Laura Rehs

Joined August 2018
  • Jul13

    Tag 20 gemeistert

    July 13 in Spain ⋅ ⛅ 21 °C

    Manchmal gibt es doch Situationen im Leben wo man sich so denkt: „ach naja, schlimmer kann es doch eh nicht mehr kommen, was soll jetzt noch groß passieren?!“.
    Genau solche Situationen durchlebte ich heute 3x.
    Der Tag fing aber super an: ich stand relativ zeitig auf und dank WhatsApp frühstückten Aileen und ich gemeinsam. So einen langen Weg hatte ich heute auch nicht vor mir, nur 12 Kilometer. Ich wollte heute (eigentlich) nur so wenig laufen, weil mein Knöchel total schmerzt und ich allgemein jeden einzelnen Knochen des Körpers in mir spüre. Der Reiseführer beschrieb meine angedachten Herberge auch als „wenig besucht“ - also, was soll da noch schiefgehen?
    (Spoiler: eine ganze Menge). An der Herberge angekommen, bekam ich den altbekannten Satz zu hören: „es tut uns leid - für heute sind wir voll“
    (->Situation 1). Naaaa toll, die Herberge ist voll, die nächste kommt erst in ca. 18 Kilometern und es ist schon 14:30. Ich fragte also booking.com ob sie ein preiswertes Hotelzimmer für mich in der Nähe haben... ja hatten sie zwar, aber genau in dem Ort, wo ich heute früh gestartet bin. Also hätte ich den ganzen Weg zurücklaufen müssen und morgen nochmals laufen müssen. Ganz nach dem Motto: „immer Vorwärts, niemals Rückwärts“ ging ich einfach weiter, in der Hoffnung, dass bald neue Vorschläge kommen. Bald kam auch ein neuer Vorschlag, nur der Clou: das Zimmer ist ca 7 Kilometer von meinem Standort entfernt... das heißt also: nochmals 2 1/2 Stunden laufen. Meine Laune sank immer tiefer, dafür wurde mein Durst immer größer. In der Ferne sah ich aber schon einen Wasserspender, schnell trank ich also meine Flasche auf, um sie nachfüllen zu können. Am Spender angekommen natürlich wie zu erwarten: „Außer Betrieb“. (-> Situation 2)
    „Toll“ dachte ich mir „jetzt wo ich der Obdachlosigkeit entflohen bin, rutsche ich in die Dürreperiode rein“.
    Noch schlechter gelaunt setzte ich meinen Weg fort. (Von wegen negativ mal negativ ergibt etwas positives... schlechte Laune und noch schlechtere Laune ergeben bei mir keine Heiterkeit sondern eher eine Verstimmung schlimmsten Grades)
    Nachdem ich irgendwann eine Bank und einen Wasserspender gefunden hatte, checkte ich die Lage: noch ca 30 Minuten Fußweg und dabei die Autobahn überqueren.
    Kurz nach der Autobahnüberquerung trennte mich ein fettes Absperrband von meinem weiteren Weg „tut mir leid, sie dürfen hier leider nicht lang, hier ist gerade ein Autorennen was noch weitere Stunden dauern wird“ (-> Situation 3).
    Naaaa toll und jetzt?! Fragte ich mich selber und auch den Securitymann. Er wusste keine Antwort, außer, dass ich warten sollte. Mittlerweile war es aber schon 18:00. Ein paar Männer bekamen dies mit und erklärten mir netterweise einen anderen Weg. Der einzige Haken: ich musste für 30 Minuten auf einer Nationalstraße langlaufen. Aber hey, das war ich ja schon gewöhnt.
    Also machte ich mich auf und während ich die Nationalstraße langlief, überkam mich wieder ein schallendes Lachen. (Muss man das irgendwie kontrollieren lassen? „Hilfe, immer wenn ich Schnellstraßen entlanggehe, muss ich in hysterisches Lachen ausbrechen, was ist nur los mit mir?“)
    Glücklicherweise liegt meine Unterkunft auch gleich an dieser Nationalstraße, deshalb konnte ich irgendwann die Kurve kratzen.
    Und Moral von der Geschichte: auch die verzwicktesten Tage gehen irgendwann mal vorbei, auch wenn es am Anfang nicht so scheinen mag.
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  • Jul7

    Woche 2 gemeistert

    July 7 in Spain ⋅ ⛅ 22 °C

    Diese Woche bin ich gar nicht dazu gekommen, jeden Tag einen Footprint zu setzen. Warum? Ich glaub das lässt sich am besten mit der Kilometerzahl für diese Woche erklären: 149,6 Kilometer. Am Abend bin ich immer nur ins Bett gefallen und habe von einer kalten Dose Cola und einer Massage geträumt... naja wenigstens den Wunsch nach einer Cola konnte ich mir erfüllen. In dieser Woche sind mir aber eine Menge toller Leute begegnet. Unter anderem ein Mann, der Münzen aus aller Welt sammelt und mir herzlicherweise eine 5 Penny Münze aus seiner Sammlung geschenkt hat. Oder eine Frau, die mir einfach so die Schmerzcreme ihrer Schwägerin geschenkt hat, weil ich ihr erzählte, dass mein linker Oberschenkel höllisch weh tut.
    Tolle Wanderwege waren auch wieder dabei, unter anderem ein Panoramaweg mit Blick auf das Meer und den Strand und nicht zu vergessen die himmlische Ruhe im Mönchskloster.
    Und Gestern, Mitten als ich auf der Nationalstraße wildlachend und mit einem kaputten Oberschenkel am Standstreifen ein 10% Gefälle runtergelaufen bin, traf mich die Erkenntnis: Gott (oder zumindest das Schicksal und mein Schutzengel) kommen nicht mit einem Urknall einfach auf mich zu und sagen: „Hey Laura, jetzt nach 300km haben wir endlich Zeit, dir mal zu offenbaren wer du wirklich bist und was dein Leben noch für dich bereithält“ -Neeein.
    Die oberen Mächte müssen doch schon die ganze Zeit bei mir sein. Wie auch sonst gerate ich auf Nationalstraßen und werde nicht umgefahren? (Erinnert mich daran, meinen Schutzengel einen Entspannungstee zu schicken) Wie auch sonst lerne ich jeden Tag aufs neue total liebe Menschen kennen, die mir immer einen kleinen Teil ihrer Zeit schenken und mir so damit den Tag versüßen? Und wie auch sonst habe ich noch nicht aufgegeben, obwohl die Motivation manchmal gut versteckt ist?
    Mit diesen neuen Erkenntnissen und einen heutigen Pausentag starte ich schon in die dritte Woche - mal schauen was diese zu bieten hat.
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  • Jun30

    Tag 7 gemeistert

    June 30 in Spain ⋅ ⛅ 20 °C

    Manchmal gibt es doch Tage wo man aufsteht und sofort weiß: „nein, heute wird nichts“ (eigentlich auch Montage gennant 😃)
    Bei mir war aber heute so ein Tag...Mein linker Oberschenkel (auweia) tat immer noch mega mäßig weh und „au“ & „aua“ hatten sich auch mal eine Pause verdient. Deswegen und dadurch, dass mir diverse Arztseiten im Internet den schnellen Tod versprachen*, fragte ich beim Frühstück die Herbergsmutti, ob ich nicht noch einen Tag länger bleiben dürfte. Sie willigte gleich verständnisvoll ein und so tat ich den ganze Tag über: genau - nichts!
    Dies war nach den ganzen auf und ab der letzten Woche eine willkommene Abwechslung für mich und meinen Körper. Deshalb gibt es heute nicht sehr viel zu berichten, außer dass ich mich trotzdem schon auf morgen und meine 20km freue!

    * = ich googelte nämlich nach Blasen am Fuß und wie man am besten vorgeht. Schnell wurde mir eine Verunreinigung der Wunde und die daraus resultierende Blutvergiftung vorhergesagt.
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  • Jun29

    Tag 6 gemeistert

    June 29 in Spain ⋅ ☁️ 18 °C

    Wenn ich einen Facebook Beziehungsstatus mit mir und meinem Reiseführer angeben sollte, würde dieser wohl heißen: „es ist kompliziert“.
    Der Autor, Raimund Joos, hat neben den offiziellen Routen manchmal noch ein paar andere Wege angegeben, die er persönlich besser findet - so auch heute. Der offizielle Jakobsweg hätte entlang einer Schnellstraße geführt, zwar nicht steil bergauf, aber dafür auch nicht besonders toll. Er hingegen empfahl einen Weg über ein historisches Pflaster, zwar etwas steiler, dafür aber mit Charakter. Nach Rainis Empfehlung ging ich also den beschrieben Weg zum historischen Pflaster. Und siehe da: mit seiner Beschreibung „etwas steil bergauf“ hatte Big J mich ganz schön in die Pfanne gehauen. Es war nicht etwas steil, - es war sehr steil. Schneller als sich jemand drei statt einem gratis Käsewürfel bei der Kauflandprobiertheke klauen konnte, fiel auch meine Stimmung. Entlang dieses Pfades gab es eine Infotafel, die darüber informierte, dass schon Alexander von Humboldt diesen Pfad gegangen sei. Ob wir wohl auch die gleichen Gedanken hegten, während wir diesen Berg entlangschritten? Wenn er sich dachte: „Scheiße, wann hört dieser blöde befotzte Pisspfad mit seinen kack Steinen endlich auf?!“ dann bestimmt, aber wissen werden wir das wohl nie zu 100%.
    Nachdem auch diese Hürde überwunden war, folgte in dem Reiseführer eine Beschreibung, dass rechts eine Kirche mit einem Weg ist.
    Unklar darüber, ob ich diesen Weg einschlagen sollte oder nicht, ließ ich es lieber und folgte den einfachen Ortsschildern. Wie sich später herausstellte, was das die falsche Entscheidung - ich kam zwar auch in dem Ort an wo ich hinwollte, aber auf einer total anderen Strecke. Vielleicht solle ich mal Meister Joost schreiben, damit er diese auch noch in seinen Reiseführer mit aufnimmt (und diese beinhaltete auch keine historischen Pflasterpfade).
    Obwohl mein heutiges Ziel nur ca 10 km waren, war ich froh über jede Pause. Denn mit mir gingen heute „au“ „aua“ und „auweia“.
    „Au“ und „aua“ folgten mir auf Schritt und Tritt, denn so habe ich meine Blasen an den Füßen getauft. „Auweia“ kommt nur gelegentlich vor - das ist der stechende Schmerz in meinem linken Oberschenkel der immer dann kommt, wenn ich die Beine hochziehen muss. Aber wenn der kam... auweia halt.
    Trotz vielen Pausen, Uneinigkeiten mit dem Reiseführer und 3 neuen Bekannten habe ich es an mein heutiges Ziel geschafft, wo es auch gleich Abendbrot gibt.
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  • Jun28

    Tag 5 gemeistert

    June 28 in Spain ⋅ ☀️ 20 °C

    „Lächele und die Welt lächelt zurück“ - an sich ein ziemlich ausgelutschter Spruch, aber trotzdem beschrieb er meinen Tag heute am besten. Heute wollte ich zum ersten Mal 20km am Tag laufen. Dafür, dass ich einen ziemlich langen Weg vor mir hatte, ließ mich mein Zeitmanagement aber im Stich. 10:50 aß ich erstmal Frühstück in einem süßen Café, 12:30 folgte die nächste große Pause, ohne jedoch weit gekommen zu sein. Aber mein Zimmer für diese Nacht hatte ich schon sicher, also warum sich auch stressen lassen? Nachdem ich mich dann langsam eingelaufen hatte, merkte ich, dass ich die Hügel alle schon viel besser meisterte als gestern. Gut gelaunt schritt ich Kilometer um Kilometer und strahlte die entgegenkommen Leute an (okay, vielleicht nicht als es Bergauf ging) . Und siehe da: jeder einzelne lächelte zurück. Ein tolles Gefühl und ein toller Tag. Bis sich die Zeit gegen mich wendete: mir viel ein, dass ich für meinen Pilgerausweis noch einen Stempel des heutigen Tages brauchte. (Man muss quasi jeden Tag einen Stempel „sammeln“ - damit wird bestätigt, dass man wirklich gelaufen ist) Scheiße. Meine Uhr zeigte mir stattliche 17:30 an und bis zu meiner Stadt „Zarautz“ brauchte ich mindestens noch 2 Stunden. (Das Touristenbüro hatte nur bis 20:00 offen - diese erteilen nämlich die Stempel. Zwar auch die Herbergen, aber heute nächtige ich in einem Hotel) Also passierte das unmögliche: ich nahm meine Füße in die Hand und stiefelte im schnellen Tempo los, obwohl genau das eigentlich nicht passieren sollte. Den ersten Teil der Strecke überwindete ich schneller als Usain Bolt (Vorsicht: Hyperbel), bis ich vor einem meiner größten Gegner stand: ein steiler Hügel nach oben. Mit der Vollendung des Tages lässt natürlich auch die Kraft nach, aber ich biss die Zähne zusammen, denn nur der Stempel zählte.
    Schweiß rannte über mein Gesicht, Rotze kam aus der Nase geschossen und Korea erklärte Amerika den Krieg - doch ich machte keine Pause. Oben angekommen zeigte ich dem Hügel den Mittelfinger und meine „Tour de Stempel“ konnte weitergehen. Schnellen Schrittes zog ich weiter in die Stadt „Orio“ in der ich eigentlich zuerst nächtigen wollte. Den gelben Pfeilen folgend (die gelben Pfeile wurden extra für die Pilger konzipiert um Ihnen den Weg zu zeigen) bahnte ich mir den Weg durch die Stadt. Doch siehe da: ein neonblaues „i“ für Touristeninformation. Natürlich ist jedem klar, was nun passierte: die „Tour de Stempel“ wurde spontan abgebrochen. Ich holte mir im Touristenbüro von Orio einfach meinen Tagesstempel. Denn ganz ehrlich: Hetzen& Stress stimmen doch mit dem Namen Laura nicht überein. In Orio nahm ich noch kurz Platz auf einer Bank und feierte meinen Sieg. Der Schweiß verdampfte, die Rotze zog wieder hoch ins Gehirn, Korea schwängte die Friedensflagge und ich war nicht mehr in Eile: die Welt hatte wieder sein Gleichgewicht erreicht.
    Mit ruhigem Gewissen konnte ich nun noch die letzen 8 Kilometer nach Zarautz zurücklegen.
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  • Jun27

    Tag 4 gemeistert

    June 27 in Spain ⋅ ⛅ 21 °C

    Meistens geht es im Leben ja bergauf und dann wieder etwas bergab. Heute hatten „bergauf und bergab“ für mich keine metaphorische Bedeutung, sondern es war einfach die Beschreibung von meinem heutigen Weg: Bergauf, dann wieder Bergab, dann wieder bergauf, dann wieder bergab. Und das für ca 10km.
    Wenn man keine Kondition hat (*hust* ich *hust*), fühlen sich die 10km auch schnell an wie 30.
    Eigentlich taumelte ich von Pause zu Pause. So wie sich andere noch einen Schluck Wein gönnen, gönnte ich mir noch eine Pause mehr.
    Mit den wichtigen Fragen des Lebens konnte ich mich immer noch nicht auseinandersetzen, da ich damit beschäftigt war vor jeder Kurve zu beten, dass es endlich mal einen Weg geben wird, der normal geradeaus verläuft. Entweder hat Gott heute seinen Ruhetag gehabt oder einfach verpennt, denn meine Gebete wurden nicht erhört. Das einzige was die Situation wieder normalisieren konnte war die wunderschöne Aussicht. So konnte ich mich auch selbst etwas belügen: „nein Laura, du machst gar keine Pause, du nimmst dir nur 10 Minuten Zeit um die Aussicht im sitzen zu genießen - alles gut“
    Irgendwann ging aber auch diese Achterbahnfahrt vorbei und ca 15:00 landete ich in “Donostia San Sebastián”. Der Reiseführer beschreibt die Stadt als eine der schönsten Städte Europas (anscheinend hat er noch nie etwas von Forst gehört) deshalb nutzte ich den Nachmittag, um die Stadt zu erkunden. Obwohl meine Definition von Stadt erkunden eher so aussieht: „Eine Dose Cola kaufen, sich auf die nächstbeste Bank setzen und die Leute beobachten“.
    Morgen komme ich nämlich sowieso an den Touristenattraktionen vorbei, deshalb wollte ich mir heute damit nicht die Spannung versauen.
    Jetzt lasse ich den Abend mit ein paar Cashewkernen und einem Smoothie ausklingen, also PROST!
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  • Jun26

    Tag 3 gemeistert

    June 26 in Spain ⋅ ☀️ 30 °C

    Musstet ihr schonmal unter Tränen euren Rucksack auspacken, weil euch jemand beschuldigt hat, sein Portemonnaie geklaut zu haben? Wenn nein: herzlichen Glückwunsch -diese Situation ist echt alles andere als toll.
    Wenn ja: dann sind wir wohl Leidensgenossen. Aber ganz vom Anfang: Der Weg heute an sich war spitze, manchmal etwas steil, aber immer mit einer tollen Aussicht. Oben auf dem Berg angekommen (547 Höhenmeter) habe ich sogar einen Franzosen geholfen, sich zurechtzufinden (wenn der wüsste, dass ich von Forst nach Groß Kölzig mit Navi fahren muss, hätte er mich bestimmt nicht gefragt).
    Außerdem hat mir eine ganze französische Reisegruppe dabei zugesehen, wie ich über einen Holzzaun geklettert bin. Dafür erntete ich aber auch eine menge Daumen hoch.
    Dann ging es in die Stadt, wo ich heute nächtige „Pasaia“. Die Herberge, die nur 5 min entfernt sein sollte, stellte mir (und Mama) eine Aufgabe von über 1 1/2 Stunden. Blöd wenn man denkt, dass die Treppen hoch zu einem Restaurant führen, in Wahrheit aber der Weg zur Herberge sind.
    An der Herberge dann natürlich wie zu erwarten: „es tut uns sehr leid, aber wir sind für heute voll“. (Den Satz muss ich auch noch in meine Jakobswegdefinition aufnehmen). Netterweise rief die Herbergsdame einen Mann an, der mehr oder minder „schwarz“ noch Pilger bei sich aufnimmt, falls es eng werden sollte.
    Dankbar wie eh und je machte ich mich auf dem Weg zur anderen Herberge.
    Dort angekommen duschte grad eine Italienerin, während ich damit beschäftigt war mit Mama zu telefonieren und nicht das gesamte Bettlacken vollzuschwitzen (der Brunnen im Rosengarten kann sich noch was von meinen Schweißfontänen abschauen.)
    Als ich dann meine Wäsche gewaschen habe kam der Aufschrei der Italienerin: „mein Portemonnaie ist weg, jemand muss es gestohlen haben!!“ mit vereinten Kräften suchten wir danach (ich ließ für sie sogar meinen Schlüpper mit Rei in der Tube einweichen!), konnten es aber nicht finden. Schnell kombinierte sie 1 und 1 zusammen: Laura, DU warst ganz allein im Raum, als ich duschen war - du musst es gewesen sein!“
    Zuerst hielt ich es noch für einen Scherz, ich mein schaut mich an: verschwitzt, verdreckt und nach Luft ringend ist natürlich das erste was ich in der Herberge tue, fremde Portemonnaies zu klauen - geeenau! Und dazu kommt noch mein gefährliches aussehen - eine echte Mafiabraut eben. Leider war es kein Scherz. Ich hab ihr sogar angeboten, meinen Rucksack für sie zu öffnen - aber das wollte Möchtegern Sherlock Holmes dann auch nicht. Auch sie griff in ihrer misslichen Lage erstmal zum Universaltipp Nummer 1: Mama anrufen. Nachdem beide eine hitzige italienische Diskussion geführt haben, rief sie den Mann zu uns, der uns netterweise sein Haus mit zur Verfügung stellt, damit wir keine weiteren 6km zur nächsten Unterkunft laufen müssen. Und was tat Frau Trovato für arme nun? - richtig „SIE waren das - ich rufe jetzt die Polizei!“
    Bevor es aber soweit gekommen ist, rief der Mann erstmal den Besitzer der offiziellen Herberge dieses Ortes an, damit er vorbeikommt und wir die Sache vielleicht alle gemeinsam klären.
    Nach weiteren endlosen Diskussion verlangte der Mann der offiziellen Herberge nun von der Italienerin „wenn du wirklich glaubst, Laura hat dein Portemonnaie gestohlen, dann vordere sie jetzt ganz alleine auf, dass sie Dir ihren Rucksack auspackt“. Nach 5 Minuten hatte sie die Worte dann endlich ausgesprochen. Und ich? Ich stieß mental erstmal mit dem Kopf gegen die Tischplatte und physisch leider mit dem Kopf gegen den Dachbodenbalken (aua).
    Beim Auspacken überlegte ich kurz, ob ich noch zu jedem meiner Teile etwas sagen sollte, bzw lukrativer machen sollte: „Hier haben wir tolle Damenbinden, 25 Pack - noch ungeöffnet“.
    „Oh hier sehen wir einen getragenen Schlüpfer - extra für die Fetischisten unter uns“
    Während des auspackens verschlug sich meine QVC-Stimmung aber in Traurigkeit. Ich glaub das bekam der Mann der offiziellen Herberge auch mit, denn schnell nahm er mich in Arm und sagte: „das hast du wirklich Klasse gemacht“
    Die Umarmung löste eine ungeahnte Welle der Emotionen aus und schnell packte ich wild heulend wieder meine 7 Sachen zusammen.
    Als die Männer wieder gingen, bekam ich von jedem nochmal ein Daumen hoch und ein „das hast du wirklich super gemacht“
    Tja und jetzt liege hier und kann nicht schlafen, der Tag war zwar echt anstrengend, aber der Abend noch viel anstrengender.
    Aber morgen ist schon ein neuer Tag, der hoffentlich viel besser wird.
    Bis dahin sag ich Tschüss - euer Langfinger Rehs
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  • Jun25

    Tag 2 gemeistert

    June 25 in Spain ⋅ ⛅ 21 °C

    Allgemeine Definition vom Jakobsweg: „Pilgerweg als Bestandteil eines (historischen) Systems europäischer Pilgerwege, die in Santiago de Compostela (Spanien) enden.
    Meine Definition vom Jakobsweg: „Entschuldigung, diese Route konnte leider nicht gefunden werden || Es tut uns sehr leid Ihnen mitzuteilen, dass unsere Herberge bis auf weiteres geschlossen hat“
    Aber eins nach dem anderen. Heute war der große Start meiner Reise. Mit dem Zug machte ich mich auf nach Hendaye und von Hendaye soll es nun ca 830 km bis nach Santiago de Compostela gehen. Bei mir sind es schon nicht mehr „nur“ 830 km, ich habe die Zahl auf mindestens 840 km erhöht. Warum? - das erfahrt ihr später. Schon als ich aus dem Bahnhofsgebäude rauskam, stand ich mit meinem Reiseführer auf Kriegsfuß „bitte biegen sie halb rechts ab“ - WAS ist halb rechts? Warum werden rechts und links noch einmal geteilt? (Denn schon als Ganzes sind sie schwer zu verstehen. )
    Beim Jakobsweg soll man sich doch eigentlich Gedanken um sich selber machen und seine eigene Sicht auf das Leben. Die einzigen Gedanken die ich heute hatte waren:
    „Hier soll eine Kapelle kommen... wo ist die Kapelle? Besteht eine Möglichkeit, dass sie gestern Abend abgebrannt ist...?“
    „Was guckst du mich so komisch an?! Noch nie ein schwitzendes Mädchen gesehen du alter Opa?!“
    „Ist das mein Achselschweiß der hier so riecht oder doch meine Käsefüße?“
    „Nicht schon wieder halbrechts - neeeein“
    „Hoffentlich muss ich nicht bald kacken, hier sind keine Toiletten in Sicht“
    „Hab ich meine Schuhe eigentlich imprägniert?? (Wahlweise noch dazu: soll ich diese Frage wirklich auf findpenguins schreiben, obwohl Mama sie dann lesen kann?“)
    Mit diesen Gedanken lief sich mein Weg für heute schnell weg und trotz vielen Pausen, 100 mal umkehren weil ich falsch gelaufen bin und Google Maps befragen, sah ich irgendwann meine Herberge vor mir. So schnell wie meine Freude war, verging sie aber auch (kommt euch dieser Satz noch bekannt vor?): „Es tut uns leid Ihnen mitteilen zu müssen, dass unsere Herberge bis auf weiteres geschlossen hat“
    Die ganzen tiefgründigen Fragen in meinem Kopf stagnierten und das einzige an was ich jetzt noch denken konnte war: SCHEIßE, SCHEIßE, SCHEIßE! Weitergehen konnte (und wollte) ich nicht: die nächste Herberge wäre dann nämlich erst in 12 km zu erreichen gewesen. Und meine Uhr zeigte mir schon stattliche 16:45 an.
    Was macht man also in Krisensituationen? Genau - erstmal eine Tüte Selbstmitleid auf. Nachdem diese verspeist war, rief ich Mama an. Statt Mitleid von ihr gabs erstmal ein schallendes Lachen. „Ach Lauri, das wird Dir bestimmt noch etliche Male passieren, der Weg ist halt nicht einfach zu meistern!“ (danke, das motiviert ungemein in so einer Situation)
    Schnell fanden wir eine Lösung und buchten ein Hotelzimmer, dass aber 2.9 km entfernt von mir lag, also blieb mir nichts anderes übrig als den Weg noch einmal zum Teil zurückzulaufen.
    Aber hey: doppelt hält besser. Und jeder Gang macht schlank 😄
    Laut meinem Reiseführer sollte ich heute ca 10 km laufen, dank meines Talentes habe ich aber 17 km geschafft!
    Auf den 17 km bin ich aber schon einigen sehr netten Leuten begegnet, die mich darauf hingewiesen haben, (auch ohne das ich gefragt habe) dass ich grad in die falsche Richtung laufe. Hätte es die nicht gegeben, wäre mein Kilometerzähler heute bestimmt schon bei 23 km gewesen.
    Morgen kommen die ersten großen Höhenkilometer zu bewältigen, deshalb werde ich jetzt meine Wanderstöcke schleifen, ausgiebig duschen und dann schlafen gehen.
    Bis irgendwann & euch eine schöne Rest Woche!
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  • Jun24

    Tag 1 gemeistert

    June 24 in Spain ⋅ ⛅ 19 °C

    Eine Reise soll doch auch gewisse Abenteuer bürgen, oder?
    Abenteuerlich wurde es schon gestern Abend, als ich Mama sagte, dass ich noch keine Ahnung habe wo ich die erste Nacht schlafen werde, geschweige denn wie ich nach „Hendaye“ (den Anfangspunkt meiner Reise) komme.
    Zumindest eine dieser beiden Fragen ließ sich klären: wir buchten Original Last Minute ein kleines Pensionszimmer in „Irun“. Und von Irun soll es dann am nächsten Tag nach Hendaye gehen, bzw erstmal fahren. 😁
    Als ich am Flughafen in Bilbao, Spanien angekommen war, legte ich alle meine Hoffnungen in die App „moovit“, bzw Apple Karten. Eine von den Apps weiß hoffentlich, wie ich von Bilbao nach Irun komme, denn ich weiß es nicht.
    So schnell meine Vorfreude gekommen war, verging sie auch. „Entschulding, für diese Route stehen uns leider keine Informationen mit dem ÖPNV zur Verfügung“ - Moovit 2019.
    Bei Apple Karten genau das gleiche. Keine Informationen für meinen weiteren Weg.
    Zuerst dachte ich noch: hey Laura, es ist schließlich eine Pilgerreise, laufe doch einfach von Bilbao nach Irun. Hätte ich einen extra Tag Zeit gehabt, hätte ich diese Idee realisieren können.
    Was macht man, wenn alle Stricke reißen? Genau, Mama schreiben. Auf sie ist immer Verlass und wenn es nur die Worte „alles wird gut“ sind, denn wenn sie das sagt, weiß ich, dass es stimmt.
    Mama brachte die Idee auf, dass ich mir einfach ein Hotelzimmer in Bilbao nehmen könnte und dann morgen mit einem klaren Kopf weiterreisen könnte. Kurzzeitig wägte ich diese Idee auch ab, aber dann kam der Sturkopf zum Vorschein. „Wenn ich heute nach Irun will, dann will ich auch nach Irun und nicht nach Bilbao. Außerdem wusste die Pilger schon vor über 500 Jahren wo sie lang mussten, auch ohne Netz. Und ich soll das nichtmal mit meinem mobilen Endgerät hinbekommen?!“ Der Ehrgeiz war wieder gepackt und eine Geheimwaffe hatte ich noch im petto: (nein, nicht mein gutes Aussehen😂) Google Maps! Und siehe da: Google Maps wusste, was zu tun war. Zuerst eine 1 1/2 Stündige Busfahrt, danach nochmal eine 35 Minütige Zugfahrt, 15 Minuten zu Fuß und tadaaa: ich bin in meiner Pension in Irun! Obwohl das Zimmer eher einer Absteige gleicht, könnte ich den Boden vor Glück küssen, dass ich heute doch noch angekommen bin! (Mama das ist auch dein Verdienst)
    Zum Abend gibts bei mir noch ein paar Äpfel und Früchteriegel - man gönnt sich ja sonst nichts.
    Ich werde versuchen am Sonntag wieder ein Update zu geben. Bis dahin: eine schöne Woche 😘
    PS: wusstet ihr, dass der Startpunkt meiner Reise in Frankreich und nicht in Spanien liegt?
    Cool - denn ich wusste das bis gestern auch nicht .
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