• Luxus pur & abenteuerliche Fahrten

    7.–9. feb., Oman ⋅ ☀️ 16 °C

    Nach dem Exkurs zum Snake Canyon fahren wir zur Unterkunft für die nächsten zwei Nächte. Diese ist etwas ganz Besonderes. Jedenfalls für uns. Seit Tagen bin ich deshalb
    schon ziemlich aufgeregt.
    Zum einen liegt diese Unterkunft in einer Preiskategorie, die nicht zu unserem sonstigen Preisniveau gehört. Ich hab da ziemlich lange mit mir selbst verhandelt, ob ich das buchen soll. Zum anderen ist die Wahrscheinlichkeit sehr groß, dass das Wetter uns einen mächtigen Strich durch die Rechnung machen könnte. So beobachte ich seit Tagen die Wettervorhersage, als ob ich damit etwas ändern könnte.
    Und es sieht leider nicht gut aus.

    In Birkat Al Mouz verlassen wir die Schnellstraße, die nach Maskat führt.
    Sayq, der Zielort, ist nur über die eine Straße zu erreichen. Es ist eine Sackgasse, die wir auch wieder zurückfahren werden.
    Bei der Buchung des Hotels wird man darauf hingewiesen, dass die Unterkunft nur mit einem 4WD Fahrzeug erreichbar ist. Dementsprechend haben wir unterwegs gar nicht erst das Auto säubern lassen. Wir sind auf das Schlimmste vorbereitet.

    Am Fuße des beginnenden Anstiegs auf 2.000 Meter wird jeder von der Polizei namentlich erfasst. So auch wir. Wer mit einem normalen PKW erscheint, muss hier seine Fahrt beenden. Gleich um die Ecke soll es einen Vermieter geben, bei dem man 4WD Autos ausleihen kann. Wie wir aber später erfahren, bietet unser Hotel für einen Obolus einen Shuttle nach oben an.
    Nun. Wir sind bestens vorbereitet.
    Einige Meter hinter der Kontrollstelle wird man nochmals geblitzt. Vermutlich um bildlich festzuhalten, dass wir hochfahren 🙄

    Die Straße beginnt als mehrspurige Bahn im Bestzustand. Es gibt einen Standstreifen und eine durchgehende etwa 1.50 bis 2 Meter hohe Begrenzung zum steil abfallenden Abhang aus Betonwänden.
    In gleichmäßigen großzügigen Serpentinen schrauben wir uns auf die entsprechen Ebene hoch. Immer noch warten wir auf das Teilstück, weshalb man unbedingt einen 4WD benötigt…
    Aber so ein Abschnitt kommt nicht. Und nein. Die Straße ist nicht erst neu. Die gibt es schon seit mehr als zehn Jahren!
    Wozu also das Ganze? Fragen wir an der Rezi des Indigo Jabel Akhdar Hotels beim Einchecken. Die Antwort ist: Wegen der gefährlichen Abfahrt nach unten. Echt jetzt?

    Unser Zimmer befindet sich in der dritten Etage. Der direkte Blick in den Canyon ist genau wie auf den Hotel-Bildern. Alles hier fühlt sich sehr luxuriös an. Von der Regendusche, die so satt Wasser gibt, dass es sich anfühlt, als wenn man im Stehen in der Badewanne liegen würde bis zur Bettwäsche in der man für immer eingewickelt bleiben möchte.

    Und das Wetter? Perfekt.
    Es sind 14 Grad. Der riesige Pool ist geheizt. Obwohl er noch wärmer sein könnte. In der Sonne fühlt es sich wie Sommer an. Ist diese nach dem Sonnenuntergang weg, wird’s empfindlich kalt und furchtbar eisig.
    Das i-Tüpfelchen sind die Mahlzeiten. Ja ich habe Halbpension gebucht, da ich dachte, das Hotel sei von der Welt abgeschnitten. Es gibt Büffets. Und da bin ich ja immer sehr kritisch. Ich unterstelle ja meist Kantinenessen. Vor allem zum Dinner. Aber das hier ist anders. Das Frühstück bekommt gleich den Ehrenplatz neben unserer ewigen Nr 1: dem im Peninsula Bangkok. Hier gibt es praktisch alles. Außer Thai-Mango. Auch das Dinner-Büffet lässt keine Wünsche offen.
    Rainer hasst es. Aber nur weil er kein Ende findet 🤣 Seinen neuerdings erworbenen Medizinball unter dem T-Shirt abzutrainieren, wird ein paar harte Stunden im Gym bedeuten. Aber noch reisen wir.

    Das Hotel steht an der Abbruchkante. Nicht etwa hundert Meter entfernt. Nein. Direkt an der Kante. Wie das genau aussieht, das schauen wir uns am nächsten Tag an.

    Beim Frühstück auf der weitläufigen Terrasse entdecke ich einen sich schlängelnden Weg unterhalb der Abbruchkante. Nach der Fahrt in den Snake Canyon kann mich so gar nix mehr schocken. Wir erkunden nicht die touristisch empfehlenswerte drei Dörfer-Wanderung, wo alle durchgeschleust werden. Wir haben ein entsprechendes Auto. Und mein Fahrer ist erfahren genug mit jeder Situation.
    So verbringen wir den ersten Tag auf staubigen Pisten. Als wir schon denken, wir haben alles machbare hier in der Senke erobert, entdecken wir hinter einem sehr slottigen Abschnitt ein noch abgelegeneres Dorf. Zu erreichen - wie nicht anders zu erwarten - über einen sehr steil abfallenden Hang. Aber wir zögern. Wir holen unsere Stühlchen raus und genießen erstmal nur den Blick in die Schlucht. Der Himmel ist auch nicht mehr so klar und wir verschieben die Aktion der Abfahrt auf den frühen Abend in der Hoffnung, die Bergflanken rotleuchtend zu sehen.
    Vielmehr lockt nun der Pool mit der grandiosen Aussicht. Irgendwie „muss“ man ja die hohe Hotelrate nutzen 😉

    Am späten Nachmittag wird es jedoch dunstig und wir verschieben diese Fahrt dann auf morgen. Den Abreisetag.
    Und der ist wieder total sonnig.
    Die Fahrt nach unten bedeutet einen Höhenverlust von etwa 900 Metern bei einer Luftlinienentfernung von etwa 500 Metern zu überwinden. Die Piste wird wohl nur von den Einheimischen genutzt. Aber sie ist gut gemacht. An jeder Kehre ist Platz genug für ein weiteres Auto. Hier bleiben wir ab und an stehen. Nicht etwa weil noch ein anderes Auto unterwegs wäre. Nein. Nur um diesen landschaftlichen Wahnsinn zu erfassen.

    Unten im Ort erwartet uns eine Oase. Wie immer mit einer fotogenen Palmenansammlung. Überall hüpfen diese langhaarigen Schönheiten von Wildziegen zwischen den riesigen Steinen rum. Eine Moschee hat der Ort natürlich auch. Wir sehen sogar einen einzigen Einwohner.

    Da stellt sich wieder einmal die Frage: Wer wohnt hier? Wer lebt hier? So abgelegen von der restlichen Welt. Fühlen sich die Menschen hier von ihr abgeschnitten? Oder fühlt man sich hier lebend von der Natur und den monströsen Bergen ringsherum sogar wohl geschützt?
    Wir werden mit diesen Fragen allein gelassen. Wir dürfen uns selbst eine Meinung, ein Bild davon machen und die Eindrücke in die Welt mitnehmen.
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