• Seoul

    2.–4. maj 2024, Sydkorea ⋅ ☀️ 24 °C

    Die zwei Tage in der Hauptstadt Südkoreas nutzten wir, um einen kleinen Eindruck von dieser Metropole zu bekommen. Oft verglichen wir Seoul mit Tokio und stellten einige Unterschiede fest - uns kam recht schnell der Gedanke, dass Seoul wie eine Mischung aus Tokio und Bangkok ist.
    Als erstes fiel uns auf, dass es in Seoul hier und da „wilder“ zugeht als in Tokio. Die Autos fahren aggressiver und hupen fröhlich um die Wette (ich erinnere mich nicht daran in Japan je ein Auto hupen gehört zu haben). An den großen Hauptstraßen ist es ganz ähnlich wie in Tokio, hohe Wolkenkratzer, blinkende Werbung und leuchtende Schilder - alles für den Konsum, den es hier im Überfluss gibt.
    Geht man aber abseits der großen Straßen in die kleinen Gassen, ist man wieder in Bangkok gelandet: winzige, in die Jahre gekommene lokale Restaurants aus denen es nach Fisch riecht, viele Streetfood-Stände, die Häuser wirken verlebt und ab und an heruntergekommen, wirre Kabelstränge wuchern von Mast zu Mast, Motorroller schlängeln sich knatternd durch die Häuserschluchten, das Leben findet mehr auf der Straße statt und alles wirkt etwas derber.
    Das klingt jetzt, als würde ich Bangkok im Vergleich mit Seoul runter machen, aber das stimmt nicht: jede/r, der/die unsere letzte Reise verfolgt hat, weiß, dass ich Bangkok genauso mag wie Tokio - jedes eben auf seine eigene Art und Weise!
    Aber da wir jetzt das saubere, ordentliche und ruhigere Japan gewöhnt waren, fielen uns diese Unterschiede nun doch deutlich in Südkorea auf.

    Seoul liegt eingebettet zwischen einigen Bergen, und auch in der Stadt ist es teilweise ganz schön hügelig. Dafür ist man aber auch schnell draußen im Wald und kann wandern gehen, „schnell“ im Vergleich zur Größe der Stadt. Man könnte schon fast sagen, Seoul ist landschaftlich wie Freiburg in XXXL! ☺️ Tokio hingegen ist platt wie eine Briefmarke und hat keinen bewanderbaren Wald, dafür aber einige sehr schöne Parkanlagen.
    Die Natur um Seoul herum ist eher mediterran und trocken, Japan war viel subtropischer und feuchter.

    In unserer kurzen Zeit in Seoul machten wir zwei kleine Wanderung, die eine ging auf den Hügel mitten in der Stadt, auf dem der Seoul-Tower steht (etwas vergleichbar mit unserem Schlossberg und dem Schlossbergturm, nur eben in XXXL). Von dort hatten wir einen phänomenalen Sonnenuntergang mit Blick auf den Turm und die Stadt dahinter.
    Die zweite, etwas größere Wanderung ging in einen Wald nördlich der Innenstadt, zum Großteil an der alten Stadtmauer entlang, die scheinbar immer noch als Abwehr-Anlage genutzt wird.
    Wir waren verblüfft über die unzähligen CCTV-Überwachungskameras (auch mitten im Wald!) und den Stacheldrahtzaun an einigen Stellen. Unser Weg ging an einem Militärstützpunkt vorbei, und an einer der höchsten Stellen des Weges war es laut aufgestellten Schildern ausdrücklich verboten Fotos Richtung Norden zu machen. Da merkten wir deutlich, dass die Stadt aufgrund der Spannungen mit Nordkorea noch immer gewappnet und vorbereitet ist für eventuelle kriegerische Auseinandersetzungen. Seoul mit seinen knapp 10 Millionen Einwohnern (Großraum sogar bis knapp 25 Millionen) liegt nur 50km von der Grenze entfernt.
    Auch in der Stadt selbst gab es viel mehr Kameras als in Japan.
    Ich habe keinen Einblick in die Strukturen der koreanischen Regierung und auf deren Auswirkungen auf das Volk aber es wird deutlich, dass einiges anders läuft. Krasse Gegensätze prallen hier aufeinander: einerseits das hippe, beliebte Korea mit seiner K-Pop-Kultur und der starken Anlehnung den Westen. Andererseits versteckte, beherrschende Kontrolle von oben.

    Um einen Eindruck zu bekommen hat unser kurzer Aufenthalt gereicht und ich bin auch sehr dankbar dafür, aber um tiefer in das Leben der Koreaner*innen einzutauchen, müssten wir nochmal länger das Land bereisen.
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