• Zettelwirtschaft am Zoll

    11 febbraio, Iraq ⋅ 🌬 15 °C

    Was für ein Segen das Schengen-Abkommen und der damit freie Grenzverkehr ist, zeigt sich bei jedem Länderwechsel in weniger liberalen Gefilden der Welt. Geschlagene vier Stunden dauert nun schon das Procedere, um vom Irak nach Jordanien zu kommen - und kein Ende in Sicht.

    Hier ein Stempel, da ein Zettel, hier ein Foto, da eine Fahrzeuginspektion. Nach einem halben Dutzend Stationen sind wir im Königreich angekommen, wo wir mit einem herzlichen Grüß Gott begrüßt werden von einem Beamten, der bei BMW in München gearbeitet hat. Die Welt ist erfreulich klein. Deutsch spricht hier indes sonst niemand, und auch Englisch nur höchst rudimentär.

    Nach dem x-ten Formular und einem Bodyscan sind wir zwar noch nicht formal eingereist, aber plötzlich hellwach. Jörgs Fahrzeugschein ist abgängig. Ein Suchtrupp fährt zurück zum letzten Schlagbaum, wo sich nach einigem Terz ein Grenzer an ein Papier erinnert, das aus dem Lkw geflattert war. Und siehe da: Der Schein liegt, vom Winde verweht, 20 Meter weiter im Rinnstein. Was für ein Nervenkitzel!

    Wie es nun weiter geht? Warten wir's ab. Der kleine Grenzverkehr, der inzwischen satte acht Kilometer umfasst, ist noch längst nicht zu Ende.

    Update: Fahrzeugkontrolle, next level. ALLES muss raus. Selbst das Brennholz fürs Lagerfeuer geht durch den Scanner. Und erstmals erweist es sich als hilfreich, dass ich für meine Medikamente eine Dokumentation dabei habe. Sonst wäre ich jetzt wohl in der Spur für Drogendealer.

    Update II: Nach knapp sechs Stunden knallt der Stempel in den Pass. "Tschüss", grinst der Grenzer. "Welcome to Jordan."

    Update III: Zu früh gefreut. Uns fehlen noch ein Stempel, eine Versicherung und eine Heftklammer für all die Papiere (obligatorisch). Wir nähern uns Stunde 7. Und ich mich der Gewissheit: Sollte ich bei uns jemals wieder jemanden für geschlossene Grenzen rumpöbeln hören, muss ich ihm leider die Beißleiste deformieren.

    Update IV: Eine weitere Stunde geht auf das Konto unserer Kameras und Funkgeräte. Dutzender Telefonate bedarf es, bis klar ist: Unsere Walkie-Talkies reisen in einem versiegelten Sack durchs Land. 100 Dinar / 140 Dollar Pfand gibt es bei der Ausreise wieder. Inshallah...

    Nachgedanke: Vielleicht probieren wir es beim nächsten Mal mit Fluppen als Beschleuniger, so wie die Trucker hier. Deren milde Gaben in Form von Gitannes-Stangen türmen sich ganz unverhohlen auf einem Tisch im Büro der Stempelknechte. Man hat nicht den Eindruck, dass der Prozess für die Spender dadurch verlangsamt wird...
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