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  • Day238

    Wildwasser in Futaleufu

    March 26, 2019 in Chile ⋅ 🌙 14 °C

    Nach Futaleufu hat es uns aufgrund unseres Reiseführers verschlagen. Der Ort gilt als Mekka fürs Raften und Wildwasserpaddeln. Ende März heißt hier vor allem auch Saisonende und deshalb wollten wir hier wenigstens einen Tag auf dem „Futa“ Raften gehen. Wir hatten uns im Voraus informiert, aber als wir ein paar konkretere Fragen per E-Mail stellten, bekamen wir keine Antwort mehr. So liefen wie bei unserer Ankunft gleich in das erstbeste Büro und zwar zu ExChile. Das Unternehmen gehört Chris Spelius, einem Ex-Olympioniken (Kanu-Rennsport) und international erfolgreichen Freestyle-Kanuten und sein Büro besteht schon seit über 30 Jahren. Als wir uns nach den möglichen Optionen erkundigten, erfuhren wir, dass ab morgen ein Wildwasserkurs für Anfänger stattfindet und 3 Tage dauert. Dafür gab es schon eine Gruppe von 4 Leuten die anschließend noch einen Tag Raften gehen wollten. Das klang super für uns und so meldeten wir uns für das gleiche Programm an. Auch wenn der Kurs für mich persönlich ein bisschen zu tief angesetzt war, wollte ich ihn gern mit Caro zusammen machen und die Zeit so gut es geht zum üben der Eskimo-Rolle nutzen. Gesagt, getan - am nächsten Vormittag ging es los, wir bekamen unser Equipment, absolvierten die ersten Trockenübungen und dann ging es zu einem kleinen See. Hier kamen die Basics wie ein- und aussteigen, die ersten Paddelschläge und das erste mal umkippen, sich retten lassen und Unterwasser aus dem Boot aussteigen. Wir übten noch ein bisschen die Roll-Technik und nach dem Mittag ging es auf den Fluss. Der Rio Espolon fließt sehr seicht dahin und hier wurde das ein- und ausfahren in die Kehrwässer geübt. Kurz vor dem Ausstieg probierte ich die Rolle, aber schaffte sie nicht und musste mich umdrehen lassen. Die nächsten Tage folgten dem selben Programm, Kehrwasser fahren auf dem Rio Espolon und Rolle üben auf dem See. Am zweiten Tag klappte die Rolle bei mir dann auch wieder bei ca. 50% der Versuche, obwohl ich meine Technik von „Twist and Slice“ auf „C to C“ änderte. Für Caro wurde das Training allmählich zu viel - das Kehrwasser fahren funktionierte zwar an sich, aber irgendwas hatten die Trainer immer auszusetzen und das führte zu mehr Verwirrung als unbedingt zu Fortschritt. Auf der anderen Seite waren unsere Paddeljacken sehr einfach, was bedeutete, dass bei jeder Rolle (bzw. jedem Versuch) eine ganze Menge Wasser im inneren landete und es nach spätestens 20 Minuten richtig kalt wurde. Zum Glück hatten wir alle Tage gutes Wetter und man konnte sich am Ufer sitzend in der Sonne aufwärmen. Am dritten Tag fuhren wir auf dem Rio Espolon noch bis zu einer Surf-Welle an der ich mich versuchte und beim zweiten Anlauf zu Surfen kenterte. Anschließend übten wir zum letzten Mal als Gruppe das Rollen auf dem See, während Caro sich am Ufer aufwärmte und den Hund beschäftigte, der uns die letzten Tage immer am See besucht hatte. Für diesen Abend wurden wir in das Camp von ExChile eingeladen, wo es für alle ein „Asado“ (wörtlich. Braten/ in diesem Fall ein speziell am Feuer gegrilltes Lamm) geben sollte. Es wurde ein toller Abend mit allen Kursteilnehmern und den noch da gebliebenen Guides. Neben uns haben noch 4 Brüder aus London, sowie 2 deutsche „Work and Traveller“ und Jani der finnische Praktikant am Paddelkurs teilgenommen. Nach dem Essen quatschten wir eine ganze Weile mit dem Guide Steve aus den USA, der mit seiner Freundin aus Deutschland (Sie studiert derzeit in Kleve, wo Caro auch mal gelebt hat) bald in die Sächsische Schweiz zum Wandern fährt. Ganz schön verrückt wie klein diese Welt sein kann! Danach geht er nach Island, wo er im Norden der Insel als Rafting-Guide im europäischen Sommer sein Geld verdient. Wenn Ende November die Saison in Patagonien wieder losgeht, zieht es ihn bestimmt zurück an den Futaleufu.
    Den vierten Tag gingen wir Raften. Zunächst ging es Morgens erstmal zum Camp, von da aus sollte es heute losgehen. Da die vier Briten anschließend direkt in ihre Seekayaks steigen, um noch eine 10-Tage Kayaktour zu machen, mussten sie vorab alle Sachen und ihr Essen in ihren Kayaks verstauen. Und man muss sagen, dabei hatten sie die Ruhe weg. Zwei Stunden warteten wir im Camp und genossen die Sonne, bevor sie alles fertig hatten. Paulo, ein spanischer Guide, fuhr das Safety-Raft, Umberto, ein Chilene im Kayak, Chiloe, die Tochter von Chris auch im Kayak und Harley war heute wieder unser Guide, wie die Tage zuvor. Insgesamt waren wir also 2 Rafts und 2 Kayaker auf dem Wasser und natürlich die 4 britischen Brüder und wir zwei. Der Fluss und die Umgebung sind traumhaft schön und wir genossen die Tour. Das Wasser war klar und hatte ca. 15°C. Zunächst erklärte uns Harley, wie wir Paddeln müssen sowie noch einige Sicherheitshinweise. Nachdem alles auch life getestet wurde, ging es los. Vor uns lagen 22km mit einigen Stromschnellen der Klasse IV und V. Es hat unglaublich viel Spaß gemacht und wir waren alle begeistert von der Tour. Man wurde auch wieder bis auf die Haut nass, aber die Sonne war warm genug und man fror nicht. Eine der größten Stromschnellen auf dem Fluss ist „Terminator“. Hier hielten wir an, stiegen aus und kletterten auf einen Stein, um uns die gesamte Stromschnelle von oben anzuschauen. Gewaltig in was für einer Geschwindigkeit hier der Fluss fließt. Herabgefallene Felsbrocken haben diese Stromschnelle der Klasse V gebildet. Harley zeigte uns, welche Linie er fahren will und an welchen Stellen wir besonders starke Schläge machen müssen. Es ging wieder ins Raft und wir fuhren „Terminator“ runter. Was für ein Spaß, wir haben genau die Linie getroffen und am Ende machten wir alle zusammen ein „Paddel high Five“. Kurz danach hielten wir an einem kleinen Strand und machten Mittagspause. Wie alle Tage zuvor gab es auch heute Sandwich, Saft und Kekse. Nach 20 Minuten Pause ging es zurück aufs Raft und weiter den Fluss hinunter. Kurz danach fragte Konrad mich, ob ich mein Handy habe. Erschrocken stellte ich fest, dass es nicht um meinen Hals hängt. Bei unserer Pause hatte ich es Konrad gegeben und er hat es nach Benutzung an einem Baum gehangen und wir haben beide nicht mehr dran gedacht. Umberto fuhr für uns von Kehrwasser zu Kehrwasser gegen den Strom etwa 400m flussaufwärts und kam mit meinem Handy zurück. Ich war heilfroh und wir gaben ihm dafür ein großes Trinkgeld. In der Wartezeit unterhielten wir uns mit den Briten über den Brexit, der ja aktuell in seiner heißen Phase ist. Alle vier sind Brexitgegner und hoffen jetzt einfach nur, dass das ganze Chaos bald vorbei ist und sich das Land danach schnell erholt. Dazu hatte einer der vier eine Witzige (🦘) Geschichte á la „Brexit für eilige“: Der Brexit ist wie wenn du mit deinem Freund abends in Club gehst und dein Freund meint, lass noch einen besseren Club finden. Ihr findet aber keinen besseren Club aber der Türsteher lässt euch auch nicht mehr in den ersten Club - und jetzt diskutiert ihr mit dem Türsteher wer schuld an der ganzen Situation hat.
    Nach etwa 4 Stunden Raften kamen wir am Ziel an. Die Kayaks für die Jungs standen bereit. Wir zogen uns um, die Briten stiegen in ihr Kayak und wir schauten ihnen nach. Die vier hatten quasi in einem Crashkurs gelernt zu paddeln und das Ganze sah noch ein wenig unbeholfen aus. Wir sind uns aber sicher, dass sie eine tolle Zeit haben und auch sicher an ihrem Ziel ankommen werden. Für uns ging es zurück in das kleine Dorf auf unseren Zeltplatz. Wir waren beide so müde, dass wir uns gerade noch überwinden konnten Abendbrot zu kochen.
    Konrad und Caro
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