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  • Day132

    Ein schwarzer Tag

    December 10, 2018 in Australia ⋅ 🌧 26 °C

    Der Titel lässt es vermuten, an diesem Tag passierte nicht viel Gutes. Dennoch können wir rückblickend sagen, dass wir mit einem blauen Auge davongekommen sind.

    Unsere Stimmung war so trüb wie das Wetter an diesem Morgen und wurde auch nicht wirklich besser als es wie aus Eimern anfing zu schütten. Um uns den Tag etwas zu versüßen, wollten wir zum Frühstück etwas besonderes Ausprobieren, nämlich Apple Crumble. Das sind in Butter, Zucker und Zimt blanchierte Apfelstückchen mit Haferflocken und Mandelstücken. Beim ersten Anlauf zerschmolzen nicht nur Butter und Zucker in der Pfanne sondern auch unser Pfannenwender. Der zweite Anlauf war hingegen ein voller Erfolg. Jedoch hätte uns der Fehlversuch ein Omen sein sollen. Nach dem Frühstück entbrannte eine längere Diskussion über die Planung der nächsten Tage an der wir uns eingestehen mussten, Wetterbedingt ein paar der schönsten und bekanntesten Ausflugsziele an Australiens Ostküste auslassen zu müssen. Dazu zählten neben dem geplatzten Tauchgang auch die Whitsunday Islands.
    So beschlossen wir, uns auf die lange Fahrt Richtung Süden zu machen bis das Wetter wieder besser wird. Weit kamen wir jedoch nicht. Beim Ausparken bemerkten wir, dass sich unser Beutel mit Lychees in unserem Klappbett verfangen hatte. Beim Versuch die leckeren Früchte zu befreien, bemerkten wir nicht, dass wir nicht mehr standen sondern schon wieder vorwärts rollten. Und so rollten wir im Standgas über den Parkplatz bis wir schließlich mit einem krachen frontal an einem Baum zum stehen kamen. Man könnte von deutscher Genauigkeit reden, wenn man beschreiben sollte wie mittig wir den Baum getroffen haben. Gute Nachricht zuerst: Bis auf unser Mietauto ist nichts und niemand weiter zu Schaden gekommen. Dennoch habe ich es geschafft meiner bereits Geschichtsträchtigen Unfallstatistik ein neues Sahnehäubchen zu verpassen: Der nahezu maximal mögliche Sachschaden am eigenen Fahrzeug mit dem minimalsten physikalischen Input 🏆🥇

    Nach den ersten Schrecksekunden hatten wir uns jedoch schnell gesammelt und begannen mit der Problemlösung. Wir meldeten den Schaden unserem Vermieter. Dieser sagte uns wir können weiter fahren falls es der Schaden zulasse. Da auf den ersten Blick nicht erkennbar war ob das Kühlsystem betroffen war, holten wir uns noch eine fachkundige Meinung in der nächsten Werkstatt ein. Dieser bestätigte unseren Eindruck und so fuhren wir mit unserem ramponierten Auto davon. Jedoch mussten wir nach circa 50km feststellen, dass die Motortemperatur bedrohlich anstieg. Wir stoppten und beim Kühlwasser auffüllen sahen wir, dass fast das komplette Kühlwasser ausgelaufen war. So konnten wir keinen Kilometer weiter fahren. Ob es Glück oder einfach nur Zufall war lässt sich nicht sagen, jedoch hielt genau in diesem Moment ein Abschleppwagen in unserer Parkbucht an und bot seine Hilfe an. Ein weiteres Telefonat mit dem Vermieter, ein paar technische Erklärungen und einer Zustimmung später saßen wir vorn im Abschleppwagen und unser Auto stand hinten drauf. Ein kurzer Hoffnungsschimmer - falls der Schaden vor Ort in einer Werkstatt behoben werden kann, können wir unsere Fahrt fortsetzen. Es waren ziemlich bange Minuten bis die Diagnose kam: Der Schaden ist in absehbarer Zeit nicht reparabel und somit war unsere Fahrt nach ungefähr 5 Tagen durch eine dumme Unachtsamkeit vorerst zu Ende. Eine herbe Enttäuschung zumal jetzt auch klar war, dass von unseren 3.000$ Selbstbeteiligung nichts übrig bleiben wird.

    Wir hatten uns in der Zwischenzeit nach Alternativen umgeschaut und uns über den Fortgang unseres Mietverhältnisses informiert. Falls es einen Ersatzwagen für uns gibt, müssen wir diesen in Brisbane abholen und uns selbst um die Überwindung der rund 1.200 km (oneway) kümmern. Wir nahmen uns einen klimatisierten Bungalow für die Nacht, tranken ein paar Gläser Wein und harrten der Dinge, denn vor dem nächsten Morgen würde es keine Entscheidung darüber geben, ob ein Ersatzwagen in Brisbane verfügbar ist. Im Fernsehen lief der aktuellste James Bond Film, der gerade mir als Abwechslung sehr gelegen kam. Am nächsten Morgen wagten wir dann einen bangen Anruf und erfreulicherweise gab es einen Ersatzwagen für uns. Ein großer Lichtblick! Wir buchten einen Nachtbus der uns in 21 (einundzwanzig) Stunden nach Brisbane fährt und verbrachten die Zeit bis zur Abfahrt wartend am Strand. Um kurz vor 16 Uhr stiegen wir dann in den Bus. Zum Glück war dieser einigermaßen komfortabel, klimatisiert und nicht zu voll. Wir konnten uns also ausbreiten und es uns bequem machen. Nach etwas mehr als 4 Stunden hielten wir zum Abendessen an, bevor es danach straff weiter ging bis morgens 6 Uhr. In dieser Zeit legten wir den Großteil der Strecke zurück. Ab dem Morgen fuhren wir dann alle größeren und kleineren Städte ab und die letzten Kilometer schienen sich unerträglich in die Länge zu ziehen. Nach ziemlich genau 21 Stunden standen wir dann in Brisbane, im 3. Stock eines Parkhauses in der Innenstadt welches zum Busterminal umfunktioniert wurde. Für das letzte Stück bestellten wir uns einen Fahrer von Uber der uns zur Filiale von Jucy - unserem Autovermieter brachte. Hier mussten wir noch ein bisschen Papierkram ausfüllen und darauf warten dass einige Zahlungen im System registriert wurden. Dann konnten wir knapp 50 Stunden nach unserem Unfall die Reise fortsetzen. Unsere nächsten Ziele liegen erstmal wieder nördlich von Brisbane und die erste Station wird wohl Hervey Bay sein wo seit Montag ein Päckchen auf Caro wartet.
    Das war eine ganz schön teure Lektion aber insgesamt sind wir froh unsere Reise fortsetzen zu können 🚍😊
    Konrad
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