Roseline Troxler

Joined July 2018
  • Day36

    Eine Woche fast wie zuhause

    February 6 in Argentina ⋅ ☁️ 12 °C

    Salta. Endlich ankommen und verweilen. Wir sind etwas erschöpft vom ersten Monat Reisen und vor allem von den Fahrten der letzten Tage. Daher sind wir froh, dass wir eine ganze Woche in Salta bleiben können. Wir haben ein Appartement etwas ausserhalb der schönen Stadt mit den vielen Kolonialbauten gemietet. Wie gemütlich es nach einer Weile ist, wieder selbst zu kochen. Zum Znacht gibt’s Älplermagronen, am Sonntag machen wir einen Brunch mit Rösti und Spiegelei und Simon holt beim Quartierbeck frisches Brot – und natürlich etwas Süsses. Wir fühlen uns in der Einzimmerwohnung mit Balkon schon bald wie Zuhause. Toll ist es auch, den Rucksack mal komplett auszupacken und alle Sachen im Schrank zu verstauen.

    Einkaufen ist im Ausland immer ein besonderes Erlebnis. Gleich gegenüber der Wohnung befindet sich ein grosser Supermarkt. Beim ersten Einkauf machen wir Bekanntschaft mit einem sehr netten, älteren Kassierer. Simon will eine Flasche Bier kaufen. Das gehe nicht, erklärt uns Lucas. Weshalb, finden wir nicht heraus. Vielleicht muss man mehr als ein Bier aufs mal kaufen, aber die Flaschen stehen einzeln im Regal. Lucas bittet dann eine andere Verkäuferin, Dosen für uns zu holen. Sie bringt zwei. Er bemerkt, dass es eine drei für zwei-Aktion gibt und schickt sie nochmals los für eine zusätzliche Hülse. Das ist Service. Die andere Kundin wartet seelenruhig hinter uns. Man braucht im Allgemeinen viel Geduld, bis man an der Kasse an die Reihe kommt. Vortritt geniessen ältere Menschen, Schwangere und Eltern mit Kindern. Für sie gibt es eine Extrakasse. Die längeren Wartezeiten an den anderen Kassen scheinen aber niemanden zu stressen. Uns fällt auch auf, dass fast alle bar bezahlen. Dem Kassierer wird jeweils ein dickes Bündel Noten übergeben, dass dieser gemächlich abzählt.

    In Salta wollen wir unser Spanisch auffrischen, respektive verbessern. In der kleinen Schule von Graciela, in der Nähe des Hauptplatzes, werden wir fündig. Wir statten spontan einen Besuch ab und sie unterzieht uns ad hoc einer Prüfung, um unsere Kenntnisse zu ermitteln. Wir sind uns so gar nicht mehr gewohnt, in einer Prüfungssituation zu sein. Dennoch ist sie uns auf Anhieb sympathisch und erscheint uns kompetent. Gar einen Master in Deutsch besitzt sie, weshalb sie für Erklärungen Parallelen zur Deutschen Sprache ziehen kann. Wir vereinbaren, während einer Woche fünf Gruppen- und zehn Einzellektionen zu nehmen. Toll ist, dass wir sehr spontan sagen können, wann wir die Stunden abhalten wollen. Locker ist der Unterricht dann jedoch nicht: Graciela und ihre Kollegin Carmen schlauchen uns ganz schön in dieser Woche. Drei Stunden pro Tag, vor allem die Einzelstunden, sind schon sehr intensiv, wenn man sich nicht mehr gewohnt ist, die Schulbank zu drücken. Wir lernen aber sehr viel von den beiden Frauen, welche schon lange in Salta leben. Nicht fehlen darf da Carmens Einführung ins Mate-Zubereiten. Das ist wirklich eine Wissenschaft für sich. So müssen die Kräuter beispielsweise schräg in den Mate-Behälter gefüllt werden und zunächst braucht es einen kalten Gutsch Wasser, bevor das gekochte Wasser sorgfältig eingegossen werden darf.

    Am Wochenende mieten wir uns in der Stadt ein Mountainbike und fahren damit nach San Lorenzo, einem Vorort, der am Fusse eines Hügels erbaut wurde. Bis wir allerdings losfahren können, werden wir in der halben Stadt herumgeschickt, von einem Anbieter zum anderen. Kaum losgefahren, wollen wir noch den Sattel und Lenker verstellen und schaffen es nicht mehr, das Ganze richtig zu fixieren. So heisst es halt: Nochmals zurück. Roseline erhält ein neues, viel besseres Velo. So kann es nun endlich losgehen. Das erste Wegstück führt leider an der Strasse entlang, aber bald geht es auf einen Veloweg etwas abseits der Strasse. Es ist sehr grün, sobald man aus der Stadt fährt. Am Weg entlang gibt es immer wieder Outdoor-Fitnessgeräte, welche wir natürlich auch ausprobieren müssen. In San Lorenzo strampeln wir hügelaufwärts, bis wir an einen Bach kommen, wo an diesem Samstagnachmittag zahlreiche Familien und Freunde picknicken, grillieren und entspannen. Uns gefällt die gemütliche Atmosphäre. So erholen wir uns zügig von den Strapazen der Velotour, haben aber kein grosses Picknick dabei, weshalb wir auf dem Weg zurück in einem schönen, gepflegten Gartenrestaurant einkehren. Es gibt leckeres, grilliertes Gemüse und ein kleiner Hund blickt uns sehnsüchtig an. Wir bezweifeln aber, dass ihm das Gemüse schmecken würde und lassen ihn darben.

    Im ländlichen Argentinien unterwegs zu sein, ohne einen Ausritt zu machen – das geht doch nicht, sagen wir uns. An einem Vormittag fahren wir nach Chicoana auf die Finca von Enrique, die von Bäumen umgeben ist. Auf der Finca arbeiten Amélie und Norwen, zwei Französinnen, für Kost und Logie. Ebenfalls mit auf den Ausritt kommen die Pariser Nicolas und Elodie. Auf unserer ganzen Reise begegnen wir überhaupt sehr vielen Franzosen. Das ergibt immer wieder sprachliche Verwirrungen zwischen Französisch, Englisch und Spanisch. Nach dem Frühstück auf der Finca werden uns die gesattelten Pferde zugeteilt. Simon erhält das Grösste und ist stolz wie Oskar. Zunächst geht es über eine breite Holperstrasse, danach auf schmaleren Pfaden an Tabakplantagen vorbei. Besonders schön ist auch die Strecke, welche durch einen Bach führt. Teils muss man sich auf den Pferden bücken, um den Kopf nicht an den Ästen der Bäume anzustossen, welche neben dem Bachbett wachsen. Die geübten Pferde sind sich ungeübte Touristen gewohnt. Ein Highlight ist dann auch ein kurzer Galopp, den wir alle, begleitet von Pferedeführer David, machen dürfen. Das sorgt für gebührenden Muskelkater. Nach dem Ausritt gibt es ein reichhaltiges Zmittag und guten Rotwein, von dem Enrique äusserst freizügig einschenkt. Nebst dem Grillfleisch überzeugt das vegetarische Essen ebenfalls, auch wenn Enrique Roseline neckt und fragt, ob das «Krankenhaus-Essen» gut sei. Enrique ist ein Original und klopft einen Spruch nach dem anderen. Doch es ist nicht nur heisse Luft: Erstaunlicherweise weiss er sehr viel über die Schweiz und kann uns beispielsweise genau sagen, wie viele Leute rätoromanisch sprechen.

    Wir sind schon etwas traurig, dass wir Argentinien nun definitiv hinter uns lassen. Nun warten erneut Chile und bald schon Bolivien auf uns. Last Minute besuchen wir in Salta noch einen Tango-Kurs. Die ältere Dame, welche uns anleitet, ist nicht gerade die geborene Pädagogin. Nebst uns zwei Touris sind noch drei junge Männer und ein älteres Paar anwesend. Mehr schlecht als recht üben wir uns in der herausfordernden Tanzart und sind dann froh, dass wir gegen Schluss immerhin eine einfache Schrittabfolge können.

    Nach einem letzten tollen Stück Fleisch für Simon und hausgemachten Ravioli für Roseline besteigen wir morgens um 1 Uhr den Nachtbus nach San Pedro de Atacama. Rund 14 Stunden Fahrt liegen vor uns.
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  • Day29

    1'300 Kilometer Richtung Norden

    January 30 in Argentina ⋅ ☀️ 25 °C

    In vier Tagen fahren wir von der Weinregion Mendoza ins nordargentinische Salta. Die Strecke besticht durch abwechslungsreiche Landschaften, schöne Städte, teils abenteuerliche Strassen und eine für uns unglaubliche Weite. Mit dem Mietauto legen wir mehr als 1’300 Kilometer zurück.

    Die schönste Strecke: Die Route 68 von Cafayate nach Salta führt durch die eindrückliche Quebrada de las Conchas, die Schlucht der Muscheln. Die Strasse wird von roten Gesteinsformationen umgeben. Teils gibt es aber auch grüne Abschnitte, welche den Fluss säumen. In der Quebrada wachsen meterhohe Kakteen und immer wieder gibt es am Strassenrand Esel zu sehen. Nebst der Route 68 fahren wir aber auch mehrere hundert Kilometer auf der Route 40. Auch diese Strecke gefällt uns sehr. Eine solche Weite ist eine ganz neue Erfahrung. Teils gibt es für eine halbe Stunde keinen Gegenverkehr und für Stunden keine Ortschaft. Da muss man aufpassen, dass der Tank immer voll ist und man genügend Wasser dabeihat. Schliesslich haben wir auch mehrere Stunden keinen Handyempfang. Wir sind froh, dass wir die Strecke ohne Panne zurücklegen konnten.

    Der schönste Zwischenstopp: Cafayate gefällt uns auf Anhieb. Wir haben eine tolle Unterkunft in einem B&B mit einem Innenhof voller Kakteen. Das Städtchen hat eine gute Grösse, gemütliche Restaurants und tolle Weine. Auf über 1’500 Meter über Meer gelegen ist Cafayate das höchste Weinanbaugebiet der Welt. Der Weisswein, ein aromatischer Torrontés, mundet uns sehr. Grossen Gefallen haben wir auch an den Empanadas (kleine Teigtaschen) gefunden, welche es in Cafayate in einem kleinen, einfachen Restaurant in diversen Varianten gibt – von Geisskäse mit Pilzen, über Tomate mit Kräutern, bis hin zu diversen Fleischvarianten.

    Das kulinarische Highlight: In der Kleinstadt La Rioja machen wir einen Zwischenhalt und essen in einem völlig überfüllten Lokal das Mittagessen. Für 15 Franken erhalten wir Gnocchi, die auf der Zunge zergehen, Kartoffeln in einer Rahmsauce, weiteres Gemüse und das Highlight für Simon: drei grosse Stück zartestes Rindsfilet.

    Der Tiefpunkt: Auf unserer Reise hatten wir bisher grosses Glück mit unseren Unterkünften. Kein besonderes Erlebnis war die Übernachtung in der Kleinstadt Jachal, irgendwo im Nirgendwo. Unser B&B ist sehr einfach und nicht gerade anmächelig. Das Frühstück ist im Preis inbegriffen. Darauf hätten wir aber verzichten können. Bereits am Abend wird uns ein Tablar ins Zimmer gestellt: Kaffee in Form eines Teebeutels, Milchpulver plus geschmacklose und sehr trockene Cracker.

    Das Abenteuer: In den Nächten auf unserer Fahrt in den Norden gibt es immer wieder kräftige Gewitter, so dass es auch am Morgen danach noch ordentlich Wasser auf der Strasse hat. Nach dem Aufenthalt in La Puerta de San José, in einer schönen Unterkunft mitten in der Pampa, geht es weiter Richtung Cafayate. Plötzlich sehen wir, dass sich in einer Senke vor uns eine Menge Wasser ihren Weg über die Strasse bahnt. Wir stellen den Wagen auf der Seite ab und schauen uns ratlos an. Nach einiger Zeit kommt ein Auto und schafft es, sich seinen Weg durch das Wasser zu bahnen. Wir beobachten einige weitere Autos und sind etwas zuversichtlicher. Denn wir wissen, wir müssen hier durch, es gibt weit und breit keine Umfahrung. Allerdings haben bisher nur SUVs, die viel höher gelegt sind als unser Auto, das Wasser durchquert. Wir warten. Zum Glück kommt dann ein ähnliches Modell wie unser Mietauto und schafft es ebenfalls ans andere Ufer. Simon als geübter Fahrer ist zuversichtlich und wir wagen das Manöver und sind erleichtert, dass es danach wieder auf trockener Fahrbahn weitergeht.

    Nach 1'300 Kilometern sind wir froh, gesund und munter sowie ohne Blechschaden und Panne in Salta anzukommen. Wir freuen uns schon sehr, zur Abwechslung mal einen längeren Aufenthalt einzulegen.
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  • Day27

    Am Velölen in der Heimat des Malbecs

    January 28 in Argentina ⋅ ⛅ 28 °C

    Auf der Fahrt von Valparaíso nach Mendoza geht es hoch hinaus: Unser Nachtbus erklimmt den Paso de la Cumbre und erreicht dabei dank mehreren Haarnadelkurven mehr als 3’800 Meter über Meer. In unserem Dämmerzustand bekommen wir das aber gar nicht richtig mit, ausser dass uns das Atmen etwas schwerer fällt. Da die Fahrt mitten in der Nacht stattfindet, verpassen wir auch den Anconcagua, den mit 6'961 Metern höchsten Berg Südamerikas. Die neunstündige Carfahrt ist nicht gerade das, was man erholsam nennt und wir kommen ziemlich gerädert in Mendoza an. Es ist morgens um 5 Uhr an einem Sonntag und wir sind froh, dass wenigstens die Taxifahrer arbeiten und wir so zum Hotel gelangen. Dort angekommen gönnen wir uns zuerst ein Frühstück und schlafen dann noch einmal ein paar Stunden. Danach sind wir wieder voller Tatendrang und erkunden die Stadt Mendoza. Was uns gleich auffällt, sind die vielen Bäume, welche die Strassen säumen. Mendoza ist eine grüne Stadt. Das zeigt sich auch am riesigen Park, in dem wir uns am Nachmittag eine Erfrischung gönnen. Das tut Not, denn es ist heiss und wir müssen uns zuerst an die Temperatur gewöhnen. Vielleicht hätten wir auch eine Siesta machen sollen, denn ausser uns sind nur wenige Leute unterwegs und die Stadt wirkt fast ein bisschen ausgestorben. Umso skurriler kommt es uns vor, als ein älterer Herr mit einer Gans durch die Stadt spaziert.

    Am nächsten Tag möchten wir eine Wine & Ride-Tour mit dem Fahrrad machen und begeben uns deshalb ins Zentrum, wo viel mehr Betrieb ist als am Tag zuvor. Die Leute sind geschäftig und auf den Strassen tummeln sich Autos und Fussgänger. Bevor wir uns auf die Weindegustation begeben, bringen wir unsere schmutzige Kleidung in eine Wäscherei. Der freundliche Inhaber kann sogar ein paar Brocken Deutsch. Die Wäschereien in Südamerika sind übrigens ganz anders, als wir es uns vorgestellt haben: Man wartet nicht Däumchen drehend neben der Waschmaschine, sondern erhält die saubere Wäsche nach ein paar Stunden oder am anderen Tag in einem Plastiksack zurück. Der Start der Weindegustation liegt etwas ausserhalb der Stadt, weshalb wir die Bahn nach Maipú nehmen. Es ist eine gemütliche Fahrt, auf der wir auch die Aussenbezirke des Ballungsraums Mendoza zu sehen bekommen. In Maipú angekommen, suchen wir den Radverleih auf und erhalten dort unsere Drahtesel. Zwar keine High-End-Bikes – wohl aber auch besser für eine Wine & Ride-Tour. Die Hitze drückt erneut und wir sind froh, dass wir bis zum ersten Stopp nur einige hundert Meter fahren müssen. In der modernen und grossen Bodega San Lorenzo wartet bereits eine Erfrischung auf uns und wir erhalten die ersten Weine zum Degustieren. Uns schmecken die Weine vorzüglich, natürlich insbesondere der Malbec, und es radelt sich danach auch etwas leichter, finden wir. Der nächste Halt lässt nicht lange auf sich warten und wir kehren im Il Mercato ein, um uns zu verpflegen. Es handelt sich um eine erst Ende des letzten Jahres eröffnete Markthalle. Wir essen dort ein sehr feines Mittagessen und unterhalten uns mit Manolo, der in der Weinverwaltung der Region arbeitet. Er ist sehr freundlich und gibt uns einige Tipps, was wir in Mendoza noch anstellen können. Gestärkt fahren wir weiter zur Bodega Familia Cecchin, die biologisch angebauten Wein produziert. Wir können uns einer Gruppe anschliessen und erhalten eine spannende Führung, bei der wir viel über die Prinzipien einer nachhaltigen Anbauweise lernen. Monokulturen sind verpönt, weshalb mitten in den Rebstöcken mitunter auch Fruchtbäume stehen können. Das erhält den Boden und verleiht dem Wein eine zusätzliche und natürliche Fruchtnote. Als Weinkenner schmecken wir das selbstverständlich heraus bei der kommenden Verkostung 😉

    Wir machen uns zu unserer letzten Station des Wine & Ride auf, bei der wir zeitgleich mit einem Paar aus Deutschland und Irland ankommen. Bei einem gut gefüllten Glas Wein (die Standardfüllmenge ist um einiges höher als in Europa) unterhalten wir uns mit den anderen Reisenden. Für uns ist es immer wieder spannend zu hören, woher die anderen Traveller kommen und was sie noch vorhaben. Interessant ist auch zu hören, wie andere Reisende unterwegs sind. Tim und Jean aus Irland etwa verbringen sechs Wochen in Südamerika und haben Argentinien und Chile bereits von der Atacamawüste im Norden bis zum südlichsten Patagonien bereist, waren auf dem Machu Picchu in Peru und haben gar die Osterinsel besucht. Das bedeutet aber auch, dass sie oft ins Flugzeug steigen müssen. Es ist toll, dass wir von ihnen viele Tipps erhalten. Gemeinsam gehen wir nach der Degustation an die Bushaltestelle. Mindestens vermuten wir, dass es eine Bushaltestelle ist. Tatsächlich kommt irgendwann auch ein Bus, der gemäss dem Fahrer nach Mendoza fährt. Wir steigen ein und tauschen uns weiter mit den Iren und dem Paar aus Deutschland aus, sind aber auch etwas geschafft vom körperlich herausfordernden Winetasting. In Mendoza machen wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Die Wahl fällt auf eine Parrilla, die sehr beliebt zu sein scheint, da fast alle Plätze besetzt sind. Wir ergattern einen Tisch und machen uns an die Bestellung. Simon ist mal wieder mutig beim Essen und bestellt eine Parrilla, bei der er nicht genau weiss, was drin ist. Es stellt sich dann heraus, dass es sich beim Gericht hauptsächlich um Innereien handelt. Wenn auch etwas gewöhnungsbedürftig, sind sie doch sehr lecker.

    Anderntags heisst es bereits wieder Rucksack packen, denn wir mieten ein Auto und wollen nach Norden fahren. Mit dem mobilen Untersatz fahren wir zuerst aber noch zum Fusse des Cerro Gloria, der uns nach einem kurzen, aber heissen Aufstieg einen wunderbaren Überblick über die ganze Region gibt. Danach lassen wir Mendoza mit zwei guten Flaschen Rotwein im Gepäck hinter uns.
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  • Day12

    Von den Alpen zu den Anden

    January 13 in Argentina ⋅ ☀️ 24 °C

    Verschneite Berggipfel soweit das Auge reicht, tiefblaue Bergseen, viel Wald und Blumen in verschiedensten Farben. Kein Wunder wollten sich deutsche Einwanderer gerade auf diesem Flecken Erde niederlassen. Offiziell gegründet wurde die argentinische Stadt Bariloche Anfang des 20. Jahrhunderts. Heute ist sie ein sehr beliebter Tourismusort– im Winter fürs Skifahren, im Sommer für diverse Aktivitäten am Wasser oder in den Bergen. In den Gründerjahren war Bariloche allerdings ein Handelszentrum. Mehrere Deutsche, welche in Chile Unternehmen gegründet hatten, lieferten Waren hierher und liessen sich vielfach auch selbst hier nieder.

    Bariloche bedeutet auf Mapuche, der Sprache des gleichnamigen indigenen Volkes, soviel wie «Menschen hinter dem Berg». Denn für uns etwas überraschend sind die deutschen Einwanderer nicht via Atlantik und durch die Pampa nach Bariloche gekommen, sondern sie besiedelten dieses Gebiet von Chile über die Anden herkommend. Der argentinische Staat gab den Einwanderern bereitwillig Land ab. Denn er wollte die indigenen Mapuche verdrängen und möglichst viel Land besiedeln. Der deutsche Einfluss stieg in Bariloche dadurch zunehmend und die deutsche Community wuchs. Es wurde eine deutsche Gemeinschaft gegründet, eine deutsche Schule eröffnet und eine Art deutscher Alpenclub – ähnlich dem Schweizer SAC ins Leben gerufen. Mehrere deutschstämmige Alpinisten und auch einige Schweizer bestiegen die Gipfel im weiten Land um Bariloche und bauten dort diverse Alphütten – genannt Refugios. Diese ähneln stark Schweizer SAC-Hütten, bieten sie doch ebenfalls Verpflegung und Schlafplätze an.

    Auf unserer Reise besuchen wir ein solches Refugio, das 1895 gegründete Refugio Frey. Von Villa Catedral aus, dem Ausgangspunkt ins grösste Skigebiet Argentiniens, geht es zunächst leicht bergan. Der schmale Pfad führt uns durch eine üppige Vegetation aus Lupinen, Amancay und diversen Sträuchern. Der Weg wird immer steiler, die Hitze drückt. Zum Glück führt der Pfad nun in den Wald hinein, über Wurzeln und Steine. Nach einer Stunde ist es mit dem schönen Schatten aber schon wieder vorbei und wir wandern nun eine gefühlte Ewigkeit steil hinauf. Wir sind etwas überrascht über den anstrengenden Weg, war dieser doch als leicht gekennzeichnet und nur drei bis vier Stunden Wanderzeit angegeben. Umso grösser ist die Freude, als wir das Refugio Frey erblicken und den wunderschönen, klaren Bergsee, auf dessen Oberfläche sich die umliegenden Gipfel spiegeln. Der kundige Muotathaler könnte sich glatt auf der Glattalp wähnen, wären die Berge nicht von einer viel rötlicheren Farbe als in der Innerschweiz. Viele erschöpfte Wanderer nutzen den Zeitpunkt für ein eiskaltes Bad. Wir selbst verzichten – auch erkältungsbedingt. Immerhin ein Fussbad gibt es – bei der einen Hälfte von uns leider, aufgrund von Gleichgewichtsproblemen, inklusive Wanderschuhen. Dies führt dann zu einer trocknungsbedingten längeren Pause in der pittoresken Landschaft. Gestärkt hoffen wir, für den Abstieg einen anderen Weg zu nutzen. Doch wir realisieren, dass unsere Ausrüstung dafür ungeeignet ist und müssen so wieder gleichenwegs ins Tal marschieren. Unter der Hitze zieht sich der Weg und wir können uns teils kaum vorstellen, dass wir das ganze Stück auf dem Hinweg mit weniger Mühe zurückgelegt haben. Umso zufriedener sind wir, als wir gestärkt mit einem Pepsi in den Bus steigen können. Unser Schrittzähler zeigt am Abend rund 37 500 Schritte an, also noch mehr als «Innä durä» (Anmerkung der Redaktion: Wunderschöne Wanderung in Muotatal). Quasi «Ussä umä».

    Alpinisten sind nicht die einzigen Schweizer, welche in der Region von Bariloche lebten. Einige Fribourger um Emilio Goye gründeten Ende des 19. Jahrhunderts die Waldgemeinde Colonia Suiza. Wie die Deutschen Handelstreibenden kamen auch sie von Chile her. Bei der Schweizer Gemeinde handelt es sich gar um die erste europäische Siedlung in der Region. Heute ist der Ort vor allem eine Touristenattraktion, böse gesagt eine etwas heruntergekommene Ansammlung von Ständen, Läden und Restaurants. Auch Heerscharen von Argentiniern, die in Bariloche gerne Ferien machen, besuchen die kleine Waldgemeinde. An die Schweizer Einwohner erinnern noch Restaurants mit den Schweizer Kantonsflaggen, einige Speisen wie «Rosti», Getränke wie Walliser Bier oder Glace mit Schweizer Schokolade, die übrigens ausgezeichnet schmeckt. Die Colonia war zwar ein interessanter Abstecher, doch für uns hat der Ort nicht mehr viel mit der Schweiz zu tun und wirkt doch eher künstlich.

    Doch zurück zu den Deutschen. Auf einer sehr interessanten Tour berichtet unser Guide, dass es vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs auch in Argentinien durchaus Sympathisanten für Hitlers Idee für ein neues Deutschland gab. Wie wir erfahren, haben die Nationalsozialisten bei Auslanddeutschen intensiv Werbung für das Dritte Reich gemacht, so sandten sie unter anderem Schulbücher nach Übersee oder unterstützten die deutschen Gemeinschaften finanziell. Hitler traf bei vielen Auswanderern einen wunden Punkt, die teils ein schlechtes Gewissen hatten, dass sie Deutschland den Rücken gekehrt hatten. Mit dem von Hitler angestrebten Grossreich sollten sie nun wieder Teil von Deutschland werden. Der neuerwachte Nationalstolz in Deutschland beflügelte viele Deutsche im Ausland, ohne dass viele sich der Tragweite der Ideologie bewusst waren. Einige waren aber von Hitlers Ideen so angetan, dass sie noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs zurück in ihre Heimat reisten. Paradoxerweise floh etwa dieselbe Anzahl an Deutschen – insbesondere Juden – nach Argentinien.

    Nach dem zweiten Weltkrieg gab es eine weitere Einwanderungswelle von Deutschen nach Argentinien. Bei einem Teil von ihnen handelt es sich auch um Nationalsozialisten, welche sich der Gerichtsbarkeit einziehen wollten. Die Tour zeigte die Spuren auch dieser Deutschen, die in Bariloche wohnten, auf sehr interessante Weise auf. Bis in die 90er-Jahre lebten sie unbehelligt in Bariloche, die Mehrzahl von ihnen unter einem neuen Namen, mit neuem Beruf und erfundener Biografie. Einer von ihnen war Erich Priebke, der als SS-Hauptsturmführer an den Massakern in den Ardeatinischen Höhlen beteiligt war und die Exekution von 335 italienischen Zivilisten überwachte. Überraschenderweise hat Priebke, angekommen in Bariloche, trotz seiner Vergangenheit schon bald wieder seinen normalen Namen angenommen. Er lebte ein ruhiges Leben im argentinischen Seengebiet, genoss ein hohes Ansehen und wurde schliesslich gar zum Schulleiter der deutschen Schule in Bariloche ernannt. 1994 änderte sich sein Leben schlagartig, als er plötzlich in den Fokus der Öffentlichkeit geriet. Vor der deutschen Schule in Bariloche wurde er von einem amerikanischen Reporter angesprochen und zu den Massakern befragt. Er nannte diesem seinen richtigen Namen und gab bereitwillig Auskunft über die Verbrechen der damaligen Zeit. Seine Verhaftung spaltete die Stadt – ein Teil war für die Auslieferung, während der andere ihn als blosses Opfer seiner Zeit sah, das die schrecklichen Befehle auszuführen brauchte, um nicht selber umgebracht zu werden. Erich Priebke wurde schliesslich nach Italien ausgeliefert, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 2013 unter Hausarrest stand. Eindrücklich war für uns, dass wir auf der Tour vor Priebkes Haus standen, in dem heute noch seine Nachfahren wohnen. Unser Guide zeigte uns noch andere deutsche Häuser. In einigen wohnten noch andere deutsche Kriegsverbrecher oder hielten sich zeitweise darin auf. Ein Gerücht, dass auch Nazi-Arzt Josef Mengele einige Monate in Bariloche lebte, konnte nie bestätigt, aber auch nicht ganz ausgeschlossen werden. Andere in Bariloche wohnhafte Nazis, unter ihnen auch solche, welche weiterhin nationalsozialistische Ideologien verbreiteten, kamen im Gegensatz zu Priebke ungeschoren davon.

    Die Spuren deutscher Einwanderer werden uns auch während unserer nächsten Stationen immer wieder begleiten. Doch zurück zu Bariloche. Die Seenregion ist einfach traumhaft, was sich auf dem Cerro Campanario bestätigt hat: So viele Seen, so viel Wald, so viel Berge. Was man allerdings braucht in Bariloche ist Geduld. Die Ortsbusse sind super günstig, aber sehr unzuverlässig und völlig überfüllt. So haben wir mehrere Stunden mit Warten verbracht (wohl definitiv nicht das letzte Mal auf unserer Reise, aber dennoch gewohnheitsbedürftig). Gewohnheitsbedürftig waren für uns auch die Bernhardiner auf dem Hauptplatz der Stadt, welche als Fotosujet dienen, und die dutzenden Schokoladenshops, welche von den argentinischen Touristen überrannt wurden. Wir haben noch die letzten mitgebrachten Lindor-Kügeli genossen und die Shops daher links liegen gelassen.
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  • Day4

    Bienvenidos a Buenos Aires

    January 5 in Argentina ⋅ ⛅ 28 °C

    Monatelang haben wir uns auf unser Abenteuer in Südamerika gefreut. Nun ist es Realität. Nach einem 15-stündigen Flug via Frankfurt und einer Busfahrt kommen wir in Buenos Aires an. Erster Eindruck: Es riecht nach Grilladen. Und es ist regelrechtes Barbecue-Wetter – um die 30 Grad Celsius und es weht ein angenehmer Wind. Die Weihnachtsdekoration, die in ganz Buenos Aires immer wieder zu bestaunen ist, wirkt da fast schon irritierend.

    Wir wurden gewarnt: Eine hektische und gefährliche Stadt. Und waren erstaunt, wie gelassen die Porteños sind, wie die Einwohner von Buenos Aires genannt werden. Überhaupt ist die Stadt viel schöner und weniger hektisch, als wir es erwartet haben. Vielleicht liegt es an der Ferienzeit, viele Argentinier geniessen über die Weihnachtstage und Neujahr die freien Tage, um ihr Land zu bereisen. Auf jeden Fall fühlen wir uns in Buenos Aires von Anfang an gut aufgehoben. Überrascht sind wir auch über die Bewohner der Stadt. Sie haben wenig gemein mit hitzigen Latinos, sind sie doch zu Beginn zurückhaltend, stolz und fast ein bisschen reserviert. Im Gespräch zeigt sich dann aber, wie freundlich, offen und hilfsbereit sie sind. Und uns scheint, als ob sie aufgrund der wirtschaftlichen Schwankungen noch mehr das Hier und Jetzt geniessen. So lohnt sich für Argentinier das Sparen kaum, wissen die Landsleute doch nie, wie sich der Peso-Kurs entwickeln wird. Die Inflationsrate lag letztes Jahr bei über fünfzig Prozent. Luana, unser Tourguide während einer Biketour, vermittelt uns diesbezüglich einen skeptischen, aber doch gelassenen Eindruck. Man sei es sich schlicht gewohnt, wenn man in Argentinien lebe und wisse nie, was die Zukunft bringe.

    Genannt wird Buenos Aires das Paris des Südens. Uns erinnerte die Stadt vor allem an Madrid – breite Strassen, schmucke Artdeco-Gebäude, von Bäumen gesäumte Alleen. Je mehr Quartiere wir kennen lernen, desto vielfältiger wird die Stadt für uns. Da ist das bunte, hektische, arme La Boca. Im Arbeiterquartier sind alle verrückt nach Fussball. Epizentrum der Verrücktheit ist la Bombonera, das Stadion des Traditionsvereins Boca Juniors, das sich mitten zwischen Häuserzeilen in die Höhe türmt. Steil sind die Zuschauerreihen angeordnet und keine zwei Meter trennen Spielfeld und Zuschauer an der schmalsten Stelle. Nicht umsonst wurde das Stadion, dessen Namen übersetzt Pralinenschachtel heisst, auch schon als Tor zur Hölle bezeichnet. So sagte der brasilianische Fussballer Romario, Weltfussballer von 1994 einst: "La Bombonera es lo más cercano al infierno".

    Einen krassen Gegensatz zu La Boca bildet Recoleta, wo hübsche Strassencafés, vornehme Häuser und teure Boutiquen auf den Besucher warten. Eindrücklich war auch der Friedhof von La Recoleta, eine Art Miniatur-Stadtteil, wo in Mini-Kapellen Berühmtheiten von Buenos Aires bestattet wurden. Nicht fehlen darf da natürlich das Grab von Eva Duarte de Perón, genannt Evita. Die ehemalige und einflussreiche Präsidentengattin ist bis heute umstritten bei den Argentiniern, gleichzeitig aber omnipräsent in Buenos Aires.

    Besonders erstaunt an der argentinischen Hauptstadt hat uns Puerto Madero, das Quartier rund um den Hafen von Buenos Aires. Mit den Backsteinbauten, den modernen Hochhäusern, hippen Restaurants und Hafenkränen wähnten wir uns hier in Hamburg oder einer anderen nordischen Stadt – aber sicher nicht in Südamerika.
    Am wohlsten fühlten wir uns aber in Palermo, unserer Hood, in der wir unsere Unterkunft hatten. Hier gab es diverse schöne Restaurants, welche draussen Tische deckten, viele Bäume, welche Schatten spendeten und Strassenzüge mit farbenfrohen Gebäuden. Bis spätabends konnte man hier gemütlich bei feinem Essen und einem Glas Malbec draussen sitzen.

    Zurück zum Fussball. Die Stadt ist diesbezüglich zweigeteilt. Im Südosten und bei den Arbeitern geht nichts über Boca Juniors, während in den vornehmeren Gegenden im Nordwesten der Verein River Plate dominiert. Als wir Buenos Aires erkundeten, fand keine Partie statt, weshalb wir leider nicht den ganzen Spirit erleben konnten. Die Vereinsfarben rund um La Bombonera liessen uns aber erahnen, mit welchem Eifer die Argentinier den Fussball zelebrieren.

    Fussball ist eine grosse, aber nicht die einzige Leidenschaft der Porteños. Die zweite grosse Leidenschaft ist der Tango. Zwar scheiden sich die Geister, ob er in Uruguay oder in Argentinien seinen Ursprung fand, doch für die Argentinier scheint der Fall klar zu sein. Die leidenschaftliche Tanzform, die melancholischen Melodien und die feurigen Rhythmen haben uns in ihren Bann gezogen. Auf die Spitze getrieben haben die Porteños ihr Können bei einer Show im Centro Cultural de Borges im Microcentro von Buenos Aires.

    Und da ist ja auch noch Asado. In den Parilladas erwarten einen gigantische Fleischbrocken. Simon wurde damit vorzüglich verpflegt – und war von der schieren Menge teils gar etwas überfordert. Doch Roseline (spanisch: Rosalín) kann beruhigen. Auch als Vegetarierin lässt es sich in Buenos Aires vorzüglich speisen. So gibt es feine Gnocchi, Nudeln oder Crêpes.

    Die vierte Leidenschaft war für uns dann doch eher überraschend: Hunde – in allen Rassen, Grössen und Variationen. Die Porteños lieben ihre Hunde. Gefühlt jeder zweite Einwohner führte einen Hund an der Leine oder – und das wurde mehrfach gesichtet – trug diesen wie einen Säugling durch die Strassen von Buenos Aires. Hundecoiffeurs müssen in der Stadt ein Vermögen machen. Denn häufig waren die Vierbeiner besser frisiert als ihre Herrchen und Frauchen. Aber weshalb die Hunde selbst spazieren führen, gibt es in Buenos Aires dafür doch unzählige Dog Sitter. Bis zu zwanzig Vierbeiner haben sie gleichzeitig ausgeführt.

    Kurz zusammengefasst. Wir vermissen Buenos Aires jetzt schon – vielleicht auch im Wissen, dass es von nun an tendenziell lauter, hektischer und dreckiger wird. Wir haben die Stadt aber in vollen Zügen genossen: Bei einer Velotour in den grünen Lungen der Stadt, bei der Tangoshow, bei diversen feinen Essen wie leckerem Asado, beim Yoga auf unserem Balkon, beim Schlendern durch die abwechslungsreichen Quartiere oder bei Gesprächen mit unseren Taxifahrern.

    Nun geht es – abweichend von unseren Plänen – weiter nach Uruguay. Wir sind gespannt auf Montevideo.
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