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  • Day13

    Heut mal ganz entspannt

    August 14, 2018 in Norway ⋅ ⛅ 11 °C

    Auch die zweite Nacht in unserer Hüte war nicht sonderlich erholsam für mich. Aber wir beschloßen schon am Morgen, es heute ruhig angehen zu lassen. Die Idee eine Wanderung auf einem Gletscher zu unternehmen, verwarfen wir. Phillipp war noch etwas von seiner Skåla-Wanderung mitgenommen und ich war durch den schlechten Schlaf hier auch müde. Da heute unser Hochzeitstag ist, gibt es erstmal ein ausgedehntes Frühstück mit frischen (nagut, aufgebackenen) Brötchen, Rührei und Obstsalat.
    Danach beschloßen wir, das Loendal, das Tal in dem sich unser Campingplatz befindet, noch etwas zu erkunden. Am Ende gibt es jeweils zwei Gletscherzungen des Jostedalsbreen, an die man recht nah heranlaufen kann. Der Kjenndalsbreen ist der einfacher zugängliche. Eine recht breite Straße führt das Tal entlang und endet in einem Parkplatz. Als wir ankamen sind bereits zwei große Reisebusse vor Ort. Normalerweise heißt das, dass man sich Aussichten mit zig anderen Leuten teilt - das ist nicht allzu prickelnd. Die älteren Leute gingen dann auch gemächlich Richtung Gletscher. Als der breite Weg endete, blieben alle gedrängt stehen. Wir beschlossen dann aber, noch etwas weiter zu laufen. Mehrere kleine Pfade führten noch näher zum Gletscher. Über Felsen, Steine und ein trockenes Flussbett geht es kletternd weiter bis der Weg dann doch zu gefährlich wird. Wir bestaunen den Gletscher aus sicherer Entfernung und machen uns dann auf den Rückweg. Beim See-Café halten wir noch einmal kurz und schauen auf einen gegenüberliegenden Wasserfall Ramnefossen der an elfter Stelle der höchsten Wasserfälle der Welt steht. Der See und das Tal wirken so friedlich und idyllisch, dass es uns erstaunt, dass es kaum besiedelt ist. Tatsächlich war das Loendal früher ein Touristenparadies, bis zwei Katastrophen in den Jahren 1905 und 1936 unzählige Menschenleben forderten. Große Teile eines Felsen stürzten in den See und verursachten eine bis zu 70m hohe Flutwelle, die alles unter sich begrub. Seitdem leben kaum Menschen hier und das Tal wirkt umso verlassener.
    Als nächstes fuhren wir in den zweiten Seitenarm des Tals. Eine schmale, teilweise schlecht ausgebaute Straße führt zum Bødalsbreen hinauf. Wir parkten unser Auto gingen zu Fuss weiter. Vorbei an mehren, verwaist wirkenden Häusern (auf der Alm gab es früher einen Bauernhof) führt der Weg recht entspannt zum Gletscher. Überall am Wegesrand wachsen Heidelbeeren und Pilze. Die Pilze, obwohl essbar, lassen wir stehen, Heidelbeeren pflückten wir ein paar und aßen sie unterwegs. Schließlich kamen wir zum Gletschersee und ein bisschen weiter oben sahen wir Gletschermoräne und die Gletscherzunge. Der Bødalsbreen ist viel beeindruckender als der Kjenndalsbreen und trotzdem ist er kaum besucht. Wir trafen unterwegs nur ein Handvoll Leute, wahrscheinlich liegt es an der beschwerlichen Zufahrtsstraße.
    Wir machten eine kleine Pause und liefen letztendlich zurück zum Auto. Beide Gletscher sind wirklich leicht zugänglich - wahrscheinlich die einfachsten Wege, die wir in Norwegen bisher gewandert sind.
    Zurück am Campingplatz gönnten wir uns ein Eis und liehen uns dann ein Kanu, um ein wenig auf dem See rumzupaddeln. Phillipp war sehr ambitioniert, ans Ende des Sees zu gelangen. Naja, nach den ersten Metern wurde klar, dass das mit mir nicht möglich ist, denn mir wurden schnell die Arme schwer. Außerdem habe ich bei weitem nicht so viel Kraft wie er, so dass wir nie gerade fuhren, sondern ständig die Richtung korrigieren mussten. Trotz allem schafften wir bestimmt einen guten Kilometer und gingen bei einem kleineren Wasserfall auf der anderen Seite kurz an Land - das Ende des Sees ist noch lang nicht in Sicht. Wir machten uns schließlich auf den Rückweg und nach gut zwei Stunden Gepaddle reichte es mir dann auch.
    Wir überlegten, ob wir uns ein nettes Restaurant suchen, aber die Gegend ist so ländlich, dass wir uns nicht allzu viel versprechen. Wir kochten uns schließlich was Leckeres aus unseren Resten und genoßen den Abend. Nicht der aufregendste Tag, aber wir haben es genossen, es mal etwas ruhiger angehen zu lassen. Außerdem hatten wir heute wirklich Glück mit dem Wetter.
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