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  • Day51

    Salento - El Valle de Cocora

    May 11 in Colombia ⋅ 🌧 20 °C

    Von Jardín aus machten wir uns auf den Weg nach Salento. Dafür mussten wir einen Bus gleich um 8 Uhr am Morgen nehmen, sonst hätten wir keinen Anschlussbus mehr an diesem Tag erwischt. Durch Berge ging es auf schmalen Straßen entlang, bis wir in Riosucio ankamen. Dort mussten wir umsteigen und zunächst Tickets für den nächsten Bus kaufen. Währenddessen wurden uns Empanadas angeboten, von denen wir zwei kauften und positiv überrascht waren - bei einem Busbahnhof mitten im Nirgendwo bekamen wir die bisher besten Empanadas! Die nächste positive Überraschung: Scheinbar wurde das Busnetz weiter ausgebaut, und so mussten wir nicht noch ein zweites Mal umsteigen wie es online beschrieben war, sondern konnten von hier aus direkt nach Salento fahren! Der Bus war luxuriös wie so oft hier - da können deutsche Busse bei weitem nicht mithalten. Liegt vielleicht auch daran, dass der Bus hier das Hauptfortbewegungsmittel ist, weil es keine Züge gibt. Wir hatten bequeme Sitze, super Beinfreiheit und an jedem Sitz einen Bildschirm mit Filmen und Musik - sogar auf Englisch.

    Plötzlich machte es einen lauten Knall - danach schepperte unser Bus vor sich hin. Nach ungefähr einem Kilometer hielt es unser Busfahrer doch mal für nötig rechts ranzufahren und seinen Bus zu begutachten. Hinten war der zweite Reifen zerrissen (die hinteren Achsen waren doppelt bereift) - direkt unter uns. Das waren wohl zwei Empanadas zu viel 😂. Das hinderte den Busfahrer nicht, nochmal 4km weiter zu fahren. Wir fragten uns ernsthaft, ob er die restlichen zwei Stunden Fahrt so durchziehen wollte. Der Lärm wurde immer schlimmer, und das abhängende Stück Reifen schlug mit jeder Umdrehungen von unten gegen den Boden. Sämtliche Rinder, Pferde und Hunde an den angrenzenden Weiden rannten verängstigt weg oder bellten den Bus laut an. Aber dann kamen wir doch endlich wieder zum stehen - der Busfahrer wusste wohl, dass bald ein Reifenwechselservice kommt. Mitten im Nirgendwo, eine kleine Hütte. Da der Bus einen Ersatzreifen dabei hatte, war das Problem in einer halben Stunde gelöst. Wir hatten schon erwartet, dass wir einige Stunden auf einen Ersatzbus warten müssen, aber manchmal geht alles viel einfacher als man denkt.

    In Salento angekommen, war unser Hostel gleich neben dem Busterminal, und von dort aus hatten wir einen schönen Blick ins Grüne. Unsere Stimmung war allerdings nicht so gut - die Müdigkeit durch die lange Busfahrt, das kältere Klima, der bewölkte Himmel. Trotzdem rafften wir uns auf, um den Ortskern zu erkunden. Der war teilweise ziemlich touristisch, aber trotzdem ließen wir uns nieder um zum ersten Mal eine Limonada de Coco zu probieren - Kokosmilch mit Wasser, Limettensaft und etwas Zucker. Das war genau was wir brauchten, eine tolle Erfrischung! Wir gingen noch einen Kreuzweg, der zu einem Aussichtspunkt über die Stadt führte. Dann stand für Michael ein Frisörbesuch an, und danach gab es nur noch Abendessen.

    Am nächsten Tag machten wir uns früh auf den Weg, um das zu besuchen, was uns nach Salento geführt hat: das Valle de Cocora mit seinen bis zu 60 Meter hohen Wachspalmen. Diese gehören zu den höchsten Weltweit, leider sind sie aber vom Aussterben bedroht. Mit einem Geländewagen wurden wir vom Hauptplatz in Salento ins Tal gefahren. Damit sich die Fahrt auch lohnt, wurde das Gefährt vollgestopft bis zum geht nicht mehr. Somit stand ich hinten auf der Stoßstange und musste mich gut festhalten. Der Vorteil an der Sache war, dass ich nach der 20 minütigen Fahrt endlich wach war! Die Wanderung war wunderschön, immer wieder hatten wir tolle Aussichten auf die gigantischen Wachspalmen. Uns begegneten freilaufende Pferde, und auf 2900 Metern Höhe machten wir Rast bei einer Kolibrifarm. Dort probierten wir eine weitere Spezialität des Landes: “Chocolate con Queso“. Nichts anderes als Kaba mit Käse 😬 Obwohl wir sonst nicht wählerisch sind, konnten wir uns dafür nicht begeistern. Salziger Käse, der schmeckt wie Feta - das passt für uns einfach nicht mit Kaba zusammen. Aber wir habens probiert, immerhin. Die Wanderung ging weiter durch ein Tal, immer an einem Fluss entlang, den wir immer wieder auf alten Brücken überqueren mussten. Ein sehr schöner Ausflug. Zurück in Salento ruhten wir uns zunächst auf der Terrasse unseres Hostels aus.

    Abends wollten wir eigentlich nur was essen gehen, aber danach blieben wir in einer Kneipe mit vielen Billardtischen hängen. Das schöne war, dass diese vor allem von Einheimischen besucht war. Nach zwei Runden Billard entdeckten wir den Keller der Kneipe: ein eigener Bereich in dem Tejo gespielt wurde - ein traditionelles kolumbianisches Spiel. Und schon tauchten zwei deutsche auf, die es auch mal ausprobieren wollten. Man wirft aus 16 Metern Entfernung mit einem Metallstück in einen Kasten, der mit Lehm gefüllt ist. Darin liegt ein Metallring, auf dem vier Päckchen mit Schießpulver liegen. Trifft man das Schießpulver, macht es einen lauten Knall, das gibt Extrapunkte. Es gibt verschiedene Spielregeln was die Punkteverteilung angeht, und wir hatten einen riesen Spaß!

    Am nächsten Tag haben wir noch eine Kaffeefarm besucht, auf der uns die einzelnen Schritte vom Anbau bis zur Herstellung von Kaffee gezeigt wurden. Hier erfuhren wir, dass für viele Farmen mittlerweile der Anbau von Avocados attraktiver ist, weil sie mit diesen höhere Gewinne erzielen können. Der hausgemachte Kaffee war sehr lecker, wenn auch anders als man ihn bei uns in Deutschland kennt. Durch die andere Röstung schmeckte er regelrecht fruchtig.

    Am Nachmittag nahmen wir einen Bus von Salento nach Armenia, von wo aus wir einen Nachtbus nach Bogotá gebucht hatten.
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