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  • Day290

    ...und dann kam Corona! - Ende der Reise

    March 19, 2020 in Brazil ⋅ 🌧 25 °C

    Nach der Besteigung des Huayna Potosí sah unser Plan eigentlich die Rückreise nach Peru vor. Noch am Rückweg von der Wanderung am Sonntag informieren wir uns bzgl. einer Verbindung am nächsten Tag. Als wir am Montag aufwachen, hat Peru über Nacht die Einreise von Ausländern bereits gestoppt. Auch in anderen Ländern in Südamerika ändert sich die Lage zur Bewegungsfreiheit fast stündlich. Wir fangen also an Freunde und Reisegefährten der letzten Monate zu kontaktieren, um die Situationen in den umliegenden Ländern zu klären und eine Übersicht und eine Entscheidungsgrundlage zu bekommen. Johannes, unser Gastgeber, ist uns in diesem Moment eine große Unterstützung.
    Wir stehen vor der Wahl möglicherweise mehrere Wochen in Bolivien fest zu stecken (bei schlechter medizinischer Versorgung) oder baldmöglichst in Richtung Europa auszureisen. Auf den überlasteten Websites Flüge zu recherchieren oder gar zu buchen wird immer schwieriger, daher gehen wir direkt ins BoA-Office (Boliviens staatliche Airline). Während Tessa den nächstmöglichen Flug zu einem Europa-Verbindungsflughafen erfragt, suche ich gleichzeitig online nach einem von dort möglichen Weiterflug nach Frankfurt. Wir haben Glück... bei BoA gibt's für Donnerstag eine Verbindung La Paz - Santa Cruz - São Paulo und bei Iberia, São Paulo - Madrid - Frankfurt. Und das ganze zu einem vernünftigen Preis. Viele der Verbindungen liegen mittlerweile im mittleren vierstelligen Bereich. Also Buchen, Bezahlen, Bestätigung erhalten, YES!
    Was für ein Glück wir wirklich haben, stellt sich in den folgenden Tagen heraus: Immer mehr Länder stellen den internationalen Flugverkehr ein (mittlerweile auch Bolivien, aber zum Glück ist unser Flug noch im 72 Stunden Zeitfenster), Einreisestopps, Ausgangssperren, die deutsche Botschaft La Paz rät zur schnellstmöglichen Ausreise usw. Bis zum Abflug sitzen wir auf heißen Kohlen, aber das Spielen mit Diane, Nils und Roman, den Kindern unserer Gastgeber, ist für uns eine tolle Ablenkung - sie haben mittlerweile auch schulfrei.
    Und dann geht sie los, unsere Odyssee...
    Bereits am Mittwochnachmittag fahren wir zum Flughafen 'El Alto', zwischen 16-5 Uhr dürfen keine Autos mehr fahren (was ein Unsinn!), wir treffen Patrick und Melanie aus der Schweiz wieder und nutzen unser Camping-Equipment für ein Nickerchen am Flughafen.
    Gepäckaufgabe und Boarding in 'El Alto' verlaufen ruhig, auch wenn die Nervosität der Leute zu spüren ist. Mit etwas Verspätung heben wir ab und haben zum Abschied nochmal einen tollen Ausblick auf La Paz und den Berg 'Illimani'. Auch in Santa Cruz kommen wir gut durch, die Verspätung behalten wir aber bei. Da wir aber in São Paulo vier Stunden Aufenthalt haben, sind wir nicht beunruhigt.
    In Brasilien angekommen, rechnen wir eigentlich mit medizinischen Checks oder verstärkten Kontrollen, aber nichts dergleichen… Passkontrolle, „Warum sind sie hier? … Ah, Zwischenstopp, OK!“ Stempel in den Pass, weiter zum Gepäckband, Rucksack aufnehmen, Check-in beim Iberia-Schalter und wieder rein in den Abflugbereich. Es ist einiges los auf dem Flughafen in São Paulo, in den letzten Tagen wurde er zu einem der letzten noch aktiven Drehkreuze für viele europäische Heimreisende. Wir vertreiben uns die restliche Wartezeit mit Souvenir-shopping und essen, bevor wir in den komplett ausgebuchten Flieger steigen.
    Der Flughafen Madrid zeigt sich von einer sehr menschenleeren Seite und wir werden das erste Mal mit Abstandsregeln konfrontiert. Man spürt, dass die Lage hier sehr angespannt und außergewöhnlich ist. Das Flughafenpersonal macht aber einen ruhigen und souveränen Eindruck und auch dieses Umsteigen funktioniert ohne Zwischenfälle oder Aufregung.
    Wir sehen die Frankfurter Skyline im Flugzeugfenster und freuen uns! Wieder keine Kontrollen, nur ein etwas vereinsamter Frankfurt Airport. Wir hatten es nicht geglaubt, dass diese Reise in der aktuellen Situation und mit diesem recht knappen Flugplan ohne irgendwelche Probleme durchläuft - dafür sind wir sehr dankbar!
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