Jan-Philip Knirsch

Joined July 2014
  • Day199

    Während wir uns noch vom langen Fliegen erholen und einen ersten Spaziergang auf den Cerro San Christobal unternehmen wollen fällt mir die viele Polizei an den Strassenecken auf. Vollmontur, Wasserwerfer, Barrikaden. Die Polizei soll eine Demonstration der Indigen Minderheit „schützen“/„kontrollieren“. Ein anscheinend schweres Thema.
    Die Demonstration verläuft sehr friedlich, es wird gelacht, musiziert und getanzt. Dazwischen werden in Sprechchören immer wieder gegen Gewalt, gegen Repressionen, für Freihit und für die Freilassung von Gefangenen skandiert.
    Eigentlich eine bunte Veranstaltung. Am Ende des Zuges kommt dann ein schwarzer Block, welcher zwei Strassen Kreuzungen dann mit Wasserwerfer aufgelöst wird - und mit ihm gleich die ganze Demonstration.
    Als wir die Strasse entlang in die Richtung laufen, aus der die Demo gekommen ist, fallen jede Menge neuer Graffiti sowie etliche zertrümmerte Scheiben auf. Das Thema der Unterdrückung der Minderheiten ist viel zu wichtig, als dass nebenbei noch randaliert werden kann. Schade dass es so endete - uns ist aber nichts passiert.
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  • Explore, what other travelers do in:
  • Sep12

    Mit rotem Gesicht in San José

    September 11 in Costa Rica

    Nach dem Frühstück machten Laura und ich uns auf zum Museum für moderne Kunst (Museum of Contemporary Art and Design), welches jedoch unerwarteterweise geschlossen war. Sie teilte meine Vorliebe, sich durch Städte einfach treiben zu lassen und so bummelten wir durch das belebte aber nicht gestresste San José. Kamen dabei an verschiedenen Plätzen und Parks, sowie dem Nationaltheater vorbei. Im Vorhinein hatte ich nicht viel gutes über die Stadt gehört, was mich inzwischen aber in Keinstem mehr beunruhigte. Wir (Jan und ich) hatten auf unserer gemeinsamen Reise mehrmals die Erfahrung gemacht, dass wir mit dem negativen Urteil anderer über Städte nicht einverstanden waren. Das liegt vermutlich daran, dass wir andere Maßstäbe zur Bewertung von Städten haben. Nicht touristisch interessante Sehenswürdigkeiten, sondern die Einzigartigkeit, die Echtheit und der Flair einer Stadt waren für uns entscheiden; außerdem die Möglichkeit, einen Einblick in das Leben der Menschen zu bekommen. San José erfüllte diese Kriterien und gefiel mir daher sehr gut. Ein aufziehendes Gewitter ließ uns in eine Bar flüchten. Dort erwiderte der Wirt auf die Frage von Laura, ob es um 12:00 nicht etwas zu früh für Bier sei, "Bienvenidos en Costa Rica". Ihm eifrig zustimmend bestellten wir also zwei Bier - man passt sich ja den örtlichen Gepflogenheiten an. Ein Missverständnis bei der Bestellung stellte einen fatalen Rückschlag da und ich erhielt ein Lightbier. Laura meinte, es sei die richtige Tageszeit für ein Lightbier. Ich erklärte ihr, dass die richtige Tageszeit nicht existiere, um ein leckeres Bier mit Wasser zu verunreinigen, fügte mich aber meinem Schicksal. Kämpfernatur eben *F2. Nach dem wir - ich mich im stillen selbstbemittleidend - die Bier getrunken hatten, kamen wir an einer Demonstration gegen Korruption und Kapitalismus vorbei. Genauer gesagt: Die Regierung möchte die Unternehmenssteuer abschaffen, dafür die Lohnsteuer erhöhen. Gleichzeitig die Sozialausgaben kürzen. Einfach gesagt: Reich reicher und Arm ärmer machen. Nichts Böses ahnend schoben wir uns durch die Menge, da entdeckte mich die Rednerin, welche auf einem Wagen stand, und rief mich zu sich hoch. Ich ging weiter und dachte, ich könne mich mit einem freundlichen Grinsen der Situation entziehen. Falsch gedacht. Die Menge drehte sich bereits zu mir um und ich wurde ermuntert, der Aufforderung nachzukommen. So blieb mir keine andere Wahl, als auf den Waagen zu steigen. Die Menge jubelte, ich wurde rot *F1. Da die Rednerin zum einen sehr schnell sprach und wir uns zum anderen im akustischen Schatten der Boxen befanden, verstand ich nicht alles auf Anhieb, was die Situation für mich noch peinlicher, für die Menge noch lustiger machte. Die Politik war schnell vergessen und ich bekam von der Rednerin Komplimente über mein Aussehen und einen Heiratsantrag. Die Situation überforderte mich dezent und dass ich mit ihr vor der versammelten Menge tanzen musste, verbesserte die das Ganze nicht gerade. Ich wurde befragt, wie mir Costa Rica und insbesondere die Frauen gefalle. Die Rednerin (ca. 50) wollte ebenfalls wissen, ob ich nur auf die jungen Mädchen stehe oder auch was für die älteren übrig hätte. Meine Antwort "mir gefallen alle Frauen" erzeugte ein hysterisches Gekreische der überwiegend aus Frauen bestehenden Menge. Ich hatte das Gefühl, langsam wieder Herr der Lage zu werden. Das änderte sich abrupt, als ich aufgefordert wurde, mein Bein zu heben und die Rednerin in meiner Hosentasche kramte. Für die Menge sah es aus, als wäre die Hand in meinem Schritt, was mit Gejohle quittiert wurde. Mit den Worten "oh da fühle ich aber was großes" handierte sie einen Moment in dieser Stellung an meiner Hose herum und zog mit dem Schrei "ach das war so groß" meinen Pass aus der Hosentasche und hielt ihn der Menge hoch. Schallendes Gelächter. Meine leicht aufkommende Selbstsicherheit weggeblasen. Nach ca. 30 Minuten und 20 Küssen durfte ich den Wagen wieder verlassen; der Großteil meines Blutes befand sich im Gesicht. Was für eine Erfahrung! Wir gingen in ein Restaurant, in dem wir - wie ich es liebe - die einzigen Touris waren. Umgeben von schweigsamen Arbeitern, aufgeregt tratschenden Frauen und kleinen Familien aßen wir ein leckeres Mittagsmenü. Der Sohn der Besitzerin gab eine - mit etwas Gesangsunterricht opernreife - Ballade zumbesten. Den Nachmittag verbrachte ich mit Lesen und Schreiben. Abends machte ich die Bekanntschaft mit Chris. So verbrachten der aus Montreal stammende 30 Jährige - hätte ihn ähnlich meines Alters geschätzt - , Laura (übrigens ebenfalls 30) und ich einen witzigen Abend bei reichlich Bier.

    *F1: Im "zivilisierten" Mitteleuropa passiert es mir äußerst selten bis gar nicht, dass ich rot werde. Gegen die Frauen in Lateinamerika habe ich allerdings keine Chance und so habe mich nicht das erste mal auf der Reise aus dem Konzept bringen lassen. Ein ungewohntes Gefühl, ansteigende Gesichtstemperatur und Wortlosigkeit. Die Reise ist für jegliche Erfahrungen gut!

    *F2: An dieser Stelle darf der seriöse Leser das Geschriebene nicht zu ernst nehmen.
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  • Sep11

    Eat, sleep, read ... repeat

    September 10 in Costa Rica

    Mein Körper kämpfte immer noch und so schleppte ich mich leicht fiebrig zum Frühstück. Anschließend ging es direkt auf einen Liegestuhl am Pool - ja Hostel mit Pool! Diesen verließ ich erst wieder, als mich ein aufziehendes Gewitter dazu zwang. Ich ging lecker zu Mittag essen und suchte mir als neuen Platz eine Couch. Abends machte ich die Bekanntschaft mit vier lustigen Amis und Laura (einer Französin). Die Kennenlern-Situation war schon köstlich: ich in der Ecke des Gemeinschaftstraumes auf einem Sofa liegend und lesend. Die vier Amis am Billiard spielen. Laura betrat den Raum, wurde gefragt ob sie mitspielen wolle und antwortete "Sure but you will lose ... and cry". Absolute Stille. Sie fügte nach kurzem peinlichen Schweigen "It was a joke" hinzu. Es verbesserte die Situation nicht. Alle schwiegen. Ich musste an mich halten, nicht laut loszulachen und grinste nur in mein E-Book. Laura fragte, ob jemand rauche - was ja bekanntlich verbindet - und als niemand bejahte, erwiderte sie leicht spöttisch "oh you are all healthy people". Einer der Amis bemühte sich, einen coolen Eindruck zu machen und verteidigte sich schnell mit den Worten "but I drink a lot of beer". Der Versuch des coolen Eindrucks misslang, unterhielt mich allerdings erstklassig. Außer einem Pingpong-Match gibt es nicht mehr viel vom Abend zu berichten.

    Conny
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  • Sep10

    Fiebriges Fliegen

    September 9 in Colombia

    Ich erwachte um 06:30 schweißgebadet und konnte nicht mehr schlafen. Definitiv Fieber, Höhe ohne Thermometer oder wenigstens fremde Person nicht bestimmbar. Das sollte ein anstrengender Tag werden, aber ich hatte ja Ibuprofen in ausreichenden Mengen dabei und davon nahm ich direkt 600mg. Ich wälzte mich noch eine Stunde im Bett hin und her, bis ich aufstand und mich zur Bushaltestelle schleppte. Am Flughafen angekommen, gab es von Avianca (der Fluggesellschaft) *F1 nur zwei offene Schlafter für die Gepäckabgabe. Dementsprechend wartete eine lange Schlange an genervtaussehenden Touris. Der eine Schalter wurde von einer Tour-Managerin belegt, die mit 7 Pässen und min. so viel Gepäck herumhandtierte. Da die Pässe überwiegend mexikanisch waren, galt das für die Bandmitglieder vermutlicherweise auch. Nach dem endlich alle eingecheckt waren und die Diskussion über erste und zweite Klasse beendet war, hatte ich schon große Hoffnung, dass es jetzt mit zwei Schaltern doppelt so schnell vorangehen sollte. Das Schicksal lachte höhnisch auf und die Mitarbeiterin schloss ihren Schalter. Meine Nerven nahmen kontinuierlich ab und es ging im Schneckentempo weiter. Als ich dachte, jetzt kann es nicht mehr lange dauern, hatte das Schicksal noch einen Ass im Ärmel und der andere Schalter schloss auch. Damit gab es gar keinen offenen Schalter mehr und ich überlegte mein Gepäckstück einfach über diesen zu werfen und laut "hasta San José por favor" zu schreien. Da ich allerdings so schon Angst hatte, dass mein Gepäck in Bogotá bleiben würde, wo ich umsteigen musste, beschloss ich geduldig zu warten. Da ich nicht genau weiß, wie oft ich bisher beim Fliegen umsteigen musste, ist eine Quote nicht zu ermitteln. Allerdings kam ich schon in Havanna (Kuba) an, während mein Gepäck in Madrid liegen geblieben war. Das Gleiche passierte mir in Manila (Philippinen). Die Quote konnte daher nicht ganz gering sein, dass bei einem Flug mit Umsteigen mein Gepäck auf der Strecke bleiben würde. Der Angestellte versprach sofort zurück zukommen, was er tatsächlich tat und wir restlichen Touris unser Gepäck auf regulärem Weg los wurden. Ich wurde gefragt, ob ich gegen Gelbfieber geimpft sei und bejahte. Ein kritischer Blick auf mein köperlichen Zustand veranlasste den Mitarbeiter mich zu diversen Krankheitssymptomen auszufragen, dabei ging es besonders um Fieber. Ich verneinte und behauptete, nur verkatert zu sein, da ich ahnte, dass die Ausreise sich auf unbestimmte Zeit verschieben würde, falls ich gestand, Fieber zu haben. Ich war der Überzeugung, dass es sich nicht um Gelbfieber, Dengue oder Chikungunya handelte, da jeweils Symptome fehlten. Stattdessen betonte ich, wie wichtig es mir wäre, dass mein Gepäck mit mir zusammen in San José landen würde. Der Mitarbeiter schaute mich an und ich konnte in seinem Blick sehen, dass er mich für einen von diesen panischen Touris hielt, dabei das Fieberthema allerdings vergaß. Ich hätte ihm gerne meine bisherigen Erfahrungen mit verlorenem Gepäck geschildert, allerdings war das - wie gesagt - der einzige offene Schalter und noch eine beträchtliche Anzahl an langsam die Nerven verlierender Wartender. So ließ ich mir mit belustigem Blick einen guten Flug wünschen und begab mich erleichtert, dass ich wegen des Fiebers nicht im Land gehalten wurde, zum Gate. Ohne Werbung im Blog machen zu wollen, muss ich sagen, das Ibu einfach das Beste ist. Ohne wäre ich nicht mal bis zum Flughafen gekommen. Ich gab meinen Fensterplatz einer das erste Mal fliegenden und überaus dankbaren 30 Jährigen ab. Jeden Tag eine gute Tat, hoffentlich regestrierte das Karma das und geleitete mein Gepäck sicher bis San José - weniger Fiebre und mehr Energie wäre auch nice, aber konzentrieren wir uns auf das Gepäck. Ohne Vorkommnisse landeten wir in Bogotá, ich aß einen leckeren Burger und schon ging es wieder in die Lüfte. Diesmal verlor ich meinen Fensterplatz an eine hysterische geschätzt 16 Jährige, die neben ihren Eltern sitzen wollte und ich in der Hoffnung auf einen Flug ohne viel Geschrei mit ihr Tauschte. Die Taktik ging auf und alle verhielten sich ruhig während des Fluges. Nur ein potentieller Diabetes Typ 2 Kandidat von ca 8 Jahren quängelte ununterbrochen - mein Nebensitzer. Ich zeigte ihm, dass er auf dem Bildschirm vor sich Pacman spielen konnte und wie das funktionierte. Schwabbelchen glücklich. Ruhe. Die Mutter warf mir einen dankbaren Blick zu. Und ich gönnte mir weitere 600mg Wundermittel und hielt so mein Fieber unten und mein Kreislauf oben. Laune: Resignation. Wir landeten holprig und - Wunder oh Wunder - ich sah meinen geliebten Backpack auf mich zu kriechen (Gepäckband). Wir freuten uns beide, uns zu sehen und schlossen uns in die Arme (auf den Rücken). Wie die verehrten Leser dieses Blogs merken, ist mein Fieber am folgenden Tag (an dem ich gerade den Eintrag schreibe) immer noch vorhanden. Ich umkreiste ein paar Taxifahrer, sprach einen sympathischaussehnden an und fragte, wo es zu den Bussen gehe. Nach dem er mir eine Fahrt für 25 Dollar anbot, ich ihm erklärte, dass das außerhalb meines Studenten-Budgets lege, führte er mich freundlicherweise zur Station und wünschte mir alles Gute. Der erste Eindruck der Costa-Ricanern ist also freundlich und hilfsbereit. Der Busfahrer hatte seinen Führerschein wohl an einem Pokerabend gewonnen und so, wie er schaltete, konnte dieser noch nicht allzu weit in der Vergangenheit liegen. Das Gefühl während eines Gangwechsel entsprach dem eines leichten Auffahrunfalls. Dennoch kam ich nach weiteren zwanzig Minuten zu Fuß am Hostel an. Ein chilliger Rezeptionist aus Costa Rica, der allerdings in den Niederlanden Musik studiert und die letzten zwei Alben der Sportfreunde Stiller mit aufgenommen hat, philosophierte über diverse Musik. Dabei lernte ich Einiges über jamaikanische, so wie latinoamerikanische Ursprünge und die moderne Entwicklung, welche jazzige und blusige Einflüsse beinhaltet. Abends ging ich in ein typisches, lokales Restaurant, aß sehr lecker und testete das erste costa-ricanische Bier "Pilsen", was relativ gut war. Schließlich schlief ich um halb 8 erschöpft ein.

    *F1: Ansonsten war ich mit Avianca überaus zufrieden. Flexibles und kostenloses Umbuchen möglich. Bei Verspätung sofort ein Gutschein als Entschädigung. Selbst auf Kurzstreckenflügen freies Medienpaket, Getränke und Snacks oder "richtiges" - wir sind immer noch in einem Flugzeug - Essen. Bei Condor, mit denen ich die Langstreckenflüge habe, musste man für alkoholische Getränke und das Medienpaket zahlen - bei einem 400$ Flug!!!!

    Conny
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  • Sep9

    Zum Frühstück gab es den restlichen Thunfisch-Reis, was die Köchin, die jeden Morgen für die zahlenden Hotelgäste Frühstück zubereitete, mit einem kritischen Blick quittierte. Ich packte mein Zeug zusammen, schrieb an dem Blog und verabschiedete mich von der liebenswürdigen Besitzerin. Mir wurde gesagt, es gäbe um diese Zeit keine Busse zum Flughafen und ich müsse für 25$ ein Taxi nehmen. Das machte ich natürlich nicht, sondern lief schwer bepackt durch die Stadt in Richtung Flughafen; in der Hoffnung, dass ich vom Ortsausgang aus trampen könnte. Ein freundlicher Taxifahrer nahm mich kostenlos bis zum dorthin mit und versicherte mir allerdings, dass Trampen nicht funktionieren würde und ich mein Flugzeug verpasse. Das schätze ich anders ein und ließ mich am Ortsausgang absetzen. Ich stand keine zwei Minuten und schon hielt Diego, ein sehr freundlicher 50 Jähriger, der in einem Hotel auf der Insel arbeitete und sich auf dem Weg zum Flughafen befand, da seine Familie heute zu Besuch komme. Auf dem Weg unterhielten wir uns gut und er erzählte mir von vorherigen Jobs, seiner Familie, dem Fußball und dem Wetter. Der Flieger ging pünktlich und die Sicherheitsleute entdeckten meine Lawasteine vom Chimborazo nicht. Auf dem Hinweg wurden diese entdeckt und mir wurde prophezeit, dass ich diese auf dem Rückflug abgeben müsse, da sie von denen der Galapagos Inseln nicht zu unterscheiden seien und so weiter. Aber alles gut gegangen. Wir landeten in Guayaquil und ich machte mich auf die Suche nach meinem Hostel. Das Bussystem war sehr gut und jede Fahrt, egal wie lange, kostete nur 30 Cent. Auf dem Weg blieb ich vor einer Werkstatt hängen, wo einige Ecuadorianer bei guter Stimmung mit scharfem Whisky auf den Feierabend anstoßen. Ich kam ihrer Einladung nach und gesellte mich dazu. Mein Barcelona SC Guayaquil Trikot gefiehl ihnen außerordentlich und wir bzw. sie stimmten ein paar Fangesänge an. Es war wohl schon reichlich Whisky geflossen. Mit dem lallenden Spanisch hatte ich zu kämpfen. Nach einer Weile verabschiedete mich, da ich ja eigentlich mein Hostel suchen wollte. Sie gaben mir noch gutgemeinte Wegbeschreibung mit. Da diese allerdings nicht ganz identisch waren und vorallem nicht mit dem, was mir Google Maps empfiehl, beschloss ich, mich auf mein Handy zu verlassen und traf damit die richtige Entscheidung. Abends ging ich essen und hatte mich mit einigen Locals zum Tanzen verabredet. Die Latin@s -ist das nicht eine geniale Art, beide Geschlechter einzubeziehen - haben viele Vorzüge, Zuverlässichkeit gehört aber ganz und gar nicht dazu und so klappte das Treffen dann spontan doch nicht. Da am nächsten Morgen mein Flug ging, war das allerdings auch nicht so schlimm.
    Die Fotos fallen mal wieder sehr mau aus, allerdings ist jeder Leser eingeladen, mich mal in Basel zu besuchen und eine Fotoshow (mit der Kamera aufgenommen) bieten zu lassen.

    Conny
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  • Sep8

    Das letzte Abenteuer unter Wasser

    September 7 in Ecuador

    Nach dem Tauchen dauert es bis zu 24 h bis sich ein Gleichgewicht zwischen gelöstem Stickstoff und Umgebungsdruck hergestellt hat - man gesättigt ist. Es wird gestritten, ob man zwischen Tauchen und Fliegen 72 h, 48 h oder 24 h braucht. Alle sind sich allerdings einig, dass 24 h das absolute Minimum sind und da ich am nächsten Mittag fliegen würde, ging es für mich heute "nur" schnorcheln.
    Es war das - vielleicht für immer, vielleicht für lange Zeit - letzte Mal, dass ich in die Unterwasserwelt der Galapagos Inseln eintauchen würde. Den selben Trick wie gestern anwendend kam ich um 8:00 am Reisebüro an und traf ein schon eine Weile wartendes, in der Schweiz lebendes Pärchen (sie Schweizerin, er französischer Spanier). Kurz darauf erschien der Guide. Barfüßig, Mähne, faltige braungebrannte Haut. Mir kam die Bezeichnung Ureinwohner in den Sinn, was natürlich hier keinen Sinn ergibt. Aber ich war voller Hoffnung, dass wir den besten für die Schnorcheltour hätten. Per Pickup ging es auf die andere Seite der Insel und dort wieder auf eine luxuriöse Jacht. Endlich waren wir mal eine Gruppe, die überwiegend aus Ecuadorianern bestand und die Stimmung war super! Es wurden die Angeln für unser Mittagessen ausgeworfen und es ging los zu den Daphne Inseln. Der Guide fragte, wer free diving machen wolle und ich grinste ihn direkt an, so dass ich die langen Flossen bekam. Kurz bevor wir bei den Inseln angelangt waren, spannte sich die eine der beiden Angelschnüre und der Guide begann den Kampf. Etwa 5 Minuten bog sich die Angelrute und die Spüle wurde unter größter Anstrengung Stück für Stück aufgerollt. Dann war klar, es hatte ein Hai angebissen, der selbstverständlich wieder frei gelassen werden würde, allerdings trotzdem zur Entfernung des Hakens erst eingeholt werden musste. Der Kampf zog sich. Die Robustheit der Angelrute beeindruckte mich schwer! Schließlich hatte der Guide den ca. zwei Meter langen Hai an der Wasseroberfläche am Rand des Bootes und verlangte schreiend nach einem Messer. Der Hai wehrte sich mit allen Kräften. Momentaufnahme: Jacht voller aufgeregter Touristen. Am Rand der Jacht ein großer Hai, in dessen Mundwinkel/Kiemen ein Haken mit der Länge eines Mittelfingers steckt. Wildausehnder Guide mit Messer in der Hand über die Reling gebäugt. Die Hand ist keine 10 Zentimeter von dem aufgerissenen Maul des Hais entfernt. Die Zeit begann sich wieder in Bewegung zu setzen und dem Guide gelang es den Mundwinkel des Hais so aufzuschneiden, dass der Hai vom Haken los kam und verschwand. Er erklärte uns, dass dieser Unfall sonst eigentlich nicht passiere und man sah ihm an, dass es ihn mitnahm, den Hai verletzt zu haben. Wir legten das Equipment an und mir schwante böses, als zwei der Ecuadorianerinnen nach Schwimmwesten fragten. Es ging ab ins Wasser und der Guide bat darum, als Gruppe zusammen zu bleiben. Er zog an einer Schnur einen Rettungsreifen hinter sich her, an dem sich die Ecuadorianerinnen festhielten und wild mit ihren Flossen um sich schlugen. Dementsprechend kamen wir langsam voran und der Guide hatte keine Einwände, dass ich etwas voraus schnorchelte. Ich fand richtig Spaß am free diving und tauchte mehrere Meter zum Grund hinunter, wo sich Weißpunkt-Riff-Hai-Familien, ein Oktopuss und diverse Fische unter den Felsen versteckten. Anschließend fuhren wir an einen paradiesischen Strand und aßen zu Mittag. Kurz bevor wir an Land gehen wollten, entdeckte der Kapitän einen schwarzen Tigerhai. Er, drei weitere begeisterte Touris und ich sprangen sofort in das Schlauchboot und verfolgten ihn. Ich wollte mit der Taucherbrille ins Wasser. Das ging dem Kapitän dann allerdings doch zu weit und wir mussten im Boot bleiben. Anschließend spazierten wir über Sand - wie fein er nur sein kann. Legten wieder das Equipment an und schnorchelten an den Felsen entlang. Ein Teil der Gruppe blieb nach dem Anblick des schwarzen Tigerhais lieber auf den Boot und verzichtete auf den zweiten Schnorchelgang. Wir fuhren noch um eine weitere Insel, wo wir Fragattvögel, Blaufusstölpel und weitere Vögel - teilweise brütend - beobachteten. Auf dem Rückweg sahen wir noch einen riesigen Mantarochen - mit einer Spannweite von locker zwei Metern. Ebenfalls sehr beeindruckend! Abends kochte ich leckeren Thunfisch-Reis und las ein Buch Namens "Sand" von Wolfgang Herrndorf. Schreibstil genial, Handlung durch sehr viele unwahrscheinliche Zufälle gekennzeichnet. Ort interessant: Timbuktu, Mali, Afrika.

    Conny
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  • Sep7

    Die Pirateninsel

    September 6 in Ecuador

    Heute stand nochmal eine neue Insel auf dem Programm: Floreana. Ich hatte inzwischen herausgefunden, dass immer eine Tour von vielen verschiedenen Reisebüros gebucht wurd und diese ihren Kunden sehr unterschiedliche Informationen über das Ablegen des Bootes mitteilten. Daher versicherte ich dem Besitzer (einem chilligen 30er) am Vortag, dass ich pünktlich sein werde und er solle mir bitte die wirkliche Zeit verraten. So betrat ich um 8:30 das Boot, welches um 8:45 ablegte. Manche Passagiere wartet bereits genervt - verständlich - seit einer Stunde, da ihr Reisebüro ihnen eine "etwas" zu frühe Zeit mitgeteilt hatte. Ich war überaus zufrieden mit mir und freute mich auf den Tag. In der Jacht ging es los und ich ließ mir die Meeresluft durch die Haare blasen. Nach zwei Stunden kamen wir an dem Minihafen von Floreana an und unser Gepäck wurde - wie bei jedem Inselwechsel - einer Kontrolle unterzogen. Der nicht besonders enthusiastische Guide führte uns zu der "la loberia" der Insel. Dort verbrachten wir etwas Zeit an einem traumhaften, von erstarrter Lava durchzogenen Strand und gingen Schnorcheln, wobei ich wieder einiges Leben zwischen am Riff entdeckte. Ich wurde mit diversen Fischen zwischen den Felsen hin und her gespült und war zeitweise von 20 Wasserschildkröten umgeben. Ebenfalls bekam ich zwei Pinguine zu Gesicht. Die Liste an Tieren, die ich unbedingt auf den Inseln sehen wollte, hakte sich zu meiner absoluten Zufriedenheit nach und nach ab. Wir zogen weiter zu einem schwarzen Strand, der aus Vulkan-Sand bestand. Der grummelige Guide taute langsam etwas auf und ließ sich ein paar Informationen über die schwarzen Iguanas (große Echsen) entlocken, die gut schwimmen und sogar tauchen können. Um Fotos am Strand zu machen, platzierte ich Tasche und Handy in - meiner Meinung nach - sicherer Entfernung. Eine riesen Welle zeigte, dass meine Einschätzung sicherer Entfernung betreffend falsch war und ich musste machtlos zusehen, wie die Tasche und mein Handy an den Strand gespült wurden. Mein Handy hatte glücklicherweise überlebt, nur der Lauterknopf hat seitdem einen Kurzschluss. Ich deaktivierte ihn und muss jetzt ohne ihn Leben. Das ist allerdings nicht so schlimm, mein Ex-Mitreisender hat mehrere Jahre ohne "Home Button" gelebt und dabei meistens ganz glücklich gewirkt. Wir aßen in ein Restaurant lecker zu Mittag. Selbstverständlich Fisch, wie nahezu jeden Tag auf den Inseln. Anschließend ging es ins Hochland der Insel. Ich machte die Bekanntschaft der in Chicago lebenden witzigen halb Kolumbianerin, halb Pakistani "Natasha". Mein anfängliches Desinteresse, andere Reisende hier kennenzulernen *F1, wurde inzwischen durch mein sonst sehr ausgeprägtes Interesse daran, neue Bekanntschaften zu machen, abgelöst. Wir stapften zwischen Riesenschildkröten und Babys der selben Gattung durch den Dschungel. Die Galapagos Inseln haben - selbst innerhalb der Inseln - beeindruckend viele Klimazonen zu bieten. Auf dem Weg sahen wir Höhlen, die einst von Piraten bewohnt wurden und als Versteck nach Raubzügen dienten. Nachmittags ging es zurück nach Santa Cruz und da ich mich mit dem Kapitän gutstellte, durfte ich bei ihm auf dem oberen Deck sitzen. Zu sehen gab es allerdings außer dem weiten Meer und ganz kurz die Umrisse eines Mantarochens nicht viel. Zurück bei dem Reisebüro verlangte ich Geld zurück, da die Vulkantour, welche ich einige Tage zuvor auf Isabela machte, von anderen Anbietern billiger angeboten wurde. Wir einigten uns auf einen guten Kompromiss. Abends ging ich mit Natasha seit langem mal wieder Papi Pollo und Empanadas essen. Wir ließen den Abend bei Bier am Hafen ausklingen und beobachteten kleine Schwarzpunkt-Riff-Haie.

    *F1: Wer mich kennt, weiß, dass ich ein sehr geselliger Mensch bin. Die Abende, die ich in meinem sonstigen Leben alleine verbringe sind sehr rar. Zum einen hatten wir allerdings so viele neue Leute die letzten zwei Monate kennengelernt und die gleichen Fragen (woher?, Wo schon gewesen?, was studieren oder arbeiten? usw.) meistens der Wahrheit entsprechend beantwortet. Manchmal waren wir auch Kriegsjournalisten, Zirkus-Artisten, Broker (Aktienhändler), App-Entwickler, oder was uns sonst so einfiel oder welcher Alterego uns gerade passte. Zum anderen - jetzt habe ich schon wieder so weit ausgeholt, dass ihr es wahrscheinlich schon vergessen habt, aber weiter oben schrieb ich "zum einen" und so folgt jetzt das "zum anderen" - wollte ich vorallem die Bekanntschaft mit Tieren und nicht mit Menschen auf den Inseln machen und mit den einzigartigen Lebewesen der Inseln möglichst alleine sein.

    Conny
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  • Sep6

    Heute war ein ganz besonderer Tag: Auf den Galapagos Inseln tauchen! Früh morgens ging es voller Aufregung und Vorfreude los zu den Kicker Rocks. Hierbei handelt es sich um Felswände, die steil in die Tiefe abfallen. Die meisten auf dem Boot gingen Schnorcheln, so forderte der Divemaster nur zwei Brasilianer und mich auf, mit ihm ins Wasser zu kommen, um unsere Fähigkeiten zu testen (Maske unter Wasser säubern, bei Strömung Gleichgewicht halten usw.). Ich hielt das für unnötig, machte aber brav, was mir gesagt wurde. Meine ehemaligen Lehrer wären beeindruckt über diese Entwicklung *F1. Endlich erlebte ich wieder das suchterregende Gefühl, unter Wasser atmen zu können. Das ist für mich der größte Unterschied zwischen Schnorcheln und Tauchen. Wer schon einmal Tauchen war, wird das nachvollziehen können. Man wird ein Teil der Unterwasserwelt. Ein Tauchlehrer beschrieb das einst sehr passend: "Wenn Du schnorchelst, schaust Du einen Film an, wenn Du jedoch tauchst, spielst Du in dem Film mit und bist ein Teil davon". Wir erfüllten alle die Aufgaben zu der vollen Zufriedenheit des Divemasters und so ging es kurz darauf mit einer Rückwärtsrolle in die Strömung an den Felswänden. Mit der Stärke der Strömung hatte ich nicht gerechnet und wurde einige Meter mitgerissen, bis ich einen Felsen zu greifen bekam. So kämpften wir uns gegen die ständig wechselnde Strömung an den Felswänden entlang. Der Beginn des Tauchgangs war richtiger Tauchextremsport, bis wir den Umgang mit der Strömung besser raus hatten. Dann hatte man auch endlich ein Auge für dir Steinformationen und die Tiere. Ich hatte inzwischen auch den Druckausgleich ausreichend hinbekommen und konnte etwas entspannen. Wir sahen diverse Fische, Moränen, Schnecken und wurden von einem Seelöwen begleitet. Was zuerst sehr nett war, sollte sich später als Problem herausstellen. Wir tauchten um eine Felswand und da erblickten wir sie. Drei riesige (2m lange) Hammer-Haie. Was für ein Anblick! Es ging allerdings nur drei Sekunden und dann hatte der dumme Seelöwe sie ebenfalls entdeckt und machte so aufgeregte Schwimmbewegungen, dass sie sofort die Flucht ergriffen. Aber eindrucksvolle drei Sekunden! Den Brasilianern ging früher die Luft aus und der Divemaster und ich setzten den Tauchgang alleine fort, sahen allerdings nicht mehr viel. Beim zweiten Tauchgang sahen wir einige Schildkröten, wieder diverse von mir nicht benennbare Fische, Galapagos-Haie und Schwarzpunkt-Riff-Haie. Bei diesem Tauchgang herrschte deutlich weniger Strömung, die Sicht war allerdings nicht optimal. Insgesamt aber zwei tolle Tauchgänge. Anschließend gab es ein leckeres Mittagessen und wir lagen eine gute Stunde auf einer einsamen Insel an einem Traumstrand, der in der Karibik nicht schöner sein könnte. Auf dem Rückweg nach San Christóbal schrie einer der Brasilianer neben mir plötzlich auf und zeigte aufgeregt in die Ferne. Mein Blick folgte seiner Hand und ich konnte meinen Augen nicht trauen. Sein Finger deutete auf einen 15 m langen Buckelwal, der aus dem Wasser aufstiegt und einen Moment aufrecht bis zur Schwanzflosse im Wasser stand. Anschließend ließ er sich zur Seite fallen und die 30 Tonnen krachten mit einem gewaltigen Platscher ins Wasser. Dieses Kunststück wiederholte er für uns zwei Mal. Was für ein Glück! Im Hafen angekommen, stieg ich direkt auf die Fähre nach Santa Cruz um und fuhr erneut auf die Ausgangsinsel zurück. Dort kehrte ich wieder in das Hotel zurück, in dem ich bereits sehr bekannt war, und hängte meine Hängematte am altbekannten Platz auf. Abends ging ich auf dem Markt leckere Empanadas essen und später mit Alex und Nathalie noch ein Bier trinken.

    *F1: Die Kommentare in meinen Zeugnissen entwickelten sich seit der Grundschule bis zu dem Zeitpunkt, als es diesen Quatsch endlich nicht mehr gab, kontinuierlich von "Conny hielt sich meisten ans Regeln" über "Conny hielt sich gelegentlich an Regeln" und "Conny war stets bemüht, sich an Regeln zu halten" bis hin zu "Conny hält sich nur selten an Regeln". Die Stimmung zu Hause verbesserte sich merklich, als es in den Zeugnissen nur noch Noten (immer im guten Bereich) und keine Kommentare mehr gab.

    Conny
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  • Sep5

    Inselerkundung

    September 4 in Ecuador

    Der Morgen begann damit, einen neuen Platz für meine Hängematte, meinen Backpack und mich zu suchen *F1. Heute kamen die Besitzer des Hostels, die laut der Señora eventuell keine in Hängematten schlafende Gäste auf ihrer Baustelle wollten. Ich fand jedoch ein anderes Hostel, wo ich mich für 5$ einquartieren konnte. Mit dem Taxi ging es dann zur "la loberia", einem Strand voller Seelöwen *F2, wo ich zu Beginn alleine mit den witzigen Tieren war. Sie ließen mich sehr nah an dich heran und spielten mit mir im Wasser. Ein unbeschreibliches Gefühl, mit diesen hübschen Tieren Gesicht an Gesicht zu sein. Ein großer Bulle (der Silberrücken der Seelöwen-Großfamilie) war etwas schlecht gelaunt, brüllte viel herum und drohte mir immer wieder, griff mich allerdings nicht an. An Land sind die Tiere nicht gefährlich, da langsam. Im Wasser ist das allerdings eine andere Sache und das Gebiss entspricht dem von Schäferhunden. Eine Mutter mit ihrem Kleinen zwickte mich einmal ins Bein, dass ich aus dem Weg gehe und den Platz für sie freigebe. Insgesamt aber sehr unterhaltsame, neugierige und friedliche Tiere. Anschließend lernte ich im "Centro de Interpretacion" die teilweise sehr tragische Geschichte der Galapagos Inseln kennen. Von den ersten Entdeckern, über Piraten, Kolonialisten, Darwin und dem amerikanischen Militär, bis hin zum Naturschutzgebiet. An dem "Mirador Cerro Tijeretas" beobachtete ich Fragattvögel und ging unterhalb nocheinmal schnorcheln (Schildkröten, Fische und Seebären), wo ich Alex (Niederlande) und Nathalie (Deutschland), sowie Tamara (Deutschland) kennenlernte. Wir zogen zusammen weiter zu einem anderen nahegelegenen Strand. Später trafen wir uns zum Abendessen und es war ein ganz neues Gefühl, derjenige am Tisch zu sein, der am besten Spanisch kann und für die anderen übersetzen muss.

    *F1: Langsam habe ich eine richtige emotionale Bindung zu den zwei aufgebaut. Das klingt komisch, allerdings haben wir schon echt viel zusammen erlebt und durchgemacht.

    *F2: Meine Mutter klärte mich darüber auf, dass die Seehunde (ein paar Beiträge zuvor) nur auf der Nordhalbkugel leben und mir daher hier nicht begegnet sein konnten. Bei den Tieren hier handelt es sich um Seelöwen oder Seebären (dickeres Fell + Stupsnase).

    Conny
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  • Sep5

    Evo, puto!

    September 4 in Bolivia

    30 Stunden im Bus. Eine … interessante Erfahrung. Unterbrochen nur von einem 200 Meter Fußmarsch über die Peruanisch-Bolivianische Grenze, wo ich mal eben für einen Venezolaner gehalten wurde. Das mag wohl daran liegen, dass wir auf unserer Reise wahrscheinlich mit keinem anderen Volk so viel in Kontakt waren, wie mit den unzähligen Geflüchteten, die momentan weite Teile Südamerikas besiedeln. Dabei stoßen sie vielerorts auf Ablehnung (das leider so übliche „die nehmen uns unsere Arbeit weg und vergewaltigen unsere Frauen“). Wir hingegen haben ausnahmslos positive Erfahrungen mit den herzlichen, offenen, stolzen Leuten gemacht und zahlreiche Einladungen nach Venezuela erhalten. Naja, leider gibt es halt überall auf der Welt die gleichen ignoranten, beschränkten Idioten. Jedenfalls scheine ich mir ein wenig vom Akzent oder der Art des sympathischen Volks angeeignet zu haben, denn der Polizist zog erstaunt die Augenbrauen, als ich ihm seine Frage nach meiner venezolanischen Herkunft verneinte und sagte, dass ich Deutscher sei.

    Nach circa 2 Stunden Weiterfahrt kam ich dann abends in La Paz an und war fast froh darüber, keine direkte Busverbindung nach Santa Cruz zu finden, sondern gezwungen zu sein, die Nacht in einem unbeweglichen, horizontalen Matratzen-Bett zu verbringen.
    Den darauffolgenden Tag (gestern) schlenderte ich durch die höchste Hauptstadt der Welt, trotz Sonnenschein mit 3 Jacken ausgerüstet, und schwelgte in Erinnerungen an meinen letzten Besuch der Stadt vor knapp dreieinhalb Jahren. Viel hat sich gefühlt nicht verändert und man könnte fast meinen, die angefangenen Gebäude seien immer noch so halbfertig wie damals.
    Erwähnenswert war noch eine Demonstration, die in der Stadtmitte stattfand. Die circa 1000 Leute schwenkten zahlreiche Bolivien-Flaggen und sprachen sich lautstark gegen Evo, den Präsidenten Boliviens aus! Seit Jahren sind die Korruption und die diktatorischen Verhältnisse, mit denen die Landesspitze regiert, kein Geheimnis, doch Aufstände werden niedergeschlagen und Oppositionsführer weggesperrt. Derweil wird das Ganze mit einer „als-wäre-nichts-gewesen“-Propaganda übermalt, die sich meist in riesigen Plakaten äußert, auf denen ein strahlender Evo mal ein Baby auf dem Arm hält und damit die Mutter zur glücklichsten Frau der Erde macht, mal einem hart schuftenden Arbeiter gratulierend die Hand schüttelt oder ganz einfach vielsagend zuversichtlich in die Zukunft blickt. Seit der letzten Wiederwahl, bei der abermals manipuliert wurde, sind die Proteste jedoch lauter geworden und es hat sich national der Schlachtruf „Bolivia dijo no“ („Bolivien hat Nein gesagt“, bzw. das bolivianische Äquivalent zu „nai hämmer gsait“) gebildet. So war es für mich ein Hoffnung erweckendes Erlebnis, die Masse friedlich und ungestört protestieren zu sehen und Rufe wie „Evo, Verräter!“, „Unsere Zeit ist gekommen!“ und „Er soll zurücktreten, carajo!“ skandieren zu hören. Viel ist letzten Endes wohl noch nicht geschafft und der Weg zur Demokratie ist noch weit, doch ich hätte schwören können, es roch ein ganz kleines bisschen nach Umbruch.

    Mit diesen Eindrücken bin ich also gestern Abend gestiegen, in dem ich die vorerst letzte Nacht auf Rädern verbracht habe und von dem aus ich nun diesen Blogeintrag schreibe.
    In ein paar Stunden werde ich also in Santa Cruz ankommen. An genau dem Tag, an dem ich vor vier Jahren zum ersten Mal bolivianischen Boden betreten habe und meine neue Heimat für ein Jahr kennenlernen durfte. Allein bei dem Gedanken bekomme ich ein wenig Gänsehaut, muss ich gestehen. Ich bin zum Zerreißen gespannt auf das, was mich nun erwartet. In erster Linie das Wiedersehen mit den Heim-Jungs, außerdem mit alten Freunde und einer Stadt, die mir vermutlich total bekannt, aber irgendwo auch fremd vorkommen wird.
    Bis bald!
    Jan
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