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Ab in die Wüste

Einmal rund um die arabische Halbinsel. Von der Türkei aus in den Oman und zurück. Read more
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    🇸🇦 , Saudi-Arabien

    Was für ein geiler Scheiß!

    Yesterday in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 28 °C

    Über die Vorzüge der U-Bahn in Riad habe ich - der geneigte Treuepunktsammler mag sich erinnern - hier ja kürzlich schon einmal räsoniert. Doch es lohnt sich, der Metro ein eigenes Kapitel zu widmen. Worauf ich durch Zufall gestoßen bin.

    Im Rahmen der Stadterkundung fiel uns eine abenteuerliche Station auf: Eine gewaltige Schale, wie aus einem vollen Stück Edelstahlblech gedengelt, überdacht das Zugangsloch zum Untergrund des Bahnhofes Qasr Al Hokm.
    Entworfen hat ihn Snøhetta (Oslo) als zentrale Verknüpfung von moderner Metro und dem traditionellen Viertel. Das glänzende Dach leitet das Licht nach unten, spendet Schatten und schafft einen begrünten Innenbereich. Die Station wurde als eine der schönsten der Welt ausgezeichnet.

    Auf der Suche nach dem Urheber dieser einmaligen Dachkonstruktion stieß ich auf die Info, dass sich auch meine Lieblingsarchitekten vom Büro der irakisch-britischen Stil-Ikone Zaha Hadid in der Stadt verwirklicht haben. Das war schnell bestätigt und machte einen nächtlichen Ausflug unabdingbar.

    Und was hat er sich gelohnt!
    Die Fassade des Metro-Stopps KAFD (King Abdullah Financial District) erinnert an vom Wüstensand geformte Dünen mit einer skulpturalen, gefalteten Struktur. Innen dominieren großzügige Hallen ohne einen einzigen rechten Winkel. Überall weiche, fließende, organische Linien - eine Augenweide aus jedem Blickwinkel. Ein monströses Bauwerk, das doch Leichtigkeit ausstrahlt zwischen den Bürohochhäusern. Ein echtes Meisterwerk moderner Baukunst.

    Ist Zaha Hadids Entwurf Liebe auf den ersten Blick, so ist die STC Metro Station schon etwas sperriger. Von Gerber Architekten (Deutschland) gestaltet, gehört sie zu den „ikonischen Bahnhöfen“, die auf speziellen Architektouren in Riad besucht werden können. Eine filigran wirkende Glasfassade scheint eine überdimensionale Baiser-Haube zu tragen. Erst auf den zweiten und dritten Blick und aus der Distanz erschließt sich die Eleganz des letztlich doch überraschend wohlproportionierten Bauwerkes, das eines gemein hat mit den meisten Haltepunkten in Riad: Sie erscheinen alle opulent, ja geradezu verschwenderisch dimensioniert.

    Das 176 Kilometer lange, komplett neue Metro-Netz Riads mit 85 Stationen auf sechs Linien wurde erst 2024/2025 eingeweiht. Es hat etwa 17 Milliarden Euro gekostet und wird vollständig fahrerlos betrieben. Es ist die längste vollautomatische U-Bahn der Welt - und vermutlich eine der wenigen, in denen Männer, Frauen und Familien in separaten Wägen fahren.

    Ergänzt werden soll die Metro im Finanzdistrikt durch eine Monorailbahn. Das Projekt startete schon 2014, wurde dann aber auf Eis gelegt und 2022 neu gestartet. 2027 sollen die Züge auf der bereits gebauten Stelzen-Strecke mit 3,6 Kilometern rollen. Gut zu wissen, dass nicht nur in Deutschland gut Ding mitunter Weile haben will...

    Was sonst noch geschah heute: vor dem futuristischen Abendprogramm sind wir tief in die Geschichte Saudi-Arabiens und seiner jungen Monarchie eingetaucht im prächtigen Nationalmuseum und in einem frühreren Fort, das als Keimzelle Riads gilt. Und ein paar Autos des königlichen Fuhrparks haben wir auch bestaunt. Der Bogen von vorvorgestern bis morgen ist somit bestmöglich gespannt.
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  • Eine Stadt in Neongrün

    February 22 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 20 °C

    Riad oder Ar-Riyad, 7 bis 8 Millionen Einwohner, empfängt uns wie andere Großstädte in Saudi-Arabien mit vergleichsweise wenig Verkehrschaos. Zügig erreichen wir unseren angepeilten Nachtplatz, der unsere im Portal iOverlander geweckten Erwartungen übertrifft: Schattige Stellplätze direkt vor einem weitläufigen Park, ein ordentliches WC gleich dabei, und U-Bahn sowie Nationalmuseum direkt ums Eck.

    Kaum stehen wir, nähern sich zwei Polizeiautos. Doch die Beamten treffen sich nur zur Brotzeit (Fastenbrechen), erkundigen sich nach unserem Wohlbefinden und bieten uns ihre Unterstützung an, falls es Probleme geben sollte. Echte Freunde und Helfer!

    Nach einer köstlichen Grilldorade zum Abendessen wagt sich eine Splittergruppe noch ins Abenteuer U-Bahn - eine überzeugende Erfahrung. Die Bahnhöfe und Züge wie geschleckt, das System bestens durchschaubar, und statt einer wirren Zonen-Ticket-Staffelung ein simples Spiel auf Zeit: Zwei Stunden kosten etwa einen Euro (fünf Rial). So macht ÖPNV Spaß!

    In der U-Bahn begegnen uns drei junge Männer mit prächtigem Kopfschmuck aus allerlei Kräutern. Fotografieren lassen sie sich gern, doch eine Erklärung scheitert an der Sprachbarriere. Wie sich herausstellt, ist diese Art des Haarkranzes eine Tradition südwestlicher Stämme. Wir vermuten, dass der Auftritt mit dem Gründungstag Saudi-Arabiens zu tun hat. Am 22. Februar wird an die Gründung des ersten saudischen Staates im Jahr 1727 durch Imam Muhammad bin Saud in Diriyah erinnert .

    Vom Kingdom Center aus soll man einen tollen Blick über die Stadt haben. Der 99 Stockwerke hohe, wie ein Riesen-Flaschenöffner wirkende Turm birgt in seinem Sockel ein Edel-Einkaufszentrum mit allerlei Nobelmarken. Die Auffahrt zur Aussichtsbrücke kostet stolze 30 Euro, aber wann kommt man noch einmal hierher? Also hoch - und grün sehen. Denn die imposantesten Gebäude der Stadt sind fast alle grün angestrahlt oder leuchten selbst in dieser Farbe.

    Ein gutes Omen? Zwar wirkt die Stadt sehr sauber, und auch Ansätze von Mülltrennung gibt es. Aber der Plastik- und Verpackungswahn ist auch hier noch gang und gäbe.

    Update: Heute erfahren wir, dass auch die grüne Beleuchtung dem Gründungstag der Nation galt.
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  • Nachts ist deutlich mehr Lametta

    February 22 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 22 °C

    Fast 1000 Kilometer sind es von Dschidda in die Hauptstadt Riad. 1000 Kilometer Wüste, teils platter noch als Niedersachsen. Langweilig, sollte man meinen. Doch auch die Wüste hat ihren Reiz, und die Strecke birgt ihre Überraschungen.

    Mekka müssen wir als Ungläubige weiträumig umfahren; Nicht-Moslems dürfen sich der Stadt unter keinen Umständen nähern. Allzu lang dauert es danach nicht, da türmt sich ein imposantes Bergmassiv vor uns auf. Außenrum, wie für die Lkw empfohlen, ist für uns keine Alternative.

    Also rauf den vierspurigen Highway mit Dutzenden strammen Serpentinen. Über uns schweben die Gondeln der Al-Hada-Bahn. Die mit 4,2 Kilometern längste Seilbahn des Nahen Ostens verbindet ein Touri-Ressort mit Freizeitanlagen auf knapp 2200 Metern Höhe, eine knappe halbe Stunde dauert die Fahrt.

    Ta'if wird als Stadt der Rosen gepriesen, aber um diese Zeit ist hier offenbar tote Rose. Also weiter, Strecke machen. Kaum sinkt die Sonne hinter den Horizont, hebt ein merkwürdiges Spektakel an: Direkt neben der sechsspurigen Autobahn halten die Menschen an und versammeln sich zum gemeinsamen Ramadan-Picknick.

    Wir ziehen einmal mehr einen Truckstop vor im mit großem Aufwand grün-weiß illuminierten New Muwahy, das nachts 1001 mal mehr hermacht als tags. Als Zwischenstop und Nachtquartier taugt es uns indes allemal.
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  • Ein Hauch von Kuba am Roten Meer

    February 21 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 25 °C

    Wer durch die Gassen der historischen Altstadt von Dschidda schlendert, fühlt sich unweigerlich an Kuba erinnert. Nicht etwa ob des Baustils, sondern wegen des schlechten Zustands vieler Häuser. Doch augenscheinlich tut sich was: An allen Ecken und Enden wird saniert.

    Typisch für die Häuser im ältesten Teil des "Tores zu Mekka", wie die Hafen- und Handelsstadt einst genannt wurde, sind markante, hölzerne Balkone, die zugleich Sichtschutz und Kühlung durch Luftzug boten. An vielen maroden Gebäuden hängen sie morsch herunter. Doch seit die Altstadt 2014 UNESCO-Weltkulturerbe wurde, wird auch mit staatlicher Hilfe gerettet, was zu retten ist.

    Während des Ramadans ist auch dieser Teil der Stadt tagsüber wie ausgestorben - mehr noch als sonst spielt sich das Leben hier erst in den kühleren Abend- und Nachtstunden ab.
    Unseren Reise-Biorhythmus müssen wir diesem Umstand erst noch anpassen...
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  • Die Stadt der Superlative

    February 20 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 25 °C

    Ein Superlativ jagt das nächste auf dieser Reise. Nach der Moschee-Extravaganza in Medina empfängt uns Jeddah/Dschidda (es gibt dutzende Schreibweisen) mit der höchsten Springbrunnen-Fontäne der Welt. Zwei 3000-MW-Pumpen pressen 625 Liter Meerwasser pro Sekunde über 300 Meter in die Höhe. 16 Tonnen Wasser, von 500 Scheinwerfern angestrahlt, stehen in der Luft.

    Ein Spektakel, das von der ganzen Stadt aus zu sehen ist - auch von dem Strandabschnitt aus, an dem wir unser Nachtquartier aufschlagen. Auf einer riesigen, nur notdürftig befestigten Fläche stehen am Abend tausende Autos. Familien und Freunde kommen zusammen, essen, trinken und spielen - gemeinsames Fastenbrechen mit Meer- und Fontänenblick vor der Silhoutte der modernen, grell illuminierten Vier-Millionen-Stadt. Bunt beleuchtete Eiswägen drehen ihre Runden und buhlen mit Teehändlern um Kundschaft. Bis tief in die Nacht bleiben die Leute, um vier Uhr früh herrscht noch reger Verkehr. Dieser Lebensrythmus - die Nacht zum Tag machen - gefällt mir ausgesprochen gut.

    Auf dem Hinweg hatten wir einen Strandnachmittag im badewannenwarmen Roten Meer eingelegt. Noch so ein Phänomen: Ein kilometerlanger, bestens ausgebauter Küstenabschnitt mit Boulevard, Spiel- und Parkplätzen ist völlig menschenleer. Wir haben das nur hüfttiefe, kristallklare Meer quasi für uns allein, werden aber von zwei freundlichen Rangern, die Patrouille fahren, zügig des Wassers verwiesen: Badeverbot mangels Baywatch.

    Heute gibt es abermals viel zu entdecken in der Stadt - Superlativen inklusive. Ein 30 Kilometer langer Strandboulevard ("Corniche") erwartet uns - und der höchste Fahnenmast der Welt. Um diesen bizzaren Rekord wetteifern diktatorische Herrscher in Zentralasien und im Mittleren Osten mit Vorliebe und großem Eifer. Seit 2014 hat der saudische König mit 171 Metern den höchsten. Zuvor war's sein Kollege in Duschanbe (Tadschikistan) mit 165 Metern.

    Abgesehen davon ist Dschidda sehr amerikanisch geprägt, vom Straßenbild her. Wer US-Atmosphäre genießen möchte, ohne bei der Einreise wegen majestätsbeleidigender Internet-Kommentare von den Schergen des Machthabers belästigt zu werden, muss einfach nach Saudi-Arabien. Was vor kurzem noch ein Scherz gewesen wäre, nähert sich hurtig der Realität. Natürlich ist Saudi-Arabien noch längst kein Musterstaat für Freiheit und Menschenrechte, aber im Gegensatz zu den USA auf dem langen Weg dorthin - und nicht auf dem Pfad zurück in finstere Zeiten des Faschismus.
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  • Der tagtägliche Ausnahmezustand

    February 19 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 32 °C

    Was wir am Donnerstagabend in Medina erleben durften, sprengt die Dimensionen meines Vorstellungsvermögens. Hunderttausende, vermutlich weit über eine halbe Million Menschen versammeln sich zum Gebet und zum gemeinsamen Fastenbrechen in der zweitgrößten Moschee der Welt. Während die größte in Mekka so wie die gesamte Stadt für Ungläubige unzugänglich ist, sind in Medina nur die drei innersten Zonen für Nicht-Muslime gesperrt. Wir dürfen recht weit hinein ins Geschehen, wagen uns sogar weiter vor als gestattet: Unbehelligt von den Religionswächtern schleichen wir uns mit ausgeschalteten Handys, um nicht geortet zu werden, durch Ring drei. Marc traut sich sogar noch eine Stufe weiter vor. Nur das Grab Mohammeds ist absolut tabu.

    Der Sonnenuntergang ist noch fern, als die Vorbereitungen beginnen. Auf dem riesigen, von zahllosen Pilgerhotels umrahmten Platz vor der Moschee werden Gebetsteppiche ausgerollt, Esssenspakete deponiert und Absperrungen aufgestellt, um die Menschenmassen zu kanalisieren. Derweil strömen aus allen Himmelsrichtungen Besucher auf den Platz und unter die gigantischen Schirme, die das weitläufige Areal rings um die Moschee beschatten. Ventilatoren und ein feiner Wassernebel sorgen zusätzlich für Kühle. Mehr als eine Million Menschen haben hier Platz, doch so viele kommen nur in der Haupt-Pilgersaison.

    Aber auch die Hälfte davon bildet ein beeindruckendes Szenario. Besonders faszinierend zu beobachten: Ohne Schieben und Drängeln, mit Rücksicht und Umsicht suchen sich die Gläubigen, eine Melange der Nationen, freie Plätze. Hier werden Datteln verteilt, da Wasser, dort Essenspakete. Geduldig warten die Pilger, bis sie an der Reihe sind. Sie wissen: Niemand kommt zu kurz. Es ist genug für alle da. Trotz der unvorstellbaren Massen.

    Ausnahmezustand in Medina? Mitnichten! Dieser friedliche Ansturm findet Abend für Abend statt, er ist völlig normal. Einzig das gemeinsame Fastenbrechen ist dem Ramadan vorbehalten.

    Als sich die Sonne dem Horizont nähert, werden die großen Schattenschirme eingefahren und dienen nun als Lampenmasten. Gleißend hell ist der Platz erleuchtet, als der Imam das Signal gibt: Jetzt darf bis Sonnenaufgang gegessen und getrunken werden.

    Mehrere Gebetsrunden absolvieren die Gläubigen. Selbst in den Nebenstraßen, die auf den Platz führen, beugen sich Menschen gen Mekka, die es nicht rechtzeitig zur Moschee geschafft haben.

    Man mag zu Religion allgemein und zum Islam im Besonderen stehen, wie man mag. Aber dieses Schauspiel flößt Respekt ein - nicht nur weil hier tagtäglich eine logistische Glanzleistung vollbracht wird. Sondern weil augenscheinlich Frieden liegt über einer gewaltigen Menschenmenge, die inhomogener nicht sein könnte.

    Ein gutes Zeichen für die Welt.
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  • Die Pilger-Waschanlage

    February 19 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 28 °C

    2000 Duschen. Zweitausend! Die Moschee Masjid Al-Miqat ist vermutlich die größte Badeanstalt der Welt. Hier reinigen sich Pilger, bevor sie sich auf die Hajj oder die Umrah, die große oder die kleine Version der Wallfahrt von Medina nach Mekka machen. Busweise treffen Gläubige aus aller Welt hier ein, um in weißen Bademänteln zum Waschritual zu gehen.
    Wir Ungläubigen sind hier zwar geduldet, nicht aber mit einer richtigen Kamera. Nach ein paar Fotos fliege ich hochkant raus.

    Ähnlich groß der Auftrieb am Märtyrerfriedhof von Uhud, wo die Pilger einer Schlacht gedenken, in der Prophet Mohammed 625 mit Pauken und Trompeten unterlag, sich aber selbst aus der Affäre ziehen konnte.

    Quasi ein Jugendwerk des Verehrten ist die älteste Moschee der Welt, die Masdschid Qubāʾ, deren Grundstein 622 gelegt wurde. Auch hier herrscht ein unfassbarer Betrieb. Von weither angereiste Moslems von sämtlichen Kontinenten strömen zum Gebet - religiöses Multikulti in Vollendung.

    Als kleine Verschnaufpause zwischen all den heiligen Stätten des Islam stoppen wir am Markt, um Datteln und Obst zu kaufen. Probieren dürfen wir leider nicht: Es ist Ramadan.
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  • Rolltreppe to heaven

    February 18 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 31 °C

    In Medina legt unsere Karavane eine Punktlandung hin. Pünktlich zum Ruf des Muezzins, der den Sonnenuntergang vermeldet und damit das abendliche Ramadan-Fastenbrechen einläutet, gelangen wir in eine außergewöhnliche Moschee. Es ist die einzige weltweit mit zwei Gebetsrichtungen. Die "alte" nach Jerusalem und die nach Mohammeds Reform bis heute gebräuchliche, gen Mekka.

    Auf der von der Tiefgarage aus per Rolltreppe erreichbaren Terrasse vor der weißen Moschee haben sich unter großen Schirmen hunderte Gläubige versammelt und harren des Signals, endlich ihre von der Kirche spendierten Care-Pakete öffnen zu dürfen. Auch wir Ungläubigen sind herzlich eingeladen. Wasser, Yoghurt und Datteln sind in der Wundertüte.

    Zur Nachtruhe betten wir uns im riesigen Central Park der Stadt - eine Oase in einer unerwartet aufgeräumten Millionenstadt. Gesellschaft leisten uns hier nur ein paar Dutzend Katzen.
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  • Fernfahrer-Romantik pur

    February 18 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 33 °C

    Auf der gut 300 Kilometer langen Wüstenpassage von al-Ula nach Medina, entlang der einstigen Hedjaz-Bahnlinie, finden sich nur wenige Spuren menschlichen Lebens. Einzig ein paar Tankstellen lockern die Fahrt auf - fast immer kombiniert mit einer kleinen Moschee, einem Laden und einem Gasthaus.

    Große Auswahl gibt es den den Truckerkneipen meist nicht. Essen - ja oder nein? Das ist in der Regel die einzige Wahl. In unserem Fall gibt es - gewählt und geordert direkt in der Küche - lecker gegrillte halbe Hähnchen auf einem Reisbett, samt Getränken für kaum sieben Euro.

    Sehenswert ist das Ambiente dieser komplett gekachelten Kaschemme. In der Mitte des großen Speisesaales zwei Tische, links und rechts Teppiche zum chillen. Ein paar Ventilatoren bewegen müde die Luft, zwei monströse Klimageräte machen mehr Lärm als Kühle. In einem Eck des Gasthausrs türmen sich Trinkwassergebinde aller Art. Aber der Wirt und seine Küchenbrigade sind vergnügt und verhindern so jeglichen Fernfahrer-Blues.
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  • Fata Morgana aus Glas

    February 18 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 27 °C

    So surreal wie eine Fata Morgana mutet der Klotz an, der mitten in der Wüste abseits der Stadt al-Ula steht. Eine Konzerthalle, die 500 Menschen Platz bietet, im sandigen Ocker des Asha-Tales - kein Fremdkörper, sondern die perfekte Symbiose. Denn der 2019 in nur drei Monaten erbaute Quader namens Maraya ("Spiegel") ist komplett - verspiegelt. Fast 10.000 Quadratmeter speziell gehärteter Gläser bilden die Fassade des 26 Meter hohen Komplexes - Weltrekord!

    Eigentlich kommt man nur mit reservierter Führung auch nur in die Nähe dieses faszinierenden Bau- und Schauwerkes. Doch unserem Tausendsassa Marc gelingt es mit Charme und Diplomatie, uns trotzdem Zugang zu verschaffen - und das sogar noch gratis.
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  • Die Weihrauch-Dynastie

    February 18 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 16 °C

    Vor 2500 Jahren erstrecke sich das Reich der Nabatäer von Damaskus bis zum heutigen Jemen. Ihre Hauptstadt Petra (Jordanien) ist berühmt. Ein wichtiger Handelssitz der Weihrauchdealer war die Stadt Hegra in Saudi-Arabien - ein paar Nummern kleiner als Petra, aber nicht minder interessant.

    Mehr als 100 Grabkammern pickelten die Nabatäer einst in den weichen Sandstein nahe al-Ula, reich verzierte Zeugnisse früher Steinmetzkunst. Konnte man den weitläufigen Kpmplex vor ein paar Jahren noch auf eigene Faust entdecken, geht das heute nur noch mit Shuttlebussen zu Hotspots. Schließlich ist Hegra das erste UNESCO-Weltkulturerbe des Landes.
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  • Garten Eden und Influencer-Hotspot

    February 17 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 26 °C

    Im Schatten des Baldachins riesiger Dattelpalmen gedeiht alles erdenkliche Gemüse von Auberginen bis zu Zwiebeln, dazu diverse Gewürzpflanzen. Ein Bachlauf plätschert durch die weitläufige Park- und Gartenanlage mit chilligen Sitzgelegenheiten. Garten Eden meets Schlaraffenland in der Oase von Al-Ula.

    Die große Wüstenstadt, deren jüngerer Teil optisch herzlich wenig hermacht, mausert sich mit großen Schritten zu einem Touristen- Hotspot. Mit Hochdruck wird am Ausbau der Infrastruktur gewerkelt - selbst einen komfortablen Radweg (!) gibt es hier, mitten in der Wüste neben der achtspurigen Einfallstraße.

    In der Altstadt hat man es indes etwas übertrieben. Mit viel Aufwand und Liebe zum Detail wurden die Lehmhäuser restauriert, doch sie wirken merkwürdig artifiziell und etwa so authentisch wie Disneyland, zumal dort offenbar niemand mehr wohnt außer Übernachtungsgästen. An der Flaniermeile reihen sich Souvenierläden und Boutiquen, doch an diesem angenehm milden Februarnachmittag vor dem Ramadan sind mehr Straßenkehrer (aus Bangladesh) unterwegs als Besucher. Die peinlichen Elektrowägelchen, die fußfaule Touris zu den Großparkplätzen bugsieren, stehen sich die Reifen platt.

    Mehr los ist derweil am Elephant Rock, ein paar Kilometer außerhalb der Stadt. Dort erwarten ein paar hundert Urlauber, vorwiegend aus Asien, sehnlichst den Sonnenuntergang, der das Abendlicht apart unter dem Rüssel hindurchblitzen lässt, den Winderosion aus dem gewaltigen Felsmassiv gefräst hat.
    Dutzende Influencerinnen, deren marginale Bekleidung traditionsbewussten Moslems zu Schnappatmung verhelfen dürfte, setzen sich vor der imposanten Naturskulptur in Szene. Ihr die Schau zu stehlen, gelingt den Knappgewandeten nicht.

    Kaum ist die Sonne verschwunden, zaubert ein Meer von Lichtern im Sand eine fast magische Atmosphäre. Die Sundowner - alkoholfrei, versteht sich - schlürft man entspannt in bequemen Sitzrunden, die in den Boden gegraben wurden. Wie die Erdhörnchen gucken die Menschen aus den Löchern. Ein witziger Effekt.
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  • On the road again

    February 17 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 22 °C

    Geweckt von einem vielstimmigen Konzert aus Dutzenden Vogelstimmen, Hahnenkrähen und Muezzin-Gesang (leicht verstimmt) sind wir heute beizeiten unterwegs Richtung al-Ula. Einem brettflachen, breiten Tal folgt ein imposantes Gebirgsmassiv, das wir teils nur im 1. Gang erklimmen können. Karg ist die Gegend, aber von bizarrer Schönheit.

    Da die USA ja aktuell als Reiseziel für Trump-Kritiker ausfallen, kann man die arabische Halbinsel wärmstens als Alternative empfehlen. Momument Valley können sie hier auch...
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  • Rot-Grün rocks!

    February 16 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 31 °C

    Nach vielen Kilometern durch diverse Beige- und Ockertöne der Wüste wechselt plötzlich das Farbenspiel der Natur. Im Wadi Al-Disah ("Tal der Palmen") überragen imposante, rote Sandsteinklippen üppige, grüne Vegetation. Heute (welch Schmach für Rallye-Reisende!) lassen wir uns mal fahren. In einem alten Toyota-Geländecabrio geht es hinein in ein atemberaubend schönes Tal, durch dichte Wälder aus Schilfgras immer am oder im Rinnsal eines Baches entlang, der einst als reißender Fluß dieses Spektakel geschaffen haben muss.

    Von den Strapazen des Sightseeings erholen wir uns am Taleingang auf einem hübschen Campingplatz. Denn geduscht haben die meisten von uns schon viel zu lange nicht mehr...
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  • Boxenstopp und Kamele statt Kamelle

    February 16 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 26 °C

    Nach zwei Tagen Offroad leckt die Truppe erstmal ihre Wunden. Kaum wieder festen Boden unter den Rädern, richtet Jörn mit wohldosierter Gewalt seinen derangierten Unterbodenschutz. Wasser tanken, den Reifenluftdruck wieder von Sand (1,5 bar) auf Teer (3,5 bar) hochjustieren, und weiter geht's.

    Vom Rosenmontag bekommt man hier erfreulicherweise nichts mit. Unser karnevalistisches Motto: Kamele statt Kamelle!
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  • Auf einen Kaffee bei Mohamed

    February 15 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 28 °C

    200 Schafe, fünf Dromedare und ein geräumiges Zelt besitzt der Beduine Mohamed. In seine geräumige Einraum-Zweitwohnung aus dicht gewebter, schwarzer Schafwolle lädt er uns alle ein, nachdem wir uns wieder Mal so richtig festgefahren hatten. Und so kommen wir dank Marcs Sprachkenntnis in den Genuss saudi-arabischer Gastfreundschaft.

    Möbel gibt es nicht in dem geschätzte 30 Quadratmeter großen Zelt, dafür Schaffelle und flauschig-weiche Teppiche, die auf drei Seiten komfortable Sitzgelegenheiten bieten. Auf einer mit Steinen umrahmten Feuerstelle am Eingang zelebriert Mohamed seine Kaffeezeremonie. Er stampft Gewürze, vor allem Kardamom, in einem Messingmörser, er brüht, er schüttet aus großen und kleinen Kannen kunstvoll hin und her - das alles nach einem schwer durchschaubaren Konzept. Aber was zählt, ist das Ergebnis. Und das ist köstlich. Dazu ein paar Datteln, mittelsüß - und das Sand-Fiasko zuvor ist längst vergessen.
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  • Die Wüste lebt

    February 15 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 19 °C

    Fast schien es so, als würden nach einem Tag der Grenzauslotung diesmal wir die Oberhand behalten in der Wüste. Doch dann zeigte sie uns abermals unsere Limits auf. Dabei stand uns zunächst nur eine nagelneue, noch nicht in unseren Routenplänen vermerkte PV-Anlage, die sich über hunderte Hektar erstreckt, im Weg. Geschmeidig umschifften wir das Hindernis und pflügten durch angemessen tiefe Sandfurten, bis dann eben doch wieder Ende Gelände war und die Stunde von Schaufel und Abschleppseil schlug. Aber wozu haben wir das Zeug schließlich dabei?

    Dafür erfreut uns die Landschaft mit einer ganz anderen Augenweide als gestern. Grüner, mit Bäumen und zarten Blümchen - und vor allem: mit Dromedaren. Die hatten zum kompletten Wüsten-Feeling noch gefehlt.
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  • 1:0 für die Wüste

    February 14 in Saudi Arabia ⋅ ☀️ 18 °C

    Am Tag 1 der großen Saudi-Arabischen Sandkastenspiele steht es 1:0 für die Wüste. Nach zwei Sonderprüfungen können die Teilnehmer des Teams Horizon Seekers 2026 mit der Performance ihrer Kraftfahrzeuge nur bedingt zufrieden sein. Immer wieder bekam weicher Sand die Oberhand und verschluckte die beiden kleineren Autos, doch auch die Trucks kamen früher als erwartet an ihre Grenzen. Zweimal machten uns Einheimische mit ihren 4x4 flott, unzählige Male halfen wir uns selbst. Jörg bekommt heute den Gelben Engel des Tages verliehen. Ins Guinessbuch kommen wir ob des längsten je zusammengeschäkelten Abschleppseils.

    Ungeachtet der Mühsal haben wir, vor allem die großen Buben, ultimativen Spaß und ergötzen uns an einer Traumlandschaft mit faszinierenden Felsformationen. Ein Canyon wird als Nachtlager angepeilt.
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  • USA-Imitat im Sand

    February 13 in Saudi Arabia ⋅ 🌙 17 °C

    Achtspurige Highways, gigantische Parkplätze, ein Mega-Shoppingmall und Hamburger-Ketten: Wäre die saisonunabhängige Modefarbe der Frau nicht einheitliches Schwarz, und würden die Männer nicht bodenlange Gewänder plus Kopftuch tragen - glatt könnte man sich in den USA wähnen.

    Staunen, staunen, staunen: das ist die erste Reaktion auf Saudi-Arabien nach zehn Tagen im Irak und in Jordanien. Mit dem Grenzübertritt haben wir eine völlig andere Welt betreten. Es ist wesentlich sauberer, deutlich weniger chaotisch, und es riecht nach Reichtum - so ungerecht verteilt wie überall auf der Welt. Denn die Drecksarbeit erledigen hier Heerscharen von Hungerlöhnern, z. B. aus Bangladesh.

    Hier ein paar Eindrücke von der Großstadt Tabuk, wo wir in einem Park unser erstes Nachtquartier aufgeschlagen haben - nach einem ausgedehnten Stadtbummel samt Kamikaze-Sprint über die Autobahn.
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  • Da, wo tanken Spaß macht

    February 13 in Saudi Arabia ⋅ ☁️ 25 °C

    Mit dreieinhalb Stunden ging der Grenzübertritt nach Saudi-Arabien halbwegs moderat ab, wenngleich wieder mit allerlei Wirrnissen und Überraschungen. Ein Carnet (die Fahrzeug-Zollpapiere) korrekt abzustempeln, überfordert hier viele Grenzer. Dafür war es nahezu ein Kinderspiel, die Kaution für die versiegelten Funkgeräte wieder zu bekommen.

    Nachdem die Autos erst manuell durchsucht und dann geröntgt waren, sollte sich auch noch der Amtstierarzt mit Fando beschäftigen. Doch der Doc kapitulierte am Papierkram und ließ Axel samt Hund einfach so durch.

    Frech haben uns die Jordanier nochmal Geld abgeknöpft für die Ausreise: 45 Dinar/60 Euro pro Auto mit zwei Leuten. Und die Saudis nötigten uns eine Autoversicherung für 100 Euro auf. Die wird sich indes mehr lohnen als die jordanische. Denn jetzt sind wir erstmal ein Weilchen hier, im großen Sandkasten.

    Next stop: Tabuk Airport. Ein neuer Mitreisender kommt an Bord, unser Freund Marc, den wir bei der Rallye vor zwei Jahren am Pamir kennengelernt und als weltkundigen Mitreisenden gewonnen haben.

    Ansonsten empfängt uns das Königreich stürmisch mit kräftigen Wind- und Sandböen. Endlich Wüsten-Feeling!
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  • E? E!

    February 12 in Jordan ⋅ ⛅ 17 °C

    Überraschend viele E-Autos sind auf Jordaniens Straßen unterwegs, auch wenn der Sprit nur zwischen 75 Cent und einem Euro kostet, umgerechnet. VW ID4, Tesla und BYD sind besonders oft zu sehen auf der A15, der Hauptverbindung von Amman in den Süden. Dort gibt es auch regelmäßig Ladestationen.

    Bei der nachhaltigen Energieerzeugung ist indes noch Luft nach oben. Zuweilen taucht zwar mal ein PV-Feld oder ein Windpark auf. Aber da bietet die Wüste noch viel Potential.
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  • Beim Lawrence von Arabien

    February 12 in Jordan ⋅ ☀️ 15 °C

    Wie man baut, wenn man kein Holz hat, ist zu erleben in der Burgruine Qasr al-Azraq, deren Ursprung auf 300 vor Christus zurückgeht. Die kunstvollen Gewölbe, Decken und tonnenschweren steinernen Türen, die heute noch zu sehen sind, datieren auf das Jahr 1237.
    Historisch bedeutend ist die Ruine, weil sie einst Lawrence von Arabien beherbergte. Er lebte hier während der Arabischen Revolution 1917.
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  • Herr Mubarak und sein Hotel

    February 12 in Jordan ⋅ ☀️ 15 °C

    Mehrere Sightseeing-Stops, drei an der Zahl, haben wir heute absolviert, auf dass Reisen auch wirklich bilde, aber auch, um der Monotonie der Wüste ein wenig Glanz zu verleihen. Dabei ist die karge, brettflache Landschaft hier gar nicht wirklich eintönig. Mal sind es große, schwarze Steinbrocken, die die Szenerie prägen, mal ist es Sand verschiedenster Farbe. Überraschend oft wechselt die Geologie. Was bleibt, ist der Blick bis zum Horizont, nur selten unterbrochen von einem Haus, einem zeltähnlichen Stall oder einer Schafherde. Ja, tatsächlich leben Menschen in dieser faszinierend schönen, aber unwirtlichen Welt.

    Mitten in der Ödnis schmiegt sich, farblich perfekt assimiliert, ein etwa 1300 Jahre altes Bauwerk in die Landschaft. Qusair Amra diente einst einem Kalifen als eine Art Jagdschloss. Detaillierte und teils recht gut erhaltene Fresken erzählen von den Gepflogenheiten vor hunderten von Jahren.

    Während dieser Mini-Palast dem Adel diente, beherbergte Qasr Al-Kharaneh vorwiegend Handelsreisende. Die zweistöckige Karawanserei, eine Art Hotel aus dem 7. Jahrhundert n. Chr., steht an der Kreuzung zweier früherer Handelsstraßen und einer Bahnlinie.

    60 Zimmer, davon 20 Suiten, bot das 30 mal 30 Meter große Haus, dazu Pferdeställe und einen geräumigen Innenhof. Der kleine Herr Mubarak zeigt uns bereitwillig und sehr humorvoll "sein" Hotel. Sein "Yalla, yalla" ("auf geht's") klingt uns noch lange nach. Ohne ihn hätten wir die Lüftungslöcher in den Wänden, die für spürbar kühlenden Luftzug in den Räumen sorgen, für Schießscharten gehalten. Und wie man unsere Namen auf Arabisch schreibt, wüssten wir auch nicht.

    Reisen bildet eben doch...
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