• Corcovado Nationalpark

    12–19 Mac 2025, Costa Rica ⋅ ⛅ 29 °C

    Nach drei Übernachtungen in Las Caletas ging es morgens um 6 Uhr mit dem Höllenboot, das sich nach zahlreicher Wiederholung gar nicht mehr höllisch anfühlt, los in Richtung Corcovado Nationalpark.
    Auf dem Weg dorthin sahen wir Buckelwale und während wir über eine Stunde entlang des Nationalparks fuhren, war ich überwältigt vor Glück und Schmerz zugleich. Zum einen erlebt man in scheinbar nicht endender Fahrt die schiere Größe des Parks und die Hügel-und Bergkuppen im frühmorgendlichen, aufsteigenden Nebel sahen wunderschön aus. Der Gedanke daran, in den vielleicht artenreichsten Ort der Erde zu fahren, wo es acht verschiedene, komplett intakte Ökosysteme gibt, ist allein schon großes Glück für mich. Zum anderen löst das Wissen darüber, dass die tropischen Länder mit ihren Wäldern und Artenreichtum die ersten Länder sein werden, die aufgrund der durch den Klimawandel steigenden Luftfeuchtigkeit und Temperaturen, nicht mehr bewohnbar sein werden, bei mir große Betroffenheit und Traurigkeit aus.

    Wir verbrachten den Vormittag rund um die Rangerstation in La Sirena, sahen alle vier in Costa Rica lebenden Affenarten (Kapuziner-, Klammer-, Totenkopfäffchen und Brüllaffen), die Fer-de-Lance-Schlange, die giftigste Schlange des Landes, die wohl größere Beute gemacht hatte und anscheinend schon seit Tagen aufgerollt zwischen den Wurzeln eines Baumes verdaute, zwei schlafende Faultiere, Vögel und Fledermäuse.

    Nach dem Mittagessen ging es mit dem Boot zur anderen Rangerstation in San Pedrillo, von wo aus unsere nette, sechsköpfige Gruppe plus Guide, die zweitägige Wanderung durch einen der besterhaltenen Primärwälder starteten. In der Beschreibung der Tour stand, dass sie uns raus aus der Komfortzone und rein ins Abenteuer bringen sollte. Wenn ich so etwas lese, denke ich, das ist bestimmt ein bisschen übertrieben und es wird schon nicht so wild werden, aber dass ich an meine Grenzen kommen würde, merkte ich dann schon recht schnell.

    Das Tempo war sehr zügig und die Steigungen erheblich, es ging beständig sehr steil über rutschigen Lehmboden nach unten, wo meist ein Fluss zu überqueren war und dann wieder sehr steil nach oben mit riesigem Schrittmaß. Über die Bäche sprangen wir oder balancierten auf Baumstämmen. Die Allgegenwart von Puma, Jaguar, giftigen Schlangen und aggressiven wilden Riesenschweinen war spürbar und für jeden Schritt war absolute Konzentration nötig. Es war sehr feucht und heiß und wir hatten nur begrenzt Trinkwasser dabei, außerdem hatte ich bestimmt noch 7 kg Gepäck dabei. Heftig!
    Am späten Nachmittag, nach vier Stunden intensiven Wanderns, tauchte fast aus dem Nichts unsere Herberge auf, wo wir von Fitzcarraldo und seinem Koch empfangen wurden. Wir waren beeindruckt von einer komplett aus Holz gebauten Ranch mit Bar, wo uns sofort Frei-Whisky und Bier gereicht wurde. Wir hatten einen witzigen Abend, waren aber komplett so erledigt, sodass wir alle bereits um 19.30 Uhr schlafen gingen. Am nächsten Morgen bekamen wir Besuch von einem Tapir, auf dem ein weißbrauner Falke saß, der dem Tapir die Zecken entfernte. Was für ein Glück- es gibt in Zentralamerika nur noch etwa 5000 Individuen.

    Der Marsch über Stock und Stein führte uns weiter zu einem wunderschönen Wasserfall und all das Krakxeln, auf allen Vieren Kriechen und in den Schlamm fallen, wurde mit einem herrlichen Bad unter dem Wasserfall belohnt.

    Am Ende unserer Tour hatten wir nicht nur unsere Grenzen erweitert, sondern auch die Urkraft aus dem jahrtausendealten Regenwald gespürt- für mich war es ein unvergleichliches Erlebnis und ein Gefühl von Öffnung, Verbundenheit und tiefer Dankbarkeit und Glückseligkeit.
    Baca lagi