Phillip Rutsch

Joined February 2019Living in: Köln, Deutschland
  • Day84

    Van-(H)ausbau unter Zeitdruck

    May 23 in Canada ⋅ ☀️ 19 °C

    Während unser Van in der Werkstatt neue Stoßdämpfer bekam, besorgten wir weiteres Material für den Ausbau. Das beste Erlebnis an dem Tag hatten wir in einem Schaumstoffladen. Wegen seiner guten Google-Bewertungen wollten wir uns ein Angebot für eine maßgefertigte Matratze geben lassen. Sie sollte die genaue Breite des Autos haben und in drei unterschiedliche Teile aufgeteilt sein, damit wir daraus ein Sofa bauen könnten. Der nette Verkäufer scheint öfters Kandidaten wie uns zu haben, denn bevor wir unsere Wünsche schildern konnten, sagte er zu uns: „ihr habt einen Van und wollt dafür eine Matratze“. Da er den Schaumstoff sogar bis zum nächsten Tag zugeschnitten haben könnte (die Bezüge würden ein paar Tage dauern) und der Preis nicht unverschämt war, gönnten wir uns diesen Luxus.

    Als es immer später wurde und wir langsam nichts mehr einzukaufen hatten, machten wir uns Sorgen, dass unser Van doch nicht am selben Tag fertig werden würde. Es wurde uns außerdem bewusst, dass wir nur noch eine Nacht im Gästehaus übrig hatten und den Mietwagen ebenfalls am nächsten morgen zurückbringen mussten. Eine halbe Stunde vor Schließung der Werkstatt kam zum Glück der rettende Anruf, dass wir das Auto abholen könnten. Auch dieser Mechaniker versicherte uns nochmal, dass das Auto für die nächste Zeit problemlos fahrtüchtig sei.

    Die Erleichterung war nur von kurzer Dauer. Auf dem Heimweg ging beim Auto die Motor-Kontrollleuchte an. Wir fuhren zur einzigen Werkstatt, die noch auf hatte, und ließen den Fehlerspeicher auslesen. Glücklicherweise war es nur eine Batteriewarnung, wahrscheinlich sogar durch die Reparatur ausgelöst. Er setzte die Warnung zurück und *klopf auf Holz* bis jetzt fährt unser Wagen einwand- und warnungsfrei.

    Der nächste Morgen war ein Wettlauf gegen die Zeit. Wir brachten den Mietwagen zurück und fuhren zu Home Depot. Dort wurde uns erlaubt, auf einem abgelegenerem Parkplatz zu stehen und unseren Camper vor Ort auszubauen. Wir mieteten für 24 Stunden einen Akkubohrer und -schrauber und suchten uns das passende Holz für unsere Bettkonstruktion. Die Sperrholzplatte bekamen wir zugesägt, die Säge für die Balken war aber defekt. Es blieb uns nichts anderes übrig als die Handsäge ein paar Gänge weiter zu benutzen. Im Nachhinein ist es ein Wunder, dass das Bett so stabil und waagerecht geworden ist, denn der Boden des Autos hat ein ordentliches Gefälle und einige Schnitte sind ziemlich schief gewesen. Pünktlich zum Sonnenuntergang lagen wir aber mit Handtüchern als Gardinen und vollen Koffern auf den Vordersitzen in unserem gemütlichen neuen Bett und bekamen im Wohngebiet des Gästehauses eine gute Nacht Schlaf.

    Über die nächsten Tage richteten wir unser Zuhause immer weiter ein und optimierten unsere Abläufe auf dem kleinen Raum. Die letzte Stunde Mietzeit der Werkzeuge nutzten wir im strömenden Regen voll aus. Wir fanden in der Sägeabteilung des Baumarkts Reststücke einer weißen MDF-Platte und bauten in einem ausgestellten Gartenhäuschen neben unserem Auto eine Küchenzeile für den Kofferraum.

    Später kauften wir Boxen im Dollarama und verstauten unser ganzes Zeug (naja, da ist uns aufgefallen, dass wir viel zu viel dabei haben und wahrscheinlich noch irgendwo eine Dachbox besorgen müssen).

    Da wir nach dem vielen Geld ausgeben und Bauen in der großen Stadt wieder Lust auf Natur hatten, brachen wir am vierten Abend, früher als geplant, nach Vancouver Island auf. Das Sightseeing auf dem Festland verschoben wir auf einen späteren Zeitpunkt 😁
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  • Day83

    Unsere eigenen 4 Blechwände

    May 22 in Canada ⋅ ⛅ 19 °C

    Von den USA aus hatten wir uns vorab einige Händler ausgesucht, die Dodge Grand Caravans verkaufen. Diesen Wagen fanden wir wegen seiner verstaubaren Sitze und Häufigkeit perfekt. Der erste potentielle Wagen wurde zwei Tage zuvor in Craigslist eingestellt. Sein Händler kam uns einigermaßen seriös vor, wollte aber bei der Probefahrt dabei sein (ist hier nicht unüblich). Er sagte, das Auto wäre inspiziert worden und legte uns einen Zettel mit vielen Haken vor. Die ausstellende „Inspektionsfirma“ Adesa sei eine ganz bekannte. Wir nahmen das so hin, ließen uns aber zu nichts drängen und gingen erst mal noch andere Vergleichsobjekte suchen.

    Händler gibt es in New Westminster, einem Vorort von Vancouver, wie Sand am Meer. Sie stehen dicht an dicht in kleinen Hütten auf mehr oder weniger großen Parkplätzen.
    Direkt neben dem ersten Händler wurden wir also erneut fündig, ein Jahr neuer, 1000$ teurer. Der Verkäufer war super nett und sehr hilfsbereit, aber sein Wagen roch nach altem Hund und bei der Probefahrt dachten wir jede Minute, dass das Ding in die Luft gehen würde (Radlager kaputt). Zudem hatte der Wagen schon 10 Besitzerwechsel.

    Bei ein paar weiteren haben wir noch von außen und innen geguckt, aber keine Probefahrt gemacht. Der letzte Kandidat war super günstig, Modell von 2013, allerdings mit 270000 km auf dem Buckel. Wir sind ihn Probe gefahren und fanden ihn nicht schlecht, allerdings war uns das doch zu riskant bei unserer geplanten Tour.

    Bei jedem neuen Händler griffen wir aber weitere Infos auf. Zum Beispiel lernten wir, dass Adesa keine Inspektionsfirma, sondern ein großes Auktionshaus ist. Die meisten Gebrauchtwagenhändler kaufen dort Autos, die Neuwagenhändler von ihren Kunden im Tausch für neue Autos in Zahlung nehmen und selbst nicht verkaufen wollen. Das von Ihnen ausgestellte Zertifikat ist zwar nicht schlecht, aber nur eine grobe Auskunft über den Zustand. Weil wir von allen Wagen den ersten noch immer am besten fanden, machten wir beim Mittagessen im Starbucks einen Termin bei einem mobilen Mechaniker der Firma InstaMek aus. Für 200 CAD kommen sie zum Händler und prüfen sehr ausführlich den Zustand des Autos.

    Letztendlich ist es beim ersten Auto geblieben. Von den knapp 100 geprüften Punkten fiel unser Wagen bei vieren durch. Der Kühlerschlauch vom Motor platzte eindrucksvoll bei der Testfahrt des Mechanikers und wurde direkt vom Händler ausgetauscht. Motoröl war ebenfalls zu wenig und wurde aufgefüllt. Die hinteren Stoßdämpfer waren defekt und boten uns eine Verhandlungsgrundlage. Ein Gummiteil bei den Querlenkern war ebenfalls leicht abgenutzt. Ansonsten hat der Wagen nur kosmetische Fehler, mit denen wir gut leben können. Nach einer anstrengenden Verhandlung hatten wir unseren 2008 Dodge Grand Caravan Special Edition (für die Zeit allen verfügbaren elektronischen Schnickschnack inklusive DVD player) für 4200€ gekauft.

    Einen kleinen Schock erlitten wir noch. In BC gibt es nur einen Autoversicherer. Eine Maklerin kam mit Nummernschild direkt zum Händler und redete mit uns über unseren Tarif. Da keiner von uns beiden jemals ein Auto auf uns angemeldet hatte, konnten wir ihr keinen offiziellen Nachweis vorlegen, dass wir knappe 10 Jahre Fahrerfahrung haben. Wir hätten also im Fahranfängertarif 400$ pro Monat zahlen müssen. Das war mehr als doppelt so viel wie wir erwartet hatten. Vor lauter Erschöpfung (und PMS) fing Marlen an zu weinen. Scheinbar hatte die Frau Mitleid, denn als sie am Ende die Summe korrigierte, kamen wir auf 2200$ für ein Jahr (die überschüssigen Monate kann man sich zurückerstatten lassen). So fuhren wir an unserem zweiten Abend in Vancouver als erschöpfte und stolze Autobesitzer zurück zum Guest House. Den Wagen haben wir übrigens MOHE getauft (Aussprache Mowhee, Anagramm von Home 😊).
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  • Day82

    Welcome to Canada!

    May 21 in Canada ⋅ ⛅ 17 °C

    Der Flug nach Kanada war in Ordnung. Auf der Strecke von Washington nach Seattle waren nur wenige Turbulenzen, wir hatten genug zu essen eingepackt und die Landung war butterweich. Der Flug nach Vancouver war lächerlich...wir haben ca. 6 mal länger wartend auf dem Boden als fliegend in der Luft verbracht. Dafür waren die 30 Minuten im kleinen Embraer Flugzeug sehr angenehm und wir hatten eine schöne Aussicht.

    Die Einreise war ein Traum! In gerade mal 15 Minuten waren wir durch den Zoll und hatten unsere Koffer. Ebenso schnell hat Phillip im Immigration Office sein Visum bekommen. Der Mietwagen war das komplizierteste Unterfangen des Tages. Wir hatten alles online gebucht, unserer Meinung nach auch mit Navi, aber der Verkäufer wollte uns dafür noch Geld abnehmen. Als er für die 3 Tage freche 180$ berechnete, verzichteten wir auf diesen Luxus und holten uns eine offline Karte von Google Maps.

    Eine halbe Stunde später kamen wir im King‘s Corner Guest House an. Unsere Gastgeberin Anne ist sehr freundlich und wir unterhielten uns eine Stunde lang. Sie hat sogar angeboten, in ihrem Freundeskreis nach Autos zu suchen. Die Unterkunft ist ruhig, blitzsauber und hat ein Fenster, was man öffnen kann 😃 wir teilen sie mit zwei anderen Deutschen, die wir aber erst am nächsten morgen zum Frühstück kennen lernten. Jeder hat sein eigenes Zimmer und Bad.

    An diesem Abend waren wir noch fit genug um die ersten Sachen für den Van zu kaufen. Bei unserem lieblings Second Hand Laden Value Village fanden wir eine Pfanne, einen Topf, ein Besteckset, Pfannenwender, Suppenkelle und Dosenöffner für 25$ (17€). Einiges wollten wir aus hygienischen Gründen aber neu kaufen (z.B. unsere Nofall-Toilette) und wurden im Walmart fündig. Von den BC Preisen waren wir zum Glück nicht geschockt, sie waren mit wenigen Ausnahmen ähnlich zu denen in den USA. Wir kauften auch eine prepaid Karte, 8 GB Daten für 50$ im Monat 😵 (umgerechnet sind das aber „nur“ 33€, also sind wir sogar viel günstiger unterwegs als in den USA, wo wir für 3 gb jeder 35 USD, also 31€ zahlen mussten).

    Nach einer kleinen Mahlzeit von erstaunlich leckeren, günstigen und fertig gebackenen Mini Margherita Pizzen aus dem Walmart trafen wir noch die letzten Vorbereitungen für den großen Autokauftag und bekamen dann unsere erste gute Nacht Schlaf.
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  • Day81

    USA: Unser Fazit

    May 20 in the United States ⋅ ⛅ 27 °C

    Heute ist unser letzter Tag hier, morgen um 7:30 Uhr fliegen wir über Seattle nach Vancouver und starten in das größte Abenteuer unseres Lebens. Bis auf drei Tage Hostel und Mietwagen und unserer Verabredung mit drei WWOOF Hosts ist noch nichts organisiert, was die Aufregung noch größer werden lässt. Statt uns auf das Ungewisse zu konzentrieren, möchten wir in diesem Footprint die bisherige Zeit in den USA zusammenfassen.

    West und Ost waren so unterschiedlich wie Tag und Nacht. Die ersten 7 Wochen in Kalifornien waren traumhaft. Das Wetter war perfekt, die paar Regentage hatten ihre eigene Schönheit und sorgten dafür, dass in Auburn die Vegetation saftig und vielfältig war. In San Diego hatten wir das seltene Glück, die bunten Auswirkungen eines nassen Winters zu erleben. Zwar war der Frühling drüben in Gaithersburg auch in vollem Gange, die höhere Luftfeuchtigkeit machte aber sowohl warme als auch regnerische Tage unangenehmer. Außerdem ist die Vegetation der deutschen ähnlich und für uns weniger spannend. Die Pazifikküste war durch das klare, blau-grüne Wasser auch etwas spannender als die unruhige, trübe Atlantikseite.

    Der Straßenverkehr war an beiden Orten unübersichtlich, durch den vielen Stau im Umkreis von Washington war im Osten das Fahren aber viel lästiger. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen dort weniger lächelnd und entspannt durchs Leben gehen als an der Westküste. Insgesamt waren die Menschen aber sehr höflich und freundlich, da können wir Deutschen uns sicher eine Scheibe von abschneiden 😊

    Das Essen war auf beiden Seiten gut. Im Westen waren wir so gut wie jeden Tag Essen und hatten durch die meist großen Portionen genug für ein Mittagessen am nächsten Tag. Im Osten haben wir öfter gekocht und dank Trader Joe‘s gesund und abwechslungsreich gegessen. Wir verlassen das Land mit weniger Speck auf den Hüften als bei Ankunft 😊 Preislich kamen wir insgesamt auf einen ähnlichen Tagessatz (um die 80$ pro Tag für zwei Personen, alle Unternehmungen eingerechnet).

    Was werden wir nicht vermissen?
    - Toiletten ohne Klobürsten
    - Straßenverkehr (verwirrende Schilder, Mautstraßen, kein Rechtsfahrgebot)
    - Parkplatzsuche und -gebühren
    - Dass Bettdecken in Hotels nicht in die Bettwäsche eingepackt sind, sondern nur durch ein loses Laken vom Körper ferngehalten werden
    - Das Leitungswasser
    - Unnötig viel Plastikmüll zu erzeugen
    - Die hohen Einkaufspreise und riesen Verpackungsgrößen
    - Wenige Spaziermöglichkeiten

    Was werden wir vermissen
    - Alles mit Kreditkarte zahlen zu können
    - Die schnelle Abwicklung in Restaurants (und meistens auch ohne Reservierung einen Tisch zu bekommen)
    - Kostenloses Wasser im Restaurant und kostenlose Refills für die meisten Getränke
    - Die Hilfsbereitschaft und das Organisationstalent der Amerikaner (Veranstaltungen und Eintritt zu Attraktionen immer bestens geregelt und gesichert)
    - Trader Joe‘s und Panera
    - Einkaufsläden mit riesiger Auswahl
    - günstige Spritpreise (in Washington knappe 3$ pro 3,78 L)

    Unser Fazit: es waren arbeits- und studienbedingt anstrengende Monate, die Wochenendtrips haben uns aber immer viel Freude bereitet. Den Osten verlassen wir gerne, aber ein kleines Stück Herz ist in Kalifornien geblieben. Von den USA sind wir positiv überrascht. Es ist nicht alles so verrückt, wie wir dachten und einige Menschen haben doch eine vernünftige Mentalität 😁 wir werden das Land in guter Erinnerung behalten!
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  • Day73

    Ein regnerischer Erinnerungstag

    May 12 in the United States ⋅ 🌧 8 °C

    Unser letzter Tag in New York war regnerisch, windig und kalt. Eigentlich wollten wir nur noch zum World Trade Center fahren und das Monument der Anschläge des 11. September 2001 besichtigen. Wo früher die Twin Towers standen, befinden sich nun zwei identische, quadratische Brunnen. Passenderweise sprudelt hier das Wasser nicht fröhlich in die Höhe, sondern wird scheinbar unendlich tief in den Boden gesogen. Am Rande des Brunnens stehen die Namen aller 2977 Opfer dieses Anschlags und 6 Opfer eines kleineren Bombenanschlags im Jahre 1993. Ob es am tristen Wetter lag oder an der bedrückenden Aura der Brunnen, wir fühlten uns einstimmig vom Museum angezogen.

    An der Seite des Gebäudes standen Ticket-Automaten. Scheinbar werden sie von Vielen übersehen, denn die Schlange am Eingang war sehr lang. Wir konnten mit unseren Tickets an der frierenden und nassen Warteschlange vorbeigehen und waren nach einer Sicherheitskontrolle schnell auf der Rolltreppe Richtung Untergrund. Den Audio-Guide gab es als App in vielen Sprachen. In den folgenden drei Stunden vergaßen wir sogar, dass wir nicht gefrühstückt hatten. Es war ergreifend und auf ein Neues erschütternd, die Ereignisse des Tages zu verfolgen. Das Museum war informativ und sachlich und behandelte viel mehr als nur den Einsturz der Tower. Einige Bilder, Video- oder Audioaufnahmen waren nichts für schwache Nerven...zum Beispiel echte Abschiedstelefonate von Passagieren aus dem letzten gekaperten Flugzeug, kurz bevor es von den Terroristen auf eine Wiese gestürzt wurde. Was bemerkenswert war: der Terror stand nicht im Vordergrund. Viel mehr wurde der Mut der Opfer und Helfer und der Zusammenhalt der Welt als Reaktion auf die schrecklichen Taten deutlich.

    Abends zündeten Phillip und ich nachdenklich unsere Hochzeitskerzen an. Kaum zu glauben, dass wir vor genau einem Jahr im strahlenden Sonnenschein den glücklichsten Tag unseres Lebens feierten. Diese Diskrepanz machte es sehr deutlich, dass das Blatt sich in einem Wimpernschlag wenden kann und wir jeden Tag wie unseren letzten lieben und leben müssen.
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  • Day72

    24h New York City

    May 11 in the United States ⋅ ☀️ 18 °C

    Der Weg nach New York City wird einem als Autofahrer mächtig unangenehm gemacht (knappe 30 $ Maut fielen schon auf dem Highway dorthin an). Am frühen Abend erreichten wir unser Airbnb in Jersey City. Die Unterkunft war sauber und ruhig, allerdings auch mit zwei weiteren Gruppen geteilt (zum Glück war die Wohnung nicht voll belegt und es gab drei Badezimmer). Einziges Manko: Parken war in dieser Nachbarschaft nicht möglich (—> günstigstes Parkhaus 30 $ für zwei Tage, plus zwei Uber-Fahrten um es ohne Auto zu erreichen).

    Da wir noch erstaunlich fit waren, brachen wir in der Dämmerung noch nach Manhattan auf. Auf der Jersey Seite konnten wir (dank illegalem Parken vor einem Hotel) einen atemberaubenden Blick auf die Skyline werfen. Danach fuhren wir durch den Holland Tunnel (15 $) in die Innenstadt. Wir wollten aus Spaß bis zum Times Square fahren. Kein Wunder, dass man in NYC eher auf öffentliche Verkehrsmittel zurückgreift! Sobald eine Ampel auf Grün springt wird provisorisch gehupt, aus 3 Spuren werden mindestens 5 kreiert, Spurwechsel scheint man aus Spaß zu machen und was sind bitte Tempolimits? Dazu kommt, dass Fußgänger sich nicht an ihre Ampeln halten. Wir haben es aber überlebt und erstaunlicherweise einen Parkplatz in einer Seitenstraße des Time Square gefunden (der mit seinen 4,5 $ die Stunde super billig war). Dass tiefste Dunkelheit herrschte, konnte man hier nicht mehr erkennen. Die gestochen scharfen, riesigen Bildschirme machten die Straßen taghell. Die Menschen tummelten sich, stinkende Hotdog-Buden, dreiste Straßenkünstler und andere komische Gestalten dachten auch nicht an Feierabend. Selbst Bauarbeiter nutzten die Nacht, was wir später am von ihnen zugeparkten Auto bemerkten.

    Unsere erste Nacht war abrupt zu Ende. Als unsere chinesischen Mitbewohner ihr glutamatreiches Frühstück in der Pfanne hatten, ließ der Feueralarm uns senkrecht im Bett sitzen. Immerhin hatten wir so mehr vom Tag. Diesmal ließen wir uns per Uber in die City bringen (30 $ hin, erschreckende 45 $ zurück). Wir hatten uns ein Big Bus Deluxe Paket gebucht, was sich mehr als gelohnt hat! Der kühle Morgen entwickelte sich zu einem T-Shirt-tauglichen Traumtag. Auf dem Doppeldeckerdach mit hervorragendem Live-Kommentar lag uns die Stadt zu Füßen (das ist natürlich gelogen, denn die enormen Hochhäuser bescherten uns trotzdem noch Nackenschmerzen vom Hochgucken). Die Architektur der Kolosse begeisterte sogar uns Laien! Ob Waffelstruktur, schlecht gestapelter Jenga-Turm oder frostiger Eisberglook, die Hochhäuser waren unglaublich abwechslungsreich. Zu unserem Paket gehörte auch eine Schiffs-Rundfahrt. Vom Boot aus hatten wir den besten Blick auf Lady Liberty und konnten, anders als die Touristen auf der Insel, nicht nur ihre Nasenlöcher fotografieren.

    Die grüne Lunge der Großstadt, Central Park, empfand keiner von uns als erholsam. Einige Straßen führen durch den Park, es ist voll und laut. Immerhin waren hier gute Musiker und Tänzer. Am witzigsten war die Central Park Dance Skaters Association. Auf einer abgesperrten Fläche legte ein DJ auf und es wurde auf Rollschuhen oder Inline-Skates getanzt.

    Nach Anbruch der Dunkelheit lösten wir unseren Big Bus Coupon fürs Empire State Building ein. Mit dem Aufzug ging es ohrenknackend auf Etage 80 und zu Fuß die letzten 6 Etagen zur Aussichtsplattform. Trotz Nieselregen war die Sicht super und wir genossen über eine Stunde den Rundumblick auf eine unglaubliche Stadt, die niemals schläft.

    Die Aufnahmen aus diesem Footprint stammen übrigens von Markus. Sind sie nicht toll?
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  • Day71

    Markus, Marlen und Philly in Philly

    May 10 in the United States ⋅ ☁️ 20 °C

    Der letzte Footprint liegt nun schon länger zurück. Dies liegt daran, dass uns Markus, einer von Phillips ehemaligen Kommilitonen aus dem Studium, eine Woche lang besucht hat. Die Zeit haben wir gut genutzt 😊 Aufgrund seines Jetlags war der erste Tag etwas ruhiger. Marlen besuchte mit ihm die Great Falls. Am Freitag starteten wir zu dritt einen Wochenendtrip.

    Erstes Ziel: Philadelphia. Die meiste Zeit verbrachten wir dort im Eastern State Penitentiary. Dies ist ein altes Gefängnis, von außen einer Burg nachempfunden. Es wurde von 1829-1971 genutzt und ist nun ein Museum. In der Festung sind die Zellentrakte vom Zentrum aus strahlenförmig angeordnet. Bis 1911 herrschte hier strenge Einzelhaft. Die Zellen waren für die Zeit sehr fortschrittlich - es gab eine Zentralheizung und eine Kanalisation. Jeder Häftling hatte hinter seiner Zelle einen Innenhof, wo er eine Stunde pro Tag raus konnte. Es gab drei Mahlzeiten am Tag und es wurde gearbeitet (zB geschustert). Das einzige erlaubte Buch war eine Bibel. Das Ziel der Einzelhaft war die intensive Beschäftigung mit seiner Straftat und die Erlangung von Reue...später merkte man aber, dass sie eher zu psychischen Schäden führte und hob das Konzept auf. Zu Spitzenzeiten hausten hier 1700 Häftlinge.

    Wir gingen mit einer hervorragenden Audiotour durch das Gefängnis und die vielen Ausstellungen auf dem Gelände und waren begeistert über die reichlichen Infos. Das Museum ist sehr zu empfehlen! Danach machten wir noch eine kleine Tour durch die Stadt und besuchten Philadelphias Münzprägeanstalt. Nach einer eher enttäuschenden Mahlzeit im Reading Terminal Market (statt traditionellem Philly Cheesesteak Sandwich ein labbriges und zu fettiges Pulled Pork Exemplar) ging unsere Reise weiter.
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  • Day65

    Assateague Island am Star Wars Tag

    May 4 in the United States ⋅ ⛅ 22 °C

    Das Wetter war hier die letzten Tage stürmisch und nass und so hatten wir einen Kurzurlaub nötig. Dafür sind wir 3 Stunden gefahren und am Atlantik gelandet. Assateague Island ist eine 60 km lange und ziemlich schmale Düneninsel. Der nördliche Teil der Insel gehört Maryland, der südliche Teil Virginia, aber beide Bundesstaaten haben die Natur hier durch Reservate und Parks unter Schutz gestellt. Wir sind von Nord nach Süd gefahren.

    Die eine Seite der Insel hat einen feinen Sandstrand. Die andere Seite ist hauptsächlich Marschland. Das wohl berühmteste Merkmal der Insel sind ihre Wildpferde. Die erste Begegnung mit ihnen hatten wir direkt hinter der Nationalparkeinfahrt. Ganz unbeeindruckt von der immer länger werdenden Autoschlange tränkten ein paar Pferde neben der Straße im Sumpf ihren Durst (der ist durch ihre sehr salzige Ernährung riesig). Man soll immer mindestens 10 Meter Abstand halten, denn die temperamentvollen Wesen können beißen, treten oder auf einen losstürmen. Nach ihrem Bad trottete die Herde (samt Fohlen) nach und nach auf die andere Straßenseite und wir konnten weiter fahren. Interessanterweise schienen die Pferde gar nicht scheu zu sein. Auf einem Parkplatz sahen wir später zwei weitere. Da der Ort in unseren Augen nicht viel zu bieten hatte, kamen wir zu dem einzig sinnvollen Entschluss, dass sie entweder Autokino genossen oder für Americas-Next-Horsemodel die meisten Fotos abstauben wollten.

    Über zwei Stunden gingen wir barfuß am Strand spazieren. Wir mussten gut aufpassen, nicht in eine der unzähligen Angelschnüre zu laufen. Mit einer Over-Sand-Vehicle Genehmigung dürfen Trucks über den Sand bis ans Meer fahren. Da hier fast jeder ein Truck und anscheinend auch die Genehmigung hat, waren wir gefühlt die einzigen Fußgänger dort. Am Strand gab es viele interessante Hinterlassenschaften. Einen toten Kugelfisch, viele Pferdeäpfel, glattgelutschte Muschelstücke in schönen Farben, riesige Panzer von Horseshoe Crabs (die mit dem blauen Blut, welches in der Biomedizin zur Erkennung von bestimmten Bakterienstämmen genutzt wird), unzählige „Mäuselöcher“ und, was wir glaubten, Köpfe von toten Garnelen. Mit einem Angler haben wir lange gequatscht. Er wollte uns zum Abschied ein Geschenk mitgeben und griff in seine Kühlbox. Dies war einer der besagten Garnelenköpfe...er krabbelte aber wie verrückt rum. In Wahrheit werden sie Sand Fleas genannt, leben in den kleinen Mäuselöchern am Strand und werden gerne als Angelköder benutzt. Wir haben ihn aber bei seinem Besitzer gelassen und fortan „hello“ in jedes gesichtete Mäuseloch gerufen. Sie haben nicht geantwortet.

    Die Marsch-Seite war etwas unangenehmer. Zwar optisch schön anzusehen und wahrscheinlich voller interessanter Bewohner im flachen Wasser, aber keine Minute nach dem Aussteigen hatten wir jeder den ersten Mückenstich. Den Rest der Insel blieben wir also lieber im Auto oder machten nur noch kurze Abstecher im Laufschritt. In der kleinen Stadt Chincoteague stärkten wir uns mit Fisch und Meeresfrüchten und erkundeten dann weiter. Die südliche Insel war ein Paradies für Vögel und deren Beobachter. Die Pferde waren hier weiter weg, dafür wateten Rehe im Wasser. Bei Sonnenuntergang war es Zeit für die Heimfahrt. Dank der Highway-Leuchttafeln mit der Aufschrift: „Text you must not. May the 4th be with you“ sind wir sicher und mit vollem Seelentank wieder zuhause angekommen 😊
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  • Day61

    Billy Goat Trail A

    April 30 in the United States ⋅ ⛅ 20 °C

    Da wir bei der ersten Wanderung so viel Spaß auf dem Billy Goat Trail B hatten, fuhren wir nach Abklingen des Hochwassers erneut hin um den nicht mehr gesperrten Teil A zu bewandern.

    Wir sahen wieder dicke Schnappschildkröten und einen wunderschönen weißen Reiher auf dem Weg dorthin. Der Trail überraschte uns aber ordentlich. Wir hatten ähnliches Gelände wie auf dem anderen Billy Goat Trail erwartet, aber anstatt gelegentlicher Stolperfallen war hier richtiges Klettern angesagt! Eine kleine Unaufmerksamkeit und da lag Marlen auch schon auf dem Boden...ist aber mit drei blauen Flecken davongekommen 😁
    Wir brachen die Wanderung beim Midway-Point ab, also haben wir noch mehr Wandermaterial fürs nächste Mal und wissen dann, was auf uns zukommt.
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  • Day59

    Geschichte in Gettysburg

    April 28 in the United States ⋅ ☁️ 13 °C

    Ein Vorteil von ortskundigen Arbeitskollegen ist, dass sie gute Ausflugstipps geben. Sonntag sind wir dank eines Tipps nach Gettysburg gefahren. 1863 war hier eine bedeutende dreitägige Schlacht im Rahmen des Amerikanischen Bürgerkriegs. Später wurde hier ein Museum zur Erinnerung an den Krieg errichtet.

    Kurze, vereinfachte Geschichtslektion:
    Hauptursache der Unzufriedenheit im Land im frühen 19. Jahrhundert war die Sklaverei. 11 Staaten im Südosten der USA waren dafür, denn sie brauchten die vielen Hände für ihre Landwirtschaft, was der wichtigste Wirtschaftsfaktor war. Ein paar angrenzende Staaten im Nordosten hatten zwar auch Sklaven, aber standen eher darauf, ihr Geld mit eigenem Körpereinsatz zu verdienen. Der Rest der USA hatte keine Sklaverei oder war neutral eingestellt. Ende 1860 wurde Abraham Lincoln, Sklavengegner, zum Präsident gewählt. Die genannten 11 Staaten wollten nicht mehr in der Union sein und nannten sich die Konföderierten Staaten von Amerika (CSA). Ein blutiger Bürgerkrieg begann, auch beflügelt durch Lincolns strategischer Abschaffung der Sklaverei in der CSA, aber nicht in der Union (hoffte auf Wiedervereinigung und mehr Wähler). Zuerst sah es für die Unionskämpfer schlecht aus, aber einige Schlachten, unter anderem die in Gettysburg, wendeten das Blatt. Bis 1870 wurde die Wiedervereinigung und 1865 die endgültige Abschaffung der Sklaverei erzielt, dafür mussten aber etwa 600.000 Menschen sterben (auch der liebe Lincoln) und fast 400.000 wurden verletzt.

    Das Museum hat es eindeutig geschafft, die Geschichte auf eine lebendige Art zu vermitteln. Zuerst schauten wir einen 45-minütigen Film über die Schlacht bei Gettysburg. Dann gingen wir ins „Cyclorama“. Hier befindet sich ein restauriertes Ölgemälde von Paul Philippoteaux aus den 1880ern, 13 Meter hoch und in einem Kreis mit 115 Metern Umfang angeordnet. Die Szene am unteren Rand wurde am Boden dreidimensional fortgesetzt. Durch Hintergrundbeleuchtung und einer Erzählung hatte man das gruselige Gefühl, in die Schlacht involviert zu sein.
    Nach der Show wurden die Anfänge und das Ende des Bürgerkriegs im Museum auf konventionelle Weise erklärt. Wem das noch nicht genug ist, kann noch eine 38 km Auto Tour durch das ganze Kriegsgebiet mit vielen Denkmälern machen. Wir haben nur die ersten paar Stopps besucht, waren dann aber erschöpft.
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