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  • Day16

    Camino de Santiago

    August 1, 2019 in Spain ⋅ ⛅ 21 °C

    Bereis mehrere Versuche habe ich gestartet, ein Schlusswort zu den Caminos und zu meinem Sommer im Allgemeinen zu verfassen. Unmöglich. Was ich alles erlebt habe, ist schon in meinem Kopf nur schwer fassbar, das Ganze in Worte zu fassen, ein Ding der Unmöglichkeit.

    Von den Leuten zu Hause kommen oft Fragen wie: warum tust du dir das an? Suchst du Gott? Oder dich selbst? Laufen ja, aber wieso so lange? Reicht nicht eine Woche?

    Eine eindeutige Antwort auf all diese Fragen kann man eigentlich gar nicht geben. Alles was ich weiss, ist, dass ich auf diesen Caminos wahrscheinlich die beste Zeit meines Lebens hatte. Ausserdem auch die erlebnisreichsten, abenteuerlichsten, lustigsten, zugleich härtesten, emotionalsten, und generell intensivsten Monate überhaupt. Jemandem diese Gefühle mit Worten zu beschreiben, kommt nicht annähernd an die Realität heran.

    Die Worte von Ernesto, dem Hospitalero in Güemes, gehen mir nicht mehr aus dem Kopf: du gehst hier nicht nur den Camino de Santiago, du gehst den Camino de la Vida. Der Camino ist ein Spiegelbild deines Lebens. Leute kommen, Leute gehen und jeder hinterlässt einen kleineren oder grösseren Fussabdruck in deinem Leben. Von jedem Menschen, der dir begegnet, kannst du etwas mitnehmen. Und das habe ich. Und wie ich das habe. Ich habe Menschen kennengelernt, die mit einer unglaublichen Offenheit und Gutmütigkeit auf andere Menschen zugehen. Ich habe Menschen kennengelernt, die jedem Menschen, dem sie begegnet sind ein Lächeln geschenkt haben. Menschen, die mich wieder an das Gute in der Menschheit haben glauben lassen. Ich habe Menschen kennengelernt ohne zu wissen, was sie arbeiten, wie alt sie sind oder woher sie kommen. Weil es egal war. Man lernt hier, jeden Menschen so zu nehmen, wie er ist. Ohne Vorurteile. Ohne Schubladen. Man redet nicht viel über den Alltag, darüber was vorher war, was nachher kommt. Man ist komplett im Hier und Jetzt. Kostet jeden Moment voll aus. Wenn ich nur schon daran denke, kriege ich Gänsehaut.
    Neben all den schönen Begegnungen mit Mitpilgern lernt man natürlich auch sich selbst besser kennen. Man lernt, auf sich, seinen Körper und sein Herz zu hören. Meiner Meinung nach ist das auch das einfachste Rezept, einen Camino zu bewältigen. Nicht zu viel zu überlegen, sondern einfach das zu tun, was dein Herz und dein Körper dir sagen. Schlussendlich bringt das ein enormes Selbstvertrauen und ein riesiges Glücksgefühl.

    Also was jetzt so einen Camino wirklich ausmacht? So ganz weiss ich das noch immer nicht. Die Natur, das Draussen-Sein, die Bewegung, die Anstrengung, die Grenzerfahrung, die Grenzüberschreitung, die Begegnungen, das Leute-Kennenlernen, das Sich-Selbst-Kennenlernen... Was auch immer es ist, es macht süchtig!

    So, der Camino ist damit abgeschlossen. Eigentlich. In meinem Herzen wird er immer bleiben. Und wer weiss, früher oder später wird er mich wieder zu sich holen. Bis dahin: Buen Camino!
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