Segeltörn

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August 2019
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  • Day424

    Meine Überlegungen

    October 4 in Bulgaria ⋅ ☀️ 24 °C

    Hallo, zumindest einen Teil meines Traumes muss ich aufgeben, so schwer mir das auch fällt. Es hat keinen Sinn, mir etwas vorzumachen. Ich wollte herausfinden ob ich auf einem Schiff leben möchte und körperlich, gesundheitlich und finanziell das durchhalten kann. Leben auf dem Schiff ist fantastisch und hat mir echt viel Spaß gemacht. Körperlich ist es, was Schwerwetter betrifft, extrem anstrengend und dem fühle ich mich mit meinen 70 Jahren nicht mehr so ganz gewachsen. Auch das muss man sich eingestehen können. Gesundheitlich fühle ich mich wohl wie lange nicht mehr. Finanziell könnte ich es noch etwa 1 Jahr durchstehen, aber spätestens dann müsste ich erst mal wieder 2 Jahre mindestens arbeiten. Das Schiff nimmt mir mit den Schäden, wodurch sie auch kommen, die finanziellen Mittel, weiter zu machen.
    Dazu kommt auch noch ein weiterer wichtiger Aspekt, den mir die letzten knapp 2 Jahre auf dem Schiff gezeigt haben. Das war am Anfang in Berlin im Hafen und die erste Zeit unterwegs, in der ich ja auch fast immer in Häfen war, nicht so problematisch. Aber die letzte Zeit, in der ich häufig geankert habe, hat mir gezeigt, dass das Schiff für meine Begriffe nicht so komfortabel ausgestattet ist, wie ich es gern hätte. Das ein und aussteigen aus der Koje im Vorschiff macht einem jüngeren Menschen sicher keine Probleme, aber in meinem Alter ist es doch sehr unbequem, vor allem mit Rückenschmerzen. Die Nasszelle ist zwar einigermaßen groß, aber es fehlt definitiv die Dusche. Im Sommer fällt das nicht so auf, weil man ständig schwimmen geht, aber in der Winterzeit ist das nicht so angenehm. Meine Küche ist ebenfalls für meine Bedürfnisse zu klein und auch die Kühlmöglichkeiten sind zu beschränkt. Den Anker ohne elektrische Winde aufzuholen, oder das Großsegel zu setzen, bedeutet für mich ebenfalls schwerste Arbeit.
    Diese Dinge sind leider mit diesem Schiff nicht umzusetzen, ich kann hier nicht beliebig weiter elektrifizieren oder vergrößern oder ne Dusche einbauen. Aus diesen Gründen habe ich mich entschieden, die Black Mermaid hier zu verkaufen, so weh mir das auch tut, denn ihr könnt mir glauben, es ist ein schönes Schiff und ich habe sehr gern darauf gelebt und bin sehr gern damit gesegelt. Ich habe mich selbst bei schwerem Wetter immer sicher auf diesem Schiff gefühlt, nie hatte ich Angst in Lebensgefahr zu kommen.
    Vielleicht kaufe ich mir mal ein größeres Schiff und träume meinen Traum weiter.
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  • Day420

    Eine einzige Enttäuschung

    September 30 in Bulgaria ⋅ ☀️ 19 °C

    Als ich wach werde, merke ich, dass der Wind schon zugelegt hat und draußen einige Menschen dabei sind, die Boote zu sichern. Später soll der Sturm Böen bis zu 60 km/h bringen. Die Jungs sind in aller Seelenruhe dabei, ihre Sachen zu packen. Ich frage Christoph ob er eine Haftpflichtversicherung hat? Ja hat er. Dann könnte man den Schaden an der Reling doch darüber regulieren. Seine Antwort ist, puh. Ich verstehe nicht ganz wie er das meint und frage, was heißt das puh? Es wäre doch kein Problem, wenn man versichert ist, dass man die, wenn man jemandem einen Schaden zugefügt hat, in Anspruch nimmt.
    Seine Antwort: Da sie ja keine Ahnung vom Segeln haben, kann er ja nix dafür und schließlich sei es ja von mir unverantwortlich gewesen, dass ich sie auf eine Ankertour auf dem Schwarzen Meer mitgenommen hätte. Ich bin platt.
    Ok, er hat keine Ahnung vom Segeln, aber weiß, dass ich unverantwortlich gehandelt hätte. Er scheint wenig Ahnung von vielem zu haben, aber ne Menge Meinung.
    Überlege ihn zu fragen ob auch wegen seiner Ahnungslosigkeit mein Bootshaken jetzt im Schwarzen Meer schwimmt oder ihn seine Ahnungslosigkeit dazu gebracht hat, häufiger mal das Seeventil der Toilette offen zu lassen? Oder mein Tisch deshalb mit Wasserflecken versehen ist ....oder ...... oder
    Aber das würde mich nur wütend machen und deshalb sage ich nur, dass sie ihre Sachen packen und verschwinden sollen.
    Dann gehe ich nach draußen und mein Bootsnachbar hilft mir, die Black Mermaid besser zu vertäuen und vor allem noch eine 2. Mooringleine vorn zu legen. Jedenfalls sehen wir die beiden ohne ein Wort von dannen ziehen und er schüttelt nur den Kopf. Wir legen auch noch ein paar Fender um und er fragt mich, was los gewesen sei. Ich erkläre ihm das mit der Versicherung und er schüttelt wieder den Kopf und sagt, warum hat er denn eine Versicherung? Ich kann ihm nur antworten, er ist halt jung und dumm. Er meint, er würde klagen, aber das will ich nicht. Wenn er schon keinen Anstand hat, hilft das wahrscheinlich auch nichts.
    Jedenfalls zeigt sich das Schwarze Meer mal wieder von seiner unberechenbaren Seite, denn die Böen kommen nicht mit dem Sturm, sondern kurz nach dem Mittag flaut der Wind ab. Auf diese Weise habe ich einen ruhigen Nachmittag und genieße den in der Plicht.
    Am frühen Abend versuche ich rauszubekommen ob ich ein Auto oder Wohnmobil von Warna nach Berlin mieten kann, damit ich alle meine Sachen mitnehmen kann. Aber es geht nicht, keine Autovermietung bietet das an.
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  • Day419

    Die 1. ruhige Nacht

    September 29 in Bulgaria ⋅ ⛅ 23 °C

    Endlich mal wieder ruhig geschlafen. Gegen 10 Uhr stehe ich auf. Den Jungs fällt auf, dass das letzte Brot schimmlig ist, also müssen sie mit mir Müsli essen. Danach wollen sie einkaufen gehen, denn sie brauchen noch eine Tasche für ihren Heimflug. Abends wünschen sie sich Spaghetti aglio et olio und dafür sollen sie Blattpetersilie mitbringen, außerdem wollen sie mir eine gefüllte Folienkartoffel mitbringen, die gibt es hier an der Imbissbude und wir hatten den Hafenmeistern ein Bier versprochen.
    Ich räume noch das Schiff auf, vertäue es etwas besser und unterhalte mich mit dem Bootsnachbarn, dem Steuermann der Rennyacht. Er ist nicht besonders gesprächig, aber sehr freundlich. Ihm scheint das schlechte Abschneiden beim Bosporus-Cup noch in den Knochen zu stecken. Sie haben wohl einige gravierende Fehler gemacht und er hat sich dazu noch für einen Kurs entschieden, der sich als schlecht erwies, weil der Wind drehte. Er lebt auch hin und wieder auf der Rennyacht, aber da ist es mit dem Komfort noch schlechter als auf der Black Mermaid und er ist ganz überrascht, dass es auf meinem Schiff keine Dusche gibt. Na ja, das war wohl in den 70ern nicht so wichtig, da konnte man noch stinken. Er fragt, warum meine Mitsegler mir so wenig beim Klarmachen des Schiffes helfen und ich kläre ihn auf, wie es zum gemeinsamen Segeln gekommen ist, aber das ist für ihn keine Entschuldigung.
    Danach gehe ich auch spazieren, schaue mir den Hafen an und gehe auf der Mole in Richtung Warna. Es gibt viele Restaurants, ein touristisches Restaurant auf einem Piratenschiff und ein schönes Strandbad. Inzwischen ist es schon später geworden und ich gehe zurück zum Schiff. Nach einiger Zeit kommen die beiden und zeigen mir stolz ihre Klamotten, die sie in einem Second-Hand-Shop erstanden haben und ihre Tasche. Petersilie haben sie auch mitgebracht, meine Folienkartoffel und die anderen Sachen haben sie vergessen, nicht mal an Brot haben sie gedacht. Naja, ich denke mir meinen Teil und fange an, das Essen vorzubereiten.
    Juri und Christoph beginnen ihre Sachen zu packen und als ich etwas später sage, dass das Essen gleich fertig ist, gebe ich ihnen Teller und Besteck und sie decken den Tisch. Heute ist ihnen das Essen etwas zu scharf, denn ich habe die letzten 3 Chilischoten dran gemacht und nicht nur 2 wie sonst, aber mir schmeckt es sehr gut. Nebenbei erzählen sie mir, dass sie am Mittwoch Abend zum Flughafen laufen wollen, damit sie am Donnerstag ihren Flieger nicht verpassen. Ok, soll mir recht sein.
    Morgen gegen Mittag soll ein Sturm aus West aufziehen, deshalb kontrolliere ich noch mal alle Festmacher und dann geht's schlafen.
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  • Day418

    Auf nach Varna

    September 28 in Bulgaria ⋅ ⛅ 24 °C

    Um 6.30 Uhr stehe ich auf. Es hat wieder ein wenig aufgefrischt. Die Wetterprognose sagt 3 bis 4 Bf und gegen Mittag ansteigen auf 5 Bf, der Dienstag soll so sein wie gestern gesagt wurde, aber wer weiß. Ich will heute los. Raus aus diesem ungemütlichen Hafen.
    Die Fischernetze wollen wir weiträumig umfahren und etwas weiter raus aufs Meer, denn so haben wir den besten Wind. Können lange auf einem Bug segeln und wenn wir dann den Kurs Richtung Hafen von Varna ändern, haben wir die ganze Strecke raumen Wind.
    Also ablegen und langsam raus aus dem Hafen und backbord an den Fischernetzen vorbei, dann setzen wir das Vorsegel. Das Groß lasse ich nicht setzen, da der Wind in kräftigen Böen weht und den Motor lassen wir noch etwas mitlaufen. Nach einer halben Stunde, fällt die Drehzahl des Motors ab und ich schalte in den Leerlauf. Juri schaut durch die Luke auf die Welle und ich kuppele wieder ein, aber die Welle dreht nicht, hat keinen Kraftschluß. Verdammter Mist. Sollte das Getriebe doch einen Schaden haben? Ich sage Juri er soll nach dem Öl schauen. Es ist ausreichend, sauber, aber schaumig, aber es sieht nicht danach aus als ob Wasser drin ist.
    Wir werden einen Ölwechsel vornehmen. Ich sage Christoph, dass er das Ruder übernehmen und Kurs Südsüdwest halten soll, also so 203 grad. Ich gehe in die Kajüte, leider herrscht hier schon wieder Chaos, die Jungs können einfach nicht aufräumen und durch die Krängung fliegt natürlich alles rum, ich habe es schon einige Male gesagt.........
    Wir müssen erst ein paar Sachen verstauen, damit ich an das Werkzeug und die Pumpe komme. Juri baut die Pumpe zusammen und ich hole ne alte Flasche, das Öl und den Trichter. Dann saugen wir das alte Öl ab und füllen das frische ein. Probieren wollen wir jetzt den Kraftschluß nicht, sondern erst das Getriebe abkühlen lassen und es erst im Hafen von Varna einkuppeln. Bei einer starken Welle kann ich mich nicht halten und knalle mit dem Hinterkopf gegen den Verschluss vom Küchenbullauge. Mir brummt der Schädel, mir ist übel und ich habe das Gefühl ich muss mich übergeben. Lege mich erst mal in die Plicht und die Jungs steuern. Nach einer Weile scheint es wieder zu gehen.
    Juri ruft den Hafen von Varna an, fragt nach einem Liegeplatz und erklärt unsere Lage. Sie wollen auf uns warten und helfen. Gegen 15.30 bis 16 Uhr werden wir wohl da sein, aber wir sollen uns dann wieder melden.
    Insgesamt ist es eigentlich ein schöner Tag zum Segeln, zwar gerefft, aber es läuft gut. Wir fahren mit rund 4 bis 6 Knoten und kommen dadurch gut voran. Der Wind ist leicht drehend und böig, deshalb muss ich den Kurs immer wieder korrigieren.
    Wir kommen näher an die Küste und schauen ständig ob irgendwo ein Fischernetz zu sehen ist, aber dann erreichen wir die Einfahrtzone zum Hafen. Wir gehen auf Westkurs und an der vorletzten Boje verkleinern wir die Fock auf die Hälfte, an der letzten lasse ich sie ganz einholen und starte den Motor. Wir fahren vom Wind getrieben in den Hafen und müssen dann nach Steuerbord. Wir suchen uns einen Molenplatz, an dem wir längs anlegen können, ich stoppe dort auf und es gelingt. Wir machen fest und schon ist die Polizei da. Ich weiß nicht wie es denen gelingt, einen schon während des Anlegens nach dem Pass zu fragen?
    Dann kommen die Helfer aus dem Hafen und erklären uns, dass wir im falschen Hafenbecken gelandet sind. Na toll. Aber nun klarieren wir erst ein und dann verlegen wir das Schiff. Ich gehe mit dem einen Hafenmeister zum richtigen Becken und er zeigt mir den Liegeplatz. Dort soll ich rückwärts einfahren, knapp an einem Motorboot vorbei. Ich erkläre ihm, dass dies mit defektem Getriebe nicht zu machen ist und er meint, dass ich vorwärts einfahren soll und wir das Schiff mit Seilen umdrehen. Ok, das geht, da der Platz neben mir und der Mole noch frei ist. Also zurück zum Schiff und der Polizist ist auch schon fast fertig.
    Die beiden Hafenmeister ziehen uns rückwärts mit ihrem Boot aus dem Hafenbecken und sichern uns mit dem Abschleppseil, dass wir nicht abtreiben. In der Parkbucht wird das Schiff gedreht. Es klappt alles sehr gut. Nun liegen wir endlich in ruhigem Wasser, ich weiß nicht seit wievielen Tagen.
    Es gibt 1 Dusche und so gehen die Jungs nacheinander. Ich räume das Schiff etwas auf und gehe dann auch duschen. Die Jungs wollen telefonieren gehen und ich bleibe allein. Nach einer Stunde bekomme ich Hunger, soll ich mir was zu essen machen oder noch warten? Ich gehe eine Runde spazieren durch den Hafen. Als ich zurück bin, sind die Jungs noch nicht da und so mache ich mir eine Suppe und Tomaten Mozzarella. Während ich beim Essen bin, kommen die beiden zurück. Haben sich auch noch ein wenig die Stadt angesehen. Da mir immer noch der Schädel etwas brummt, lege ich mich schlafen.
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  • Day417

    Warten auf den Taucher

    September 27 in Bulgaria ⋅ ☀️ 22 °C

    Gestern haben wir den Tag fast ganz verschlafen. Am Nachmittag wollen wir was essen, aber an Kochen ist nicht zu denken, dafür ist es viel zu unruhig. Also bleibt uns nur eine Brotzeit.
    Heute soll eventuell der Taucher kommen. Das Wetter hat sich ein wenig beruhigt und deshalb wäre es geeignet, den Propeller vom Tau zu befreien. Bis kurz nach Mittag warten wir vergeblich und so fragen wir die Polizisten, die uns fast rund um die Uhr bewachen, ob sie noch mal nachfragen könnten. Sie fragen über Funk, aber wir bekommen kein Feedback.
    Also entscheide ich mich selbst zu tauchen, eine Taucherbrille haben die Jungs und sie wollen auch helfen. So gehen wir im Wechsel unter Wasser an den Propeller und schneiden Stück für Stück des Seils ab. Nach Stunden sind wir damit endlich fertig und wir probieren den Motor aus und dann fahren wir erst vorsichtig rückwärts bis die Haltetaue fest sind, dann das gleiche Spiel vorwärts. Es funktioniert, der Propeller dreht!
    Wir räumen auf und dann gehe ich an die Wetterprognosen. Montag soll es einigermaßen werden, gestern war die Prognose noch positiv, nur 2 bis 3 Bf, heute sagen sie für Montag 3 bis 4 Bf und gegen frühen Nachmittag auffrischend auf bis zu 5 Bf. Der Dienstag soll wieder nur 2 bis 3 Bf bringen. Schauen wir mal morgen früh die Prognosen an, aber auf jeden Fall planen wir die Abfahrt für Montag. Da es bis Varna 28 sm sind, sollten wir das in rund 5 Stunden schaffen.
    Gegen Abend können wir uns etwas zu essen kochen, da es immer noch relativ ruhig ist. Danach spielen wir ein paar Runden Uno und dann gehen wir schlafen.
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  • Day416

    Das verdammte Muschelnetz

    September 26 in Bulgaria ⋅ ☀️ 25 °C

    So hingen wir also an einem Seil und der Motor war abgestorben. Wir überlegen, zu versuchen, rückwärts auszufahren. Ich starte den Motor und lege den Rückwärtsgang ein, aber der Motor stirbt ab, da die Welle sich nicht mehr dreht.
    Während Christoph und ich versuchen, uns aus der misslichen Lage zu befreien, soll Juri die Küstenwache informieren und um Hilfe bitten. Wir können das lange Seil sehen, das unter unser Schiff führt und uns festhält, aber es ist nicht zu erreichen, da die Wellen inzwischen auch eine Höhe erreicht haben, die ein sicheres Arbeiten achtern nicht mehr erlaubt.
    Also müssen wir uns auf die Coastguard verlassen, die auch bereits, dabei sind, die Befreiung aus unserer Lage vorzubereiten.
    Ich möchte, das Schiff segelklar machen, damit wir sofort das Vorsegel setzen können, falls das Fischertau reißen sollte oder sich die Black Mermaid losreißt. Christoph will zwar die Sicherheitsleine an der Fock lösen, aber das lasse ich nicht zu. Ich nehme mir die Safetyline und seile mich an, klinke mich an den entsprechenden Haltepunkten ein und hangele mich Millimeter für Millimeter auf allen Vieren nach vorne. Dort muss ich erst mal verschnaufen, denn die Wellen haben inzwischen eine Höhe bis zu 6 Metern erreicht, wie wir später erfahren.
    Dann richte ich mich auf und löse mit einer Hand den Sicherungsknoten. Setz mich wieder und mache den Anker klar, so dass wir den im Notfall auch ausbringen können. Dann wieder Stück für Stück zurück in die sichere Plicht. Bin völlig außer Atem und brauche eine Zeit, mich zu erholen.
    Inzwischen hat sich die Küstenwache gemeldet und uns informiert, dass ein Boot auslaufen wird, sie aber nicht wissen ob es an uns herankommt, da der Sturm kräftiger geworden sei und die Wellen bereits 6 und mehr Meter hoch seien und deshalb ein Anfahren schwierig wird. Aber sie haben auch den Besitzer des Fischernetzes erreicht, der mit seiner Crew uns auch helfen will. Sie würden sich über Funk melden, sobald die Schiffe auslaufen.
    Wir haben entdeckt, dass auch vor uns eine Reihe Bojen liegen, wir sind also in ein ganzes Feld abgedriftet. Wir sind uns klar, dass dies eine sehr unruhige Nacht werden wird, denn wir sind uns sicher, dass eine Rettung erst bei Tageslicht erfolgen kann. Aber letztlich geht es uns gut und wir fühlen uns sicher auf dem Schiff, trotz der Wellen, die uns manchmal heftige Güsse in die Plicht schmeißen. Hab ich schon erwähnt, dass wir alle klatschnaß sind, obwohl es nicht einen Tropfen geregnet hat?
    Juri meint, wir sollten Uno spielen, denn machen können wir eh nix mehr.
    Die Frau von der Küstenwache funkt uns immer mal wieder an und fragt ob es uns gut geht und dass sie an der Rettung arbeiten. Wirklich sehr nett. Uns geht es den Umständen entsprechend gut und es ist ja auch nicht kalt, ganz im Gegenteil.
    Da wir vor uns das nächste Feld entdeckt hatten, beratschlagen wir, den Anker auszubringen, damit wir im Falle des Falles nicht in dieses Feld laufen. Also schnalle ich mich wieder an und der Weg nach vorne beginnt erneut. Ich komme noch langsamer voran, denn das Schiff wird in alle Richtungen und hoch und runter geworfen, taucht bis an den Süllrand ins Wasser. Ich bin sehr froh, dass ich die Safetyline habe und ich glaube, die Jungs halten den Atem an. Angekommen am Anker, kann ich meine Beine in den Ankerkasten hängen lassen und sitze so einigermaßen bequem. Als ich die Schraube lösen will, merke ich, dass ich dazu keine Kraft mehr habe. Ich muss ein lange Weile warten, dann versuche ich es erneut, aber meine Kraft reicht noch nicht. Ich fluche vor mich hin und ärgere mich, dass ich sie vorher so festgezogen hatte. Wieder ein Weilchen später rüttele ich am Anker und drehe gleichzeitig an der Schraube. Das verdammte Ding löst sich nicht. Ich könnte verrückt werden, sage mir aber immer wieder, ich habe sie angezogen, also bekomme ich sie auch los. Immer ruhig bleiben. Nach einer Ewigkeit des Durchatmens und Luft schöpfens will ich es noch mal versuchen. In dem Augenblick werde ich von einem Brecher überschüttet. Bin stocksauer und schreie in die Nacht: Mehr hast du nicht drauf? Ich werde diese verdammte Schraube lösen, ich halte jede Wette. Aber es will wohl niemand wetten. Looser!
    Jetzt versuche ich es noch mal, mit beiden Händen drehe ich an der Schraube und rüttele dran und Knack, sie dreht sich. Schnell ganz aufdrehen, den Anker nach vorn schieben und fallen lassen. Die Kette rasselt abwärts, 15 Meter sind im Nu verschwunden und das Tau rauscht hinterher. Dann Stopp. Ca 5 m Tau sind noch oben, aber ich lasse das auch noch hinterher. Beim nächsten Anheben des Schiffes wird das Tau straff gespannt, der Anker hält. Ich ziehe kräftig am Tau, kann es aber nicht mehr bewegen. Also auf den Rückweg. Ich weiß nicht, nach wieviel "Stunden" ich wieder in der Plicht bin, ich triefe vor Nässe, aber die Coastguard hat durchgegeben, dass uns das Schiff sieht, aber sie nicht rankönnen, da sie befürchte, sonst auch in ein Netz zu laufen. Sie müssen das Tageslicht abwarten und auch der Fischkutter macht sich bereit.
    Ich meine es muss so 5 Uhr gewesen sein, also noch 2 Stunden bis Sonnenaufgang.
    Die Jungs hatten immer im Wechsel geruht und nun halten sie Wache und ich gehe in den Salon und lege mich auf die lange Couch. Kann mich kaum darauf halten, aber habe Zeit zum Nachdenken und schlafe tatsächlich für kurze Zeit ein. Werde aber recht schnell wieder geweckt durch das extreme Schaukeln des Schiffes. So bleibe ich noch eine Weile liegen und rufe mir die ganze Situation noch mal ins Gedächtnis und muss feststellen, dass ich wirklich die Grenzen meiner physischen Kraft überschritten hatte und auch meine psychische Kraft hat einige Blessuren erlitten. Ich mache mir klar, dass dies immer wieder passieren wird, ohne vielleicht wirklich in direkte Gefahr zu geraten, aber dass ich dann allein bin und es wird mir bewusst, dass ich unter Umständen in tatsächliche Lebensgefahr geraten kann, wenn mir die Kraft fehlt, die Situation zu meistern. Ich glaube, ich habe meine Kraft mit meinen 70 Jahren überschätzt und muss mir eingestehen, dass Segeln unter diesen Umständen ein Kraftsport ist und mir solche Momente immer wieder passieren können. Auch das extreme Schaukeln des Schiffes hat mich früher überhaupt nicht gestört, auch heute habe ich kein Problem mit Schwerwetter, aber wenn es dann über 5 Tage oder sogar länger anhält, was mir in Richtung Kanaren auf jeden Fall passieren wird, bin ich eigentlich nicht bereit, das so lange haben zu wollen. Langsam wird mir klar, dass ich mir dieses Leben ein wenig anders vorgestellt hatte. Nicht, dass ich gedacht habe, dass es wie Sonnenurlaub sein wird, aber dass ich dies vor allem physisch, aber auch psychisch besser händeln könnte. Ich denke an das schöne und zuverlässige Schiff, das ich mir so liebevoll eingerichtet habe, dass ich mich darin wohl fühle und wie sehr ich diese letzten 2 Jahre genossen habe. Es war wirklich mit die schönste Zeit meines Lebens. Aber ich kann das Schiff auch nicht elektrisch so aufrüsten, dass ich es mit meinen Kräften bedienen kann. Dem sind aufgrund des Alters des Schiffes und natürlich auch durch meinen Geldbeutel enge Grenzen gesetzt.
    Wohl oder übel muss ich erkennen, dass ich diese Leben nicht so führen kann wie ich es dachte. Es hilft nichts, ich werde mich von dem Schiff trennen müssen und mir einen neuen Traum suchen, mein Leben zu genießen. So weh mir das auch tut und so schwer mir das fällt, ich habe mich in meine Black Mermaid verguckt, aber realistisch gesehen, muss das sein.
    Um kurz nach 6 Uhr bin ich wieder in der Plicht. Die Jungs sehen fertig aus, berichten mir, dass das Schiff der Küstenwache da sei, aber entfernt warte und der Fischkutter ist auf dem Weg. Ich schicke beide nach unten zum Ausruhen.
    Langsam geht die Sonne auf und ich sehe den Fischkutter. Er stampft auf uns zu und das Schiff der Küstenwache ist auch noch da. Der Kutter kommt dicht an uns heran und der Kapitän sagt uns, was er vorhat. Und schon beginnen seine Leute, das Netz anzuheben, aber wir rufen ihnen zu, dass dies keinen Sinn macht, denn wir können nicht fahren, da unser Propeller fest sitzt und wir haben den Anker noch draußen. Ok, meint der Kapitän, dann schleppt er uns in den Hafen und wir sollen den Anker hieven. Ich versuche den Anker aufzuholen und inzwischen schmeißen Christoph und Juri ne Leine über. Der Kutter gibt Gas, aber der Anker ist noch drin und so kommt was kommen musste, die Leine reißt und trifft Juri am Finger. Zum Glück nur eine leichte Verletzung. Jetzt fährt der Kapitän zum Ende des Netzes und kommt auf uns zu und gefährlich nah. Juri baut zur Sicherheit nen Kugelfender an den Spiegel und ich kämpfe noch mit dem Anker. Diesmal wartet der Kapitän und endlich löst sich der Anker. Christoph sitzt auf einmal hinter mir und vom Kutter wird uns ein Tau schlecht zugeworfen, ich muss es mit dem Bootshaken aus dem Wasser fischen und Christoph übernimmt das Tau und belegt damit die Ankerklampe. Der Kutter nimmt Fahrt auf und in diesem Moment sehe ich, dass das Tau hinter der Reling verläuft, aber es ist zu spät. Die Reling knickt wie ein Streichholz. Während der Kutter uns schleppt bleibe ich vorne und verhindere, dass der Anker das Tau behindert oder Schaden nimmt. Juri steuert das Schiff und Christoph ist bei mir vorne. Plötzlich knallt es und die Ankerklampe fliegt uns samt Seil um die Ohren. Christoph wird getroffen, zum Glück nur am Oberschenkel, aber die Verletzung ist etwas tiefer und blutet.
    Inzwischen sind wir fast im Hafen, aber die Leute vom Kutter werfen uns sofort ein neues Tau zu und zeigen Juri wo er anlegen soll. Die Leute ziehen uns am Tau in die richtige Position. Ich stoße uns vom Kai weg und befestige den vorderen Festmacher, Christoph den mittleren und Juri den hinteren. Dann löse ich das Schlepptau und werfe es zum Kutter zurück. Die Leute winken uns und der Kutter nimmt Fahrt auf und zieht von dannen. Auch das Boot der Küstenwache, das uns bis in den Vorhafen begleitet hat, fährt hinter dem Kutter her.
    Wir sind allein. Liegen an einem anderen Fischkutter und die Black Mermaid tanzt und knallt gegen das andere Schiff. Wir legen noch Sorgeleinen und richten die Fender, dann fallen wir ins Bett. Schlafen können wir alle aber nur schlecht, denn der Hafen ist ein reiner Fischerhafen und nicht besonders gesichert. So können die Wellen in den Hafen und die Schiffe tanzen auf und nieder, aber immerhin hängen wir nicht mehr im Netz.
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  • Day415

    Das Schwarze Meer

    September 25 in Bulgaria ⋅ ☀️ 25 °C

    Die letzten Tage waren unterschiedlicher wie sie nicht hätten sein können. Wir hatten traumhaftes Segelwetter mit fantastischem Sonnenschein, Temperaturen um 25 Grad, Wind mit 2 bis 4 Bf und Delphinbegleitung. Einfach herrlich, das sanfte Dahingleiten der Black Mermaid auf 1 m Wellen, fast geräuschlos. Schöner kann Segeln nicht sein. 😊😀🥰⛵
    Doch dann zeigt sich das unberechenbare Schwarze Meer von seiner anderen Seite. Innerhalb kürzester Zeit schlägt das Wetter um. Der Wind frischt kräftig auf, erst auf 5 Bf und wir beginnen rechtzeitig zu reffen. Dann steigt der Wind auf 6 bis 7 Bf, in Böen auf 8 und er dreht öfter. Wir haben längst alles gerefft, ich habe Schwerstarbeit zu leisten, aber der Autopilot hilft so gut er kann, nur wir kommen kaum mit dem Umstellen auf die drehenden Winde hinter her. Ein Hafen ist noch in weiter Ferne und die nun 3 bis 5 m hohen Wellen machen das ganze nicht einfacher. Die Jungs nehmen mir auch die schwersten Arbeiten beim Segel setzen oder Reffen ab, aber ich will sie nicht so häufig aus der Plicht schicken, fühle mich natürlich für sie verantwortlich. Wenn sich ein Seil verheddert, gehe ich lieber angeleint selbst aufs Vorschiff. Es kostet viel Kraft, um schnell wieder zurück zu sein, denn der drehende Wind erfordert ein gutes Steuern. Den Jungs machts noch Spaß mit dem Schiff auf den Wellen zu tanzen, aber wir werden auch hin und her geworfen. Diese Situationen zeigen mir sehr deutlich die Grenzen meiner Kraft. Klar ich werde älter. Oder bin ich schon alt? Egal, das war es ja, was ich testen wollte. Gefällt es mir, so zu leben? Kann ich das kräftemäßig und gesundheitlich leisten und durchhalten? Ich werde es sehen.
    Am Dienstag starten wir in Richtung Constanta. Wir hatten uns eine kleine Inselgruppe als Ankerplatz ausgesucht, bei der wir für die Nacht ein ruhigeres, geschütztes Plätzchen erwarten als auf See. Traumhaftes Wetter zu Beginn und wie immer Auffrischen gegen Mittag. Für den Abend waren 4 Bf vorhergesagt. Der Tag verläuft ruhig und wir haben ne Menge Spaß. Gegen Nachmittag nimmt der Wind kräftig Fahrt auf, 4 bis 6 Bf, aber wir sehen die Inselgruppe, steuern um eine Sandbank auf die äußere Insel zu und wollen uns dahinter in hoffentlich etwas ruhigerem Wasser in Sicherheit bringen. Das gelingt durch die drehenden Winde leider nicht wie geplant. Wir bringen den Anker aus, ziehen ihn fest und machen es uns auf dem tanzenden Schiff so bequem wie möglich. An ein entspanntes Schlafen ist kaum zu denken, aber es ist auszuhalten.
    Am Mittwoch, den 23.9., Juris 21. Geburtstag, haben wir besonders tolles Wetter und wie auf Bestellung gesellen sich Delphine zu unserem Schiff. Eine ganze Tümmlerschule gleitet neben uns und vollführt einige Sprünge. Wir freuen uns sehr und filmen und fotografieren. Am Nachmittag werden sie oder auch andere, sich noch einmal zeigen. Es ist schön, diese eleganten Tiere zu beobachten. Am Spätnachmittag hatte der Wind wieder auf 6 bis 7 Bf aufgefrischt, aber wir erreichen Constanta und bringen uns in dèm ruhigen Hafen in Sicherheit. Wir melden uns bei der Grezpolizei, da wir ja hier auch aus Rumänien ausklarieren wollen. Die Abfahrt ist für den Donnerstag geplant. Aber das ist wegen des Sturms am Donnerstag nicht möglich. Nach Studium der Wetterprognosen auf verschiedenen Apps und im Radio, verschieben wir die Abfahrt auf Freitag. Das ermöglicht uns, zu Juris Geburtstag abends in einem Restaurant essen zu gehen. Juri und ich essen Black Sea Muscheln und Christoph Pasta, so können wir den schönen Abend gut genießen und wir bereiten uns auf die letzte ruhige Nacht vor.
    Der Freitag, an dem wir einen Ankerhafen erreichen wollen, beginnt wieder mit traumhaftem Wetter und wundervollen Segelbedingungen. Zwar haben wir die ersten 4 Stunden fast Flaute, aber bei 1 Bf lassen sich gut Segelmanöver ausprobieren und Juri und Christoph werden immer besser, nur die Schnelligkeit fehlt noch, ist aber bei dem wenigen Wind kein Wunder. Gegen 11 Uhr frischt der Wind erwartungsgemäß auf 2 bis 3 Bf auf. Wir können endlich Vollzeug setzen und kommen eine Zeit lang gut voran. Dann dreht der Wind und wir können unseren direkten Kurs nicht mehr halten, sonder müssen kreuzen, das kostet Zeit. Ich habe bereits bemerkt, dass wir den Ankerplatz nicht mehr bei Tageslicht erreichen und als Juri mich fragt wie ich die Chance auf ein Einlaufen in den Hafen sehe, kann ich nur sagen, dass es auf die Befeuerung ankomme. Ich hätte zwar kein Problem bei achterlichem Wind dort einzufahren, aber eben nur bei guter Befeuerung. Wir beratschlagen, was wir tun, sollte ein Einfahren nicht möglich sein. Nach langem Hin und Her entscheiden wir uns, die Nacht durchzusegeln, denn auf dem Schiff fühlen wir uns sicher und die Black Mermaid hat uns immer bewiesen, dass wir uns auf sie verlassen können. Es ist wirklich ein sehr gutes, schönes und zuverlässiges Schiff.
    Der Wind hatte am Nachmittag zugelegt auf 4 bis 5 Bf und soll noch ein wenig ansteigen. Vorsichtshalber haben wir gerefft und Schwimmwesten angelegt. Als die Sonne untergegangen war, hatten wir noch gut 1 Stunde bis zum Ankerhafen. Von einer Befeuerung ist nichts zu sehen, lediglich ein weißes und ein grünes Licht, aber das grüne steht zu weit hinten. Wir können nicht erkennen ob es zum Hafen gehört. Ich vermute das weiße als Hafenlicht, aber ob es die Einfahrt kennzeichnet, kann man nicht sehen. Aus der Karte lesen wir, dass es wohl die Einfahrt sein soll, aber es ist nicht zu ersehen wie breit diese ist. Mir erscheint das Risiko zu groß, auf einen der Steine seitlich vor der Einfart aufzulaufen, deshalb wollen wir an der Küste weiterfahren. Die Segel hatten wir eingeholt und fahren unter Motor. Wir folgen der Recommended Route, aber nach wenigen Seemeilen knirscht und knarrt es unter uns und das Lot zeigt, dass wir aufgelaufen sind. Ich will aus dem Bereich raus auf die offene See, aber wir machen keine Bewegung mehr. Christoph entdeckt achterlich einige Bojen und mir ist klar, wir sind in ein unbefeuertes Fischernetz gefahren.
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  • Day408

    Sulina und das Schwarze Meer

    September 18 in Romania ⋅ ☀️ 19 °C

    Heute morgen werde ich früh und sehr unsanft geweckt. Der Wind hat kräftig zugelegt und die Black Mermaid tanzt auf den Wellen. So gut es geht mache ich mich fertig und frühstücke ausgiebig. Im Sitzen ist die einzige Tätigkeit, die man einigermaßen hinbekommt. Aber egal, heute werde ich das Schwarze Meer erreichen, mein 1. Etappenziel nach über 400 Tagen und 4000 km damit vollenden. 😊
    Den Anker aufzuholen bereitet mir große Schwierigkeiten, denn er hat sich wohl mächtig eingegraben und der Wind lässt mich das Schiff nicht in Richtung Anker ziehen. Zentimeter für Zentimeter bekomme ich das Tau gezogen, muss es immer sofort wieder belegen, sonst würde es mir durch die Hände rutschen. Es dauert lange bis endlich die Kette kommt. Ich muss mich ausruhen. Dann beginnt das gleiche Spiel mit der Kette. Nach der Hälfte, gehe ich in die Plicht, gebe vorsichtig etwas Gas vorwärts, laufe nach vorn und zerre an der Kette und tatsächlich der Anker löst sich.
    Ich laufe nach hinten und gebe etwas mehr Gas, so dass das Schiff gegen den Schwell langsam Fahrt aufnimmt. Wieder nach vorn, den Anker ganz aufholen und festlegen. Als ich wieder in der Plicht bin, merke ich wie k.o. ich bin. Also erst mal ruhige und langsame Fahrt, damit ich mich erholen kann, aber es ist alles sehr unruhig.
    Der Wind steht fast nur von vorn, also Ostwind und es ist unangenehm kühl. Dazu kommt, dass der Sulina-Arm ein Kanal ist, dementsprechend schmal und einigermaßen langweilig. Rechts und links nimmt die Bebauung immer mehr zu, ein großer neuer Hafen für Sportboote wird dort auch gebaut. Auf großen Buchstaben steht auf dem Schild zu lesen, dass es ein Luxushafen mit Hotel und Restaurant wird. Die kleinen Restaurants der Einheimischen wird es sicher freuen, solche Konkurrenz zu bekommen. Dabei ist das Essen in diesen meist um Längen besser und preiswerter als in den großen schicken Restaurants.
    Nun sind es nur noch wenige Seemeilen bis Sulina und ich melde mich bei Juri und Christoph, denn die beiden haben schon einen Liegeplatz für mich ausgekundschaftet, weil der kleine Hafen in Sulina nicht genügend Tiefe hat. Kurz nach dem Ortsbeginn sehe ich sie am Ufer winken und ich drehe und lege gegen den Strom an. Wir haben kaum Zeit uns zu begrüßen, da kommt schon einer der Arbeiter auf uns zu und gibt mir sein Handy, damit ich mit seinem Chef sprechen kann. Der erklärt mir, was es kostet und ich gebe dem Arbeiter das Geld und ein paar Dosen Bier, schon hellt sich sein Gesicht auf.
    Danach gehen wir 3 in den Ort und sie zeigen mir, was sie schon alles gesehen haben. Zum Meer ist es noch relativ weit, deshalb verschiebe ich das auf einen anderen Tag. Wir essen in einem kleinen Restaurant und dabei erzählen sie mir, dass sie ihr Schiff verkauft haben und der Kauf am Montag abgewickelt werden soll. Wir beschließen, mit der Black Mermaid gemeinsam Richtung Griechenland zu segeln und am Dienstag morgen zu starten. Ich muss eh noch einiges justieren und fertig machen. Anschließend gehe ich zurück zum Schiff und falle todmüde ins Bett.
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  • Day407

    Auf ins Donaudelta

    September 17 in Romania ⋅ ☀️ 25 °C

    Heute morgen habe ich mich von allen noch mal verabschiedet und um 8 Uhr habe ich diesen super gastlichen Ort, die Nemo Marina und das Hotel Nemo Braila verlassen. Diese freundlichen Menschen werden mir in Erinnerung bleiben und sollte ich mal wieder nach Rumänien kommen, wird es garantiert auch hier sein.
    Vorbei ging es an Braila und den Restaurantschiffen, vor allem aber an den langgezogenen Verlade- und Werftanlagen, mit den Jungs, die den Mast aufstellten, aber leider habe ich keinen mehr gesehen. Da standen auch die ersten riesigen Containerfrachtschiffe, neben denen ich mir sehr klein vorkam. Dann war ich für einige Kilometer mal wieder mit den Fischern rechts und links, alleine auf der Donau.
    Das änderte sich etwa 25 km weiter, als ich nach Galati kam. Das ist der größte Binnenhafen und wie Braila erlebte Galati einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung durch den Getreidehandel mit dem Getreide aus der Walachei. Die Stadt wurde schon in der Mitte des 14. Jahrhunderts erwähnt, aber während des 2. Weltkriegs fast völlig zerstört. Heute ist es eine Großstadt, die geprägt ist vom Eisen- und Stahlwerk, Maschinenbau und der größten Schiffswerft. Der Hafen ist der bedeutendste Binnenhafen des Landes und wird auch als Kriegshafen genutzt und ist der letzte Warenumschlagsplatz vor dem Donaudelta. Ab Galati beginnt die Mündungsdonau und deshalb werden die Entfernungen von nun an in Seemeilen angegeben.
    Hier in der größten Werft kann man den Mast auch stellen lassen und ursprünglich war das auch mein Plan. Ich bin sehr froh, dass ich mich zufällig anders entschieden habe.
    Von jetzt an sind es also noch 80 Seemeilen bis zum Schwarzen Meer und nun begegnen mir immer wieder mächtige Seeschiffe, deren Rettungsboote einiges größer sind als mein Schiff. Diese modernen Rettungsboote, die fast aussehen wie U-Boote und die sich automatisch aufrichten sind schon beeindruckend.
    Dann komme ich an Moldawien vorbei, das am linken Donauufer liegt. Allerdings nur für 570 Meter, dann beginnt die Ukraine und die Grenze ist gut bewacht. Und kaum bin ich dort, werde ich von einem rumänischen Polizeiboot mit Blaulicht gestoppt. Sie wollen den Reisepass und den Einreisestempel sehen und ermahnen mich, nicht am ukrainischen Ufer anzulegen, sondern nur am rumänischen. Dabei werden wir von einem ukrainischen Wachturm aus mit dem Fernglas beobachtet. Dann darf ich weiterfahren.
    Nach ein paar Seemeilen beginne ich mit der Suche nach einem geeigneten Ankerplatz und habe Glück, denn bei Sm 47, in einer langgestreckten Kurve, ist die Schifffahrtsrinne auf die halbe Donau verengt. So kann ich nach der Betonnung ziemlich weit ans Ufer heranfahren und auf 5m Tiefe gut ankern.
    Als ich das Schiff klargemacht habe, koche ich mir eine Gemüsesuppe. Darauf hatte ich mich schon den ganzen Tag gefreut. Zünde eine Mückenfackel an und setze mich zum Essen ins Cockpit. Wieder mal fällt mir auf, dass ein Tisch fehlt. Ich muss mir unbedingt einen bauen. Aber nicht jetzt, denn nun muss ich schlafen.
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  • Day406

    Mast aufbauen

    September 16 in Romania ⋅ ☀️ 27 °C

    In den letzten Tagen ist sehr viel passiert. Der Mast ist von 4 Menschen vom Schiff gehoben und auf das Pontongeländer gelegt worden. Hier hatte ich die Möglichkeit, daran zu bauen. Ich habe komplett neue Kabel einziehen müssen, außer das Kabel für die Funkantenne. Dafür habe ich einen ganzen Tag gebraucht und es ist mir aufgefallen, dass an dem Mast keine Halterungen für die Montage der Lazy Jacks vorhanden sind. Also habe ich die Befestigung am Mast gebaut, am Baum konnte ich sie nicht anbringen, da ich keine Halter mehr habe. Also besorgen und später mal anbauen.
    Am Sonntag brachte ich die Salinge an und sortierte gleich die Stage, Wanten und Fallen. Danach am Top die Funkantenne, das Toplicht, Verklicker und den Windmesser angebracht und elektrisch alles angeklemmt und ausprobiert.
    Montag vormittag haben wir den Mast wieder auf das Schiff verfrachtet und ich bin mit Marjan ca 5 km weiter in einen großen Verladehafen gefahren, wo dann die Jungs von einer Verladetruppe in ihrer Mittagspause den Mast aufstellten. Der Vorarbeiter der Truppe sagte mir auf Englisch, dass er den Leuten gesagt hatte, es müsse alles ohne Probleme und in maximal einer Stunde erledigt sein. Was soll ich sagen? Die Truppe war so aufeinander eingespielt, sie schafften es in 45 Minuten. Ich war begeistert, brauchte nur immer zu sagen, welche Want wo ran und welches Stag hinten ran kommt. Dann habe ich mit dem Vorarbeiter die Rollfockeinrichtung vorne befestigt und die anderen spannten die Wanten. Gab natürlich entsprechend Trinkgeld und schon schoben sie uns vom Kai weg, denn der Frachter, der entladen werden sollte, fuhr bereits in den Hafen ein.
    Zurück am Anleger habe ich die Stage und Wanten auf die richtige Spannung gebracht und das Vorsegel aus der Hundekoje geholt. Als ich es anbauen wollte, war da kein Schlitten und als ich hochschaute, saß er oben in der Mastspitze. Also den Bootsmannstuhl rausgekramt und am Großfall befestigt und Marjan und sein Chef haben mich in gut 12 m Höhe gezogen, so bekamen wir den Schlitten wieder nach unten. Hier habe ich ihn gefettet und dann das Vorsegel befestigt, raufgezogen und eingerollt. Dann habe ich Gastlandflagge gesetzt und den Wimpel der Seglervereinigung Havel von Berlin auf die Backbordseite.
    Anschließend wurde der Großbaum angesetzt und beim Festmachen ist der Lümmelbeschlag gebrochen. Gut, die beiden Teile kommen nicht aus der gleichen Serie, aber ich hätte nicht gedacht, dass sie vom Beschlag her überhaupt nicht zueinander passen. Wieder was gelernt, worauf man achten muss. Nach genauem Ansehen der Anlage, war klar, dass der Baum nur in absolut waagerechter Lage zu besegeln sein würde, das ist aber nicht möglich, denn der Wind hebt den Baum ja auch mal an oder er wird mit der Dirk höher gestellt. Somit konnte ich letztlich froh sein, dass mir das hier passierte und nicht beim ersten Segeln auf dem Schwarzen Meer. Außerdem konnte ich froh sein, dass hier Filip arbeitet, einer der weltbesten Mechaniker, den Marjan anrief. Er kam am späten Nachmittag und sah sich die Bescherung an. Er hat einige Zeit im Ruhrgebiet gearbeitet und sagte nur: große Katastroph. Dann ließ er sich nicht mehr stören und dachte angestrengt und lange nach. Das Ergebnis war, dass er eine Zeichnung erstellte und danach das Teil so anfertigen wollte, dass ich den Baum in alle Richtungen bewegen könnte. Aber erst morgen. Oh man, wie ich das liebe........morgen.......kenn ich noch aus Peru......mañana........das konnte alles heißen. Was blieb mir übrig, ich stimmte zu.
    Am späten Nachmittag des nächsten Tages kam Filip und ich konnte an seinem Gesicht sehen, dass es wohl geklappt hatte. Er hatte das Teil aus Bronze und Edelstahl gefräst, gedreht, gebohrt und geschweißt und es sah fantastisch aus und er hatte auch gleich die entsprechenden Nieten und die Zange mitgebracht. Wir bauten es gemeinsam an und probierten und testeten alles mit dem Baum und der Dirk. Aber dann wollte ich es auch mit dem Großsegel probieren. Also Segel aus der Hundekoje und angeschlagen und wieder in alle Richtungen gedreht. Es funktionierte alles prima, sogar besser als mit meinem alten System.
    Bin ich froh, dass Filip so toll arbeiten kann und dass morgen auch tatsächlich morgen heißt. Auf die Frage, was ich ihm schuldig sei, winkte er nur ab und ging mit Stolz geschwellter Brust nach Hause. Ok, ich werde mir was einfallen lassen für ihn, denn ich weiß, dass Kaufland, BMW und die anderen Unternehmen nicht nach Rumänien gekommen sind, um die Bevölkerung reich zu machen. Der Mindestlohn liegt hier bei 300 € und natürlich sind die Preise etwas niedriger als in Deutschland, aber leben können die Menschen davon auch nicht.
    Am Abend hat mich dann Marjan zur Tankstelle und zur Bank gefahren. Danach habe ich mit dem Chef gesprochen und wollte von ihm wissen, was ich für die Woche und die Arbeiten bezahlen muss. Er überlegte kurz und dann sagte er, 200 €, 70 für den Liegeplatz und 130 fürs Mast stellen und den Lümmelbeschlag. Das hat mich umgehauen, das hieß 10 € Liegegebühren pro Tag inklusive Strom, Wasser, Dusche und Sauna. Und 130 € für die Arbeiten.......... Ich gab ihm die 1000 Lei und noch etwas Trinkgeld für die Leute, besonders für Filip.
    Jedenfalls bin ich glücklich, dass ich nun endlich wieder ein Segelschiff besitze. Noch 2 Tage, dann werde ich am Schwarzen Meer sein.
    Sorry, dass ich jetzt erst weiter geschrieben habe, aber durch die viele Arbeit, bin ich abends nach dem Essen todmüde ins Bett gefallen.
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