Satellite
Show on map
  • Day299

    Mandalay

    January 14, 2020 in Myanmar ⋅ ☀️ 27 °C

    Von Nyaung Shwe aus ging es mit dem Nachtbus nach Mandalay. Diesmal funktionierte alles perfekt. Die Fahrt dauerte fast 9 Stunden bevor wir um 5.00 Uhr in der Früh ankamen.

    Mandalay ist eine vergleichsweise junge Stadt und wurde erst 1857 errichtet, ist aber mit seinen 1,6 Mio. Einwohnern nach Yangon die zweitgrößte Stadt Myanmars. Die Stadt liegt in der Mitte des Landes und war bis 1885 letzte Hauptstadt des Königreiches Birma, bevor das britische Königreich einfiel. Wirtschaftlich betrachtet ist der Reisanbau in der Gegend um Mandalay die wichtigste Säule neben vielen unterschiedlichen Handwerksbetrieben wie z. B. die Herstellung von Blattgold oder Marionetten.

    Obwohl wir bereits um kurz nach 5.00 Uhr in unserem Hotel ankamen, durften wir mal wieder direkt auf das Zimmer. Wir schliefen noch mal ein und machten uns gegen Mittag auf den Weg. Mit einem Tuktuk ging es zum Zegyo Market, der in einem 3-stöckigem Gebäude stattfand. Der war dafür bekannt, kaum touristisch zu sein und so war es auch. Draußen waren Massen an Rollern in bis zu 5 Reihen geparkt und drinnen sahen wir nur Einheimische. Wir mischten uns darunter und wurden neugierig beguckt. Es gab jede Menge Textilien, vor allem den landestypischen Wickelrock (Longyi) in allen Variationen sowie Haushaltsgeräte, Gewürze, Spielzeug etc. Auffällig waren die rot verfärbten Wände und Böden der Treppenhäuser: scheinbar spucken hier alle ihren Mundinhalt nach dem Kauen der Betelnusspäckchen aus, die hier sehr beliebt sind. Wir bekamen Hunger und setzten uns draußen an eine kleine Garküche und aßen Shan Nudelsalat, Papayasalat sowie Suppe. Das Ganze für 0,85 Euro! Am Stand nebenan wurden Betelnusspäckchen verkauft. Das kauen die Menschen hier, um fit und wach zu bleiben. Man bekommt davon rote Zähne und nach dauerhaftem Konsum leider oft auch Zahn- und Mundkrebs. Trotzdem wird das Zeug ständig und überall gekaut, und angeblich glauben sogar viele, es sei gesund - vielleicht, weil sie sich damit so fit fühlen. Die Menschen um uns herum grinsten und lachten uns beim Essen an. Wir mögen diese Atmosphäre. Vor allem auch in Myanmar, wo die Menschen trotz ihrer Armut so extrem freundlich und herzlich sind. Einige Jungs schenkten uns kleine Früchte zum probieren. Manchmal ist es richtig schade, dass wir mit den lieben Menschen kaum kommunizieren können, denn mit Englisch sieht es hier weitaus schlechter aus als in Thailand. Aber manchmal sagt ein Lächeln ja mehr als tausend Worte. Gestärkt ging es dann noch auf den umliegenden Obst- und Gemüsemarkt.

    Kurz vor Sonnenuntergang bestiegen wir noch die unzähligen Treppenstufen zur Byar Deik Paye Pagode auf dem 240 Meter hohen Mandalay Hill. Das musste mal wieder barfuß erledigt werden, da der gesamte Komplex eine Tempelanlage war. Nur war diesmal leider der Boden nicht so sauber und wir bahnten uns den Weg durch Vogel- und Hundereste, die überall herumlagen. Der Sonnenuntergang war von dort oben dann aber richtig schön.

    Am nächsten und auch schon wieder letzten Tag in Mandalay mieteten wir uns ein Taxi, da wir heute viel vorhatten. Es ging zunächst zur Kuthodaw Pagode, die unterhalb des Mandalay Hill lag und mit ihren 729 Stupas, in der sich jeweils eine weiße Marmortafel mit dem Pali-Kanon (das Leben und die Lehren Buddhas) befindet, das größte Buch der Welt sein soll. Wir schlenderten gemütlich über die riesige Anlage und genossen die ruhige Atmosphäre. Von einer Einheimischen wurden wir im Gesicht bemalt, die Paste besteht aus der geriebenen Rinde des indischen Holzapfelbaumes und dient in Myanmar dem Schutz vor der Sonne und gleichzeitig als Makeup. Vor allem Frauen und Kinder sieht man sehr oft damit. Dann ging es weiter zum Flower Market, der direkt neben dem Fluss Irrawaddy liegt, von wo aus auch die Waren wie Fisch, aber auch die Blumen und Obst und Gemüse per Boot angeliefert wurden. Hier lebten viele Menschen in kleinen Hütten, es sah aus wie ein Camp. Kinder begrüßten uns, Frauen wuschen Wäsche im Fluss und Männer schoben voll beladene Schubkarren mit Fisch durch die Gegend. Auch hier waren wir wieder die einzigen Touristen. Ich (Michael) hatte mal wieder einen Frisör nötig und so ging es damit weiter. Nicht ganz so einfach, wenn beide sich nicht verständigen können.😊 Das Highlight war dann das Kopfwaschen. Das erfolgt komplett liegend. Der Frisörbesuch schlug mit unglaublichen 1,21€ zu Buche. Frisch gestriegelt fuhren wir zu einer Blattgoldfertigung weiter. Im Buddhismus wird Blattgold als Opfergabe zur Verziehrung der Pagoden und Tempel verwendet. Die Herstellung erfolgt per Hand mit einem 3 Kilogramm schweren Hammer bis das Gold die Stärke einer Folie hat. Sehr schweißtreibend. Zum Abschluß fuhren wir zur U-Bein-Brücke, die mit ihren 1,2 Kilometern die längste Teakholz Brücke der Welt ist. Von einem gemieteten Boot aus hatten wir den perfekten Blick auf die Brücke und den Sonnenuntergang im Hintergrund. Der kleine Wehmutstropfen war, dass dieser Ort wohl der touristische Hotspot in Mandalay ist und unzählige Touristen aus aller Herren Länder hier ihren Sundowner machen wollten. Zufrieden beschlossen wir unseren Tag in einer Shan-Garküche. Am nächsten Tag sollte es für uns mal wieder nach Bangkok gehen.

    Myanmar hat uns mehr als begeistert. Das Land hat sehr viel zu bieten: eine reichhaltige, interessante Geschichte, eine Mischung aus unzähligen verschiedenen Kulturen (es gibt über 100 unterschiedliche Sprachen), eine tolle, köstliche Küche und vor allem die Menschen, die einem offen und freundlich begegnen. Wir kommen wieder. 😀 Cezu tin ba deh, Myanmar!
    Read more