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  • Day3

    Stettin, Camping Marina

    May 20 in Poland

    Bilderbuchwetter. Noch vorm Aufstehen und im Schlafanzug stelle ich die Stühle in die Sonne und koche Kaffee. Es ist 7.30 Uhr am Sonntag. Das ist sonst nicht wirklich meine Zeit, um aufzustehen. Aber der Sonnenschein muss ausgenutzt werden. Deshalb starten wir gleich nach dem Frühstück eine Radtour durch die nähere Umgebung, zum Strand und in das umliegende Naturschutzgebiet. Als wir an der Kirche vorbeikommen, ist der Kirchhof schwarz vor Menschenmassen. Der Gottesdienst ist gerade aus. Menschen in Sonntagskleidung strömen immer noch aus der Kirche. Davon würde in Deutschland so mancher Pastor träumen, so viele Menschen im sonntäglichen Gottesdienst. Dann aber sehe ich die weißen Mädchen, die mit ihren Blumensträußen und Schleiern wie kleine Bräute aussehen. Ich muss mich korrigieren. Es ist Kommunion Gesellschaft und da sind auch bei uns die Kirchen bis auf den letzten Platz besetzt. Heute sind alle Läden geschlossen. Selbst Carfour, der sonst 7 Tage lang 24 Stunden geöffnet hat, hat heute die die Jalousien heruntergelassen. Wir fahren weiter und suchen den Strand. Dabei geraten wir immer tiefer in das Naturschutzgebiet. Kein Weg zum Fahrrad fahren. Staubige Lehmwege mit ausgefahrenen Rillen und tiefen Löchern. Und trotzdem brettern hier Autos an uns vorbei. Es gibt überall kleine Datschen, aber einen Strand ... Fehlanzeige. An den Straßen merkt man, dass man in Polen ist. Entweder sind sie vom Feinsten oder Buckelpiste. Meist löst das Eine das Andere abrupt ab. Google sagt, dass wir vollkommen falsch sind. So fahren wir zurück und finden wenig später den Strand, der sich als ein für diese Zeit gut frequentiertes Strandbad herausstellt. Einkehren, um etwas zu trinken, ist nicht. Der Kiosk, dem die Verköstigung der Badegäste obliegt, hat ebenso wie die Kasse noch geschlossen. So fahren wir nach einer kleinen Pause zurück und kehren in der Taverne am Campingplatz ein. Hier ist gerade Ankunft einer Kommunion Gesellschaft, die zum Essen gekommen ist. Wenn wir etwas essen wollten, müssen wir 1 1/2 Stunden warten. Sagt man uns. Wir wollen nur etwas trinken nach der Tour. Ich bestelle mir mein erstes polnisches Bier. Schmeckt lecker, sorgt aber beinah dafür , dass meine Nachmittagspläne einem ausgiebigen Mittagsschlaf zum Opfer fallen.

    Am Nachmittag möchte ich mit dem Bus in die Altstadt ,"Stare Miastro" von Stettin "Szczecin" fahren, dass habe ich mir schon am Morgen vorgenommen. Michael hat keine Lust auf "Pflaster treten" bei dem tollen Wetter. So stürze ich mich allein in das Abenteuer Stadtbesichtigung. An der Haltestelle habe ich mir bereits am Vormittag den QR Code eingescannt. Der führte mich auf eine Seite, auf der ständig die Abfahrtszeiten der verschiedenen Linien von der Haltestelle "centrum żeglarstwa", das ist die Haltestelle vorm Camp, angezeigt werden. Sehr praktisch. Ein Blick aufs Handy und man weiß, wann der nächste Bus fährt.Der Bus kommt pünktlich, aber ich kann nirgendwo bezahlen. Im Gespräch erfahre ich von einer netten Mitfahrerin, dass man die Tickets vorher kaufen muss. Im Bus werden sie dann nur entwertet. Oh je. Jetzt bin ich also eine Schwarzfahrerin. Schwarz fahren kostet 60 Euro informiert mich die junge Frau. Ich erkundige mich, wo ich in der Stadt ein Ticket für die Rückfahrt kaufen kann und bekomme gesagt, dass würde heute schwierig werden, weil die kleinen Shops, die die Tickets verkaufen, alle geschlossen haben. Es gibt auch Automaten für Kreditkarten, aber die funktionieren meist nicht. Ich bin erleichtert als der Bus endlich in der Altstadt an der Oderbrücke angekommen ist. Meine Mitfahrerin nimmt mich mit an die Oder-Pomenade, wo gerade richtig was los ist. Menschen sitzen in den Cafes und Restaurants im Sonnenschein und schauen den Booten und Schiffen auf der Oder zu. Eine Gruppe junger Leute hat zwei Verstärker aufgestellt und tanzt auf dem schmalen Holzsteg am Wasser. Schick angezogene Menschen flanieren auf der Promenade. Ich lasse mich mit dem Strom der Menschen mitziehen und gerate unversehens in einen großen Pflanzenmarkt, der sich auf der Promenade oberhalb der Terrassen entlangzieht. Neben Pflanzen und Blumen aller Ar,t werden auch alle erdenklichen polnischen Spezialitäten angeboten, Ein leckerer Geruch nach Gebratenem hängt in der Luft. Ich finde einen Stand mit Erdbeeren, die ich gleich mitnehme. Kleines Mitbringsel für meinen Erdbeer süchtigen Mann. Ich schlendere weiter durch die Altstadt und entdecke die roten Kreise mit den Zahlen, denen ich folge. Die rote Linie führt mich zu allen Sehenswürdigkeiten der Altstadt und die Nummern erklären mir auf dem Stadtplan, den ich im Camp erhalten habe, welche der Sehenswürdigkeiten ich gerade vor mir habe. Im Schloss folge ich unauffällig einer Reisegruppe und höre für kurze Zeit den Anekdoten des Reiseführers zu. Plötzlich taucht ein kleiner Platz mit wunderschönen farbigen Häusern auf. Der Heumarkt. Auch hier sitzen die Menschen im Sonnenschein.Nach 2 Stunden bin ich wieder Ausgangspunkt meiner Besichtigung an der Oderbrücke. Da war doch noch was! Ach ja! Ich brauche noch ein Ticket für den Bus. Die kleinen Shops sind wirklich alle geschlossen. Aber ich entdecke die Haltestelle für den Bus. Die Linie C fährt in 10 Min zurück. Wieder schwarz fahren oder lieber ein Taxi nehmen, die hier massenweise herumfahren? Da entdecke ich einen kleinen Zigarettenkiosk und versuche mein Glück. Mit "Ticket" kann die ältere Frau darin nichts anfangen. "Billetti" sagt eine Frau neben mir. Ein Aufleuchten geht durch die Kiosk-Betreiberin. Nun will nur noch von mir wissen wohin, wenn ich Worte und Gesten richtig deute. Mit "Dalbie" kann sie was abfangen, auch wenn ich es wohl falsch ausgesprochen habe. Kurze Zeit später sitze in in der Linie C mit einem gültigen Ticket
    und beobachte ein klein wenig entspannter, den hoffnungslosen Versuch eines Mannes, ein Busticket mit der Kreditkarte dem Automaten zu entlocken. Jetzt muss ich nur noch an der richtigen Haltestelle aussteigen, denke ich, als sich der Bus in Bewegung setzt. Ach ja. Der hält ja nur, wenn man drückt. Hätte ich mal besser auf die Gegend geachtet, anstatt zu quatschen. Aber dann erkenne ich die Gegend um das Camp doch wieder. Ich drücke; der Bus halt, ich bin zurück und weiß jetzt genau wie das Bus fahren in Stettin funktioniert. Michael freut sich über seine Erdbeeren und bei einem Essen auf der Terrasse der Taverne mit einem schönen Sonnenuntergang, schildere ich ihn meine Erlebnisse.
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