• Verf🖕🖕🖕tes, besch💩💩💩enes Kroatien

    16. maj 2024, Kroatien ⋅ ⛅ 23 °C

    Kurz vor der Grenze freue ich mich noch. Ich kann die Europa-Fahne erkennen. Ist lange her und irgendwie hab ich dich vermisst. Dachte ich.
    Dann komm ich an die Grenze.
    Irgendwas verbotenes dabei? Drogen, Waffen, Messer? fragt mich der Beamte.
    Ehrlich wie ich bin sag ich ihm, daß ich ein Messer habe. Klingenlänge unter 12cm, kein Problem (aber wir sind ja nicht in Deutschland).
    Hier ist wohl jedes Messer ein Problem, aha.
    Und mein TÜV ist abgelaufen seit 6 Wochen.

    Gute Augen denke ich und Zahlen lesen kann er auch. Wird später nochmal wichtig.

    Zack er verschwindet in seinem Häuschen. Strafen fertig machen. Dauert ein bisschen länger.
    Macht 383,50€ Strafe.
    Ja ne, is klar du Homo!

    240€ für den TÜV. Ich frage ihn erstmal was ihn der deutsche TÜV interessiert und ob ich irgendwo zwischen hier und der 20m entfernten bosnischen Grenze hätte deutschen TÜV machen können. Die Frage aus Forrest Gump kommt mir in den Sinn - Entschuldigung, aber kann es sein, daß sie dumm sind? - ich kann sie glücklicherweise noch runterschlucken bevor sie meinen Mund verlässt.

    System overload, er verschwindet wieder im Häuschen und es gesellen sich immer mehr dazu, am Ende 4 Beamte der Oberliga mit geballtem Fachwissen nehme ich an.
    Eine kommt kurz raus und sagt, daß ich keine Zulassung hätte.

    Doch, hab ich. Deswegen der Fahrzeugschein, die Nummernschilder mitsamt Siegel drauf. Nur meine technische Prüfung ist abgelaufen. Das besagt der obere Babbscher hinten. Nicht wann meine Zulassung ausläuft.
    Weitere Minuten der Fachtagung beginnen.

    Irgendwann kommt Nummer 1 wieder raus. Also, die Zulassungsgeschichte lässt er unter den Tisch fallen. Ich öffne kurz den Mund um nochmal zur Erklärung anzusetzen spare es mir aber dann, da ja die Kosten vom Tisch sind.

    Das Messer macht 143,50€. Bei Barzahlung gibt's Rabbat und macht nen glatten Hunderter (einfacher zu rechnen, siehe oben). Jetzt weiß ich wo der Hase langläuft...
    Ich bekomme mehrere Formulare und eine Quittung (wahrscheinlich vom hiesigen Blaskappellenverein) auf kroatisch hingehalten, deren Unterzeichnung ich vollumfänglich verweigere.

    Nach Zahlung der 100€ darf ich trotzdem weiter fahren und verabschiede mich mit einem lauten "Welcome to Croatia and the EU".

    Immer noch aufgebracht und wohl weniger konzentriert fahre ich weiter auf einer kleinen schmalen Straße als mir ein Transporter entgegen kommt und mich von der Straße drängt. Ich lande im Graben und ausgerechnet an einer Stelle an der eine Mauer die leicht abschüssige Böschung begrenzt. Hört sich schlimm an.

    Instinktiv greife ich nach meinem Messer um den Ochsen ein Loch für ihre Nasenringe zu bohren, weg. Ach ja, bekommt ja der kleine Bruder vom Grenzbeamten zum Geburtstag.
    Gut, daß ich ihm das schönere und weitaus teurere Messer in der Kabine verschwiegen habe als ich festgestellt habe, daß Ehrlichkeit nicht belohnt wird. Lesson learned.

    Vorwärts geht nicht, rückwärts auch nicht.
    Also Luftfederung hoch pumpen, erstmalig die Boards für mich selber benutzen und dann rückwärts. Kratzt, aber geht.
    Kurze Inspektion, nix passiert. Der Unterfahrschutz (ist der sein Geld wert! ) hat Motor, Getriebe und Achse das Leben gerettet.

    Mann oh Mann...
    Völlig durch wie ich jetzt bin komme ich an die erste Maut Station. Fenster zu, also rückwärts und in die nächste Spur. Auch zu. Da sehe ich eine Dame aus Kabine 1 kommen. Also wieder rückwärts in die erste Spur.
    Ich erkläre, daß ich gerne zahlen würde.
    Sie erklärt mir, daß ich hier nur den Knopf drücken muss und dann ne Karte kommt. Bezahlt wird beim Abfahren.
    War monatelang in allen Ländern anders... Ich schäme mich, gebe ihr das zu verstehen, entschuldige mich und ihr nettes Lächeln bringt mich auch zum Lachen.
    Beim Abfahren suche ich den Kasten fürs Geld. Gibt's nicht, nur Karte.
    Stecke ich rein, nix passiert. Zweite Karte, abgelehnt. Aha. Mittlerweile 5 Autos hinter mir. Gut, daß keiner hupt. Mir steht der Sinn danach zu meinem Messer zu greifen...
    Wieder kommt eine nette Dame aus einem der wartenden Autos hinter mir und erklärt mir auf deutsch was ich tun muss. Klappt nur nicht. Ich drücke ihr 6€ in bar in die Hand und sie hält ihre Ec-Karte davor. Die geht.

    Die echt schmale und enge Offroad Anfahrt zum Nachtplatz juckt mich gar nicht mehr. Muss ich halt in jeder Kurve mehrmals rangieren. Hauptsache ich lande nicht wieder neben der Spur und falle den Berg runter.
    Ich komme auf dem Berg an einem verlassenen Dorf an. 1810 steht an einem der Häuser. Cool. Und alleine hier.
    Aber... Was für ein Wind. Richtig krass. Da ich aber so spät nicht mehr runter fahren und weitersuchen will stelle ich mich einigermaßen geschützt zwischen zwei Häuser.
    Das Dach kann ich aber hier nur öffnen wenn ich ein paar Äste absäge. Dazu muss ich aufs Dach. Bei dem Wind sehe ich mich schon den Abgang machen und mir ein Bein brechen bei meinem Glück heute. Passiert aber nicht.

    Morgen ist ein neuer Tag! Mal sehen was der so bringt.
    Der Heutige hat jedenfalls gezeigt, daß die EU und ich wohl unsere Beziehung überdenken sollten und uns eine lange Pause wohl gut tut.
    Læs mere