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  • Day122

    Tauchen, Graffititour & Markt

    September 25, 2019 in Colombia ⋅ ⛅ 30 °C

    Ich liebe die “Find my friend”-Funktion des iPhones! Der blaue Punkt auf dem ersten Foto bin ich, Michas Foto im Wasser ist der Standort von seinem Handy, während er dort gerade am tauchen ist 😂 Der Tauchkurs gefällt Micha mega gut, sodass wir aufm Weg zum Tayrona Nationalpark nochmal in Santa Marta anhalten werden, um dort gemeinsam tauchen zu gehen. Micha hat sich schon ne Tauchapp zum Tauchgänge nachfassen installiert und sich über ne GoPro bzw. - nach kritischem Blick aus meiner Richtung (400€!) - eine wasserdichte Hülle für sein Handy zum Fotos machen eingelesen. Michas Hobbies sind aufgrund der vielen Arbeitsstunden in den letzten Jahren in den Winterschlaf gefallen und wachen gefühlt gerade alle gleichzeitig wieder auf 😂

    Ich war in der Zwischenzeit shoppen und hab mir ein wunderschönes, bodenlanges Blumenkleid aus meinem kolumbianischen Lieblingsladen - Studio F - gekauft. Die produzieren alle Hosen und Kleider in Rohling-Länge und kürzen die dann kostenlos auf die passende Länge der kleinen kolumbianischen Frauen. Das heißt für mich: noch nie gesehener Shoppinghimmel, mir passen alle Hosen, Kleider, und Jumpsuits, und einige sind SOGAR ZU LANG!!! Für mich! Nie im Traum hätt ich gedacht so einen Laden in Kolumbien zu finden, wo die Frauen im Schnitt 25cm kleiner sind als ich! 😂 Aktuell warten Maria und ich noch auf DIE denim Jeans aus der neuen Kollektion, sone mega geile, die ab dem halben Oberschenkel offen ist. Als wir vor 3 Wochen mit Marias kompletter Familie nach Guatapé gefahren sind hatten wir die in dem Katalog gesehen, den Marias Schwiegermutter mithatte, während wir zu dritt auf der Rückbank saßen. Natürlich ist die Hose das Einzige aus der neuen Kollektion, das noch nicht im Laden ist 🙄😅

    Anschließend sind Micha und ich zusammen durch das Szeneviertel Getsemani geschlendert, um die vielen Graffiti zu bewundern. Mega schönes, lebhaftes und buntes Viertel! Abends waren wir dann im Cafe del Mar, von wo aus man einen atemberaubenden Sonnenuntergang miterlebt! Die Dachterrasse hat bestimmt 200 Sitzplätze und war raaaappelvoll, und während die Sonne langsam unterging hat der DJ den Akt mit so dramatischer Musik begleitet, hahaha, das war mega witzig aber auch sehr stimmungsvoll.

    Am nächsten Tag (Micha = tauchen) hatte ich mir eine Tour zum Bazurto Markt gebucht. Das ist ein Food market, ca 20Min Busfahrt vom Stadtzentrum entfernt, auf dem alles (theoretisch) Essbare verkauft wird. Die Tour wurde für “Adventurous food tasters” auf der Seite des Anbieters advertiert, mit folgendem einstimmenden Zusatz: “Comfort level: Low. This tour is definitely not for everyone. It's hot, the fisheries smell strongly. Noise is high and hygiene is low. (100% worth the effort, though)” Ha, ich war gespannt! An dem Tag war ich die einzige Teilnehmerin der Tour, sowie auch die einzige Weiße (“Hola, blanca!”) auf dem Markt. Der Gegensatz von schillernder, farbenfroher Kolonial-Innenstadt zu heruntergekommener Vorstadt mit Markt war sehr krass. Viele der Waren liegen auf dem Boden rum, es riecht, ist krass dreckig, und die Leuten sehen sehr ärmlich und teilweise sogar heruntergekommen aus. Allerdings waren die Verkäufer mega nett und als ich ein Foto von einem Mann mit seinem Bananenwagen gemacht habe hat mich ein weiterer Bananenverkäufer angesprochen, ob ich nicht ein Foto von ihm machen wolle, denn sein Bananenwagen sei viel schöner 😄 Die Wagen mit Früchten drauf sieht man überall, zum Teil fahren die Verkäufer bis zu 3 Stunden (!) in der brüllendheißen, feuchten Hitze an de Ort, wo sie ihre Waren verkaufen. Wir haben mit einer Frau gesprochen, die seit 50 Jahren auf dem Markt arbeitet und sage und schreibe 15 Kinder zur Welt gebracht hat. Als die Frau das erzählte hat sie so einen Arnold Schwarzenegger Move mit ihren Armen gemacht und gelacht, denn sie hätte alle auf natürlichem Wege gekriegt! Dieser Arni Move, muss ich jetzt noch grinsen wenn ich daran denke, das war mega witzig. Kate, meine Tourguidin, erzählt dass viele der Leute hier für das Essen für den Tag arbeiten; haben sie das nötige Geld dafür zusammen hören sie auf und fahren nach Hause. Somit bleibt gar kein Geld um was zur Seite zu legen, geschweige denn, um Geld in die Bildung der Kinder zu investieren.

    Nach den schönen Teilen (Früchte, Graffiti, Musik, und Kleidung) des Marktes fragt mich Kate, ob ich auch den Fleisch- und Fischteil sehen wollte. Sei nichts für einen schwachen Magen. Na auf jeden Fall will ich das! Dachte ich zumindest. Im Nachhinein kann ich immer noch nicht glauben, was für Gerüche und Bilder mich in diesem Teil erwartet haben. Rohes Fleisch auf Pappkarton auf dreckigen Tischen, ungekühlt, teilweise schwimmend im eigenen Blut. Aneinander gereihte Schweinsköpfe, die alle so drapiert sind, dass sie nach oben gucken, und komisch zusammengerollte, hundgroße weiße Tiere, deren toter Körper schon mit Löchern versehen halb verwest scheint. BAH!!! “It’s very cheap here.” Ja, nach Delikatesse sieht das hier auch wirklich nicht aus. Und das Fleisch werde selbstverständlich auch von Läden in der (fancy schicken) Innenstadt gekauft. So, das wars. Ich richte meinen Blick nach unten und werde erst wieder atmen, wenn ich draußen bin...

    Direkt nach dem Fleisch- und Fischteil gehts weiter zum Mittagessen. Auf dem Markt. Grad GAR keinen Hunger. Kate besorgt uns was, selbstverständlich ohne Fleisch, schließlich wissen wir ja wos herkommt 🤮. Suppe mit weißen Käsewürfeln und Reis mit Shrimps. Ich hätte am liebsten gar nichts gegessen, wir hatten vorher schon ungelogen 1L frischgemixte Säfte zu zweit verköstigt und irgendwas frittiertes mit Käse gegessen, aber da stand es schon vor mir. Kolumbien hinterlässt so langsam Spuren an meiner Hüfte, wird Zeit dass wir wieder in die Berge kommen! 🙈
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