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  • Day35

    Schwul ist cool ! + "letzter Drücker"

    November 4, 2019 in France ⋅ ⛅ 18 °C

    Am Abend traf ich ein sehr nettes Pärchen: Er, Franzose aus Bordeaux, weiß und 60 Jahre jung, und er, aus Alabama, schwarz und 31 Jahre jung. Die beiden waren echt süß.
    Der Franzose hat ein Weingut und der Amerikaner studiert Weinbau. Mit den beiden habe ich mich den ganzen Abend feuchtfröhlich bei verschiedenen Weinen unterhalten. Wir machten eine Weinverkostung spanischer und französischer Rotweine. Toll, wenn man bei so etwas gleich 2 Kenner und Fachleute dabei hat. Es war ein großartiger Abend, der natürlich darin endete, dass die französischen Weine für besser befunden wurden. Und ein Schelm ist, wer glaubt, dass es daran gelegen hat, dass der Franzose ein französisches Weingut aus Überzeugung hat.
    Interessant war die Reaktion des Amerikaners auf die Frage, wo es besser sei: In Europa oder in den USA. Ohne zu überlegen nannte er Europa als den deutlich besseren Kontinent, weshalb er sich auch entschlossen habe, hier, also in Bordeaux, zu bleiben. Begründet hat er das mit wirklich ALLEM: Menschen, Vielfältigkeit, Gesundheitssysteme, Bildungssysteme, etc. etc. Es gab nur einen Bereich, in dem die USA die Nase vorn habe: Militärisch!
    Diese Aussage eines gebildeten Menschen, der beide Kontinente seit Jahren kennt, hat in meinen Augen Gewicht.

    Meine „senile Bettflucht“ „schlug zu“. Ich nutzte die nächtliche Unruhe, um die Weiterfahrt vorzubereiten: Wie ich der Presse entnahm, wurde der Südwesten Frankreichs gestern von schweren Winterstürmen getroffen, die nun ostwärts, also in meine Richtung zogen. Ab Mittags sollten sie hier eintreffen. Grund genug, kein Wellness zu machen, sondern früh loszufahren.

    „Klack“....der erste Gang. Langsam gab ich Gas...nahm die erste Kurve.....dann startete ich „ Dancing the Blues“ von Chris Rea in voller Lautstärke und „drückte“ die Maschine die erste Steigung hoch in die Kehre.....los ging es, auf der einzigen Straße in Andorra, die hinaus führt: Auf der einen Seite nach Spanien, auf der anderen Seite nach Frankreich. Aus Spanien kam ich, nach Frankreich will ich. Über die Pyrenäen wieder an die Küste.... Musikalisch ist heute „Blues-Tag“.

    Bereits nach 20 Min erreichte ich die Ski-Gebiete. Die Temperatur fiel auf 3 Grad. Die Straße war nass und damit auch leicht gefroren. Bei diesen Temperaturen ist das Gummi der Reifen hart wie „Krupp-Stahl“ und hat keinerlei Haftung mehr. Mein Hinterrad führte 2x ein „Eigenleben“. So fuhr ich bis auf 2.200 m im Schritttempo mit den schleifenden Füßen auf dem Asphalt ( Ich glaube, bald brauche ich wieder neue Sohlen).

    Höher traute ich mich nicht und nahm lieber den Tunnel, der unter dem Pass durchging.

    Die Grenze nach Frankreich überquerte ich in den Wolken. Dann ging es wieder runter. Belohnt wurde ich vom „Indian Summer“ in den Pyrenäen. Großartige Aussichten!
    Die fahrerischen Anforderungen waren wieder spannend, denn nun hatte ich feuchtes Laub auf der Straße....

    Mittags war ich aus dem Gebirge raus. Gerade noch rechtzeitig: Der Himmel im Rückspiegel pechschwarz und die Berge im Nebel.
    Wie mache ich weiter?
    Ich entschloss mich „Strecke“ zu machen und fuhr bis „Bezier“. Hier holten mich die Wolken ein. Die Temperaturen sind von 33 Grad am Mittelmeer vorgestern, auf 18 Grad heute gefallen.

    Gestern wurde ich gefragt, ob ich noch nach Monaco und Italien komme. Nein, dahin komme ich nicht: Das würde bedeuten, dass ich im Winter über die Alpen müsste. Das mache ich nicht auf zwei Rädern. Schon die heutige Fahrt erschien mir wie eine Überquerung „auf den letzten Drücker“.
    Ich werde von „Montpellier“ aus durch das „Rhône-Tal“ zwischen den Alpen durchfahren.

    Wahrscheinlich komme ich früher nach Hause als gedacht, aber ich habe wirklich Respekt vor dem Wetter in den Bergen...

    Erkenntnis des heutigen Tages:

    Gute Planung ist alles! Heute hat sie definitiv gestimmt!
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