• Mal eben durch die Westalpen🏔️

    September 16, 2025 in Switzerland ⋅ ☁️ 15 °C

    Der (un –)treue und trotzdem geliebte VW T4 Syncro hat einen neuen Liebhaber gefunden. Und „Tadaaaah“: Welcome to the Pleasure Dome – eingezogen ist ein Toyota Hilux mit einer Kabine von Custom Campers. Next Level, quasi.

    Und und ich glaube, der kann was. Und da noch ein paar Tage übrig waren und das ein oder andere Gadget ausprobiert werden wollte, spuckt der innere KI – Algorithmus nach Eingabe der Faktoren „Offroad, Wetter, Machbarkeit“ die Westalpen aus. Terra incognita für mich, dennoch schon auf vielen YouTube Videos gesehen.

    Man fährt von Turin aus westwärts in das Susatal und es öffnet sich ein Schatzkästlein von vielen, kleinsten Geröllstraßen durch diese grandiose Landschaft. Manche Drohnenaufnahmen mit dramatischer Fanfarenmusik ließen vermuten, dass die Westalpen noch von keinem Mensch erforscht sein. Das kann ich nun so nicht behaupten – hier treffen sich offenbar jedes Jahr tausende von Geländewagenfahrern, um ihre vierradangetriebenen Schätzchen auf alten Militärstraßchen zu bewegen und man wird sich kaum der Faszination der alten und verlassenen Forts und Bunker entziehen können, welche die Franzosen und Italiener über diese Region der Alpen verteilt haben – um ihre Pfründe zu schützen und die Bösen abzuwenden.

    Es könnte nicht besser starten: einer der schönsten konventionellen Campingplätze der Welt am Brienzer See hat noch den allerbesten Platz direkt am See frei – hier darf ich für eine Nacht stehen und Erinnerungen wach werden lassen: hier konnten wir schon verweilen, als der allerbeste vierbeinige Begleiter noch mit uns war.

    Eine erste Nacht im Aufstelldach bringt allerbeste Erholung und ein Frühstück in der Sonne am See eine schwer zu beschreibende Freude, die alle Körperzellen durchströmt und dieses besondere Glück wach werden lässt, wenn man morgens mit der ersten Tasse Kaffee den Sonnenaufgang in der Natur erlebt. Unschlagbar.

    Jeden einzelnen Tag in den Westalpen zu beschreiben, wäre von gewissen Wiederholungen geprägt, obschon diese auch immer wieder faszinierend sind: hunderte von Kilometern direkt am Abgrund entlang, atemberaubende Ausblicke, Kühe und Schafe, die das eigene Tempo auf Schrittgeschwindigkeit reduzieren und grandiose Übernachtungplätze irgendwo in den Bergen. Ein Sonnenaufgang schöner als der nächste Sonnenuntergang und unbeschreiblich Stille in der Nacht.

    Wenn man allerdings nicht dort parkt, wo nachts die Kuschelkühe kommen…: genoss ich noch mein Abendessen mit Läuten von Kuhglocken in weiter Ferne, so beschlossen diese sympathischen Euterträgerinnen von beiden Seiten des nächtens an mein Auto heranzutreten und in wenigen Metern Entfernungen eine Sinfonie von Kuhglocken erscheinen zu lassen, die nicht enden wollte. Ich dachte ja, dass Kühe irgendwann mal schlafen. Fehlanzeige. Gut, dass ich immer Ohrstöpsel dabei habe. Man schläft halt dann doch in einem Zelt…

    Ein echtes Highlight war die Auffahrt zum Colle Sommelier – eine der höchsten legal befahrbaren Straßen in Europas. Weit über 3000 m. Bestes Wetter. Noch mehr Abgrund, Felsblöcke auf der Straße und grandiose Ausblicke. Dutzende von Kehren, die so eng sind, dass sie teils mehrfaches Rangieren verlangen. Und das alles ohne Leitplanken oder Mauern. Irgendwie habe ich hier meinen „Ich-fahre-am-Abgrund-entlang-Diplom“ gemacht.

    Spannend auch, wenn einem dort jemand entgegenkommt. Wie dankbar war ich, wenn ich jeweils auf der richtigen Seite des Abgrundes war – nämlich an der Bergseite 😁😁😁.

    Nach einer letzten Nacht bei Doris und Andy in der Schweiz mit der unglaublichen Verwöhnungen durch frisch gebackenen Zopf, selbstgemachte Mayo und einem Vollbad in wärmster Schweizer Gastfreundschaft geht es wieder nach Hause und ich muss sagen: ich freue mich auf die kommenden Erlebnisse mit Rose II. So musste dieses Auto einfach heißen…
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