JuliJaBlogsberg

Joined September 2019Living in: Rostock, Deutschland
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  • Day2

    Wir brauchen Urlaub

    September 24 in Spain ⋅ ⛅ 25 °C

    Wie jedes Jahr, sollte es auch dieses Jahr wieder mit Freunden in den Urlaub gehen. Ursprünglich einigten wir uns auf eine Reise an die Algarve, nur fanden wir leider nichts passendes, was uns zusagte. Somit entschlossen wir uns kurzfristig für ein anderes Ziel, nämlich für die angebliche Lieblingsinsel der Deutschen: MALLORCA. Zwei von dreien waren bereits auf dieser wunderschönen Insel. Eine von uns kannte lediglich den Ballermann, also den typischen Mallorca-Ruf. Aber wir wollten Sophie davon überzeugen, das Mallorca nicht nur Party, Party und noch mehr Party ist.

    Schon beim Anflug auf den Flughafen war sie begeistert, von den vielen Fincas die sich über die Insel erstreckten. Nach der Landung holten wir sofort unseren Mietwagen ab, dieses Mal ging es doch recht schnell. Kein langes suchen und kein langes Warten. So begaben wir uns nach Campos waren wir doch gespannt auf unsere Unterkunft. Wir wurden nicht enttäuscht. Eine wunderschöne Finca im Nichts; ruhig gelegen und wunderschön idyllisch. Da es schon recht dunkel war, wollten wir am nächsten morgen auf Erkundungstour gehen. Den Abend ließen wir mit ein paar Gläsern Wein und leckeren Tapas ausklingen.

    Die Nacht verlief ruhig, nur gab es da einen kleinen prägenden Vorfall. Gegen 02:30 Uhr verspürte ich einen leichten Schlag auf meinem linken Bein. Irgendetwas musste mich angesprungen haben. Mein Oberkörper stand wie eine Kerze im Bett; schnell wurde mir klar, das es die Katze gewesen sein musste, welche uns am Abend zuvor besuchte. Nach einem lauten:"Tini, hier ist eine Katze im Haus" tat sie es nur mit einem undefinierbaren Gemurmel ab. Also machte ich mich selbst auf den Weg, um die Katze zu suchen, um sie wieder vor die Tür zu setzen. Wer weiß, was sie hätte sonst angestellt. So lag sie unschuldig vor der Tür und guckte mich mit großen Augen an. "Raus mit dir", sagte ich, während ich die Tür aufschloss. Welch schreck in der Nacht, am nächsten Morgen lachten wir herzlich darüber.

    Am nächsten Tag wollten wir ein wenig die Umgebung erkunden. Dabei fanden wir eine kleine niedliche Bucht, dort verbrachten wir auch den ganzen Nachmittag, mit schnorcheln und schwimmen. Welch ein schöner zweiter Urlaubstag, der wieder auf unserer Terrasse endete.
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  • Day8

    ¡hola España

    May 21 in Portugal ⋅ ⛅ 21 °C

    Auch am nächsten Morgen hatte sich nicht so viel an meinen Füßen geändert, hinzu kam, dass mein Knie, beim bergab gehen höllisch schmerzte. Mit zwei weiteren Damen suchte ich den Bahnhof auf, um mit dem Zug nach Valença zu fahren. Typisch deutsch waren wir überpünktlich und warteten auf den Zug. Nur wollte dieser nicht kommen. Wir dachten wir hätten uns in der Zeit  geirrt. Etwa 20 Minuten vergingen, als plötzlich eine der Damen rief: "Da kommt ein Zug". Wir schnappten schnell unsere Sachen und machten uns zum Einsteigen bereit. Hatten wir doch etwas Angst, der Zug würde an uns vorbei brausen. Als wir endlich auf unseren Plätzen saßen, freuten wir uns wie drei kleine Kinder, welche zum ersten mal Schokolade essen würden. Im Zug saßen viele andere Pilger, welche mein gekränktes Ego wieder, wenigstens ein Stück aufbesserte, wollte ich den Camino doch eigentlich komplett laufen. 

    Zusammen mit der Dame aus Stuttgart stieg ich in Valença aus. Über die Europabrücke ging es für uns hinüber nach Spanien. Und nach ca. 8 km erreichten wir unsere Unterkunft und legten uns erstmal ins Bett, für ein kleines Nickerchen. Plötzlich riss jemand die Tür auf. Dort standen die zwei Mädels, welche in der Unterkunft zuvor mit mir verweilten. Es war schön, sie wieder zu sehen. Wir beschlossen am Abend gemeinsam essen zu gehen. Wieder einmal vergaßen wir die Zeit um uns. Es war mittlerweile 23 Uhr und wir beschlossen uns auf den Weg in die Unterkunft zu machen. Es war wieder einmal ein toller Abend, mit tollen Unterhaltungen und vielen Weisheiten, die uns Beate, welche schon gestandene 63 Jahre alt war mit auf den Weg gab. 

    Am nächsten Morgen wollte ich endlich weiter wandern. Nach zwei Tagen wandern in Gesellschaft entschied ich mich dieses mal, den Abschnitt alleine zu gehen. Mit Hape Kerkelings Buch: "Ich bin dann mal weg" in den Ohren lief ich meines Weges. Immer wieder lachte ich, weil ich einige seiner Erfahrungen teilen und gut nachvollziehen konnte. Und ganz nebenbei, war Hape auch einen großen Teil des Weges mit dem Bus gefahren, was wieder einmal Balsam fürs Gewissen war. 

    Die heutige Etappe sollte mich nach O Porino führen. Wieder einmal führte mich eine Weggabelung an der Nase herum. Dachte ich, ich würde einen ganz anderen, viel schöneren Weg gehen, so ging ich am Ende doch den gleichen. Nur stand ich bestimmt 10 Minuten dort und überlegte welchen Weg ich nun gehen würde. Wieder einmal wurde mir bestätigt, dass alle Wege ans Ziel führen würden. In O Porino angekommen musste ich das erste mal meine Unterkunft so richtig suchen. Als ich da so stand hörte ich auf einmal meinen Namen. Es war Beate, welche mich mit offenen Armen in Empfang nahm. Sie erzählte mir, wie sie nach O Porino gekommen war. Sie war kurz davor zu verzweifeln, als eine der "Helferin" welche hier am Weg verteilt waren sie mit dem Auto einsammelte und zur Unterkunft brachte. Sie war überglücklich mich wieder zu sehen, ich war es auch, handelte es sich um eine wunderbare und vor allem witzige Frau, die immer eine Anekdote parat hatte. 

    Die folgende Nacht, war eine der bisher lautesten. Im Hochbett unter mir schlief ein etwa zwei Meter großer Australier. Als er den Raum der Herberge betrat, ahnte ich bereits Schlimmes. Und ich wurde keineswegs enttäuscht. Er gab alles, nicht mal Ohropax  halfen, gegen das laute Schnarchen. So wurde ich die Nacht über immer mal wieder wach. Es war die Hölle. Trotz allem wachte ich am nächsten Morgen recht erholt auf, da immerhin kein Frühaufsteher unter den Pilgern weilte, was doch relativ untypisch war. Somit konnte ich vergnügt in den Tag starten und es sollte ein grandioser Tag werden. 
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  • Day7

    Hoch hinaus (Teil Zwei)

    May 20 in Portugal ⋅ ⛅ 16 °C

    Wieder fragte ich meinen besten Freund der letzten Tage - Google. Mit erschrecken musste ich feststellen, dass es sich dabei tatsächlich um die Kirche handelte, welche dort, hoch oben auf dem Berg lag. Ärgerte ich mich über mich selbst, vorher nicht richtig gelesen zu haben, konnte ich dies nun nicht mehr rückgängig machen. Ich fragte mich, wer zur Hölle auf die Idee kam, dort oben eine Pilgerherberge zu erbauen. Also quälte ich mich Schritt für Schritt, immer wieder verschnaufend am Wegesrand den Berg hoch. Hatte ich bereits schon fast 30 km in den Knochen, kroch ich förmlich die enge Straße hoch. Zu allem Übel musste ich den letzten Kilometer nun auch noch Treppen steigen. Diese zogen sich ewig hin, nach gefühlten 200 Treppenstufen erreichte ich endlich die Santa Luzia und mich belohnte ein atemberaubender Ausblick über die Küste Portugals. Hatte ich mich den ganzen Tag über gequält, so wurde ich am Ende doch belohnt, war glücklich und hatte ein breites Grinsen im Gesicht. 
     
    Ich traute mich gar nicht zu schauen, was der Tag mit meinen Füßen angestellt hatte. Doch führte kein Weg drum herum. Ich zog die Socken aus und musste feststellen, dass etliche neue Blasen hinzugekommen waren. Ob ich am nächsten Tag weiter gehen würde oder meine lädierten Füße doch lieber schonte ließ ich mir offen. Hinzu kam, dass sich dort oben auf dem Berg nicht mal ein Restaurant befand, hatte ich doch zuletzt am Morgen etwas gegessen. Hunger verspürte ich eh keinen, also aß ich einen meiner Riegel, die ich mir sicherheitshalber eingepackt hatte. Jedoch muss ich sagen, dass ich auf dem Weg selten hungrig war. So erging es nicht nur mir, sondern auch den anderen Pilgerern, was ich aus Unterhaltungen erfuhr. Die Worte meines Vaters daraufhin waren: "Nicht, dass du als Strich in der Landschaft wieder kommst, aber mit einem Besuch bei uns sollten wir das wieder ändern können". 
     
    Mit mir im Zimmer war eine weitere Deutsche, welche den ganzen Tag dort verbrachte, um eine Pause zu machen. Sie erzählte mir, dass ich einfach mit einer Seilbahn hätte den Berg hoch fahren können. Warum erfuhr ich erst jetzt davon. Am nächsten Morgen fühlte ich mich doch recht fit und beschloss mit ihr wenigstens ein kleines Stück bis nach Paço zu gehen. Ich rief bei einer Unterkunft an und fragte, ob sie zwei Betten für uns frei hätten. Wir hatten Glück, es waren zwei Plätze frei und wir konnten uns ganz entspannt auf den Weg dorthin machen. Auch sie hatte Probleme mit ihren Füßen, wir beschlossen vorher noch in einen Sportladen zu gehen um zu schauen, ob es da Schuhe gab, die ein Weiterwandern angenehmer machen würden. Jedoch ging dieser Plan nicht auf, jedenfalls nicht so richtig. Wir kauften uns beide Flip Flops, sie wanderte damit den Weg weiter und ich konnte diese wenigstens in den Herbergen anziehen, um noch eine andere Alternative zu meinen Sandalen zu haben. Mit den Sandalen beschloss ich auch, typisch deutsch, den Tag über nach Paço zu wandern. 
     
    In Paço angekommen fanden wir schnell unsere Herberge. Und es eine wunderschöne Unterkunft, in die sich wohl alle Pilger sofort verliebten. Es war ein altes Haus Landhaus aus Steinen, welches der Wirt Hugo aufwendig saniert hatte. Von dort aus hatte man einen schönen Blick auf das Meer. Für mich stand fest, hier bleibe ich nicht nur eine Nacht, ich sollte nicht die Einzige mit dieser Idee bleiben, machten sich doch langsam bei allen anderen Pilgern die ersten Wehwehchen bemerkbar. 
     
    Es war die Art Unterkunft, wie ich mir sie auf dem Camino immer vorgestellt hatte. Am Abend saßen alle zusammen, kochten, tranken Wein und plauderten über Gott und die Welt. Es spielte keine Rolle woher man kam, noch wie alt man war. Man verstand sich. 
     
    Am nächsten Morgen lief Marie, welche ich in der vorherigen Herberge kennenlernte weiter. Sie meinte sie will es wenigstens versuchen, wenn nicht, würde ja auch immer noch ein Bus fahren. Wir verabschiedeten uns und hofften auf ein Wiedersehen in Santiago. 
     
    Ich verbrachte einen ruhigen Tag mit den anderen Versehrten. Wir machten uns Gedanken, wie wir am nächsten Tag unserem Ziel näher kommen würden. War der Bus, bzw. die Bahn eine gute Alternative. Das erste Mal war dies eine Option für mich. Ich wollte ohne Zeitdruck weiter reisen, ohne sich abzushetzen und jeden Tag auf die Kilometer achten zu müssen, um ans Ziel zu kommen. Nach und nach kamen die anderen Pilger in die Unterkünfte und erzählten, dass auch sie ein Stück mit dem Bus gefahren sind. Mein schlechtes Gewissen diesbezüglich legte sich allmälig. Ich wollte es mir offen lassen und am nächsten Morgen entscheiden, wie es weiter gehen sollte. 
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  • Day6

    Hoch hinaus (Teil eins)

    May 19 in Portugal ⋅ ⛅ 15 °C

    Die letzten beiden Tage waren sehr anstrengend, schmerzhaft und vor allem kräftezerrend. Aber fangen wir ganz vorne an. Meine dritte Etappe nach Viana do Castelo war die bisher härteste Strecke des Weges. Am Morgen entschied ich ein wenig Last los zu werden und ging kurzerhand zur Post. Da mir mein Hüttenschlafsack als ausreichend erschien, entschied ich mich meinen dicken Schlafsack, mein Kissen, sowie ein paar unwichtige Dinge nach Hause zu senden. Gegen neun Uhr machte ich mich dann mit 2,5 Kg weniger im Gepäck auf den Weg. 

    Anfangs verlief der Weg wieder einmal direkt entlang der Küste. Nach etwa einem Kilometer kam ich an eine Gabelung. Dort standen sie wieder, die Italiener, welche ich schon in Porto an der Kathedrale gesehen hatte. Dort standen aber auch noch zwei weitere ältere Herren, die mich an Hand meines Englisch als Deutsche entlarvten. Da mir die Italiener eh viel zu fix unterwegs waren, entschied ich mich gemächlich mit den beiden Herren ein Stück zu gehen und zu plaudern. Dies taten wir ausführlich, kam man auf dem Camino doch recht schnell mit Leuten ins Gespräch, was diesen Weg wohl auch so besonders macht und vor allem für mich, persönlich machen sollte. So gingen wir etwa zwei gemeinsame Stunden zusammen. Sie erzählten über sich, ich erzählte über mich. Hatte der ältere, der beiden Herren sogar Bezug zu meiner alten Heimatstadt Neubrandenburg. So erzählte er mir unter schmunzeln, dass er damals Beziehungen zu Neubrandenburger Sportlerinnen pflegte, ins Detail wollte er jedoch nicht gehen, ich nahm es ebenfalls mit einem schmunzeln zur Kenntnis. Im übrigen war der gute Herr bereits 76 Jahre alt und ging seinen dritten Camino. Respekt an dieser Stelle. Die zwei beschlossen in Belinho einen Kaffee zu trinken. Ich ging alleine weiter. 

    Der Teil des Weges war wiedereinmal wunderschön. Ging durch kleine Dörfer, vorbei an sämtlichen Gemüsefeldern und durch kleine Wälder. Dann kam ich an eine Kirche, ich entschied mich, hinein zu gehen. Was im Anschluss passierte konnte ich so gar nicht deuten. Mir liefen die Tränen, war ich doch überwältigt, von all dem was ich bis dato gesehen und erlebt hatte. Ich fragte mich, was noch kommen mag, war ich doch erst am Anfang des Weges. 

    Nach einer ausgiebigen Pause ging ich weiter. Nun wurde es allmälig steiler, es ging langsam aber sicher in die "Berge", wenn man die kleinen Erhebungen überhaupt als Berge bezeichnen kann. Ich trottete so vor mich her, kam ich mit den beiden Herren doch recht gut voran, so war jeder Schritt allein, ein hart umkämpfter. 

    Der Weg war immer wieder mit den bekannten Pfeilen versehen, doch an einer Gabelung fehlte dieser und es kam wie es kommen musste, ich entschied mich für den falschen Weg. Im Endeffekt hieß dies einen kleinen Umweg von 2 km zu gehen, was vielleicht nicht nach viel klingt, diese zwei km sollten sich am Ende des Tages jedoch bemerkbar machen. 

    Immer wieder kam ich an kleinen Kirchen vorbei und meistens machte ich dort eine kleine Pause, um meine mit Blasen übersähten Füße zu lüften. Ab dem Moment verfluchte ich meine Schuhe, hätte ich sie doch am liebsten irgendwo stehen lassen. Doch hielf dies alles nichts lief ich weiter und endlich sah ich auch mein Ziel, die Stadt Vila do Castelo. Stück für Stück kam sie dichter, konnte mein nächstes Hostel also nicht lange auf sich warten lassen. Doch lag ich mit dieser Vermutung falsch, nachdem ich via Google Maps abscheckte, wo ich denn hin musste. Meine Unterkunft befand sich an der Kirche Santa Luzia. Da ich einen recht guten Blick über die Stadt hatte, sah ich eine Kirche, welche sich hoch oben auf einem Berg befand. Ich dachte mir, nein ich hoffte innerlich, dass es sich sicher nicht um die Kirche handeln würde. War ich wirklich so verrückt und hatte mir dort oben ein Bett reserviert?! 
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  • Day3

    Immer weiter, niemals zurück

    May 16 in Portugal ⋅ ⛅ 15 °C

    Um sechs Uhr morgens erwachte langsam, aber allmälig die Herberge. Hier ein raschelndelnder Schlafsack, dort ein raschelnder Rucksack. Einen Wecker brauchte man sich nicht stellen, wurde man, dank der anderen Pilger wach. Also fing auch ich an, meine Sachen zu packen, um mich anschließend auf den Weg zu begeben. 

    Das erste Stück führte weiter durch die Stadt Vila do Conde. Bis ich endlich wieder am Atlantik war, verging die Zeit recht schleppend. Nach einer Stunde machte sich bereits meine Uhr bemerkbar, dass ich mein Schritteziel für den heutigen Tag erfüllt hatte. Ha, wenn die wüsste, wie viele noch folgen sollten. Wieder einmal zeigte sich der Atlantik in voller Pracht. Wellen peitschten gegen die Felsen im Wasser. Auch heute ging der Weg wieder etliche Kilometer an Wasser entlang. Nur heute gingen mir die Schritte nicht so leicht von der Hand, wie am gestrigen Tag und so machte ich nach 10 km eine Pause um neue Kraft zu tanken, für die nächsten 15 km nach Esposende. 

    Als ich wieder los lief, taten mir die Füße noch mehr weh. War dies die erste Erkenntnis des Weges, nicht verharren, immer weiter vorwärts. Vorankommen, auch wenn es schwer fällt. 

    Da es sich um eine neuere Variante des Küstenwege handelt, war ein Teil noch nicht fertig gebaut. Somit führte der weitere Weg, vorbei an Gemüsfeldern, Gewächshäusern und kleinen Wäldern. Dies war mindestens genauso schön, nur stellte sich die Straße mit Pflastersteinen als ziemlich unwegsam herraus. Was ein schnelles Vorankommen für mich unmöglich machte. Immer wieder wurde ich von     älteren Herren überholt. Ich fragte mich, was sie wohl anders machen würden? Wahrscheinlich taten sie ihr ganzes Leben nichts anderes, denn so sahen sie aus. Oder hatten sie einfach einen leichteren Rucksack?! Somit stellte ich mir das erste mal auf dem Weg eine wichtige Frage. Hatte ich zu viel eingepackt?! Ich nahm mir vor, am Abend mein Gepäck neu zu "beurteilen" und notfalls am nächsten Tag via Postweg etwas in die Heimat zu schicken. 

    Als ich die Unterkunft erreichte, war die Freude groß. Endlich wieder duschen und in der Waagerechten liegen können. Dieses Mal hatte ich Glück und bekam sogar ein Bett, im unteren Bereich des Hochbett. Das heißt ich musste mich über keine schmale Leiter hoch quälen und auch musste ich mir keine Gedanken machen, wie ich wieder runter komme. Bei dem Muskelkater, den ich bereits in den Beinen verspürte ein tolles Gefühl. 

    Und nun heißt es die nächste Etappe planen. So hoffe ich, dass ich es morgen bis Viana do Castelo schaffe. Dies soll mit eine der Städte- Highlights auf dem Weg sein. Ob sie Porto topen kann, ich bin gespannt. 

    "Du musst gehen, um voran zu kommen"
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  • Day2

    O Porto, wie schön du bist!

    May 15 in Portugal ⋅ ⛅ 16 °C

    Da stand ich nun, vor der Kathedrale in Porto, mit meinem ersten Stempel im Pilgerpass. Dieser Pass ermöglichte es mir, in den Herbergen auf dem Camino die nächsten Nächte zu schlafen. Porto ist wirklich wunderschön und eine Reise wehrt. Die Altstadt, mit ihren engen Gassen und kleinen Bars/Cafes sind sehr einladend. Ich werde auf jeden Fall wieder kommen. 
     
    Da ich mein erstes Etappenziel mit fast 33 km nach Vila do Conde doch recht weit wählte, entschied ich mich mit dem Bus nach Mathosinhos zu fahren, um von da aus meine ersten Schritte auf dem heiligen Weg zu gehen. Ich sollte nicht als einzige diese Idee haben, erwartete mich dort das erste mal eine Schar von Pilgern. 
     
    Der Weg führte direkt am Atlantik entlang, verlaufen konnte man sich unmöglich. Die Sonne im Rücken, die frische Luft in der Nase und das Rauschen des Ozeans  brachten mich schnell voran. Immer wieder hielt ich inne um den riesigen Wellen beim brechen zuzusehen.
     
    Nach fünf Stunden und 23 km erreichte ich erschöpft Vila do Conde. Dass einzige, an was ich denken konnte war eine Dusche, etwas zu essen und ein Bett. Da ich eine der ersten in der Herberge war, ergatterte ich ein Bett in einem Schlafsaal, was nicht selbstverständlich ist. In der letzten Ecke, auf dem Boden schlafen oder auf einer Klappcouch ist ebenfalls keine Seltenheit. 
     
    Nach einer warmen ausgiebigen Dusche und einem Pilgermenü in der der Gaststätte um die Ecke wollte ich nur noch ins Bett. Meine Füße brannten und die ersten Blasen kamen zum Vorschein. Hatte ich mich am ersten Tag bereits übernommen?!
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  • Day1

    Ankommen!

    May 14 in Portugal ⋅ ⛅ 28 °C

    Irgendwie kam der Tag X dann doch schneller als erwartet. Saß ich morgens noch mit einer guten Freundin bei einem ausgiebigen Frühstück, so saß ich Abends mit einer mir völlig fremden Person beim Abendessen. Fragte ich mich kurz vor dem Flug, ob man mich an meiner Hose als Pilgerin entlarven könne, so war diese Hose doch gleich der Eisbrecher, für ein ausgiebiges Gespräch, mit der Fremden. Wie verrückt das ganze doch einfach war, so verrückt war auch diese Person. Naja, wohl eher etwas verpeilt, hatte sie noch weniger einen Plan vom Weg, als ich. Ob sie überhaupt nach Santiago pilgert oder doch gleich ihren Urlaub in Porto verbringt, diese Entscheidung ließ sie sich offen. Ihr Rucksack war ihrer Meinung nach eh viel zu schwer, was an dem ganzen Proviant lag,     von dem sie mir ausgiebig erzählte. Wer kann schon auf eine selbstgemachte Frikadelle verzichten?! 
     
    Nach einem ausgiebigen Abendessen und einer lieben Umarmung trennten sich unsere Wege im gemeinsamen Hostel. Es war ein aufregender Tag, mit einer netten Begegnung, die ich so schnell nicht vergessen werde.
     
    Wie ihr aus diesen Zeilen heraus lesen könnt, hat mich der Camino mit offenen Armen empfangen und ich bin voller Vorfreude, auf viele weitere Begegnungen mit liebevollen Menschen. 
     
    Danke für all die lieben Worte und Motivationen von meiner Familie, meinen Freunden, Kollegen, und vorallem von meinem Bruder (welcher mich tatsächlich zum ersten mal auf dem Weg, sogar noch in der Heimat zum heulen brachte). Ich bin froh, so tolle Menschen wie euch an meiner Seite zu haben.
     
    Eure Julia
     
    "Wenn man nicht weiß, wohin man will, so kommt man am weitesten" (William Shakesspeare)
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