bei dem sich der Gran Torre befindet. Der Wolkenkratzer ist mit 300 Metern das höchste Gebäude Südamerikas. Das Costanera Center ist ein krasser Gegensatz zu den armen Gegenden in Santiago, zum chaotischen, lärmigen Mercado Central oder zu Strassen in der Innenstadt. Dort gibt es an einer Strasse jeweils nur Lampenläden, an einer anderen Strasse wiederum sind diverse Optikergeschäfte zu finden. Im Costanera Center präsentieren sich jegliche Ladenketten, welche auch in Europa und Amerika präsent sind, und wir fragen uns, wer sich all diese Luxusartikel überhaupt leisten kann. Praktisch ist, dass es eine ganze Ebene mit Outdoor-Shops gibt, was das Vergleichen von Rucksäcken wesentlich erleichtert und bald können wir die Mall zufrieden und mit plus einem Rucksack wieder verlassen.

    Schon bricht der letzte Abend in Santiago an. Die Stadt hat uns zwar nicht ganz so gefesselt wie Buenos Aires, aber nach ein paar Tagen haben wir sie irgendwie trotzdem liebgewonnen. Und es gibt durchaus tolle Ecken – etwa das schmucke Barrio Lastarria, wo wir ein tolles vietnamesisches Essen genossen haben, den Cerro San Cristobal oder den Gemüsemarkt La Vega. Am letzten Abend gönnen wir uns einen Kinobesuch, bei dem Glace und Getränke teurer sind als der Film. «Jojo Rabbit», ein englischsprachiger Film, mit deutschen Liedern (er spielte während der Zeit von Hitler) und spanischen Untertiteln – irgendwie verwirrend, irgendwie cool. Irgendwie ein bisschen wie Santiago.
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  • Day17

    Bienestar en Pucón

    January 18 in Chile ⋅ ☀️ 25 °C

    Für einmal fassen wir uns kurz, den Beitrag zu Pucón gibt es in acht Sätzen.

    Vulkan: Der Volcán Villarica ist ein Prachtskerl von einem Vulkan und wacht majestätisch über die Gegend.

    Schwarzer Strand: Mehrere Seen in der Region laden zum Baden ein, mitunter auch mit grobkörnigem, schwarzem Sand.

    Hortensien: In voller Blüte verschönerten sie das ansonsten schon schmucke Pucón.

    Wasserfälle: Zum Teil versteckt, aber wunderschön – anstrengender, aber lohnender Ab- und Aufstieg.

    Colectivo: Spannendes Transportsystem, bei welchem man sich ein Taxi teilt – wirklich durschaut haben wir dieses System aber noch nicht.

    Pizza^2: Was soll man sagen, sie war lecker und es musste schnell gehen.

    Kaltes Plättli: Eignet sich nur bedingt als Mitnahme-Snack für eine Minibus-Tour in der Region.

    Caramelito & Sombrero: Zwei streunende Hunde und treue Begleiter auf unserer Wanderung (haben sich dann aber plötzlich sang- und klanglos verabschiedet).
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  • Day14

    Ruedi aus Valdivia

    January 15 in Chile ⋅ ⛅ 15 °C

    Die erste längere Busfahrt liegt vor uns. Als wir einsteigen, sind wir guten Mutes, handelt es sich doch um einen sauberen und modernen Car. Eigentlich sind war ganz froh, dass wir auf der Fahrt nun Zeit zum Lesen haben. Doch solange es noch hell ist, blicken wir die meiste Zeit lieber aus dem Fenster und bestaunen die Landschaft. Der Weg führt uns von Bariloche durch kaum besiedelte Gegenden, an Seen entlang. Stetig fahren wir bergauf Richtung Anden. Auf einmal fährt aber gar nichts mehr und wir stellen fest, dass wir bei der argentinischen Grenze angelangt sind. Zwei Grenzwächter kommen in den Car und kontrollieren die Pässe. Unsere Pässe wollen sie jedoch nicht sehen. Dann tut sich für eine ganze Weile gar nichts mehr. Etwa zwei Stunden stehen wir im Nirgendwo, können den Car aber auch nicht verlassen. Uns wird klar, dass wir Valdivia erst in der Nacht erreichen werden. Plötzlich kommt Hektik auf. Alle müssen mit ihren Dokumenten den Car verlassen. Wieder einmal Schlange stehen und das Einreiseformular ausfüllen. Dort müssen wir auch bestätigen, dass wir keine frischen Lebensmittel und fremdartigen Getreide nach Chile einführen. Zum Glück wurden wir bereits im Vorfeld darauf aufmerksam gemacht, da bei einer Widerhandlung hohe Bussen drohen.

    Nach einer kurzen Weiterfahrt kommen wir an die chilenische Grenze. Dort wartet ein Labrador in einer Box schon sehnlichst auf uns – oder besser gesagt auf unser Gepäck. Wieder müssen alle aus dem Bus raus und uns in einem Kabäuschen in eine Schlange stellen. Auch alle Gepäckstücke werden aus dem Bus geschafft und auf einer speziellen Rampe aufgereiht. Nun bietet sich uns eine höchst interessante Vorführung: Bestens trainiert beschnüffelt der Vierbeiner sämtliche Gepäckstücke. Wieder und wieder rennt er durch die Reihen, wuselt um die Rucksäcke, Koffer und Taschen und schnuppert daran. Bei einigen Gepäckstücken verweilt er besonders lange und will sie geradezu anspringen. Diese stellt der Zollbeamte auf die Seite, um sie genauer unter die Lupe zu nehmen. Begeistert (die Hälfte von uns), aber auch etwas angespannt (Roseline) schauen wir zu und sind auf jeden Fall froh, dass unser Gepäck es nicht in die Auswahl geschafft hat. Weiter geht es, nun wieder bergabwärts. Nach zehn Stunden erreichen wir die chilenische Stadt Valdivia. Aufgrund unserer Verspätung hat sich die Vermieterin unserer Unterkunft schon Sorgen gemacht. Obwohl wir nahe am Einschlafen sind, erklärt sie uns noch in aller Seelenruhe, was wir tags darauf in der Stadt alles unternehmen können.

    Valdivia ist nicht schmuck. Und uns fällt sofort auf, dass es hier nicht wie in Bariloche von Touristen wimmelt. Gerade diese Tatsache gefällt uns. Und je länger wir uns hier aufhalten, desto mehr erkennen wir den Charme des Ortes. Dass Valdivia kaum prächtige alte Gebäude hat, liegt sicher auch am Erdbeben vom 22. Mai 1960. Mit 9,5 auf der Richterskala handelt es sich um das stärkste jemals aufgezeichnete Erdbeben. Beruhigend. Ein darauffolgender Tsunami zerstörte weite Teile der Küste und führte zu zwei Millionen Obdachlosen. Heute ist Valdivia vor allem als Studentenstadt mit mehreren Universitäten bekannt.

    Wir besuchen den Fischmarkt und schauen zu, wie die Robben die Reste der von den Fischhändlern weggeworfenen Fische verzehren. Wir fahren mit einem Microbus (diese Busse sind uns viel sympathischer als jene in Argentinien) nach Fuerte de Niebla ans Meer. Danach erfahren wir auf einer Besichtigung der Brauerei Kunstmann viel Wissenswertes über das Bierbrauen im Allgemeinen, das Reinheitsgebot und die Deutschen Wurzeln dieses Familienunternehmens. Bei der Verkostung erhalten wir noch je einen Humpen Bier – mal schauen, ob er es heil bis in die Schweiz schafft. Wir essen den ersten Ceviche in Südamerika und geniessen dazu einen chilenischen Pisco Sour (ob der chilenische oder der peruanische besser ist, lassen wir an dieser Stelle noch offen). Die Restaurantwahl ist ausgezeichnet. Dies haben wir auch unserem neuen Bekannten zu verdanken.

    Am Vormittag verweilten wir lange in einem gemütlichen Café, um unsere weitere Reise zu planen. Sich auf Destinationen festlegen, Busse raussuchen, Unterkünfte buchen und ein Auto mieten, das braucht viel Zeit. Wir sind aber dankbar, dass dies – zumindest in Argentinien, Uruguay und Chile – online bestens klappt. Während wir fleissig am Planen sind, hören wir aus dem Nichts die Frage «Ghörenech da Schwiizerdütsch?». Wir sind perplex und bejahen. Beim Fragesteller handelt es sich um Rodolfo, dessen Schweizer Vorfahren nach Chile immigrierten. Ruedi, wie er in der Schweiz genannt wird, wuchs in Chile auf, studierte und lebte aber rund ein Jahrzehnt in der Schweiz, wo heute seine Kinder leben. Für uns war es faszinierend, mitten in Valdivia, von einem Valdivianer, der perfekt Schweizerdeutsch sprach, so viel Interessantes über die Stadt, das Land und vor allem auch seine eigene spannende Vita zu erfahren. Auf jeden Fall wird uns die Begegnung mit Ruedi aus Valdivia in bester Erinnerung bleiben.
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  • Day12

    Von den Alpen zu den Anden

    January 13 in Argentina ⋅ ☀️ 24 °C

    Verschneite Berggipfel soweit das Auge reicht, tiefblaue Bergseen, viel Wald und Blumen in verschiedensten Farben. Kein Wunder wollten sich deutsche Einwanderer gerade auf diesem Flecken Erde niederlassen. Offiziell gegründet wurde die argentinische Stadt Bariloche Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute ist sie ein sehr beliebter Tourismusort– im Winter fürs Skifahren, im Sommer für diverse Aktivitäten am Wasser oder in den Bergen. In den Gründerjahren war Bariloche allerdings ein Handelszentrum. Mehrere Deutsche, welche in Chile Unternehmen gegründet hatten, lieferten Waren hierher und liessen sich vielfach auch selbst hier nieder.

    Bariloche bedeutet auf Mapuche, der Sprache des gleichnamigen indigenen Volkes, soviel wie «Menschen hinter dem Berg». Denn für uns etwas überraschend sind die deutschen Einwanderer nicht via Atlantik und durch die Pampa nach Bariloche gekommen, sondern sie besiedelten dieses Gebiet von Chile über die Anden herkommend. Der argentinische Staat gab den Einwanderern bereitwillig Land ab. Denn er wollte die indigenen Mapuche verdrängen und möglichst viel Land besiedeln. Der deutsche Einfluss stieg in Bariloche dadurch zunehmend und die deutsche Community wuchs. Es wurde eine deutsche Gemeinschaft gegründet, eine deutsche Schule eröffnet und eine Art deutscher Alpenclub – ähnlich dem Schweizer SAC ins Leben gerufen. Mehrere deutschstämmige Alpinisten und auch einige Schweizer bestiegen die Gipfel im weiten Land um Bariloche und bauten dort diverse Alphütten – genannt Refugios. Diese ähneln stark Schweizer SAC-Hütten, bieten sie doch ebenfalls Verpflegung und Schlafplätze an.

    Auf unserer Reise besuchen wir ein solches Refugio, das 1895 gegründete Refugio Frey. Von Villa Catedral aus, dem Ausgangspunkt ins grösste Skigebiet Argentiniens, geht es zunächst leicht bergan. Der schmale Pfad führt uns durch eine üppige Vegetation aus Lupinen, Amancay und diversen Sträuchern. Der Weg wird immer steiler, die Hitze drückt. Zum Glück führt der Pfad nun in den Wald hinein, über Wurzeln und Steine. Nach einer Stunde ist es mit dem schönen Schatten aber schon wieder vorbei und wir wandern nun eine gefühlte Ewigkeit steil hinauf. Wir sind etwas überrascht über den anstrengenden Weg, war dieser doch als leicht gekennzeichnet und nur drei bis vier Stunden Wanderzeit angegeben. Umso grösser ist die Freude, als wir das Refugio Frey erblicken und den wunderschönen, klaren Bergsee, auf dessen Oberfläche sich die umliegenden Gipfel spiegeln. Der kundige Muotathaler könnte sich glatt auf der Glattalp wähnen, wären die Berge nicht von einer viel rötlicheren Farbe als in der Innerschweiz. Viele erschöpfte Wanderer nutzen den Zeitpunkt für ein eiskaltes Bad. Wir selbst verzichten – auch erkältungsbedingt. Immerhin ein Fussbad gibt es – bei der einen Hälfte von uns leider, aufgrund von Gleichgewichtsproblemen, inklusive Wanderschuhen. Dies führt dann zu einer trocknungsbedingten längeren Pause in der pittoresken Landschaft. Gestärkt hoffen wir, für den Abstieg einen anderen Weg zu nutzen. Doch wir realisieren, dass unsere Ausrüstung dafür ungeeignet ist und müssen so wieder gleichenwegs ins Tal marschieren. Unter der Hitze zieht sich der Weg und wir können uns teils kaum vorstellen, dass wir das ganze Stück auf dem Hinweg mit weniger Mühe zurückgelegt haben. Umso zufriedener sind wir, als wir gestärkt mit einem Pepsi in den Bus steigen können. Unser Schrittzähler zeigt am Abend rund 37 500 Schritte an, also noch mehr als «Innä durä» (Anmerkung der Redaktion: Wunderschöne Wanderung in Muotatal). Quasi «Ussä umä».

    Alpinisten sind nicht die einzigen Schweizer, welche in der Region von Bariloche lebten. Einige Fribourger um Emilio Goye gründeten Ende des 19. Jahrhunderts die Waldgemeinde Colonia Suiza. Wie die Deutschen Handelstreibenden kamen auch sie von Chile her. Bei der Schweizer Gemeinde handelt es sich gar um die erste europäische Siedlung in der Region. Heute ist der Ort vor allem eine Touristenattraktion, böse gesagt eine etwas heruntergekommene Ansammlung von Ständen, Läden und Restaurants. Auch Heerscharen von Argentiniern, die in Bariloche gerne Ferien machen, besuchen die kleine Waldgemeinde. An die Schweizer Einwohner erinnern noch Restaurants mit den Schweizer Kantonsflaggen, einige Speisen wie «Rosti», Getränke wie Walliser Bier oder Glace mit Schweizer Schokolade, die übrigens ausgezeichnet schmeckt. Die Colonia war zwar ein interessanter Abstecher, doch für uns hat der Ort nicht mehr viel mit der Schweiz zu tun und wirkt doch eher künstlich.

    Doch zurück zu den Deutschen. Auf einer sehr interessanten Tour berichtet unser Guide, dass es vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auch in Argentinien durchaus Sympathisanten für Hitlers Idee für ein neues Deutschland gab. Wie wir erfahren, haben die Nationalsozialisten bei Auslanddeutschen intensiv Werbung für das Dritte Reich gemacht, so sandten sie unter anderem Schulbücher nach Übersee oder unterstützten die deutschen Gemeinschaften finanziell. Hitler traf bei vielen Auswanderern einen wunden Punkt, die teils ein schlechtes Gewissen hatten, dass sie Deutschland den Rücken gekehrt hatten. Mit dem von Hitler angestrebten Grossreich sollten sie nun wieder Teil von Deutschland werden. Der neuerwachte Nationalstolz in Deutschland beflügelte viele Deutsche im Ausland, ohne dass viele sich der Tragweite der Ideologie bewusst waren. Einige waren aber von Hitlers Ideen so angetan, dass sie noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zurück in ihre Heimat reisten. Paradoxerweise floh etwa dieselbe Anzahl an Deutschen – insbesondere Juden – nach Argentinien.

    Nach dem zweiten Weltkrieg gab es eine weitere Einwanderungswelle von Deutschen nach Argentinien. Bei einem Teil von ihnen handelt es sich auch um Nationalsozialisten, welche sich der Gerichtsbarkeit einziehen wollten. Die Tour zeigte die Spuren auch dieser Deutschen, die in Bariloche wohnten, auf sehr interessante Weise auf. Bis in die 90er-Jahre lebten sie unbehelligt in Bariloche, die Mehrzahl von ihnen unter einem neuen Namen, mit neuem Beruf und erfundener Biografie. Einer von ihnen war Erich Priebke, der als SS-Hauptsturmführer an den Massakern in den Ardeatinischen Höhlen beteiligt war und die Exekution von 335 italienischen Zivilisten überwachte. Überraschenderweise hat Priebke, angekommen in Bariloche, trotz seiner Vergangenheit schon bald wieder seinen normalen Namen angenommen. Er lebte ein ruhiges Leben im argentinischen Seengebiet, genoss ein hohes Ansehen und wurde schliesslich gar zum Schulleiter der deutschen Schule in Bariloche ernannt. 1994 änderte sich sein Leben schlagartig, als er plötzlich in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Vor der deutschen Schule in Bariloche wurde er von einem amerikanischen Reporter angesprochen und zu den Massakern befragt. Er nannte diesem seinen richtigen Namen und gab bereitwillig Auskunft über die Verbrechen der damaligen Zeit. Seine Verhaftung spaltete die Stadt – ein Teil war für die Auslieferung, während der andere ihn als blosses Opfer seiner Zeit sah, das die schrecklichen Befehle auszuführen brauchte, um nicht selber umgebracht zu werden. Erich Priebke wurde schliesslich nach Italien ausgeliefert, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 2013 unter Hausarrest stand. Eindrücklich war für uns, dass wir auf der Tour vor Priebkes Haus standen, in dem heute noch seine Nachfahren wohnen. Unser Guide zeigte uns noch andere deutsche Häuser. In einigen wohnten noch andere deutsche Kriegsverbrecher oder hielten sich zeitweise darin auf. Ein Gerücht, dass auch Nazi-Arzt Josef Mengele einige Monate in Bariloche lebte, konnte nie bestätigt, aber auch nicht ganz ausgeschlossen werden. Andere in Bariloche wohnhafte Nazis, unter ihnen auch solche, welche weiterhin nationalsozialistische Ideologien verbreiteten, kamen im Gegensatz zu Priebke ungeschoren davon.

    Die Spuren deutscher Einwanderer werden uns auch während unserer nächsten Stationen immer wieder begleiten. Doch zurück zu Bariloche. Die Seenregion ist einfach traumhaft, was sich auf dem Cerro Campanario bestätigt hat: So viele Seen, so viel Wald, so viel Berge. Was man allerdings braucht in Bariloche ist Geduld. Die Ortsbusse sind super günstig, aber sehr unzuverlässig und völlig überfüllt. So haben wir mehrere Stunden mit Warten verbracht (wohl definitiv nicht das letzte Mal auf unserer Reise, aber dennoch gewohnheitsbedürftig). Gewohnheitsbedürftig waren für uns auch die Bernhardiner auf dem Hauptplatz der Stadt, welche als Fotosujet dienen, und die dutzenden Schokoladenshops, welche von den argentinischen Touristen überrannt wurden. Wir haben noch die letzten mitgebrachten Lindor-Kügeli genossen und die Shops daher links liegen gelassen.
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  • Day7

    Uruguay - Mate, Cooperativas und Strand

    January 8 in Uruguay ⋅ ☀️ 28 °C

    Montevideo, welch schön klingender Name. Kurzum haben wir diesen Abstecher beschlossen, als uns bewusst wurde, dass bloss der Rio de la Plata und eine gut stündige Überfahrt Buenos Aires von der uruguayanischen Küste trennen. Von unserem Ankunftsort Colonia fahren wir mit dem Bus etwa drei Stunden nach Montevideo. Es geht durch eine Ebene, satt grüne Landschaft, vorbei an vielen bunten, einstöckigen Häusern.

    Uruguay. Uns sagt dieses Land – abgesehen vom Wissen, das es sich um eine erfolgreiche Fussballnation handelt – wenig. Uruguay liegt mitten zwischen dem riesigen Brasilien und dem weitläufigen Argentinien und wird von Reisenden oft vergessen. Obwohl das Land mehr als viermal so gross wie die Schweiz ist, hat es nur gut 3 Millionen Einwohner.

    Und diese sind ganz verrückt nach Mate. Das Aufgussgetränk besteht aus getrockneten Blättern des Matestrauchs und es wird ihm eine belebende Wirkung nachgesagt. Auch Uruguays Nachbarn sind verrückt nach Mate. Doch augenfällig ist, dass viele Uruguayer keinen Schritt ohne ihr geliebtes Getränk tun. So ist auf der Strasse jeder zweite mit einem Mate-Becher und einer Thermoskanne anzutreffen. Damit das Mittragen weniger umständlich ist, gibt es Tragesets oder dafür designte Taschen. Weil alle ihren Mate eh immer dabei haben, ist es allerdings als Tourist gar nicht so einfach, an das Getränk zu kommen, da kaum ein Restaurant Mate anbietet. Wir werden aber glücklicherweise später auf unsere Kosten kommen.

    Eine positive Erfahrung in Montevideo sind für uns die Restaurants: Innovative Kombinationen, spannende Menüs und cooles Ambiente. Im Los Leños gabs den Fisch des Tages mit karamellisierten Süsskartoffeln und ein Spargelrisotto mit Gemüse aus dem Steinofen. Im La Fonda genossen wir Fisch mit Minzsauce und Tagliatelle mit einer Pilzpesto und Pinien. Besonders angetan haben es uns aber die Cooperativas. Unscheinbar, gar etwas versteckt, öffnet sich eine neue Welt, wenn man sie betritt. In ehemaligen Industriegebäuden befinden sich kleine, Büros, Co-Working Spaces und Ateliers sowie eine Art permanenter Street Food Market, wo es an Ständen verschiedenste Esswaren und Getränke zu finden gibt. Die Stände sind schön gestaltet und man spürt die Leidenschaft der Betreiber. In diesen Cooperativas holt man sich an einem Stand, wonach einem gerade ist und setzt sich dann an einen der Tische in der Mitte, die keinem Stand zugeordnet sind. Die Hallen sind schmuck dekoriert und mit vielen Pflanzen versehen. So etwas fehlt aus unserer Sicht in der Schweiz definitiv noch!

    Die Uruguayer sind im Vergleich mit den anderen Südamerikanern sehr liberal eingestellt, wie sich uns auch auf der Free Walking Tour zeigt. Uruguay ist zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine der modernsten Nationen in Lateinamerika. 1916 wurden in Uruguay Kirche und Staat getrennt. Heute geben knapp 42 Prozent der Bevölkerung an, keiner Religion anzugehören. Bereits 1932 wurde das Frauenstimmrecht eingeführt. Abtreibungen wurden in Uruguay im Jahre 2012 in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten straffrei, was kurzzeitig zu einem regelrechten Abortionstourismus führte. Denn mit Guyana kennt nur noch ein anderes Land in Südamerika eine straffreie Abtreibung in den ersten drei Monaten. Durch eine Anpassung der Gesetze (urugayischer Pass, Aufenthalt im Land seit zwei Jahren) wurde dieser Art von «Tourismus» jedoch ein Riegel geschoben. Für Aufsehen sorgte der lateinamerikanische Staat auch im Jahre 2017, als der Verkauf von Marihuana legalisiert wurde. Ja, der Staat baut für seine Bürger gar Hanf an. Allerdings gibt es klare Restriktionen und der Hanf darf nur in gewissen Mengen, mit niedrigen THC-Gehalten und an bestimmten Orten verkauft werden. Das führt mitunter dazu, dass die Leute vor entsprechenden Apotheken Schlange stehen, um Marihuana zu erwerben. Fakt ist, dass das Gras in der Apotheke günstiger ist als bei den Dealern, wie unser Guide uns erzählte.

    Nach vielen geschichtlichen Infos zu Montevideo und dem Land Uruguay gönnten wir uns einen Strandtag. In Piriápolis haben wir die Gelegenheit genutzt und uns mit reichlich kühlem Atlantikwasser benetzt. Wir waren erstaunt, dass Bademöglichkeiten in Buenos Aires und Montevideo praktisch inexistent sind: Das braune und doch eher verdreckte Wasser des Rio de la Plata in Montevideo und vor allem in Buenos Aires lädt definitiv nicht zum Baden ein. Der etwa zwei Fahrstunden von Montevideo entfernte Badeort Piriápolis bot deshalb die bessere Gelegenheit für einen kurzen Atlantik-Schwumm. Piriápolis ist denn auch eine beliebte Feriendestination für Uruguayer, Argentinier und auch Brasilianer.

    An unserer nächsten Destination ist Baden nur für Hartgesottene. Von der Wärme Montevideos geht es nämlich nach Bariloche in Nordpatagonien, das im Winter ein beliebtes Skigebiet in Südamerika ist.
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