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  • Day407

    Tierradentro, Colombia

    July 12, 2018 in Colombia ⋅ ⛅ 31 °C

    8. - 12. Juli 2018

    Lediglich eine Nacht verbringen wir in der weissen Stadt Popayán, bevor wir uns auf den langen Weg nach Tierradentro machen, um uralte unterirdische Grabkammern zu besichtigen.
    Wieder einmal eine Anekdote zum Thema Transport: Als wir am Busterminal ankommen, heisst es, der Bus um 13 Uhr sei voll. Der nächste gehe erst um halb vier. So lange wollen wir aber nicht warten, da wir, wie wir feststellen werden, KEINESFALLS bei Dunkelheit über den schlammigen, rutschigen und schmalen Gebirgsweg mit einem Bus fahren wollen. (Eigentlich will man das auch bei Tageslicht nicht). So entscheiden wir uns, erst einmal bis zur Zwischenstation Inzá zu fahren und dann auf gut Glück weiterzukommen. Unser kleines Büsli rast dahin, bis es aus der Motorhaube raucht. Na, toll! Ein Loch im Kühler. Durch den Wasserverlust überhitzt der Motor. Erstmal Wasser nachgiessen, Motor abkühlen lassen und dann in gemässigterem Tempo weiterrasen. Diesen Vorgang wiederholen wir einige Male. An einem Ort verschwindet der Chauffeur im Hühnerstall und kommt mit zwei Eiern zurück, schlägt diese in den Wassertank und lässt den Motor aufheulen. Das Ei soll das Loch verstopfen. Wenns hilft... Tatsächlich kommen wir in Inzá an und zwar noch vor dem ein Uhr Bus, der eine Stunde früher in Popayán losfuhr. So können wir gleich reinhüpfen, als dieser einfährt. Zwar stehen wir die nächste Stunde, aber immerhin kommen wir unserem Ziel näher. An der Kreuzung nach Tierradentro steigen wir aus. Nun müssten wir noch rund zwei Kilometer laufen. Oder aber wir nehmen die Offerte des Jeepfahrers an und hüpfen auf seine Ladefläche. Die unzähligen leeren Bierdosen beim Unterstand lassen auf eine fröhliche und nicht ganz nüchterne Truppe schliessen. Trotzdem, einsetzender Regen und schweres Gepäck (mussten uns ja noch eine riesige Hängematte kaufen) erleichtern unseren Entscheid. Alles geht gut, und wir erreichen schlussendlich unser Hostel. Das mit der Reservierung per Whattsapp hat zwar nicht geklappt (Überraschung gleich Null), aber es hat zum Glück noch ein Zimmer frei, in dem die Holzwürmer permanent Holz auf unser Bett runterrieseln lassen. Nach einer Nacht können wir ins Haupthaus wechseln.

    Soviel zur Anfahrt. Tierradentro ist wunderschön im Grünen gelegen und viel weniger touristisch als sein berühmter Nachbar im Süden, San Agustín. Am ersten Tag besichtigen wir die zwei Museen, die uns über das Leben und vor allem über die Bestattungsriten der dort ansässigen Kultur ab dem 6. Jahrhundert v.C. aufklären. Begräbnis Nummer eins ist eine normale Erdbestattung, bei dem den Toten meist Keramikutensilien und Schmuck für ihr nächstes Leben mitgegeben werden. Nach fünf Jahren werden die Knochen ausgegraben und so weit verbrannt, bis sie in eine Urne passen. Diese wird in einem „Hipogeo“ (Grabkammer) vergraben, was das zweite Begräbnis ist. Diese Kammern befinden sich meist in erhöhter Lage auf einem Hügel oder Berg, sind zwei bis zehn Meter tief, mit Säulen und Pfeilern ausgestattet und mit farbigen Mustern sowie Gesichtsskulpturen verziert. Am zweiten Tag besichtigen wir dann die Gräber. Es ist unglaublich eindrücklich und spannend, wie gut manche der Kammern noch erhalten sind. Viele sind aber auch eingestürzt oder gar nicht erst ausgegraben worden. Das Gebiet erstreckt sich über etwa 14 Kilometer, die wir ablaufen. Die Wanderung mit ihrer Landschaft und Aussicht ist einfach wunderschön.

    Memories: In Tierradentro werden mit Unterstützung der Regierung im grossen Stil Kaffeplantagen angebaut; es ist regnerisch und kalt.
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