Joined July 2019
  • Day33

    Wieder zu Hause

    August 8, 2019 in Germany ⋅ ⛅ 23 °C

    Nach 4600 Kilometern und fünf Ländern in 32 Tagen sind wir wieder zu Hause. Das fühlt sich fremd an. Wir haben so viel erlebt und gesehen und vieles davon wird erst in den Tagen und Wochen danach im Kopf und im Herzen ankommen.

    Wir haben uns gefreut und gehadert, manchmal auch gezweifelt, ob diese Reise eine gute Idee und wohlüberlegt war. Vielleicht war sie das - zum Glück - nicht bis ins letzte Detail. Dann hätten wir sie vielleicht nie gemacht. Wir wurden oft bestaunt und noch häufiger zweifelnd gefragt, ob wir das alles auch ordentlich geplant hätten.

    Eines war sie auf jeden Fall: Wundervoll.
    Fast jeder Tag brachte uns eine Erkenntnis des Tages:
    Wohnmobilstufen sind mit Vorsicht zu betreten, der Kühlschrank im Womo kühlt beim Fahren, Gummistiefel müssen an Bord, auf Campingplätzen gibt es fast nur interessante Menschen und - die wichtigste - zur Veränderung gehört NUR Mut.
    Wir haben festgestellt, dass man mit sehr wenig Geld lange Zeit auskommen kann. Das zum Leben genügt, was auf zehn rollende Quadratmeter passt, das Mensch mehr nicht braucht.

    Wir sind uns noch nicht sicher, ob das Reisen mit dem Wohnmobil die Art des Reisens ist, die wir von nun an bevorzugen werden. Aber wir hatten Detleff kaum abgestellt, schon begannen wir die Zeit mit ihm auch schon zu vermissen.

    Sicher, es geht noch freier, noch unabhängiger, man braucht auch keine Campingplätze mit Strom und Dusche. Das aber wäre wohl nicht unsere Art zu Reisen gewesen.

    Wir haben unheimlich viele, interessante Menschen getroffen und uns Zeit genommen für Gespräche und Kennenlernen. Und wir haben Einiges über uns selbst herausgefunden. Rosa war unser Motor, unsere tägliche Freude. Immer fröhlich, immer begeistert, immer zufrieden. Oma und ich hatten auch Tiefpunkte, waren mal müde, mal angespannt oder unzufrieden. Es war kein Tag wie der andere. Wir waren eben drei Generationen. Unterwegs.
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  • Day32

    Letzter Halt: Łodz

    August 7, 2019 in Poland ⋅ ☁️ 22 °C

    Wir machen den letzten Zwischenstopp unserer fast fünfwöchigen Reise in Łodz. Die Einfahrt in die Stadt ist ein wenig irritierend. Viele Abrissbauten, viele Ruinen. In der Stadt selbst ist es sehr lebendig. Unser Hotel ist wieder in der Innenstadt.,umgeben von Einbahnstraßen und der dazugehörende Parkplatz liegt wieder im Innenhof hinter einer Toreinfahrt. Wir wagen es nicht und finden auch hier, glücklicherweise einen Platz vor dem Tor, auf dem wir stehen können (verkehrt herum in der Einbahnstraße) und eine junge Frau, die uns hilft, aus dem Parkautomaten den nötigen Parkschein zu ziehen. Später sehe ich an der Rezeption, dass die Überwachungskamera vor dem Haus genau unser Auto im Visier hat und bitte die Rezeptionistin einen Blick auf Detleff zu werfen. Das Zimmer ist nicht schön, ganz oben unter dem Dach und die Fenster in 4 Meter Höhe lassen sich nur nach oben öffnen. Rausgucken? Fehlanzeige. Und die nach oben geöffneten Fenster sind bei Regen eher unpraktisch.
    Oma geht zum Friseur, als sie feststellt, dass sie im derzeitigen Zustand ihres Haupthaares ihrem Gatten nicht unter die Augen treten will.
    Wir haben geplant zu Shoppen, das haben wir während der kompletten Reise nicht einmal gemacht - und es auch nicht vermisst.
    Uns begegnet mit der Piotrkowska die längste Shoppingmall Europas (5 km) so lang, dass wir den Rückweg mit einer Fahradriksha antreten müssen. Viele junge Designerläden, kein einziges Mainstreamgeschäft auf dieser Strasse, überall wird gebaut. Beeindruckend das alte Fabrikgebäude einer ehemaligen Textilfabrik - dafür war die Stadt bekannt - in dem lauter hippe Kneipen und Kreative angesiedelt sind. Überall im der Stadt stehen Bronzefiguren, die große Łodzer wie Rubinstein oder die Gründungsväter der Stadt abbilden. Die ganze Stadt scheint ein Projekt. Lodz ist - obwohl die drittgrößte Stadt des Landes, kaum als Touristenort bekannt. Deutsche kennen sie ohnehin nur aus dem Lied "Theo - wir fahrn nach Lodz" obwohl kein Pole verstehen würde, was wir Deutschen da singen, denn der Name der Stadt - gesprochen Wudsch - wird so ganz anders ausgesprochen als in dem Schlager.
    Mega bekannt ist die Hochschule für Film, Fernsehen und Theater aus der Stars wie Polanski oder Waida hervorgegangen sind. Wir gehen früh schlafen, den am nächsten Morgen wollen wir früh raus und fit sein, für die allerletzte Etappe unserer Reise.
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  • Day31

    DWOR Klembow - Hotel am Rande Warschaus

    August 6, 2019 in Poland ⋅ ☁️ 28 °C

    Nach acht Stunden und 544 Kilometern stehen wir kurz vor Warschau. Ich habe - mal wieder - bei Booking ein Hotel gebucht und verfalle bei der Anfahrt in einen hysterischen Schockzustand. Der Reihe nach: Wie schon auf der Hinfahrt ist eigentlich alles oberhalb Warschaus nur Landstraße. Deshalb braucht es für solche Entfernungen viel Geduld und Ruhe (beides mir bekanntermaßen fremde Eigenschaften!) Das letzte Stück vor unserer heutigen Station ist dann tatsächlich Autobahn. Dann fahren wir ab und finden uns in einer absoluten Einöde. Der Weg führte - nachdem wir einige kleine Ortschaften im Speckgürtel Warschaus durchfahren hatten - plötzlich als Sandweg geradewegs in den Wald hinein. Man stelle sich unsere Überraschung - und meinen Schock - vor. Ich hatte Angst in dem Sand stecken zu bleiben, rechts und links kratzten Baumzweige an Detleff. Und wir, die wir nach langer Anreise nun wirklich fertig und verschwitzt waren, waren einfach genervt. Als wir linker Hand schließlich eine Parkplatzeinfahrt fanden und das Hotel entdecken, sind wir erleichtert. Es scheint neu, eine riesige Anlage, im Wald und ruhig gelegen mit einer Vielzahl von Konferenz- und Tagungsräumen aber auch fast leer. Die bei der Buchung avisierten Englischkenntnisse beschränkten sich auch darauf, dass die Speisekarte schnell mit Google Übersetzer übersetzt wurde, als wir danach fragten. Unabhängig davon war alles sehr schön. Es gab Bier und wir radebrechten uns durch. Am Ende treffen wir noch einige wirklich nette polnische Gäste und haben echt viel Spaß.
    Da wir unsere Lebensmittel nirgendwo unterstellen konnten, eine Minibar (erprobte Lösung) gab es nicht und in der Hotelküche durften wir aus hygienischen Gründen den Kühlschrank nicht nutzen, waren wir zum ersten Mal gezwungen, (Achtung Lacher!!) unseren Detleff - Kühlschrank mir Gas zu betreiben. Wir müssen unsere Gasphobie überwinden und denken dankbar an unseren Schornsteiger Jan und unsere Begegnung in Lettland. Unser Essen kühlt herrlich und wir schlafen im Hotel!
    Am nächsten Morgen machen wir noch einen wunderbaren Spaziergang in die Gegend. Herrliche Wälder und Ruhe, wir sehen sogar mehrere Rehe, die sich vor uns in den Wald verdrücken. Und wir finden zur Ausfahrt einen Weg, der nicht perfekt, aber ein bisschen besser ist als die Sandpiste bei der Ankunft.
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  • Day29

    Ein Ort zum Wiederkommen: Pajiesmeniai

    August 4, 2019 in Lithuania ⋅ ⛅ 16 °C

    Wir sind wieder da. Bei Kees und Daiva in Pajiesmeniai auf dem Camper Place Lithuania. Auch wenn es diesmal ziemlich voll ist (Wochenende!) und nach wie vor etwas kühl. Es ist ein wunderbarer Ort zum Entspannen. Daiva und Kees haben uns wie alte Bekannte empfangen. Wir stehen ein wenig anders als beim ersten Mal aber wieder herrlich geschützt. Ich bin 5 km gelaufen, Rosa hat gleich neue Freunde gefunden. Zunächst eine Holländerin, die mit ihrem Sohn allein unterwegs war bis nach Lappland und nun auf der Heimreise. Am Abend lernten wir noch eine Familie aus Amsterdam kennen: Sie ist Deutsche, er Engländer, die beiden Mädchen Elinor (6) und Lucinda (4) sprechen englisch, deutsch und holländisch. Die drei Mädels werden unzertrennlich und als am kommenden Tag die Abreise droht, gibt es Tränen.
    Wir bleiben zwei Nächte, Ruhe vor den letzten beiden langen Etappen durch Polen nach Hause.
    In "unserem" kleinen See gehen wir sogar noch einmal Baden. Nur Rosa ist es zu kühl, sie bleibt lieber draußen. Montag Nachmittag kommt Kees zu uns und trinkt mit uns einen Kaffee. Er erzählt uns eine Menge Dinge über das Leben in Litauen, die uns sehr erschüttern. Daiva - seine Frau - ist eigentlich Biologin. Zuletzt war sie eine Art Lehrerin, bekam immer mehr und mehr Arbeit für immer weniger Geld. So haben sie irgendwann beschlossen, dass Daiva aufhört zu arbeiten und sie gemeinsam von Kees´ Rente und den Einkünften des Camperplatzes leben. Ohnehin bekommt ein Rentner in Litauen, egal wie lange und als was er gearbeitet hat, nur um die 200 Euro Rente im Monat. Zu wenig zum Leben und zu viel zum Sterben. Die Armut, insbesondere die Altersarmut in Litauen ist groß und nun wundert es auch nicht mehr, dass ich im kleinen Laden im Ort für 7 Euro einen kompletten Einkauf machen konnte.
    Kees ist es auch, der uns darüber aufklärt, warum das Verhältnis zwischen Litauern und Russen nach wie vor gespalten ist. Er erzählt uns, dass es in den 50er Jahren noch immer litauische Partisanen in den Wäldern gab. Die russischen Besatzer haben sich, wenn sie sie fingen, bitter gerächt, haben die Gefangenen umgebracht und stapelweise vor die Kirchen einfach hingeworfen. Wenn ein Angehöriger auf dem Weg zum Gottesdienst den Seinen erkannte und Emotionen erkennen lies, wurde er sofort verhaftet und erschossen, egal, ob Eltern, Frauen oder Kinder. Kees lies keinen Zweifel daran, dass Hass und Bitterkeit noch tief sitzen und zumindest in dieser Generation wohl kaum Versöhnung möglich sein wird.

    Wir bleiben zwei Nächte und machen uns am Dienstag morgen auf den Weg nach Hause.
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  • Day28

    Deutschordensburg in Bauska

    August 3, 2019 in Latvia ⋅ ⛅ 20 °C

    Wir haben Lettland heute morgen verlassen und uns auf unserer Tagesetappe, nach rund 150 km, die Deutschordensburg in Bauska angeschaut. Der Komplex (Bauskas Pils) besteht aus einer Burgruine und einem Renaissanceschloss. Die Anlage liegt zwischen den Flüssen Mūša und Mēmele am Rand des Stadtzentrums. Typisch für Ordensburgen ist die Bauweise im Stil der norddeutschen Backsteingotik und die Anlage in Form einer Wasserburg, da sich die Burgen meistens im Flachland befanden und daher relativ ungeschützt waren. Die Anlage in Bauska stammt teilweise aus dem 15. Jahrhundert. Im 16. Jhd, - nach Ende der Ordenszeit - wurde auf dem Gelände der Vorburg ein Residenzschloss errichtet. Burg und Schloss wurden im nordischen Krieg 1705 von russischen Truppen gesprengt.
    Das Schloss wird laufend restauriert und instand gesetzt, momentan ist nur der Schloßteil zugänglich, der Teil der Burg ist Baustelle. Am Fuße der Burg fand gerade ein großes Musik- und Aktivfreizeitfestival statt: TASTE. Zwei Tage lang spielen jede Menge Bands, werden zahlreiche Freizeitaktivitäten angeboten, dies in Bauska offenbar schon zum dritten Mal.
    Das war schön, hatte aber die unangenehme Konsequenz, dass es im nahe gelegenen Lokal nichts mehr zu essen und nicht einmal mehr Wasser gab. Musiker und Gäste hatten alles verzehrt. Also fuhren wir - nach einem tollen Spaziergang und schönem Blick auf Park und Fluss - weiter, dem Ziel unserer heutigen Etappe entgegen.
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  • Day27

    Jurasdzeni in Tuja/ Lettland

    August 2, 2019 in Latvia ⋅ ⛅ 17 °C

    Wir haben unseren Platz unterhalb Tallinns heute morgen verlassen und sind etwa 220 km gefahren. Wir sind nun wieder in Lettland. Kurz oberhalb von Riga stehen wir - eigentlich zum ersten Mal direkt am Meer. Dies ist nun einer der schönsten Plätze die wir bisher gesehen haben. Vor uns die Düne und direkt im Anschluss ein breiter Sandstrand. Kaum Menschen. Die Temperaturen sind erträglich. Sehr kalt am Morgen, aber über den Tag wärmt es sich auf. Mehr als 20 Grad werden es aber nie und leider ist es etwas windig. Wenn man doch nur baden könnte. Aber das bleibt uns leider verwehrt.
    Der Platz ist ziemlich groß, hat auch einen großen Zeltplatz, und es gibt ziemlich viele Wohnmobile, aber überfüllt ist er nicht. Sehr naturnah. Die neuen luxuriösen Sanitäranlagen mit Entspannungsmusik wirken fast ein wenig deplatziert. Umso mehr, als dass fürs Duschen jedes Mal zwei Euro fällig werden.

    Die Leute hier kommen von überall her. Estland, Lettland, Norwegen, Finnland, Deutschland, den Niederlanden, auch Engländer sind dabei. Witzig sind die verschiedenen Gewohnheiten der Camper. Die Finnen zum Beispiel verwandeln ihre Stellplätze binnen Kurzem in ein Zuhause indem sie es abzäunen und Hängeranien an ihren Vordächern aufbringen.
    Endlich konnte auch ich meine Hängematte mal aufhängen. Ich spannte sie zwischen Wohnmobil und einem Apfelbaum direkt auf der Düne mit Blick zum Meer. Während ich so im Meerwind schaukelte, zog plötzlich der Apfelbaumduft aus dem elterlichen Garten meiner Kindheit über mich hinweg. Plötzlich hatte ich das Gefühl sehr erholt zu sein. Es hatte in diesem Jahr lange genug gedauert, bis sich dieses Gefühl einstellte.
    Wir bleiben zwei Nächte, gehen am Meer spazieren, lesen. Rosa lernt ein paar nette Jungs kennen, bei denen sie sich nicht entscheiden kann, ich welchen von beiden sie sich verliebt hat.
    Am letzten Tag kommen wir ins Gespräch mit unserem Nachbarn, einem Hamburger, der allein unterwegs ist. Er war Erzieher in Hamburg, ist inzwischen im Ruhestand und hat mit "Wüste-Zeiten" eine Art alternatives Reiseunternehmen, mit dem er Wüstentouren organisiert. Er reist allein, weil seine Frau arbeiten muss und nur wenig Urlaub hat. Über unsere Weiberrunde ist er erstaunt und findet uns mutig. Schade, dass wir ihn nicht eher kennengelernt haben. Er hat eine Gitarre dabei und wäre sicher ein lustiger Begleiter gewesen. Es wird nun immer deutlicher, dass wir ein wenig reisemüde werden. Es ist doch anstrengend immer wieder auf- und abzubauen, immer wieder alles ein- und auszupacken und manche Dinge sind einfach auch körperlich schwer. Wir versuchen für die letzte Etappe nochmal ein wenig Kraft zu sammeln und sind einfach - am Meer.
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  • Day26

    TALLINN - alte junge Hauptstadt Estlands

    August 1, 2019 in Estonia ⋅ ⛅ 15 °C

    Wir haben morgens den Zug genommen und sind super bequem nach Tallinn hinein gefahren. 30 Minuten für 2 Euro. Die Oma - als Seniorin - brauchte gar nicht zahlen. Wir waren ganz schön stolz auf uns, dass wir das alles perfekt geschafft hatten.
    Wieder war es ungewohnt kalt. Bei morgendlichen 9 Grad waren wir losmarschiert und hofften, es würde sich im Laufe des Tages noch erwärmen.
    Tallinn - Hauptstadt Estlands - mit rund 430.000 Einwohnern. Die weitaus größte Stadt des Landes.Von Tallinn hatten im Vorfeld fast alle geschwärmt, die wir getroffen hatten und die die Stadt schon kannten. Jung sei sie und hipp und modern.
    Zunächst einmal habe ich selten eine Stadt gesehen, deren mittelalterliche Bausubstanz so perfekt erhalten ist. Damit wirbt sie auch. Das ist ihr Markenzeichen. Natürlich kann man an einem Tag nicht alles sehen, wir wollten uns vor allem einen kleinen Überblick verschaffen. Sind zunächst an der Stadtmauer entlang gelaufen und haben uns ein wenig treiben lassen. An einer Ecke fanden wir ein wundervolles kleines Kaffee und konnten nicht anders als hineingehen und uns die wunderbaren Kuchen schmecken lassen. Wir fanden eine kleine elektrische Bahn, die eine Tour aus der üblichen Altstadt hinaus in Richtung Hafen und alte Wasserflugzeughallen mit uns gemacht hat. Das war ein tolles hippes Areal auf dem auch der älteste - in Deutschland gebaute - Eisbrecher stand. Von dort hatten wir einen guten Blick auf den Hafen und sahen die riesigen Kreuzfahrtschiffe die in Tallinn vor Anker lagen. Die Stadt war wirklich unglaublich voll mit Touristen aus aller Welt, insbesondere schien es mir, waren viele Italiener und auch Spanier darunter. Eigentlich wollten wir ein bisschen shoppen, aber so richtig zum Shoppen war zumindest die Altstadt nicht ausgelegt. Es gab natürlich einen SouvenirausBernstein-Laden am nächsten und Restaurants ebenfalls, das war es dann aber auch schon. Viel mehr als die Altstadt haben wir natürlich nicht geschafft. Gegen 17 Uhr haben wir die Stadt wieder verlassen und die Rückkehr auf "unseren" Platz angetreten. Vielleicht sind wir auch einfach ein bisschen müde jetzt. Wir sind schon 26 Tage unterwegs und haben so viel Neues gesehen und erfahren. Ein wenig stellt sich nun ein Gefühl der Sättigung ein und ab und an ertappe ich mich dabei, wie ich mir wünsche nun den Rückweg anzutreten. Es wird Zeit, nach Hause zu fahren.
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  • Day25

    SAUE -Vanamoisa Caravan Park

    July 31, 2019 in Estonia ⋅ ⛅ 15 °C

    Nach knapp 200 Kilometern erreichen wir Saue, einen kleinen Ort etwa 20 km unterhalb von Tallinn. Wir haben - auf Empfehlung - geplant uns hier niederzulassen und den Zug nach Tallinn zu nehmen, um den Innenstadtstress mit Wohnmobil zu umgehen. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl auf einem richtigen Campingplatz zu stehen. Der Platz ist neu, sehr groß, es gibt noch kaum Bäume. Alles ist sehr gepflegt und ordentlich, aber auch ein wenig steril, fast ohne Privatsphäre. Leider hat sich bewahrheitet, dass unserer Jalousie den Geist aufgegeben hat. Sie lässt sich nicht mehr herausfahren, so müssen wir den Rest der Reise ohne sie klar kommen. Das ist schade, damit fehlt ein bisschen Gemütlichkeit. Wir bauen uns trotzdem komfortabel auf und laufen noch einmal in den Ort, um für den nächsten Tag den Bahnhof, die Abfahrtszeiten und einen Supermarkt für den abendlichen Einkauf zu erkunden. Rosa tigert über den Platz, hat sofort diesen und jenen Spielgefährten ausgespäht und wir treffen sogar einige "alte" Bekannte wieder, die uns auf dem einen oder anderen Platz schon begegnet waren, u.a. ein sehr nettes Ehepaar aus Görlitz (sie Weißrussin, er Lausitzer) mit ihren beiden Kindern. Insbesondere der Sohn macht ein wenig Kummer, weil ihm das Campen so ganz und gar keinen Spaß macht und er gern nach Hause führe, sehr zum Kummer seiner Eltern. Wir kommen mit einem Ehepaar ins Gespräch, das schon viele Monate unterwegs ist und noch weitere mindestens drei Monate unterwegs sein will. Sie waren schon überall in Europa, auch in der Türkei und Albanien und schwärmen von ihren Erlebnisse, insbesondere der Gastfreundschaft der Menschen. Diese und die Freundlichkeit und Herzlichkeit seien umso größer, je weiter südlich man unterwegs sei. Im Norden, und das begänne in Polen, würden die Menschen zunehmend weniger freundlich, manche eher mürrisch und weniger offen, eher in sich gekehrt. Besonders erschüttert aber habe sie, erzählt mir der Mann, wieviel Schmutz und Müll und Abfall es gäbe, je weiter südlich man käme. Es sei, so meinte er, doch vollkommen unerheblich, was wir in Deutschland täten. Wenn wir nicht auch dafür sorgten, dass sich andere Länder die gleichen Restriktionen beim Verursachen von Müll auferlegten, sei das doch alles für die Katz.Read more

  • Day25

    Valaste Wasserfall

    July 31, 2019 in Estonia ⋅ ☁️ 13 °C

    Die erste Etappe in Richtung Tallin dauerte nur 10 Minuten und 11 km. Wir machten einen Stopp am Valaste Wasserfall. Eigentlich ist der mit seiner 30 Meter hohen Wasserwand der höchste in Estland. Leider ist er ausgetrocknet. Es ist kein Wasser mehr da. Davon unbenommen führt eine nagelneue über mehrere Plattformen führende Eisentreppe die Steilküste nach unten. Dort wo man ihn normalerweise sehen könnte gibt es nun eine ganz gute Aussicht auf die im Lauf von 400 000 Jahren entstandenen Schichten der Erde. Ich musste kneifen, dieser Art von Treppen und Stahlgittern, die den Blick in die Tiefe möglich machen, hält meine Höhenangst nicht stand. Rosa und Oma sind nach unten spaziert, es hat sich gelohnt. Leider gab es von oben bei Temperaturen von mageren 13 Grad für meine Begriffe zu viel Wasser.Read more

  • Day22

    Toila Oru Park - Estland

    July 28, 2019 in Estonia ⋅ ☀️ 24 °C

    Nach einem kurzen Zwischenstopp an einem winzigen (Tante Emma-) Supermarkt, wir mussten dringend unsere Vorräte auffüllen und hatten nicht wirklich Glück, denn sowohl Brot als auch Gemüse waren fast ausverkauft, errreichten wir Toila gegen 14 Uhr. Toila liegt nur rund 40 Kilometer von Narva entfernt und direkt am finnischen Meerbusen. Der Platz war wundervoll, obwohl wir bei unserer Ankunft schon fürchteten keinen Platz zu finden, weil uns eine große Wohnmobilgruppe mit ungefähr 15 Mobilen empfing, die einen guten (abgesperrten) Teil des Platzes belegten und offenbar zusammen unterwegs waren. Wir fanden aber einen schönen Platz mit Meerblick. Das erste Mal, auf unserer nun schon drei Wochen dauernden Reise standen wir direkt am Meer und konnten es rauschen hören, auch wenn es bis dahin über eine steile Treppe den Steilhang hinunter doch rund 200 m waren. Der Platz war wirklich voll, es war Sonntag und das sollte sich bald ändern, nachdem nämlich die estnischen und russischen Wochenendgäste abgereist waren. Gleich neben dem Platz findet sich ein - im typisch sozialistischen Plattenbaustil errichteter Hotelkomplex, dessen Vorzüge wir noch zu schätzen lernten. Wir gingen zur Kosmetik (Oma), zur Massage (ich) und alle zusammen ins herrliche Schwimmbad, mit Wellness und richtiger 50 Meter Schwimmbahn.
    Zunächst aber lernten wir Sergei aus St. Petersburg kennen. Er sprach uns an, weil er hörte, dass wir deutsch sprachen und auf dem Weg zum Strand waren. Er zeigte uns den Weg und nach ein wenig Fußmarsch fanden wir tatsächlich einen etwas sandigen Strandteil. Trotzdem war der Weg dorthin und das ganze Drumherum eher steinig, typisch für die Gegend. Es war wunderbar, das erste Mal im Meer zu baden. Draußen war es warm, das Meer selbst auch einigermaßen erwärmt, Rosa genoss es unglaublich und sprang und rannte immer wieder hinein und raus. (Am nächsten Morgen wollten Rosa und ich gleich nach dem Aufstehen noch einmal ins Wasser. Es hatte sich über Nacht um mindestens zehn Grad abgekühlt und das Wasser war so eisig, dass ich nur mit einiger Überwindung ganz schnell hinein und hinaus konnte. Es sollte unser einziges Bad im Meer - während des gesamten Urlaubs bleiben.)
    Wieder auf dem Platz lernten auch wir Sergejs Sohn Alex und seine Frau Marina kennen. Der kleine Mann - in Rosas Alter - schloß sie sofort ins Herz, die beiden nutzen die verbleibenden Stunden bis zur Abreise und spielten, Alex brachte ihr zum Abschied sogar einen Blumenstrauß. Marina war Kunstmalerin (ihre Tätigkeit bestand darin, Duplikate anzufertigen, derzeit in erster Linie Pastelle). Sie war eine wundervolle, interessante Frau, wir plauderten noch ein wenig, bis alle drei sich aufmachen mussten nach Narva, um die Grenze zu überschreiten. Wir lernten, dass die Russen, auch die St. Petersburger, oft am Wochenende nach Toila kommen, um sich zu erholen. Toila ist seit vielen Jahrzehnten ein anerkannter Erholungskurort.
    Am selben Abend tauchen noch Nadja, Guido und Luna mit ihrem Hund Lotta auf dem Platz auf. Sie kommen aus Bremen und wir schlossen ziemlich schnell Bekanntschaft. Insbesondere die Mädchen waren (gleichalt) vom ersten Moment an praktisch unzertrennlich. Wir blieben auf dem Platz schließlich drei Nächte und unternahmen viel mit den Bremern. Erstaunlich deren Geschichte, die wie für mich geschickt schien. Beide hatten schon vor einiger Zeit beschlossen, ihr Leben zu ändern. Weniger Arbeit, weniger Konsum, mehr Zeit für die wichtigen Dinge im Leben. Nadja hatte schon vor einiger Zeit den Job gewechselt und war nun für eine Stiftung mit 15h/ Woche tätigt. Die beste Entscheidung ihres Lebens, wie sie selbst sagte. Guidos Unternehmen hatte sich verkleinert, er hatte sich eine Abfindung auszahlen und kündigen lassen. Beide hatten sich das Wohnmobil gekauft und wollten nun erst einmal sechs Wochen unterwegs sein. Guido bastelte an neuen Berufsideen als Coach oder Referent als Hilfe für alle diejenigen, die wie er, "runterfahren" wollten. Beiden macht insbesondere die Umweltverschmutzung extrem zu schaffen. Bei unseren Strandspaziergängen wurden sie nicht müde, jede Art von Müll oder Abfall aufzulesen und zu entsorgten. Ich finde diese Biografien, die Geschichten hinter den Menschen, deren Motivationen, beeindruckend und hab mir eine ganze Menge "abgehört". (Dank Internet konnte ich sogar die empfohlenen Sachbücher gleich vor Ort bestellen. Sie würden dann zuhause auf mich warten.) Die drei waren in entgegengesetzter Richtung unterwegs und wollten noch nach Petersburg. Wir konnten gute Tipps geben, unter anderem die Reservierung am Grenzübergang in Estland betreffend. Ich fühlte mich fast schon wie ein alter Hase. Wir haben viel geredet und wunderschöne Ausflüge vor Ort gemacht. Insbesondere der Oru Park ist einen Spaziergang wert. Der Park und der Palast im Flusstal des Pühajõgi waren von Grigori Jelissejev erbaut worden, einem der reichsten Männer Russlands im 19. Jahrhundert. 1935 kauften drei estnische Industrielle den Palast und den Park und schenkten ihn Präsident Päts, um ihn als Sommerresidenz zu nutzen. Der Palast war im Zweiten Weltkrieg zerstört worden. Den Park gibt es noch immer. Mit seinen Pavillions, Grotten und Gärten ist er noch heute wundervoll zu besichtigen. Es gibt auch eine große neue Konzerthalle in seiner Mitte. Am Rande des Parkes findet sich ein Soldatenfriedhof und eine Gedenkstätte für die Gefallenen deutschen Soldaten des zweiten Weltkrieges. Über 1.500 deutsche und 600 estnische Gefallene des Zweiten Weltkriegs haben dort ihre letzte Ruhestätte gefunden. Die Kriegsgräberfürsorge war hier sehr aktiv. Auf einem Gedenkstein standen tausende Namen in alphabetischer Ordnung, Während des Krieges befand sich auf dem Gelände ein Lazarett mit vielen Baracken, die schwer verwundeten Soldaten, die dort versorgt wurden und starben, wurden vor Ort auch begraben. Vom Ort des ehemaligen Lazaretts schaut man direkt aufs Meer und ich musste einen Moment lang daran denken, was die Soldaten gedacht haben mussten, wenn sie aufs Meer hinaus schauten.
    Nach drei Tagen machen sich Nadja, Guido und Luna bereits in der Nacht auf nach Russland. Für uns nun auch Zeit, weiterzuziehen. Das Wetter hatte sich leider nach unserem ersten herrlichen Tag wieder verschlechtert. Es regnete oft und war auch ziemlich kalt. Leider kam noch dazu, dass unsere, nach dem Schlag am Grenzübergang in Luhaama schon lädierte Jalousie noch gerade so wieder zu schließen ging. Ich befürchete, sie werde sich beim nächsten Mal wohl nicht mehr öffnen lassen und war eigentlich sehr froh, dass ich sie wenigstens wieder zusammen machen konnte.
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