Quer durch Deutschland und Frankreich zur Atlantikküste
  • Day20

    Zwischenstopp und Ankunft

    Yesterday in Germany ⋅ ☁️ 25 °C

    Nach 3600 Kilometern haben wir heute die sächsische Heimat wieder erreicht. Die Rückfahrt haben wir in zwei Etappen gemacht und gestern bei lieben Freunden in Lahnstein in der Nähe von Koblenz übernachtet. Zuvor sind wir unserer staatsbürgerlichen Pflicht nachgekommen und haben uns kurz nach Grenzübertritt in Deutschland testen lassen. Gleich an der A1 direkt auf einer Raststätte, zahlreiche Schilder hatten uns auf die Möglichkeit aufmerksam gemacht. Nicht zu übersehen. Es war zwar gerade Schichtwechsel und ein wenig chaotisch, aber vor uns war keiner und so war die Sache in 15 Minuten erledigt. Ein bisschen Bürokratie und Papierkram und dann wurden wir neben einen Container gelotst hinter dem drei vollständig in Schutzanzüge gekleidete "Tester" hervortraten. Ein bisschen komisch war mir schon. Eigentlich war mir sehr komisch. Abstrich im Rachen (easy) und Abstrich in der Nase (furchtbar - ich wusste gar nicht das man da so weit hineinfahren kann) und dann war die Sache auch schon vorbei. Auch Rosa hat die Prozedur tapfer über sich ergehen lassen. Jetzt heißt es warten, über die CoronaWarnApp bekommen wir das Ergebnis spätestens innerhalb von 72 Stunden aufs Handy. Dann also eine Nacht in Rheinland-Pfalz und heute gegen halb vier Landung im Erzgebirge. Hier werden wir bei Lars` Eltern morgen dessen Geburtstag feiern und am Sonntag endgültig nach Dresden reisen. Den Regen hatten wir im Gepäck. Nachdem wir an der Atlantikküste ausschließlich Sonne hatten, ging zu unserer Abfahrt am Mittwoch ein enormer Platzregen samt Gewitter nieder und hat uns bis zu unserer Ankunft heute während der kompletten Reise verfolgt. Wir waren trotzdem - bei deutlich abgekühlten 22 Grad - noch einmal im Schieferloch schwimmen und lassen unseren Urlaub ausklingen, der wieder einmal viel zu schnell vorbei war. Aber die Erinnerungen werden und begleiten. Bis zum nächsten Jahr!Read more

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  • Day19

    Reims

    August 13 in France ⋅ ☁️ 25 °C

    Die (fast) letzte Station unserer Reise. Reims. Die Stadt der Kathedrale. Wir haben uns ein Hotel am Stadtrand gesucht (mit Pool) und verbringen den Abend nach der langen Anfahrt von der Atlantikküste (immerhin fast 590 Kilometer) entspannt in der Sonne und am Pool. Zum ersten Mal auf unserer Reise ist es wirklich voll und es gibt viele ausländische Gäste, insbesondere Engländer und Holländer. Wir lernen ein sehr nettes Paar (Faye und Chris Roberts) aus England (Portsmouth) kennen. Chris arbeitet als Computerspezialist bei der NATO. Sie haben zwei süße Kinder (7 und 5 Jahre alt) mit denen Rosa sofort ins Gespräch und ins Spiel kommt. Kurz vor Coronaausbruch wurde Chris nach München versetzt, wo die Familie nun für drei Jahre leben wird. Vorher waren sie drei Jahre in Saudi-Arabien. (Die Kinder gehen auf die internationale Schule und haben schon begonnen Deutsch zu lernen. Wie hilfreich!) Sie haben die Ferien nach der langen Zeit der Isolation genutzt und waren in England (zu Hause) und machen nun eine kleine Tour über Reims, Saarbrücken, Wien zurück nach München) Wir haben uns sehr nett unterhalten über Gott und die Welt, die Sprachen, die Länder und Deutschland. Über das Gesundheitssystem in Deutschland und welches Glück wir haben, dort leben zu dürfen. Wir trafen uns am nächsten Tag noch einmal beim Stadtbummel und haben Kontaktdaten ausgetauscht mit dem Versprechen uns wiederzusehen.
    Am Morgen, nach ausgiebigem Frühstück fuhren wir in die Stadt. Reims, rund 180 000 Einwohner liegt in der Champagne und ist die Hauptstadt des Champagner. Das war mir in der Tat neu. Alles dreht sich hier um das alkoholische Kaltgetränk (eines der wenigen übrigens, dass mich überhaupt nicht reizt!). Es gibt Sektkellertouren und die Weinberge Winzerhäuser und -keller gehören seit 2015 zum Weltkulturerbe. Immerhin sind von POMMERY bis Veuve Clicquot alle Marken hier zu finden. Unser Ziel war aber eigentlich die Kathedrale Notre-Dame. In dem Bauwerk aus dem 13. Jahrhundert waren immerhin 25 Könige gekrönt worden. Allein davor zu stehen ist ein unfassbares Gefühl. Das Gotteshaus ist einfach immens. Wobei das Wort eigentlich zu klein ist für die tatsächliche Größe des Gebäudes. 38 Meter hoch. Die Türme sind 81 Meter hoch. Die innere Länge beträgt 138 Meter. Die Kathedrale beheimatet 2302 Skulpturen und 80 Kirchenfenster (darunter auch Arbeiten von Chagall) 1429, zur Weihe von Karl dem VII, war auch Jeanne d`Arc anwesend. Ihr sind in der Kirche eine Skulptur und ein Reiterdenkmal vor der Kathedrale gewidmet. Es war eine unglaubliche und erhebende Erfahrung darin zu stehen. Die Stadt selbst ist wunderschön. In der kleinen Innenstadt ist fast alles zur Fußgängerzone erklärt, Straßencafés und Restaurants an jeder Ecke, hübsche Gärten in den Innenhöfen und viel viel grün. Menschen gibt es wenige in den Straßen, vielleicht liegt das an der Morgenstunde zu der wir unterwegs sind, oder es sind auch hier im Moment wenig Touristen und die Franzosen haben Ferien und sind eh alle am Meer. Es versteht sich von selbst, das auch in der Innenstadt ein Champagnerverkauf den nächsten ablöst. Leider haben wir für diese herrliche Stadt zu wenig Zeit. Wir sollten wiederkommen.
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  • Day17

    Fertig machen zum Abmarsch

    August 11 in France ⋅ 🌙 22 °C

    Zwei Dinge, die seit jeher an so einem letzten Tag vor der Heimreise gemacht werden müssen, 1. Wiederherstellen der eigenen Gesellschaftsfähigkeit. Das hieß konkret: Friseurtermin 9.30 Uhr. Ein Drama. Die Familie, die in den vergangenen Wochen die miserable Gewohnheit angenommen hatte, nicht vor 11 Uhr an den Frühstückstisch zu schlappen, erschien missgelaunt, die Frage auf den Lippen, ob man das nicht lassen könne. Man konnte sichtbar NICHT. Also ins Auto und in die Stadt. Nie zuvor habe ich einen solchen Friseurbesuch erlebt. (Ich hatte natürlich gleich zu Beginn des Urlaubs den obligatorischen Termin gemacht.) 9.30 Uhr. Wir betreten den Salon. Massen im Wartebereich. Sechs Friseurinnen und Friseure bei der Arbeit. Es schien, wie ich später herausfand, ein Familienbetrieb zu sein. Außer zwei Angestellten sprach der Rest der weiblichen Belegschaft den Chef mit "Papa" an. Also, wir rein. Und durften auch, trotz des Gedränges sofort Platz nehmen. Die Friseurin, die sich meinen Mann vornahm, fragte mich (da er ja kein französisch spricht), wie er es gern hätte. Ich sagte, schön kurz. Und bereute es sofort. Die junge Frau zog mit dem Rasierer los, dass es nur eine Freude war und meinem Mann die Augen offen standen vor Angst. Er fürchtete den Salon mit einer Halbglatze zu verlassen. In der Tat wurde alles (sehr) gut, auch wenn mein Mann den Salon schweißnass (Angstschweiß!) verließ. Bei mir dauerte die Angelegenheit gewohnheitsgemäß länger, denn es musste Farbe aufgetragen werden, einwirken, ausgewaschen und geföhnt. Das gab mir Gelegenheit diese Wahnsinnsmaschine etwas länger zu beobachten. Im Sekundentakt klingelte das Telefon zur Terminvereinbarung und genau so oft kamen Kunden zur Tür rein um ein "Rendezvous" mit ihrem Friseur zu verabreden. WAHNSINN! Gleichzeitig arbeiteten sechs Friseure im Akkord (der Schnitt meines Mannes mag wohl 20 Minuten gedauert haben!) und mindestens fünf Kunden saßen im Wartebereich. Ich war sehr froh wieder raus zu sein! 2. Abendliches Picknick am Strand zum Abschied vom Meer. Wunderbar! Rosa hatte so süße Freunde gefunden. Sie spielten Fanger und innerhalb kürzester Zeit hatte sie das Zählen von 1 bis 10 auf Französisch und das obligatorisch "liberé", wenn sie das Ziel erreicht hatte ohne vorher entdeckt worden zu sein, verinnerlicht. Wir mussten uns daran erinnern, wie wir mit Lorenz, der ja eine Grundschule mit Französischunterricht ab Klasse 1 besucht hatte, über Ostern einmal im Jura im Urlaub waren. Wir waren sehr gespannt auf seine Kenntnisse und ermutigten ihn immer wieder, sie auch anzuwenden. Daraufhin stellte er sich auf die obere Terrasse unseres Ferienhauses und rief: "Bonjour, la classe!" Wir haben uns tot gelacht! Heute Abend hatten wir hunderte Quadratmeter Strand und einen märchenhaften Sonnenuntergang ganz für uns. Dazu einen guten Wein von der Loire. Ja. Es stimmt. Besser hätte es uns nicht gehen dürfen.Read more

  • Day16

    Corniche vendéenne

    August 10 in France ⋅ ☁️ 23 °C

    Unser - fast letzter - Ausflug führte uns ein wenig südwärts die Küste hinunter zur Corniche (Küsten-, Ufer- oder Klippenstraße) vendéenne. Fast hatten wir den Eindruck, es hätte uns plötzlich an die bretonische Steilküste verschlagen. Es war Ebbe und nur dann erschließt sich der ganze wunderbare Eindruck dieses Naturschauspiels. Zunächst entdeckt man fünf trümmerförmige Felsen, die Cinq Pineaux, wie nach oben gerichtete Augen. Ein Spazierpfad folgt dann der Straße immer an der Steilküste entlang. Überall sind wunderschöne kleine Buchten, steinig, aber einsamer, als es sonst die gesamte Küste der Vendée ist. Etwas weiter wird von einer Plattform das sogenannte Teufelsloch sichtbar, dort strömt das Wasser und schießt die Gischt bei hoher Flut. Wir hatten Glück und konnten bei Ebbe zwischen den Steinen und Felsen herumwandern und manch herrliche Höhle entdecken. Einige sahen aus wie Boofen in der Sächsischen Schweiz. Es war unheimlich heiß und aufgrund des Gewitters, dass in der Nacht niedergegangen war, herrschte eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit. Wir beschlossen den Nachmittag und Abend am Strand zu verbringen, nicht ohne, dass uns ein Licht aufgegangen war, warum unser - schon von unseren Großeltern vermittelter - Wissensstand, mittags sei die Temperatur am Höchsten und man solle daher die Sonne meiden, hier nicht stimmen konnte. Wir hatten uns darüber gewundert, dass es am Nachmittag, immer noch einmal drei bis vier Grad wärmer war, als unmittelbar um die Mittagszeit. Natürlich! Wir sind so weit im Westen, dass die Sonne auch erst später ihren Höchststand erreicht. Und deshalb ist es auch oft erst gegen 15 oder 16 Uhr so richtig heiß. Dafür können wir aber auch 19 oder 20 Uhr noch problemlos am Strand liegen und ins Wasser gehen, das würde doch an der Ostsee kaum jemandem einfallen. Wir waren auch heute wieder fast die letzten, als wir gegen halb neun den Strand verließen.Read more

  • Day15

    Baden. Radeln. Entspannen III

    August 9 in France ⋅ ☀️ 25 °C

    Langsam, ganz langsam neigt sich unsere Zeit hier dem Ende entgegen. Da wir morgen die entliehenen Fahrräder zurück geben müssen, wollten wir heute noch ein wenig die Küste entlang nach Norden radeln. Keine große Tour, einfach entspannt am Sandstrand und Boulevard entlang bis zum Dünenweg, wo Hotels und Massentourismus enden. Zugegeben, inzwischen sind die Strände mächtig voll, aber alle verhalten sich sehr diszipliniert, nehmen ihren Müll wieder mit nach Hause, halten Abstand, machen kaum Lärm. Gleich ab heute morgen versprachen einige besondere Erlebnisse unseren Tag zu würzen. Ich war sechs Kilometer joggen am Meer. Zum ersten Mal in diesem Urlaub. Meine Knieschmerzen, leider seit Wochen latent, wollten endlich ausgetrickst werden. Rosa verlor endlich ihren (6.) Zahn, der sie seit Wochen gequält hatte. Leider hat sie ihn auch gleich verschluckt. Was für ein Drama! Wir versprachen mit ar(s)chologischem Gespür der Sache auf den Grund zu gehen. Am Nachmittag ging es dann endlich auf die (Fahrrad)Piste. Es war warm, aber ein frischer Wind ließ es erträglich sein. Zuerst (kurzer Zwischenstop) durfte Rosa auf ihre lange versprochene Hüpfburg am Strand und lernte auch gleich ein paar "Freundinnen" kennen. Eine Atempause für uns in der Strandbar. Wir beobachteten ein herrlich kleines ganz schwarzes Mädchen mit bunten Rastazöpfen beim Rutschen von einer immensen Gummihüpfburgrutsche. Später stand der herrliche Vater neben mir um seinen (natürlich ebenfalls rabenschwarzen Sohn) aus dem Poolbecken zu holen. Er warf mir ein freundliches "Hallo" zu, auf das ich erst nicht reagierte. Als er seinen Sohn (endlich) aus dem Pool beordert und ihm wohl zugeflüstert hatte, "die sprechen deutsch" (und offensichtlich uns gemeint hatte) worauf der Junge antwortete: "Wir können beides!", schnallte ich es! Endlich, die lang ersehnten Deutschen. Wir kamen ins Gespräch und ich fragte sie, woher sie denn kämen (Gott sei Dank geistesgegenwärtig genug, mich an einen unlängst gelesenen Artikel über Integration zu erinnern), was mich dazu veranlasste meine Frage unmittelbar mit dem Halbsatz : "Aus Deutschland oder aus Frankreich?" zu beenden. Es stellte sich heraus, sie waren astreine Deutsche aus BaWü und verbrachten ihre Ferien bei Verwandten in Frankreich. Herrlich! Ich war sehr zufrieden mit meiner integrationsgelungenen Frage und wir verabschiedeten uns nachdem wir uns weiterhin schöne Ferien gewünscht hatten. Wir sind dann zum ersten Mal über die Seebrücke gelaufen (unendlich lang), auf der sich hunderte Angler tummelten. Leider ließ sich nicht eruieren, was dort geangelt wurde. Eine kleine Familie (Vater mit zwei Töchtern) hatte sich aufs Fischen mit Kescher verlegt. Auf meine Frage, was sie mit den winzigen Fischen (ca 10 cm groß) anfangen wöllten, die sich in einem nebenstehenden Eimer tummelten, hieß mir der Vater, sie machten sich gut als Apéretif. Ich stellte mir vor, wie die Familie beim Abendbrot den winzigen Fischlein die Köpfe abbiss und suchte zügig das Weite. Wir gingen dann noch baden, fast ohne Wellen und das Wasser war wieder herrlich warm und fanden sogar ein Lokal zum Abendessen. (Das gleicht hier einem Gewinn im Lotto, alles total überfüllt und ab 20 Uhr bilden sich endlose Schlangen vor den Lokalen. Wir haben das daher sehr selten gemacht.) Die Küche war wieder, naja...unser Zufallslokaltreffer in Sallertaine bleibt absolut unübertroffen. Eines war aber doch erwähnenswert. Weil Lars und Rosa Menü gegessen und damit ein Dessert zu erwarten hatten, entschied ich mich für einen Café Gourmand und dachte noch, mit 6 Euro sei der aber wirklich teuer, der müsse schon sehr gourmand sein. Als er dann kam, traute ich meinen Augen nicht. Es war ein Tablett: In der Mitte ein winziger Espresso und rundherum sämtliche Vorspeisen der Karte (vom Eis bis zur Sahne, von der Créme brulé bis zum Mousse au Chocolat) in kleinen Portiönchen zum Degustieren arrangiert. Wir haben uns tot gelacht. Und dann endlich: Ein Sonnenuntergang. Da unser kleines Häuschen ja einen Kilometer weg vom Strand steht, hatten wir bisher noch nie einen Sonnenuntergang am Meer gesehen (momentan geht die Sonne noch tatsächlich erst zwischen 21.30 Uhr und 22 Uhr unter), da wir sehr weit im Westen sind. Daheim ist es derzeit schon 21 Uhr wieder stockdunkel. Als dann endlich vor der Atlantikküste die rote Sonne im Meer versank, ging auch für uns ein ereignisreicher Tag zu Ende.Read more

  • Day13

    La Rochelle - Sehnsuchtsort

    August 7 in France ⋅ ☀️ 30 °C

    Als Kind habe ich eine Reihe historischer Romane mit dem Titel "Angelique" der französischen Schriftstellerin Anne Colon gelesen. Meine Großmutter hatte die Bücher aus dem "Westen" eigentlich für meine Mutter mitgebracht. Ich habe sie als junges Mädchen, mit vielleicht 14 oder 16 Jahren dann auch alle verschlungen. Der Roman spielt - natürlich - in Frankreich, beginnt zur Zeit des Sonnenkönigs, Ludwigs XIV und beschreibt das Leben der Tochter eines verarmten Adligen, eben dieser Angelique. So schön, wie trivial, eigentlich ist es auch Trivialliteratur, aber man lernt - beginnend mit der französischen „Blütezeit“ in (ich glaube es waren mindestens) 10 aufeinander aufbauenden Romanen,
    viel über das Leben bei Hofe, die Abhängigkeit der Adligen und auch über die Auseinandersetzungen christlicher Konfessionen untereinander und mit anderen Religionen zum Beispiel über die Verfolgung der Hugenotten. Und dabei kam ich zum ersten Mal mit dem Namen der Stadt La Rochelle in Berührung. Und weil diese Geschichte tatsächlich geeignet war ein junges Mädchen, mit einem Faible für Französisch, eingesperrt hinter DDR Mauern und spätere Romanistikstudentin, zu faszinieren, ist La Rochelle schon immer ein Sehnsuchtsort gewesen für mich und HEUTE hat sich der Traum erfüllt und ich konnte ihn endlich besuchen. Wir haben dafür die Vendée verlassen und sind rund 140 Kilometer in die Charente maritime gefahren. Wir erreichten La Rochelle gegen Mittag, bei schlaffen 39 Grad Außentemperatur. Es war uns bewusst, dass das - vor allem für Rosa - eine Herausforderung werden würde. Wir haben uns dann tatsächlich vor allem an schattigen Hauswänden entlang zum alten Hafen vorgearbeitet (vorbei an der riesigen Cathedrale St. Louis, dem Café de la Paix, dem einzigen erhaltenen luxuriösen Kaffeehaus aus dem 19. Jahrhundert und durch die Porte de la Grosse-Horloge, die den Eingang der Stadt von der Hafenseite aus bildet.) Wir haben uns dann erste einmal in eine schattige Gasse zum Mittagessen verzogen und fanden zum Glück ein voll klimatisiertes Lokal. Ja, wir haben drin gesessen!) Wir sind dann am Hafenbecken entlang der alten Befestigungsmauern zum Tour de La Lanterne gelaufen. Vorbei am Stadtstrand, der es nicht an Besuchern aber an Wasser doch erheblich mangeln ließ - totale Ebbe - ging es dann durch den Parc Charruyer - eine herrliche Parkanlage entlang der alten Befestigungsmauern. Dann sind wir wieder durch die Altstadt und deren enge Gassen und Passagen gestromert und fanden tatsächlich, eher zufällig, den Temple protestant (übrigens in Anspielung auf den Tempel zu Jerusalem so genannt.) Die evangelische Kirche befindet sich in einer ehemaligen Franziskanerkapelle, die viel über die Geschichte der Protestanten zu erzählen weiß. So schließt sich der Kreis. Was bleibt also vom Sehnsuchtsort, nachdem die Sehnsucht nun wenigstens ein ganz klein wenig gestillt wurde. La Rochelle ist ein hübsche kleine Hafenstadt mit etwa 76 000 Einwohnern. Aber auch eine, wie es doch einige gibt. St. Tropez am Mittelmehr oder Rovinij in Kroatien oder ...in Italien oder Polen oder Schweden. Mal mehr, mal weniger groß. Ich käme gern wieder, um mehr zu sehen, als man in ein paar Stunden sehen kann. Aber andere Mütter haben auch schöne Töchter!
    (Übrigens habe ich gerade erfahren, dass die Romane von Anne Colon (der erste war 1956 erschienen) 2009 überarbeitet wurden, von der Autorin selbst, und noch einmal alle ungekürzt und neu übersetzt erscheinen werden!)
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  • Day12

    Il était une fois...

    August 6 in France ⋅ ☀️ 27 °C

    Es war einmal....ein Golf. Der ehemalige Golf von Machecoul. Von Dünen geschützt wurden ehemalige Inseln durch Schwemmland -Treibgut, das vom Meer angeschwemmt wurde, die Wasserläufe und die Einflussnahme der Menschen, die hier in Meerwassersalinen Salz gewinnen wollten (Hochzeit im Mittelalter) - verbunden und damit der Golf geschlossen. Es entstand ein Sumpfgebiet. Heute der Marais breton-vendéen. Und wir sind hier im Urlaub. Gute Gelegenheit sich im Ökomuseum Le Daviaud - die Geschichte dieser Region etwas näher anzuschauen. Wir waren erst etwas unsicher, ob das bei 33 Grad Außentemperatur eine gute Idee wäre. Aber ein bisschen Bildung braucht der Mensch, also sind wir gegen 16 Uhr los. Das 60 Hektar große Außenmuseum war die Anstrengung wert. Coronamaßnahmen auch hier...man musste sogar, um die interaktiven Tafeln im Innenbereich des Museums zu bedienen ein Verhüterli über eine Fingerkuppe stülpen (MEHR GEHT IMMER!). Das Museum war es wert. Im Freien gab es zahlreiche traditionelle Bauwerke, neben einer Saline, einem Bauernhof samt Nebengebäuden, eine Scheune und auch eine Bourrine zu sehen. Bourrines, niedrige weiß gekalkte Häusern aus mit Stroh verkneteter Erde, waren der Lebensraum der Menschen in diesem Landstrich. Die Dächer wurden mit Schilf eingedeckt. Bündel für Bündel, insgesamt sechs bis sieben Schichten (hab ich heute gelernt). Am ehesten wohl zu vergleichen mit den reetgedeckten Häusern an unserer Ostseeküste. Hier in der Vendée sind noch einige wenige davon zu finden. Überall gab es Demonstrationen und Präsentationen, wie die Tiere gehalten werden (bei den Pferden war der Tag für Rosa ein Erfolg. Wir fanden auch die berühmten schwarzen Hühner (poulet noir) und Schweine spannend), Das Flößen auf den Kanälen wurde demonstriert und eben der Bau einer Bourrine ebenso wie die Salzgewinnung in der Saline. Der Höhepunkt war erreicht, als die Schafe aus ihrer Koppel auf ihren nächtlichen Schlafplatz gelockt werden und wir (zugegeben bei der Hitze wenigen) Besucher eine menschliche Mauer bilden sollten, damit die Schafe nicht unterwegs in Richtung Saline abbögen und sich am Salz gütlich täten, das hätten sie allzu gern. Der (weibliche) Guide bat uns, Vorsicht und Aufmerksamkeit walten zu lassen. Ob wir schon einmal an der Tour de France teilgenommen hätten? In dieser Geschwindigkeit etwa würden sich die Schafe bewegen. Ich war noch etwas im Zweifel, aber in der Tat: Die Guide öffnete das Gatter, die Schafe stürmten im Schweinsgalopp (die Schafe mögen mir den Ausdruck verzeihen) hinter dem klappernden Eimer her zu ihrem Futter- und Nachtplatz und stürzten sich auf das dort ausgekippte Mahl. Rosa durfte (die Auswahl fiel auf sie wegen des geeigneten Schuhwerkes, das sie trug: Tolle Mutter!!!),mit auf die Koppel und die Schafe sogar noch streicheln. Der Tag war (super!) gelaufen!Read more

  • Day11

    Baden. Radeln. Entspannen II

    August 5 in France ⋅ 🌙 18 °C

    Gar kein so besonderer Tag: Ich bin (erst) um 9. 38 Uhr aufgewacht. (So lange habe ich seit mindestens 10 Jahren nicht mehr geschlafen!) Ich war mit dem Fahrrad auf dem Markt in St. Jean de Monts. (Mit mindestens tausend anderen Menschen auch, aber ich war noch nie vorher da.) Wir haben ein Entrecote gegrillt. Perfekt. Roséfarben. (Wir haben das noch nie vorher gemacht!) Wir haben am Strand gesessen, bis wir gegen 21 Uhr ganz allein dort waren. (Wir sind auch erst 17 Uhr hin, aber so lange war - außer uns - offenbar keiner da!) Dann haben wir in einem kleinen Restaurant zu Abend gegessen. Bis 22. 30 Uhr. Mit Rosa. (Eigentlich unvorstellbar, das haben wir noch nie gemacht!) Kein besonderer Tag. Und doch irgendwie ganz besonders!Read more

  • Day10

    Nantes

    August 4 in France ⋅ ☀️ 21 °C

    Nantes, im Westen Frankreichs gelegen gehört zum Département Loire-Atlantique, ist Hauptort der Pays de la Loire mit rund 300 000 Einwohnern. Bis 1941 gehörte Nantes zur Bretagne. Heute ist Nantes vor allem auch Umwelthauptstadt Europas, den Titel bekam die Stadt 2013 verliehen. Die Stadt ist wirklich unheimlich grün und scheint sehr verkehrsberuhigt, viele Bereiche sind Fußgängerzonen und ein Bus Rapid Transit System, mit eigenen Fahrbahnen hat an allen Kreuzungen absoluten Vorrang.
    Erster Besichtigungspunkt war das Schloss der Herzöge der Bretagne, das letzte Schloss auf der Route der Schlösser der Loire vor dem Meer. Das heutige praktisch komplette Bauwerk ist in der Hauptsache das Werk von Franz I und seiner Tochter Anna aus dem 15. Jahrhundert. Hinter seinen Mauern findet sich ein Wohnpalais, elegant und tatsächlich ein Schloss. Beim Rundgang durch die Stadt folgten wir der sogenannten grünen Linie, die quer durch die Stadt an allen wichtigen Sehenswürdigkeiten vorbei läuft. Wir konnten nicht alles sehen, aber eins hatten wir uns unbedingt vorgenommen: Die Insel der Maschinen. Die Insel ist zunächst eine Stadtinsel wie die Ile de la cité in Paris. Auf ihr wurde, auf dem ehemaligen Werftgelände (Dubigeon Werft), die Galerie der Maschinen eröffnet. Wobei der Begriff Maschinen eigentlich irreführend ist. Es handelt sich eigentlich um ein Kunstprojekt von François Delarozière und Pierre Orefice bzw. der Künstlergruppe La Machine, die die imaginären Welten von Jules Verne, das mechanische Universum von Leonardo da Vinci und die industrielle Vergangenheit der Stadt Nantes zusammen gebracht haben und seltsame Objekte entwickelt haben. Fast kehrt ein wenig von der Realität zurück, die zu der Zeit in der Stadt herschte, als hier Schiffe zu Reisen in alle Welt vom Stapel gelassen wurden. Großartig ist das Meereswelten-Karussell mit drei Etagen. Der Hammer ist der 12 m hohe Elefanten. Der 48,4 Tonnen schwere Koloss kann sich nicht nur Schritt für Schritt fortbewegen (na gut, er rollt in Wirklichkeit gleichmäßig auf den Rädern einer gewaltigen, stabilen Konstruktion - eben eine Maschine). Er kann auch den Kopf drehen oder mit Wasser sprühen. Ein riesiges Spektakel für alle umstehenden wenn er sich Meter für Meter über die Insel vorwärtsschiebt. Nicht nur für diejenigen die auf ihm sitzen, sondern vor allem für die, die drumherum stehen. Man weiß nie in welche Richtung er seinen Rüssel richtet um alle Anwesenden vollzuspritzen. Apropos Schiffe aus aller Welt: Nantes hat auch in Punkto Sklavenhandel eine unrühmliche Rolle gespielt. Le Memorial de L´abolition de l`esclavage (Denkmal der Abschaffung der Sklaverei) erinnert unter anderem an die mehr als 1800 Sklavenexpeditionen die von Nantes aus starteten und die Abschaffung des Sklavenhandels per Dekret durch die provisorische Regierung der Französischen Republik 1848.
    Unser (fast sechs stündiger) Spaziergang endete übrigens beim Shoppen in der Galerie Lafayette. Ja, auch das gibt es in Nantes. Ein Tag war zu kurz, aber doch lang genug, sich einen kleinen Überblick über die Stadt an der Loire zu verschaffen. Und dann habe ich noch eine kleine Besonderheit entdeckt, eine Marguerite Duras Straße. Meine französische Lieblingsautorin, über die ich dereinst auch meine Masterarbeit geschrieben hatte.
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  • Day9

    Baden. Radeln. Entspannen I

    August 3 in France ⋅ ☀️ 19 °C

    Tag 9 des Urlaubs und so langsam, langsam habe ich das Gefühl wieder zu meiner Kraft zu finden. Obwohl wir schon viel erlebt haben, habe ich mich in den vergangenen Tagen oft noch abgekämpft und kraftlos gefühlt. Ein langes und besonders schwieriges Arbeitsjahr steckt mir schon in den Knochen. Heute wollten wir deshalb vor allem entspannen. Ich habe am Morgen den Markt in St. Jean de Monts besucht. Die Franzosen lieben ihre regionalen Märkte und Produkte und eilen zahlreich herbei um von ihrer Existenz zu profitieren. Ich hatte mir fest vorgenommen eines der berühmten poulet noir (schwarzen Hühner) zum Mittagessen zu erwerben. Sie werden hier in der Region besonders gezüchtet und vertrieben und gehören zur heimischen Spezialität. In der Tat war das Huhn unheimlich lecker und hervorragend zubereitet. 26 km Strand wollen entdeckt sein, deshalb haben wir am Nachmittag die Drahtesel gesattelt und sind durch den Dünenwald geradelt. (Das darf man hier!) Unabhängig davon gibt es überall an den Strandzugängen breite Dünen, so etwas habe ich bisher nur auf Sylt oder Amrum gesehen. Die Strände sind, bis auf wenige touristisch zugeklebte Ausnahmen wie St. Jean des Monts selbst, sehr natürlich, die Gezeiten zwar spürbar, aber nicht unangenehm, es gibt trotzdem genügende Gelegenheiten ins Wasser zu gehen. Meist weht ein kühler Wind vom Atlantik, das Wasser ist dennoch angenehm temperiert und wenn man erstmal drin ist, eine riesige Freude. Rosa hat die anfängliche Angst vor den Wellen überwunden und ist nun eine richtige Wasserratte.Read more