• Es geht los- in Richtung Norden!

    January 16 in New Zealand ⋅ ⛅ 25 °C

    Es war bis zum Schluss unklar, ob der Busfahrer mich per Fahrrad mitnehmen würde. Das Rad im voraus buchen war nicht möglich. Doch ich wusste es: es wird klappen!
    So stieg ich dann tatsächlich in den Intercity Bus nach Kerikeri, das Rad im Gepäck. Es war eine traumhafte Fahrt über die Harbor Bridge und ermöglichte noch einen freien Blick auf die Skyline.
    Wir fuhren durch wunderschönes, hügeliges Land. Saftig grüne Weiden und uralte Bäume sorgten für eine regelrechte Bilderbuch-Szene. Der Bus fuhr quasi für Touristen. Alle wollten irgendwo an die Küste. Als wir nach etwas mehr als vier Stunden Fahrt den letzten Halt an steuerten, war ich mehr oder weniger allein im Bus.
    Hatte ich etwas verpasst? Mein Ziel war, so weit nördlich zu kommen wie möglich!
    Also stig ich aus und: da war nichts! Wir waren auf einem Berg mit einem PizzaHut und jede Straße, für die ich mich entscheiden konnte, ging steil abwärts! So fuhr ich meine ersten Meter auf linker Straßenseite mit meinem gut gepackten Fahrrad, als es wie aus Eimern begann zu schütten! Anhalten, Regensachen rausholen- bis dahin war ich eh schon durch und durch nass!
    Ein Baum gab mir Schutz bis es weiter gehen konnte. Ich sollte ein Stück Highway fahren. Sehr laut, sehr hektisch, da die Autos kaum Abstand halten. Die erste Möglichkeit abzubiegen nahm ich und fuhr eine wunderschöne gravelroad durch Weideland. Sie versprach eine schöne Abkürzung zu geben! Nach ca 10 km auf und ab durch die Landschaft war plötzlich Schluss! Ein riesiger Bauernhof riegelte die Straße ab. Stacheldraht, Kamera, Tore. Keine Menschenseele. Aber da geht doch mein Weg durch, die Karte zeigt es eindeutig! Das Gelände war so groß und überall umzäunt: keine Chance! So sollte ich allen schönen Weg zurück und auf dem Highway weiter! Die nächste Gelegenheit, an die Küste zu gelangen, nahm ich und fuhr wieder entlang an eingezäunten Weiden. Ich war müde, es wurde langsam dunkel und ich hatte kaum noch Wasser. Es gab hier nichts! Die romantische Landschaft wandelte sich in ein nerviges Auf und Ab von richtig steilen Anstiegen ohne ein Haus, wo es Wasser geben könnte! Endlich sah ich in der Ferne- die Küste war noch weit- einen sympathischen Weidezaun aus Holz! Kein Elektrodraht. Neugierige Rinder kamen in der Hoffnung auf anderes Futter auf mich zu gelaufen. Hier wollte, hier musste ich schlafen! Ich suchte mir unter einem wunderbaren Baum ein schönes Fleckchen. Packte die Taschen vom Rad und begann, in halber Dunkelheit, das Zelt aufzubauen, Luftmatratze aufzufüllen, Schlafsack raus. Wie schön, dass ich all das dabei hatte! Man glaube nicht, dass ich hier einsam und in völliger Stille war! Es war so unglaublich laut seit Beginn der Abenddämmerung durch ohrenbetriebende grillen, Rebhühner, noch unbekannte Vögel, die ihr Abendlied eher zu schreien als zu pfeifen schienen.
    Irgendwann lag ich zufrieden und glücklich in meinem Zelt: es war verrückt! Ich scrollte mich gedanklich von meinem Stückchen Weidefläche unter dem Baum auf die Nordinsel, über ganz Neuseeland, über den riesigen Pazifik unter die unendliche Galaxie. So wie wir es mit googlemaps so oft mal eben tun. Es war irgendwie überwältigend und ich war schon halb eingeschlafen als ich plötzlich hell wach feststellte, dass es auf einmal total still um mich herum war! Alle Tiere schliefen! Es war die völlige Ruhe! Sanfter
    Ich erwachte wieder mit den emsigen Tieren um mich herum, packte alles ein für die Weiterfahrt, als ich ein Quad anfahren hörte. Offensichtlich überrascht von mir kam die Farmerin auf mich zu und fragte, ob ich etwas brauche. Ja, WASSER bitte!!! Sie fand es lustig, dass ich hier geschlafen hatte und fragte,.ob ich zehn Minuten warten könne. Ja klein Problem, ich habe Zeit!
    Sie kam mit einem herrlichen Tee wieder und hatte alle Behälter mit eisgekuhltem Wasser befüllt. Sie empfahl mir einen besonders schönen Weg, den ich unbedingt fahren sollte und sicher nie vergessen würde!
    Wunderbar, ich freute mich total und strampelte motiviert los.
    Es war wirklich ein atemberaubend schöner Weg. Eine Hochebene, weiter Himmel über saftig grüner Natur. Tiere, alter Baumbestand, wellig weiche Hügel. Lieblich anmutend. Irgendwann sah ich das Meer funkeln. Ich freute mich auf eine Pause, trinken, etwas zu essen. Die Straße wand sich steil hinab, wo das Meer immer dunkel blauer leuchtete. Am Strand angekommen gab es nichts zu essen. So legte ich mich an einem kleinen einsamen Strand unter einen mächtigen, weit verzweigten Baum. Ging schwimmen, schlief und erholte mich. Was kann es schöneres geben???
    Irgendwann fuhr ich weiter. Es war heiß, fast 30 Grad. Das auf und ab der Küstenstraße schien kein Ende zu nehmen. Ich konnte nicht mehr und fragte die Straßenarbeiter, wo denn der nächste Laden sei, um Wasser zu kaufen?
    Ein Laden? Hier nicht! Aber du kannst mein Wasser haben. Echt??? Wahnsinn!!!
    Ich fuhr weiter den Berg hinauf als hinter mir ein Pickup heran fuhr. Ob er mich mitnehmen könne?
    Wow, ja klar! Das Rad wurde hinten drauf geworfen. Ein Maouri mit warmen, leuchtenden Augen. Wir unterhielten uns prächtig über die zwei Welten, in denen er sich bewegt: gelebte Tradition und modernes Leben.
    Er fuhr mich die 200 km nach Nuwui, das den letzten Ort bildet, bevor die langgezogene Halbinsel zum nördlichsten Punkt Neuseelands beginnt. Unglaublich: jetzt war ich doch schon hier!
    Ich fuhr noch 10 km zu Hostel, anstatt dort ins Hotel zu gehen. Warum?
    Weil ich dort mit einem Typen das Zimmer teilte und er mir erzählte, morgen habe er einen Shuttle zum Cape Regina. Das konnte doch nicht sein! Ich beschloss, mich anzuschließen.
    In keinem Hotel hätte ich das alles so schnell organisiert bekommen!
    Was war das für ein voll gefüllter Tag! Dankbar und glücklich schlief ich ein.
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