• Day74

    Seit nun mehr einer Woche sind wir in Barra da Lagoa, einem Fischerdorf auf der Insel Santa Catarina.
    Nach einer Nacht im Bus mit wenig Schlaf kamen wir am Morgen in Florianópolis an. Von hier aus nahmen wir den lokalen Bus nach Barra da Lagoa. Eingequetscht zwischen brasilianischen Touristen kamen wir langsam voran, Auto an Auto drängte sich der Verkehr auf der Insel. Nach 2,5 Stunden für wenige Kilometer war es dann soweit. Über eine klapprige Holzbrücke bahnten wir uns den Weg Richtung Hostel.
    Ein wenig höher gelegen, auf die Bucht hinabblickend, liegt das Land des Rosemary Dream. Zunächst ein wenig befremdlich für uns müde Wandersleut wurden wir mit Umarmungen begrüßt und in der Familie willkommen geheißen. Schnell war klar, dies ist kein einfaches Hostel, sondern eine Lebenseinstellung.
    Gegründet wurde das Rosemary Dream vor zwei Jahren von drei Männern aus Israel, die das Land von einer alten Dame namens Rosemary kauften. Mittlerweile ist hier eine Gemeinschaft aus Gründern und vielen Freiwilligen entstanden, die, neben dem Hostel, viele Aktivitäten anbieten. So gibt es morgendliche Yoga- oder Wanderangebote, zwei Mal in der Woche ein „Family Dinner“ mit fantastischem, fast veganem Essen (frischer Fisch aus der Bucht wird auch serviert) und viel Musik und Tanz.
    All dies gefällt uns so sehr, dass wir gestern spontan nach einem Caipirinha am Strand beschlossen haben, noch eine Woche zu bleiben. Hiervon konnte uns weder der Starkregen der letzen Tage abhalten, der auch das Wasser der Kanalisation ins Meer und die Bucht trieb; noch der täglich wiederkehrende Stromausfall.
    Nach einem fehlgeschlagenen Versuch, uns das Surfen selbst beibringen zu wollen, hatten wir heute zudem unsere erste Surfstunde bei Ernesto und haben das großartige Gefühl verspürt, auf einem Board zu stehen. All dies wird uns wohl auch die nächste Woche noch beschäftigen, sodass wir uns nicht vor Langweile fürchten brauchen. ;)
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  • Day65

    Da wir noch überlegten, wo es als nächstes hingehen sollte (zurück auf die ursprüngliche Route über Chile und Bolivien nach Peru, über Paraguay und Bolivien nach Peru oder weiter nach Brasilien), beschlossen wir zunächst noch ein paar Tage in Puerto Iguazu zu bleiben.
    Die Zeit nutzten wir um die beste Technik zu entwickeln, Mangos von den Bäumen in den Straßen der Stadt zu pflücken (mit der einen Hand eine Jacke in den Baum werfen, mit der anderen die herabfallende Mango auffangen). Zudem besuchten wir eine Auffangstation für verletzte Wildtiere, wo die Tiere, wenn möglich, nach der Behandlung wieder in der Natur freigelassen werden. Dort mussten wir feststellen, dass viele Tiere als Haustiere gehalten wurden. So hielt eine Frau einen Leoparden gemeinsam mit ihren Katzen, bis er ihr Kind anfiel. Der Leopard wurde schließlich durch die Behörden aus der Gefangenschaft befreit und der Station übergeben.
    Außerdem besuchten wir den zweitgrößten Wasserdamm der Welt mit Namen „Itaipu“, der in einem binationalen Projekt von Paraguay und Brasilien erbaut wurde. Mit der Energie, die hier gewonnen wird, werden 15% des Bedarfs von Brasilien und 80% des von Paraguay gedeckt. Unerwähnt bei der Führung blieben allerdings die tausenden von Guaraní, die hierfür ihre Heimat verlassen mussten...
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  • Day62

    Den Silvester- und Neujahrstag verbrachten wir auf der argentinischen Seite der Iguazúfälle.
    Auf dieser Seite hat man nicht den Überblick über all die Wasserfälle wie in Brasilien, dafür sieht man einzelne Fälle aus direkter Nähe und kann einen viel größeren Teil des Parks zu Fuß erkunden. Zudem konnten wir von ganz oben in den sogenannten „Teufelsrachen“ schauen. Ein riesiges Gefälle von Wasser, laut und alles verschlingend.
    Die Silvesternacht verbrachten wir ruhig nach all den Eindrücken; abends schwammen wir im Pool des Hotels, schauten „Dinner for one“ und stießen mit Fanta und Saft auf das neue Jahr an.
    Am zweiten Tag liefen wir den längsten Wanderweg des Parks in Richtung eines Wasserfalls. An dem Eingang des Weges stand ein riesiges Holzbild mit Warnungen vor Pumas und Leoparden.
    Wir liefen hinein in das Grün des Regenwaldes und waren fasziniert von seiner Schönheit, den von Pflanzen umschlungenen Bäumen und den Vögeln, die in allen Farben leuchteten.
    Auf dem Rückweg wurde uns dann schlagartig bewusst, warum es „Regenwald“ heißt. Die Wolken brachen auf und ergossen sich über unseren Köpfen, sodass wir, als wir uns wieder aus dem Dickicht geschlagen hatten, bis auf die Unterwäsche triefnass waren. Auch das Handy duschte mit und hat, nachdem es zwei Tage lang in Reis getrocknet wurde, einen kleinen Wasserschaden.
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  • Day59

    Nach einer 20stündigen Busfahrt kamen wir in Puerto Iguazu an. Von hier aus sollte es mit einem lokalen Bus nach Brasilien gehen, auf das andere Flussufer.
    Nach kurzer Wartezeit stiegen wir in den Bus ein. Dieser hielt, sobald wir aus der Stadt waren, am argentinischen Grenzposten und wir bekamen einen Ausreisestempel in unsere Reisepässe. Soweit, so gut.
    Wir fuhren mit dem Bus weiter über den Grenzfluss „Rio Iguazú“ und der Busfahrer wollte schon am brasilianischen Grenzposten vorbeifahren. Zum Glück stiegen außer uns auch noch ein argentinisches Pärchen aus, die dies dem Busfahrer kenntlich machten. Alle anderen Passagiere blieben sitzen.
    Wir wunderten uns ein wenig, gingen jedoch ins Gebäude der Grenzpolizei. Hier herrschte ruhige Betriebslosigkeit und wir bekamen ohne weiteres, bis auf die Frage, was unser nächstes Reiseziel sei, unseren Stempel. Auch das Gepäck blieb unangetastet.
    Als wir wieder aus dem Gebäude kamen, war der Bus jedoch weitergefahren. Wir setzten uns mit dem anderen Paar an die Bushaltestelle und warteten.
    Eine Dreiviertelstunde später hatte sich noch eine Deutsche zu uns gesellt, aber ein Bus war noch immer nicht in Sicht. Die Argentinier hatten sich inzwischen von ihrem Hotel aus ein Taxi bestellt und wir beschlossen zusammen mit der anderen aus Deutschland zu laufen, die zufällig in dem gleichen Hostel war wie wir.
    Bei tropischen Temperaturen ging es Richtung Stadt. Wir liefen vorbei an Bäumen von denen große gelb-rote Früchte fielen. Bei näherem Betrachten stellte sich heraus, dass es sich um Mangos handelte. Endlich waren wir in exotischen Gefilden angekommen!

    Nach einer schlaflosen Nacht dank drei Schnarchern in unserem Zimmer, war unsere anfängliche Begeisterung einem müden Genervtsein gewichen. Niemand sprach hier Englisch oder Spanisch; wir wurden angestarrt und es war heiß.
    So starteten wir unsere Reise zu einem der sieben Weltwunder der Natur: den Iguazú-Wasserfällen.
    Nach einem langen Marsch durch die Stadt erreichten wir verschwitzt den Busterminal und fuhren los. Schon im Bus wurden viele verschiedene Sprachen gesprochen und wir waren merklich zu einer Haupttouristenattraktion unterwegs. Angekommen wurden wir von einer riesigen Schlange erwartet: Massen von Menschen warteten darauf, mit einem der Busse in den Nationalpark gebracht zu werden. Nach dem Kauf der Tickets und einer Stunde Wartezeit in einer riesigen Halle bestiegen wir einen der Busse. Es ging etwa zehn Minuten eine asphaltierte Straße entlang, links und rechts begrenzt von grünem, verschlungenen Dickicht.
    An der Endhaltestelle stiegen wir aus, nachdem wir bereits einen kurzen Blick auf das Panorama der Fälle erhaschen konnten.
    Da es bereits zur Mittagsstunde schlug und uns ein kleiner Hunger überkam und wir darüber hinaus am Eingang bereits Voucher für das Mittagsbuffet erstanden hatten, begaben wir uns zum Restaurant. Auf der dortigen Terrasse ließ es sich vorzüglich speisen und so wurden wir, neben dem Essen, auch mit einer tollen Aussicht auf die oberen Enden der Wasserfälle belohnt.
    Auf dem Weg zu den Aussichtsplattformen konnten wir Nasebären dabei beobachten, wie sie arglosen Besuchern die Butterbrote streitig machten.
    Einen Pfad liefen wir hinab und den Touristenmassen entgegen, wozu wir uns gesellten. Vom obersten Punkt hatten wir einen schönen Panoramablick auf einen Teil der Wasserfälle. Mit einem Aufzug ging es anschließend hinab in Richtung „Garganta do Diabo“ und eines Stegs, der direkt unterhalb eines der Fälle verläuft.
    Die hinabschießenden Wassermassen wirbelten Tropfen in die Luft, die bei der knallenden Sonne eine willkommene Erfrischung auf unserer Haut hinterließen.
    Bevor wir die Rückreise antraten, wandelten wir die Pfade entlang und genossen die Gesellschaft der Nasenbären und die tollen Ausblicke auf das Naturspektakel.
    Einer der Busse brachte uns wieder zum Eingang des Parks, von wo aus wir wieder zurück in die Stadt fuhren.

    Am folgenden Tag - etwas regnerisch, aber trotzdem warm - schauten wir uns den Grenzpunkt zwischen Argentinien, Brasilien und Paraguay an. Zwei Flüsse treffen hier aufeinander und markieren die Grenzen zwischen den Ländern. Jedes der Länder hat einen Obelisken aufgestellt, der in landestypischen Farben leuchtet. Mit einem der lokalen Busse fuhren im Anschluss zurück in unser Hostel und genossen den warmen Sommerabend auf der Dachterasse mit einem frischen Obstsalat.
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  • Day54

    Seit fast zwei Wochen sind wir mittlerweile in Buenos Aires und genießen die Stadt in all seiner Vielfalt.
    Wir waren auf Märkten; haben jungen und alten Menschen beim Tango zu gesehen; Eis gegessen; Papageien gesehen; waren in Parks und auf dem berühmten Friedhof La Recoleta, wo die Toten über der Erde liegen.
    Heute, am heiligen Abend, machen wir uns einen gemütlichen Tag bei heißen Temperaturen. Wir skypen mit unseren Familien und später gehen wir Essen und schauen uns das Weihnachtsfeuerwerk an.

    Wir wünschen euch allen fröhliche Weihnachten und schöne Festtage!
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  • Day42

    Am Morgen nahmen wir um 9 Uhr den Bus nach Buenos Aires. Die südamerikanische Unpünktlichkeit kam uns hierbei zugute, denn wir gingen von einer Abfahrtszeit um 9:30 Uhr aus.
    Pünktlich um zehn nach neun kamen wir an, glücklicherweise am richtigen Busterminal, denn so genau war der Abfahrtsort auf unserem Ticket nicht verzeichnet. Es hätte auch einer der übrigen vier Terminals der Stadt sein können.
    Nach Besteigen des Busses ging die 24-stündige Busfahrt los. Unterwegs wurden wir mit Zuckercreme gefüllten Doppelkeksen, Fruchtnektarlimonade und Instantkaffee, in den scheinbar jedes Mal ein Zuckerfass gefallen war, versorgt.
    Es ging die Anden hinauf, wir schlängelten uns Serpentinenstraßen entlang und kamen an die Grenzstation, die scheinbar im Niemandsland zwischen Chile und Argentinien errichtet wurden, an. Nach dem Ausstieg aus dem Bus und dem Einreihen am Grenzschalter erhielten wir nach einiger Wartezeit unseren Stempel in den Reisepass.
    Da, ebenso wie nach Chile, die Einfuhr sämtlicher (frischer) Lebensmittel verboten ist, wurde das große Gepäck aus dem Frachtraum durchleuchtet. Das Handgepäck sollten wir aus dem Bus nach draußen bringen. Auch hier reihten wir uns wieder ein und warteten, was denn wohl passieren möge. So genau schienen das aber auch die spanisch sprechenden Mitreisenden nicht zu wissen.
    Nach einer Weile lief eine Frau die Reihe entlang und durchsuchte jedes Gepäckstück einzeln nach verbotenen Dingen wie Äpfeln oder Käse. Kurz bevor sie uns erreichte, war die Kontrolle beendet. Völlig verwirrt durften wir den Bus wieder bestiegen und die Fahrt ging weiter.
    Die raue Felslandschaft ging es wieder hinab und Buenos Aires entgegen. Am Abend wurde Lasagne mit Hackfleisch serviert, die wir im Sinne der Völkerverständigung an unsere Vordermänner verschenkten.
    Das vierte Bild im Anhang zeigt das, was uns übrig blieb (in der gelben Schale links oben ist natürlich süßer Pudding).
    Die einsetzende Abenddämmerung mit scheinbar glühendem Horizont läutete den Abend ein und nach mehr oder weniger erholsamem Schlaf kamen wir am Morgen gegen 9 Uhr am Busbahnhof an.
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  • Day41

    Nachdem wir das Auto abgeben hatten, fuhren wir mit der U-Bahn ins Eco Hostel, das sehr zentral gelegen ist.
    Hier übernachteten vor ein wenig mehr als einem halben Jahr Mik und Andrew, die uns das Hostel empfohlen hatten. Es war ein merkwürdiges Gefühl nach ihnen hier zu sein, auf dem Sofa zu sitzen, auf dem sie auch gesessen haben und dennoch an anderen Ende der Welt zu sein.
    Wir ließen unsere Sachen in dem Mehrbettzimmer und waren nun froh, uns wieder ohne Auto bewegen zu können.
    Da wir bereits am nächsten Morgen mit dem Bus nach Buenos Aires fahren wollen, blieben uns etwa 24 Stunden Santiago ein wenig kennenzulernen. Wir erkundeten die Stadt zu Fuß, sahen uns Bellavista an und fuhren mit der Gondel auf einen naturbewachsenen Hügel in Mitten der Stadt. Oben angekommen besahen wir das Chaos der Stadt und spazierten unter dem Blick der riesigen Marienstatue umher.
    Den Eindruck, den wir von Santiago bekamen war: laut, dreckig, nach Urin stinkend, aber auch grün, sympathisch und mit vielen idyllischen Ecken.
    Gegen Nachmittag bekamen wir Hunger und aßen in einem der nicht touristisch und teuer aussehenden Straßenrestaurants. Als vegetarische Option bekamen wir Reis mit Pommes serviert; während um uns herum die chilenische Delikatesse, die es auch an jeder Wärmetheke im Supermarkt zu kaufen gibt, halbes Hähnchen mit Pommes verspeist wurde.
    Nach einem netten Abend mit anderen Reisenden verbrachten wir die Nacht nicht in unserem Zimmer, sondern auf den zwei Sofas des Gemeinschaftsraumes, dank eines unfassbar laut schnarchenden Zimmergenossen. Morgens standen wir früh auf, aßen das beste Hostelfrühstück seit Beginn unserer Reise und fuhren zum Busterminal.
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  • Day40

    Am Morgen erwachten wir erholt und machten uns nach einem leckeren, aber sehr süßen Frühstück wieder auf den Weg. Der Hotelbesitzer lüftete noch das Geheimnis, der vielen Menschen auf der Autobahn: gerade einmal 500 Meter von dem Hotel entfernt, stand eine Kirche in der Maria erschienen sei. Hier sollte an diesem Tag ein Fest zu ihren Ehren stattfinden und ca. 800 000 Chilenen aus der gesamten Umgebung pilgerten hierher, um daran teilhaben zu können. Ab dem Nachmittag sollte sogar die Autobahn gesperrt werden, damit die Menschen Platz hätten, ihre Zelte aufzustellen.
    Die Neugier zog uns zu der Kirche und wir waren beeindruckt von dem Spektakel, das sich uns bot. Menschenmassen gingen an uns vorbei, Zelte standen am Straßenrand und kilometerlang zogen sich die Verkaufsstände mit Essen und heiligen Reliquien aus Plastik.
    Wir fuhren jedoch der Empfehlung des Hotelbesitzers nach weiter die Küste hinunter in Richtung der Surferstadt Pichilemu. Auf halber Strecke machten wir Pause bei dem Ferienhaus Pablo Nerudas, dem chilenischen Dichter und Schriftsteller, das mittlerweile als Museum zu besichtigen ist.
    In Pichilemu angekommen, stellten wir unser Zelt auf einem Campingplatz, welcher aus recycelten Materialien erbaut worden ist, direkt am Strand auf. Es stellte sich heraus, dass wir für die Nacht die einzigen Gäste waren, dies sollte sich jedoch (leider!) am nächsten Tag ändern.
    Wir erkundeten den schwarzen Sandstrand und schauten auf die Weiten des Pazifiks hinaus. Ein Hungergefühl machte sich langsam breit und wir entschlossen uns, zur Feier des Tages einmal Essen zu gehen. Allerdings war es erst halb acht am Abend und die Küche in dem Fischrestaurant mit Blick auf den Ozean war noch nicht warm. So vertrödelten wir noch ein wenig die Zeit am Strand und der Promenade und kehrten gegen acht wieder zurück. Mittlerweile war die Hitze des Tages frösteligen Temperaturen gewichen, sodass wir uns einen Tisch in dem Restaurant suchten und uns wärmende Cocktails zu Gemüte führten. Nach einer unglaublichen Fischplatte und leckerem Schokoladenkuchen mit Eis liefen wir satt und ein wenig angeheitert zurück zum Zelt und genossen die Ruhe der Nacht.
    Am nächsten Tag aßen wir Empanadas und tranken frischen Saft, bevor wir mit dem Auto an den nächstgelegenen Strand fuhren. Dort verbrachten wir den Tag mit dem Beobachten und Bewundern von Surfern, die auf die perfekte Welle warteten. Wir beschlossen, sobald sich die Gelegenheit ergebe, auch einen Kurs zu besuchen. Allerdings, Jonathan zuliebe, erst in wärmeren Gefilden.
    Zurück am Campingplatz hatte sich dieser mit Zelten und Wohnwagen gefüllt und wir waren nicht länger die Einzigen. Viele Chilenen aus Santiago zog es wohl über das Wochenende nach Pichilemu.
    Die Nacht begann ruhig, jedoch stellte sich um zwei Uhr heraus, dass es sich um einen der berühmt-berüchtigten Party-Campingplätze handelte, von denen uns Mik bereits berichtet hatte. An Schlaf war nicht länger zu denken und so fuhren wir mit dem Auto näher zum Strand herunter. Hier verbrachten wir einen ungemütlichen, aber ruhigeren Rest der Nacht auf den Vordersitzen.
    Nun hieß jedoch langsam Abschied von unserem kleinen Auto zu nehmen, dass wir am nächsten Tag in Santiago wieder abgeben mussten. Wir suchten uns einen Campingplatz in einer Ortschaft bei Santiago aus, wo wir die letzte Nacht verbringen wollten und machten uns auf den Weg.
    Auf Landstraßen fuhren wir vorbei an fantastischen Gegenden: hindurch an Wäldern, karg bewachsenen Bergen und Seen bis hin zu dem „Ostgarten“ Chiles, wo Wein, Äpfel, Erdbeeren und vieles mehr angebaut werden. Hier stärkten wir uns mit einer Schale süßester Erdbeeren und fuhren den vermeintlich kurzen Rest der Strecke bis zu unserem Zielort.
    Dort angekommen, machten jedoch Plakate auf ein „Internationales Bierfest“ (ja, auf deutsch!) aufmerksam und ein langer Stau zog sich durch die Innenstadt. Nach unser letzten Nacht mit kaum Schlaf wollten wir nur eins: schnell wieder weg!
    Dank eines ungesicherten Internetzugangs eines Weingutes auf dem Weg konnten wir uns noch schnell ein Hostel in Santiago mit kostenlosen Parkplätzen buchen und so nahm unser Ausflug doch ein glückliches Ende.
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  • Day36

    Am Morgen kamen wir nach zehnstündiger Busfahrt etwas müde und verspannt in Santiago de Chile an. Die Hauptstadt empfing uns laut und chaotisch, doch dank der Metro fanden wir den Weg nach Bellavista, wo das Mietauto der nächsten fünf Tage auf uns wartete.
    Wir wollten Santiagos Umgebung unabhängiger und flexibler erkunden und freuten uns auf die Freiheit, anhalten zu können, wo wir wollten.
    Die Stadt heizte sich langsam auf und uns war nach Strand und Meer. Im Reiseführer hatten wir von einem Ort namens „Quintay“ gelesen, wo sich einer der schönsten Strände Chiles befinden sollte. Also packten wir unsere sieben Sachen (und die Badehose) in den Kofferraum und fuhren los.
    Der Weg führte uns aus der Stadt heraus, an Bergen vorbei hinein ins Valle de Casablanca, einem der Weinanbaugebiete des Landes. Auf dem Standstreifen der Autobahn sahen wir immer wieder Menschen mit großen und kleinen Rucksäcken auf Wanderschaft und wir wunderten uns ein wenig. Dieses Rätsel sollte jedoch erst Tags darauf gelüftet werden.
    Wir fuhren weiter Richtung Meer, die Landschaft wurde waldiger, steiler und die Wolkendecke zog sich plötzlich immer weiter zu. In Quintay angekommen, zeigte sich die Ortschaft wie ausgestorben. Wir fuhren an den Strand, der uns mit Klippen an irische Küsten erinnerte. Hinter uns streckten sich jedoch einige Hostelblocks in die Höhe, die in der Vorsaison noch auf Gäste warteten.
    Wir standen eine Weile da, blickten auf die Weiten des Pazifiks hinaus und ließen uns den Wind entgegen peitschen, bis die frischen Temperaturen uns wieder ins Auto trieben.
    Wir beschlossen, die Küste weiter herunterzufahren, doch auch hier waren die Ortschaften verlassen und warteten noch auf die Gäste aus Santiago während der Sommerferien. Leere Hotelburgen, Vergnügungsparks und Billigrestaurants säumten die Strände und wir fanden nicht die schönen Orte vor, die wir uns gewünscht hatten. Die Zeit zog dahin, wir brauchten noch einen Ort zum Schlafen und in dieser Gegend kam uns nichts einladend vor, also fuhren wir die Küste gen Norden Richtung Valparaiso und Viña del Mar auf der Suche nach einem Campingplatz außerhalb der Stadt oder einem Hostel. Eigentlich wollten wir mit dem Auto nicht zum Übernachten nicht in Städte fahren, doch es wurde dunkel und wir hatten noch immer nichts gefunden. Also landeten wir nach Viña Del Mar, da uns berichtet wurde, dass diese Stadt sicherer sei.
    Auf dem Weg nach Viña machte Joni noch eine aufsehenerregende Entdeckung: Das Auto hielt mitten auf der Straße und er stammelte: „Jose, Jose; schau doch mal.“ Ich blickte nach draußen und sah das große Exemplar eines der Tiere, wegen derer ich nicht nach Südamerika gekommen war: eine behaarte Vogelspinne. Von Ekel geschüttelt, während Jonathan eher fasziniert war, ging die Fahrt weiter.
    Die Hostels, die im Lonely Planet empfohlen wurden, stellten sich leider als nicht länger existent heraus. Mittlerweile war es halb elf und wir waren noch immer ohne Platz für die Nacht. Nachdem wir bei einem Hostel, das bereits ausgebucht war und fälschlicherweise bei einem Stundenhotel (diese sind wohl in Chile üblich für junge Paare, die beide noch bei ihren Eltern leben) geklopft hatten, fanden wir endlich eine Unterkunft in einem familiengeführten Hostel, die zu später Stunde noch Schönheitsreparaturen an der Außenfassade leisteten.
    Glücklich fielen wir in das einigermaßen saubere Bett und buchten uns schnell noch eine Unterkunft für den nächsten Tag.
    Am Nikolaustag erwachten wir, beglückwünschten das Geburtstagskind Ingrid und machten uns auf den Weg zum Auto. Dort mussten wir leider feststellen, dass die Nacht nicht ohne Folgen verlief und wir einen der Scheibenwischer verloren hatten. Total verbogen hatte dieser eine neue Heimat auf dem Asphalt gefunden und stand uns fortan nicht mehr zur Verfügung. Glücklicherweise war Regen schon seit Wochen kein Problem mehr.
    Am Vortag lasen wir von einem Botanischen Garten vor den Toren der Stadt, der ein lohnenswertes Ziel zum Picknicken und Verweilen ist. Wir fuhren dorthin und machten einen Erkundungsrundgang vorbei an Kakteen, Palmen und einem französischen Rosengarten. Zwischendurch setzten wir uns an eine der Picknickbänke und nahmen unser neues Lieblingsfrühstück ein: Chilenische „Brötchen“ mit Salatblättern, Tomaten- und Gurkenscheiben und Avocado gewürzt mit Merkén (geräucherte Chiliflocken nach Art der Mapuche), Salz und Pfeffer und frischem Zitronensaft.
    Voller Eindrücke setzten wir uns wieder in unseren kleinen Flitzer und wollten zum Abendessen nach Valparaiso fahren, die neben Viña Del Mar gelegenen bunte Künstler- und Hafenstadt.
    Hinein ging es in die Stadt und damit ins Verkehrschaos, Hügel rauf und Hügel runter mit drängelnden und überholenden Autofahrern. Angekommen, stellten wir das Auto ab und wollten gerade losziehen, als ein alter Mann mit herunterhängender Warnweste auf uns zu kam. Er wollte Geld dafür, dass er auf das Auto aufpassen würde. So genau verstanden haben wir ihn nicht. Uns kam das ein wenig merkwürdig vor und nach der Erfahrung der letzten Nacht mit dem abgebrochenen Scheibenwischer begaben wir uns lieber wieder auf den Weg.
    Mittlerweile war es nun auch Zeit, zu der gebuchten Unterkunft zu fahren. Nach einem kleinen Suchspiel war sie bald gefunden und wir freuten uns auf einen Abend am Swimmingpool. Blöderweise schien niemand vor Ort zu sein. Wir klingelten, klopften und riefen, doch das Tor blieb verschlossen.
    Es schien schon wieder solch ein Abend zu werden, an dem wir nicht wissen, wo wir die Nacht verbringen würden.
    Mittlerweile war es halb sieben und der Hunger trieb uns auf der Suche nach einer Gelegenheit, eine Mahlzeit zu erhalten, weiter. Die nächste Stadt war Casablanca, wo es zwar kein Restaurant zu geben schien, dafür aber einen Supermarkt. Wir deckten uns mit Obst, warmen Kartoffelbällchen, deutschem Rotkraut und deutschem Marmorkuchen ein, aßen im Auto und stellten uns die nun so drängende Frage nach einem Schlafplatz.
    Fehlender Zugang zum Internet erschwerte die Beantwortung immens, auch die zwischenzeitliche Fahrt durch den Ort auf der Suche nach einer Unterkunft blieb ergebnislos.
    Uns blieb nichts anderes übrig, als wieder zum ursprünglichen Hotel zu fahren und zu hoffen, dass nun jemand die Türe öffnet. Und tatsächlich, beim zweiten Versuch kam nach dem Läuten ein Mann ans Tor und öffnete. Nach der freundlichen Begrüßung und dem Abstellen des Autos inspizierten wir die Räumlichkeiten. Es schien sich offensichtlich um eine von zwei Männern geführtes Hotel zu handeln, erst vor wenigen Monaten in Betrieb gegangen und rustikal eingerichtet. Basis der meisten Einrichtungsgegenstände war die gute Holzpalette, nicht nur Kopfteil des Bettes und Regale bestanden daraus, auch die Liegen am Pool waren eine Abwandlung davon.
    Die Sonne begann langsam zu sinken und wir steckten unsere Füße ins kühle Wasser des Pools, schauten den am Grundstück zahlreich vorbeirauschenden Autos und Lastwagen nach und ließen den Abend, der schlussendlich doch noch ein glückliches Ende genommen hatte, ausklingen.
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  • Day33

    Am Montag kamen wir nach vierstündiger Busfahrt in Pucón und somit im Sommer an. Als wir aus dem Bus ausstiegen, bekleidet mit Wanderschuhen, Wanderhose und Fleecejacke, traf uns bei knallender Mittagshitze der Schlag. Wir beeilten uns, zum Hostel zu kommen, das ein wenig vom Stadtkern entfernt gelegenen war. Dieses war voller - zumeist deutscher - Reisender und leider kein Ort der Sauberkeit. Wohlweislich hatten wir nur eine Nacht gebucht. So stellten wir unser Gepäck ab, zogen uns ein wenig passender an, trugen kräftig Sonnencreme auf und machten uns auf den Weg zu einer Erkundungstour durch die Stadt.
    Pucón ist ein schöner, kleiner Ort direkt an einem großen See gelegen mit vielen Attraktionen in der Nähe: dem rauchenden Vulkan Villaricca; einem Nationalpark, in dem Arraukaria Bäume stehen, welche weltweit nur in dieser Gegend heimisch sind; Flüssen für Rafting und Wildwasserkajaks und vielem mehr. All dies macht Pucón zu einem touristischen Hotspot und in der Einkaufsstraße reiht sich ein Tourenanbieter an den nächsten. Spaziert man jedoch in den Seitenstraßen finden sich leckere Empanadas und Obstläden und man entdeckt Pucón ein wenig abseits des Touristenwirbels.
    Nachdem wir die Stadt erkundet, ich mich mit zwei Sommerkleidern eingedeckt und wir Ideen für die nächsten Tage gesammelt hatten, gingen wir zurück zum Hostel und legten uns nach einem schnellen Abendessen in unsere Betten.
    Am nächsten Morgen gab es Obstsalat mit Naturjoghurt (gar nicht so leicht zu finden in den zuckerverliebten Supermärkten) und wir liefen mit Sack und Pack zu einem Campingplatz am anderen Ende der Stadt, den wir inzwischen ausfindig gemacht hatten.
    Schon auf dem Weg dorthin machte sich eine ungewohnte Anstrengung breit, obwohl es erst Vormittag war. Wir suchten uns einen netten Stellplatz im Halbschatten für unser Zelt und bauten unser Heim für die Nacht auf. Nachdem wir noch schnell etwas eingekauft hatten, legten wir uns ins Zelt und schliefen bis zum Abend. Ich fieberte und Joni lag neben mir mit grippalem Infekt.
    So gestalten sich die nächsten Tage ruhig, wir schliefen viel und der tägliche Ausflug zum Einkaufen raubte unsere gesamte Kraft. Glücklicherweise hatten wir unser Zelt und damit Platz und Ruhe für uns. Zudem war der Zeltplatz eine kleine Oase mitten in den Stadt mit Bachlauf und Lagune.
    Ein weiterer Pluspunkt des Campingplatzes war, dass sich niemand zu kümmern schien, ob man für die Nächte bezahlte oder nicht, sodass wir nach einigen gescheiterten Versuchen, an den Rezeption jemanden anzutreffen, es aufgaben und unsere (fast) kostenlose Unterkunft genossen.
    Da die Waschmöglichkeiten jedoch sehr zu wünschen übrig ließen und wir uns nach einer heißen Dusche und auch nach einem Bett zum Gesundwerden sehnten, entschieden wir uns dafür, das Wochenende im Hostel „¡ecolé!“ zu verbringen, welches uns von Paula empfohlenen wurde. Hier verbrachten wir die letzten Tage auf dem Weg zur Gesundung und ließen uns mit dem leckeren Essen des hosteleigenen vegetarischen Restaurants samt Gemüse aus dem eigenen Garten verwöhnen.
    Wir planten unsere weitere Reise und entschieden uns dafür, Pucón ohne Vulkanbesteigung den Rücken zu kehren, da unser Energielevel für eine achtstündige Wanderung in den nächsten Tagen noch nicht ausreichen hoch sein würde. So buchten wir einen Nachtbus nach Santiago für den nächsten Abend und einen Mietwagen für den übernächsten Morgen.
    Ganz ohne Pucóns Umgebung zu erkunden, fuhren wir nicht, sondern mieteten am letzten Tag bei einem der unzähligen Anbietern zwei Fahrräder und radelten ein wenig durch die Mittagshitze berauf und bergab, bis unsere Körper eine Pause forderte, wir uns auf einer Wiese neben einem schattenspendenden Baum niederließen und den anstrengenden Teil des Tages beendeten.
    Der Bus nach Santiago fuhr um 21:30 Uhr, was uns genug Zeit ließ, noch ein wenig am Strand zu entspannen und einen letzten Blick auf den rauchenden Riesen zu erhaschen.
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  • Day27

    Die vergangene Woche verbrachten wir auf einer Farm in der Nähe von Punta Larga. Wir hatten über WOOFing eine Familie kennengelernt, die uns für einige Tage/ Wochen aufnehmen wollte, sodass wir einige Arbeiten rund um Haus und Garten erledigen konnten.
    Am Montag kamen wir mit dem Bus wieder in Puerto Varas an und wurden dort am Bus Terminal von Paula abgeholt. Dann ging es weiter mit dem Auto in die wunderschöne Pampa: grüne weite Felder und wenige Holzhäuser. Später hörten wir, dass viele junge Familien aus Santiago in die Gegend ziehen würden, um der Hektik der Großstadt zu entfliehen.
    Auf dem Weg zur Farm holten wir noch die drei- und siebenjährigen Töchter Ona und Dalia von einer Geburtstagsfeier ab, die uns aufgeregt begrüßten. Angekommen lernten wir noch die beiden weiteren Familienmitglieder kennen: Iloy, den siebenmonatigen strahlenden Sonnenschein und Brian, den Vater der Familie, der ursprünglich aus London kommt. Paula, die in Santiago aufgewachsen ist und er hatten sich in Neuseeland kennen- und lieben gelernt und sich vor zehn Jahren dazu entschieden, nach Chile zu ziehen.
    Paula ist studierte Psychologin, jedoch momentan in Elternzeit und Brian arbeitet als Tischler, was sich sowohl am Haus als auch an der selbstgezimmerten Inneneinrichtung bemerkbar machte. Da im Haus nicht viel Platz war, schlugen wir unser Zelt im Garten mit Ausblick auf einen schneebedeckten Vulkangipfel und den Lago Llanquihue, der drittgrößte See Chiles, welcher mit einer Größe von über 800qm den Bodensee bei weitem übertrifft, auf.
    Die nächsten Tage verbrachten wir bei bestem Wetter im Garten: beim Jäten von Unkraut um die Blaubeersträucher herum; beim Ausmisten des Hühnerstalls und beim Herausreißen von wildwachsenen Brombeerpflanzen. Außerdem genossen wir mittags die Köstlichkeiten, die Anna, die Nanny der Familie, auf den Tisch zauberte, spielten mit den Kindern, backten Kuchen, machten Spaziergänge mit Bo, dem Hund, hinunter zum See und unterhielten uns abends vor dem Kamin mit Paula und Brian über die Unterschiede von England, Neuseeland, Deutschland und Chile.
    Uns tat es gut, einige Tage am selben Ort zu verbringen, mit den Händen in der Erde zu wühlen und ein wenig mehr über Chile zu erfahren.
    Am Wochenende hatte Brian einen Campingausflug mit seinen Töchtern geplant und Paula flog mit Iloy nach Santiago zu ihrer Familie, sodass wir das Haus für uns hatten.
    Wir nutzten die Zeit, um uns ein wenig Gedanken über unsere weitere Reiseroute zu machen. Es gefiel uns hier, aber wir wollten noch soooo viel sehen, dass es uns wieder auf die Straße trieb. Wir entschieden noch eine Woche bei Paula und Brian zu bleiben und uns dann auf den Weg entweder direkt oder mit einem kleinen Umweg über Argentinien nach Pucón zu machen.
    Jedoch, wie es Pläne so an sich haben, wird aus ihnen zu meist doch etwas anderes. So erreichte uns am Sonntag eine Nachricht von Paula, in der sie schrieb, dass sie sich dagegen entschieden hätten, einen Zaun für die Hühner zu bauen und sie deshalb keine Arbeit mehr für uns hätten. Ein wenig ärgerten wir uns über die Art des „Rauswurfs“, da wir so eine schöne Zeit mit ihnen uns den Kindern verbracht hatten, gleichzeitig freuten wir uns aber auch über die wiedergewonnene Freiheit. So endete unsere Zeit auf der Farm früher als gedacht und wir bestiegen am nächsten Tag den ersten Bus Richtung Pucón zu einem der aktivsten Vulkane Chiles und dem Mekka für Outdoorfans.
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  • Day19

    Nach der behaglichen Zeit in Puerto Varas zog es uns nach Chiloé, einer Insel etwa vier Busstunden von Puerto Varas entfernt. In Puerto Natales hatte unser chilenischer Zimmergenosse begeistert von der Insel erzählt und so planten wir hier ein paar gemütliche Tage zu verbringen, bevor wir am 20. November unsere erste Arbeitsstelle auf einer Farm bei Frutillar antreten werden. Wir leisteten uns den Luxus eines Zweierzimmers und machten uns auf die Reise.
    In Puerto Varas wurden wir positiv von einem schicken ETM-Bus mit Ruhesesseln überrascht und wir fuhren durch die grüne Landschaft gen Süden. Mit Bus auf der Fähre setzten wir nach Chiloé über und kamen einige Stunden später in Castro an.
    Hier zeigte sich Chile zu unserer Verwunderung nicht von seiner schönsten Seite. Heruntergekommene Häuser, abgebrannte Ruinen und viel zu viele herumstreunende Hunde machten die Freude über unsere Ankunft zunieder. Nichtsdestotrotz ließen wir uns von unseren Plänen nicht beirren und liefen zu unserem Hostel, welches ein wenig außerhalb gelegen ist.
    Wir kamen an einer Einbuchtung des Meeres vorbei, an dessen Rand bunte Häuser auf Stelzen stehen. Bei genauerer Betrachtung stellte es sich als das kreative Viertel von Castro heraus, wo sich Unterkünfte, Restaurants und kleine Lädchen aneinanderreihen. Für uns ging es jedoch leider weiter bergauf. Nach einigen Metern kam ein Auto neben uns zum Stehen und der Fahrer fragte, ob wir auf dem Weg zum „Hostal Gamboa“ sein. Es stellte sich heraus, das dies der Eigentümer unserer Unterkunft der nächsten Tage war und er nahm uns den restlichen Weg mit nach oben.
    Im Hostel angekommen, war es leider nicht so schön und sauber wie auf den Bildern und voller Chilenen, die dort wohnten oder arbeiteten und von morgens früh bis spät in der Nacht in der Küche saßen, die sich direkt vor unserem Zimmer befand. Eigentlich alle sehr sympathisch und offen, aber es versprach nicht die ruhige Zeit zu werden, die wir uns gewünscht hatten.
    An dem Abend und am darauffolgenden Morgen kam dann unser erstes Reisetief. Wir hatten keine Lust mehr herumzuziehen, ständig woanders zu schlafen und wünschten uns einen gemütlichen und warmen (!) Ort, an dem wir uns zurückziehen konnten. Dazu kam zum einen die Kälte, mit der wir in der Nacht zu kämpfen hatten, da das Haus nur über einen Kamin verfügt, der lediglich das obere Stockwerk beheizt und zum anderen vor allem für Joni auch noch die fehlenden Spanischkenntnisse, die jegliche Verständigung nahezu unmöglich machten.
    Am nächsten Tag überlegten wir viel, wie es nun weitergehen sollte. Eigentlich hatten wir ja Lust auf das Reisen, nur versetzte uns diese Insel einen kleinen Dämpfer. Trotzdem beschlossen wir Chiloé eine Chance zu geben und nicht zurück nach Puerto Varas zu fahren, schließlich hatten wir soviel Positives gehört und gelesen.
    Da uns nach wie vor nach Ruhe war, fuhren wir mit einem der Minibusse auf Empfehlung des Hostelbesitzers in den Nationalpark von Chiloé und wanderten im nach Regenwald anmutenden Park und Joni sah zum ersten Mal den Pazifik aus nächster Nähe. Das Draußen- und Zuzweitsein tat uns gut. Wir ordneten unsere Gedanken und verschoben das Negative aus ihnen.
    Auch in den folgenden beiden Tagen suchten wir die Einsamkeit und erkundeten mit den Minibussen die Insel. Weiter sprachen wir viel über die Zukunft und darüber, wie wir leben möchten, wenn wir „zurück“ sind. Vielleicht mussten wir erst ans Ende der Welt reisen, um herauszufinden, wie deutsch wir sind und dass ohne Pläne, Sauberkeit und Pünktlichkeit eben doch etwas fehlt ;)
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