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  • Day50

    Stille Nacht, kabbelige Nacht

    August 31, 2018 in France ⋅ ⛅ 25 °C

    KLONK, KLONK, KLONK....Es ist mitten in der Nacht und ich wache ruckartig auf und schrecke zusammen. Wo bin ich und warum schaukelt hier alles?! Ich hab doch gestern Abend gar keinen Alkohol getrunken. (Wahrscheinlich ist das das Problem!) Da fällt mir ein, dass ich auf einem Boot bin, da kann es schonmal ein bisschen kabbelig werden.

    Ich sehe von der Koje aus dem Fenster und versuche mich zu orientieren, sehe aber nicht viel außer Schwarz, schwarzer Himmel und schwarze See. Gregor und ich haben vor 2 Tagen beschlossen jetzt öfter mal zu ankern, weil das a) die Reisekasse schont und b) so schön abenteuerlich ist.

    Abenteuerlich ist das richtige Wort: Gestern Nacht sind wir gleichzeitig von einem Krachen wach geworden und so schnell es geht aufs Deck gerannt. Der Anker hatte sich gelöst und Shippy hat kurz drauf mit einem Felsen geknutscht. Zum Glück ist Shippy aus Stahl und damit hart im Nehmen, wir warfen in genügend Abstand zum Felsen nochmal den Anker und konnten dann zum Glück weiterschlafen.

    Doch in dieser Nacht liege ich hellwach im Bett, höre dem Krach zu, den Shippy mit seinem Mast und so veranstaltet und werde von einer Seite auf die andere geworfen, während das Geschirr im Schrank hin und herfliegt und ich das Gefühl habe wir überschlagen uns gleich.
    Warum schaukeln wir überhaupt so heftig?

    In meinem Kopf nehmen mehrere worst-case-Szenarios Gestalt an:
    1. Der Anker hat sich gelöst und wir rammen gleich (mal wieder) die Küste.
    2. Der Anker hat sich gelöst und wir rammen gleich ein anderes Boot (z.B. den Katamaran oder eines der anderen Segelboote, die unweit von uns ankern).
    3. Der Anker hat sich gelöst und wir werden aufs offene Meer rausgetrieben.
    4. Wir überschlagen uns.
    5. Der Mast kippt um.
    6. Eine Kombination der ersten 5 Punkte.

    Jedenfalls kann ich bei dem Geschaukel nicht schlafen und obendrein ist mir jetzt auch noch langweilig. Ich würde ja mein Handy holen, aber das liegt auf dem Kühlschrank und dafür müsste ich aufstehen. Mmmh, vielleicht sollte ich eine rauchen? Aber bei meinem Glück geh ich dabei noch über Bord, mir ist auch so schon ein bisschen flau im Magen und außerdem müsste ich ja dafür auch aufstehen. So'n Mist! Was kann ich sonst tun?

    Ich dreh mich zur Seite und schau mir an, was Gregor bei dem Geschaukel macht. Wahnsinn, der schläft!!! Tief und fest und friedlich wie ein Baby! Das gibt's ja nicht! Ich mal mir hier Katastrophenszenarien aus und trau mich nicht aufzustehen, aus Angst mich auf die Nase zu legen - und der SCHLÄFT!. Obendrein kriege ich jetzt noch mehr Angst, denn das ist ja dann quasi so, als wäre ich allein hier, wenn Szenario 1-5 eintreten.
    "Schaaatz!" Gregor schläft weiter, bis ich schließlich ein bisschen an seiner Schulter rüttel. "Was ist denn los?" murmelt er noch im Halbschlaf. "Ich kann nicht schlafen. Es schaukelt so." "Was schaukelt?" Gregor, der bis jetzt anscheinend nichts von dem Schaukeln mitbekommen hat, wird nun richtig wach und wirkt komischerweise leicht verärgert. "Toll, jetzt kann ich nicht mehr schlafen!" "Ja, sag ich ja, ich auch nicht!", Ich fühle mich schon viel besser. Jetzt wo Gregor wach ist, ist mir auch nicht mehr so langweilig.

    Gregor versucht nochmal einzuschlafen, gibt aber irgendwann auf: "Und was machen wir jetzt?", fragt er mich in vorwurfsvollen Tonfall, so als könnte ich was dafür, dass die See heute so kabbelig ist. "Weiß nicht?" antworte ich müde. Mir hat das kurze Gespräch so gut getan, dass ich nun tatsächlich fast einschlafe.

    "Lass uns losfahren!", sagt er plötzlich, steht auf und macht den Motor an. Das gibt's doch nicht, warum wird der denn jetzt aktionistisch? Ich wollte doch nur über das Problem reden. Ich schäle mich schließlich ebenfalls aus dem Bett und versuche nicht umzufallen, während ich nach draußen laufe. Es ist gerade mal 2:30 Uhr und wir fahren eine kurze Runde mit Shippy und Ankern diesmal etwas näher an der Küste.

    Wie wir kurz drauf feststellen, ist es hier genauso kabbelig, aber Gregor fällt ein, dass wir Ohropax haben und so hören wir wenigstens das Plätschern und das metallische Klirren des Mastes nicht mehr....und wie Gregor ergänzt: auch mein Gebrabbel nicht. Uups.

    Die 3 besten Tipps für besseren Schlaf:

    1. Für Frauen: Partner wecken.
    2. Für Männer: eine Runde Boot fahren.
    3. Unisex-Lösung: Ohropax.
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