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  • Day6

    Totes Meer

    May 3 in Palestine ⋅ ☀️ 26 °C

    Wir fahren eine gute Stunde und durchqueren dabei Ostjerusalem und befinden uns schließlich ohne dass wir es bemerken im Westjordanland. Dessen territoriale Grenzen wurden grob mit dem UN-Teilungsplan von 1947 abgesteckt und zusammen mit dem Gazastreifen als Staatsgebiet für ein unabhängiges Palästina vorgesehen. Die militärische Besetzung durch Jordanien im Ersten Israelisch-Arabischen Krieg und das Waffenstillstandsabkommen mit Israel von 1949 zementierten diese Grenzen. Im folgenden Jahr wurde das Gebiet offiziell von Jordanien annektiert, die palästinensische Bevölkerung konnte automatisch die jordanische Staatsbürgerschaft erwerben. Im Sechstagekrieg 1967 eroberte Israel das Westjordanland. Zunächst unterstanden die besetzten Gebiete direkt der Militärverwaltung. Die Verträge von Oslo der 1990er Jahre vereinbarten eine Übergangslösung, bei der das Territorium in drei Zonen eingeteilt wurde. Zone A untersteht palästinensischer Selbstverwaltung, israelischen Staatsbürgern ist der Zutritt untersagt. Die Zone ist jedoch keinesfalls zusammenhängend, sondern vielfach zerstückelt. In der Zone B sind palästinensische Behörden für die Zivilverwaltung verantwortlich, während sowohl die autonome Polizei als auch israelische Truppen für die Sicherheit verantwortlich sind. Zone C schließlich untersteht der sogenannten Israelischen Zivilverwaltung, die tatsächlich aber dem Verteidigungsministerium untergeordnet ist. Hier sind immer wieder die berüchtigten jüdischen Siedlungen zu finden, wenn in den Medien von ungeheuerlichen Ungerechtigkeiten der israelischen Besatzung zu hören ist, dann geschehen diese meist in dieser Zone. Der Zugang ist für Israelis gestattet. Der Weg zum Toten Meer führt uns durch Zone C und ist komplett unbedenklich. Einen Grenzübergang oder Kontrollen gibt es nicht, dies ist erst auf dem Rückweg nach Israel der Fall.
    Wir fahren über 1200 Höhenmeter hinab, vom Herzlberg auf 834m bis zum Toten Meer auf 420 unterhalb des Meeresspiegels, dem tiefsten Punkt der Erde. Wir gönnen uns die Nutzung eines „Beach Clubs“ mit Kiosk, Sonnenschirmen und - stühlen und - ganz wichtig - Süßwasserduschen. Zunächst gönnen wir uns einen Mittagssnack, den Hanna und Adi noch für uns alle auf dem Markt in Jerusalem erstanden haben, und freuen uns, dass die Sonne etwas hinter den Wolken verschwunden und es dadurch nicht ganz so heiß ist. In Jerusalem waren es übrigens nur knapp über 20 Grad, hier sind es auch ohne Sonne über 30. Gut gestärkt steigen wir die letzten Meter hinab zum Wasser. Dabei ist durchaus Vorsicht geboten, denn direkt am Wasser ist der Boden sehr schleimig und glipisch. Und Ausrutschen und Kopfüber ins Wasser fallen wäre mehr als ungünstig. Wir waten also vorsichtig ins Wasser und drehen uns dann ganz vorschriftsmäßig direkt auf den Rücken. Und tatsächlich, die Beine bekommen sofort Auftrieb und wir schwimmen ganz entspannt an der Oberfläche. Auf der Haut bildet sich sofort ein öliger Film, was am extrem hohen Nährstoffgehalt des Wassers liegt. Wir beobachten einige halbstarke Araber, von denen einer entweder eine Wetter verloren oder sich als tollster Hecht der Gruppe produzieren will und immer wieder untertaucht und Sperenzchen im Wasser macht. Wie sehr seine Augen brennen müssen, will ich mir gar nicht vorstellen. Natürlich reiben wir uns noch kräftig mit dem schwarzen Matsch ein und lassen diesen eine Weile eintrocknen, bevor wir noch einmal ins Wasser gehen und uns abspülen. Insgesamt wirklich ein einmaliges Erlebnis, auch wenn es nichts mit einem entspannten Strandbesuch gemeinsam hat, wie wir ihn normalerweise kennen. Wir genießen noch ein wenig den Ausblick auf Jordanien auf der anderen Seite des Ufers bevor wir uns Abduschen und auf den Rückweg machen. Unsere Haut fühlt sich auch nach dem Duschen noch ganz weich und zart an.
    Auf dem Rückweg passieren wir dann die Grenzkontrolle, was Autos mit palästinensischem Kennzeichen und den entsprechenden Insassen nicht gestattet ist.
    Gegen 18.30h sind wieder wieder in Tel Aviv und verabschieden uns vorübergehend von Hanna und Adi, die mit Adis Familie den Sabbat feiern werden. In dieser Zeit machen wir uns frisch und gehen Abendessen. Marisa hat ein fantastisches, kleines Restaurant ca. 10 Minuten zu Fuß von unserem Apartment herausgesucht. Zum letzten Mal genießen wir Tahine, gebackenen Blumenkohl und Aubergine, Falafel, Pitabrot, gegrilltes Hähnchen mit fantastischem Couscous und Sabish, ein typisch israelischer Salat mit Auberginen, gekochten Eiern und Kartoffeln. Zum Verdauen noch ein Espresso, damit wir auch für den letzten Programmpunkt heute Abend fit sind. Wir treffen uns mit Hanna und Adi im Kuli Alma, einer Bar bzw. Club, wo wir an unserem letzten Abend ein bisschen das berüchtigte Tel Aviver Nachtleben kennen lernen wollen. Hier entsprechen wir eher Altersdurchschnitt, entweder die Mamis und Papis haben heute Ausgang oder in Tel Aviv sind noch mehr Mitdreißiger, die es mit dem Kinderkriegen auch noch nicht so eilig hatten. Schließlich ist es schon fast 3h und wir treten die Heimweg an. Wieder bewehrt sich die gute Lage unseres Apartments und in ca. 20 Minuten Fußweg sind wir angekommen.
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